Steine des Anstoßes – Biografien und Stolpersteine für NS-Opfer in Koblenz


Zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus in Koblenz zeigte der Förderverein Mahnmal Koblenz in Kooperation mit der Christlich-Jüdischen Gesellschaft, dem Kulturamt der Stadt Koblenz und dem Landeshauptarchiv Koblenz die Ausstellung „Steine des Anstoßes – Biografien und Stolpersteine für NS-Opfer in Koblenz“ im Landeshauptarchiv.

Zu den diesjährigen Veranstaltungen zum nationalen Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus am 27. Januar standen Opfer im Mittelpunkt, für die in Koblenz „Stolpersteine“ verlegt wurden.

Seit mehr als 10 Jahren veröffentlicht der Förderverein Mahnmal für die Opfer des Nationalsozialismus in Koblenz e.V. Biografien und hält damit die Erinnerung wach an von den Nazis diskriminierte, kriminalisierte, geschundene und ermordete Mitbürger. Die Erinnerungsarbeit begann 1998 durch mehrere Artikelserien in der Rhein-Zeitung und fand einen ersten Höhepunkt in der Errichtung des Mahnmals auf dem Reichensperger Platz im Jahr 2001. Das Gedenken setzte sich ab dem Jahr 2001 fort in Vortragsreihen bei der VHS Koblenz. Seit dem Jahr 2003 präsentiert der Verein mit wechselnder Thematik Ausstellungen mit Porträts von ca. 70 NS-Opfern. Hinzu kommen Vorträge, Zeitzeugengespräche, selbst produzierte Videofilme u.a.m. Vieles davon ist jederzeit und an jedem Ort abrufbar auf der sehr umfangreichen und gerade neu gestalteten Homepage des Fördervereins: www.mahnmalkoblenz.de. Erst vor wenigen Wochen ergänzte der Förderverein die Ausstellung „Vergessen heißt Verbannung, Erinnern ist der Pfad der Erlösung“, in der Aquarelle von Teofila Reich-Ranicki im Oberlandesgericht Koblenz gezeigt wurden, mit Biografien jüdischer Opfer aus Koblenz und Umgebung.

Zum diesjährigen Gedenktag widmete der Förderverein Mahnmal eine neue Ausstellung der auch von ihm mitgetragenen „Stolperstein“-Aktion. Seit dem nationalen Gedenktag für die NS-Opfer am 27. Januar 2007 werden in Koblenz „Stolpersteine“ verlegt. Diese sind ein Projekt des Kölner Künstlers Gunter Demnig. Die ersten Stolpersteine verlegte er 1997 in Berlin-Kreuzberg noch ohne Genehmigung. Inzwischen liegen in ganz Deutschland ca. 14.000 Steine in über 300 Städten und Gemeinden. Auf den Stolpersteinen stehen Name und Jahrgang der Opfer, die Tod bringende Maßnahme (etwa Deportation, Einweisung in eine Tötungsanstalt oder Konzentrationslager) sowie Datum und Ort ihres Todes bzw. die Angabe „verschollen“. Demnig graviert diese Angaben in Gedenktafeln aus Messing ein, verbindet sie mit Beton und verlegt sie zumeist am letzten selbst gewählten Wohnort des Opfers in den Bürgersteig.

Bei der ersten Aktion am 27. Januar 2007 in Koblenz wurden 19 „Stolpersteine“ verlegt – in der Innenstadt, aber auch in Immendorf, Metternich, Güls und auf der Karthause. Noch im selben Jahr, am 24. November 2007, folgte die zweite Verlegeaktion mit 26 „Stolpersteinen“. Schwerpunkt war wiederum die Innenstadt, Verlegungen gab es aber auch in der Südlichen Vorstadt und im Rauental.

Diese beiden Aktionen mit insgesamt 45 verlegten „Stolpersteinen“ und eine vorgesehne dritte Aktion nahm der Förderverein Mahnmal Koblenz zum Anlass für die jetzige Ausstellung. Darin werden Opfer, denen mit „Stolpersteinen“ gedacht wird, mit ihrer umfänglichen Biografie präsentiert. Unter Einschluss der dritten Verlegeaktion wurden in der Ausstellung insgesamt 16 Porträts gezeigt: Das jüdische Mädchen Hannelore Hermann mit ihren Eltern (Johannes-Müller-Straße 6), der Jesuitenpater Dr. Albert Maring (Roonstraße 5), der jüdische Rechtsanwalt Dr. Isidor Treidel und seine Frau Erna (Mainzer Straße 10), das kommunistische Ehepaar Andreas und Anneliese Hoevel (Trierer Straße 97), der Behinderte Karl Heinrich Spiegel (Pfuhlgasse 6), die ukrainische Zwangsarbeiterin Lydia Gritzenko (Hüberlingsweg 43), die jüdische Juristenfamilie Brasch (Rizzastraße 40), die katholische Frau Anna Speckhahn (Moselweißer Straße 32), der Behinderte Alois Gass (Salierstraße 115), die jüdischen Geschwister Appel (Kastorhof 4 und Kastorstraße 23), der kommunistische Buchhändler Richard Christ (Neustadt 23), die jüdischen Eheleute Dr. Edwin und Julie Landau (Deinhardplatz 4), der Behinderte Edmund Zimmer (Frankenstraße 13) und der jüdische Staatsanwalt Dr. Georg Krämer (Bismarckstraße 6b).

Die Ausstellung wurde in Kooperation mit Christlich-Jüdischen Gesellschaft für Brüderlichkeit, dem Kulturamt der Stadt Koblenz und dem Landeshauptarchiv Koblenz in der Karmeliterstraße 1 – 3 gezeigt. Das Landeshauptarchiv, als „Gedächtnis“ der staatlichen Behörden im nördlichen Rheinland-Pfalz, ergänzte die Ausstellung noch mit eigenen Exponaten.

Begleitet wurde die Ausstellung von drei Veranstaltungen:
Der 3. Verlegeaktion von „Stolpersteinen“ durch den Kölner Künstler Gunter Demnig in Koblenz am Dienstag, dem 20. Januar 2009
(Beginn gegen 13.00 Uhr am Deinhardplatz 4, Oberverwaltungs- und Verwaltungsgericht Koblenz),
dem Vortrag „Euthanasie“-Opfer in Koblenz von Dr. Georg Lilienthal, Leiter der Gedenkstätte Hadamar, am Montag, dem 2. Februar 2009, 17.30 Uhr im Landeshauptarchiv und dem Stadtrundgang zu den Gedenksteinen mit Hans-Peter Kreutz, Geschäftsführer der Christlich-Jüdischen Gesellschaft für Brüderlichkeit Koblenz, am Sonntag, dem 8. Februar 2009, 15.00 Uhr (Treffpunkt: Hauptportal der Basilika St. Kastor, Kastorhof).



Gedenkstunde für die Opfer des Nationalsozialismus in Koblenz am 27. Januar 2009

 

Die öffentliche Gedenkstunde der Stadt Koblenz für die Opfer des Nationalsozialismus begann mit einer Statio am Mahnmal auf dem Reichensperger Platz. Sie wurde um ca. 18.00 Uhr fortgesetzt in der Christuskirche, dort sprachen Oberbürgermeister Dr. Eberhard Schulte-Wissermann und der Vorsitzende des Fördervereins Mahnmal Kalle Grundmann. Ein christlich-jüdisches Gebet mit Vertretern der christlichen Kirchen und der jüdischen Kultusgemeinde beendete die Gedenkstunde.

 

 

 

 

Veranstaltende:
Förderverein Mahnmal für die Opfer des Nationalsozialismus Koblenz,
Freundeskreis Koblenz – Petah Tikva,
Christlich-Jüdische Gesellschaft für Brüderlichkeit Koblenz,
Ausländerbeirat der Stadt Koblenz,
Kulturamt der Stadt Koblenz

 



Pressebericht:

"Steine des Anstoßes"

Stolpersteine für Opfer des Nationalsozialismus
Eine Ausstellung über Koblenzer NS-Opfer im Landeshauptarchiv vom 19. Januar bis 16. Februar

Ein Pressebericht von "Blick aktuell" - Koblenz Nr. 03/2009

Das Original lesen Sie bitte HIER einen lesbaren Screenshot finden Sie HIER


Zur Verlegung der neuen Stolpersteine ein Presseartikel der Rhein-Zeitung vom 21. Januar 2009.

HIER lesen.


"Die Erinnerung muss lebendig bleiben"

Ein Bericht zum 27. Januar in "Blick aktuell" Ausgabe Koblenz Nr. 05/2009

Den direkten Link lesen Sie HIER - wenn der Artikel nicht mehr verfügbar sein sollte lesen Sie bitte den Screenshot im PDF-format HIER


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