Kurze Geschichte der Ausstellung: "Opfer des Nationalsozialismus aus Koblenz und Umgebung”


Die Dauerausstellung des Fördervereins besteht zurzeit (Ende Juli 2011) aus insgesamt 94 Personentafeln mit Kurzbiografien von NS-Opfern aus Koblenz und Umgebung. Diese Tafeln hat der stellvertretende Vorsitzende des Vereins Joachim Hennig seit Ende 2002 erarbeitet.
Geboren wurde die Idee für eine solche Ausstellung aber schon früher. Sie entstand bei den Arbeiten für den regionalen Teil der Wanderausstellung der Zeugen Jehovas, die Anfang Mai 2001 in Koblenz im Kurfürstlichen Schloss gezeigt wurde. Im Vorfeld wurde der stellvertretende Vorsitzende des Fördervereins Joachim Hennig von Frau Annemarie Jakob von der Versammlung Koblenz Nord der Zeugen Jehovas angesprochen. Sie wollten die Ausstellung "Standhaft trotz Verfolgung - Jehovas Zeugen unter dem NS-Regime" hier präsentieren und sie um einen regionalen Teil mit Biografien von Zeugen Jehovas aus Koblenz ergänzen (lassen). Joachim Hennig erklärte sich zur Erarbeitung bereit. Die Arbeit war in dieser Form aber nicht zu realiseren, weil es in der NS-Zeit in Koblenz noch keine Versammlung von Zeugen Jehovas und auch noch nicht einmal einzelne Zeugen Jehovas gab. Das Projekt drohte - trotz guten Willens von allen Seiten - zu scheitern. Da kamen die Macher überein, im regionalen Teil der Ausstellung die Stätten der Verfolgung in Koblenz zu zeigen und davon ausgehend, die Schicksale von Zeugen Jehovas aus der Umgebung darzustellen, die in Koblenz verfolgt wurden. So entstand ein ansprechender regionaler Teil zur Ausstellung der Zeugen Jehovas, die dann mit großem Erfolg im Kurfürstlichen Schloss zu Koblenz gezeigt wurde. Hierzu hielt Joachim Hennig auch einen Fachvortrag.
Der Erfolg dieser Ausstellung war dann Anlass für Joachim Hennig, das Konzept einer Ergänzung einer Wanderausstellung durch regionale Biografien weiterzuverfolgen und so nach und nach eine eigene Ausstellung mit Biografien von NS-Opfern aus Koblenz und Umgebung zu schaffen.
Die Chance dazu bot die Ausstellung des Studienkreises deutscher Widerstand "Frauen im Konzentrationslager". Hier wurden 51 Kurzbiografien von Frauen sehr eindrucksvoll präsentiert. Diese Ausstellung holte der Förderverein Mahnmal für den nationalen Gedenktag am 27. Januar 2003 nach Koblenz. Inspiriert durch die Wanderausstellung erstellte Joachim Hennig dann Ende des Jahres 2002 die ersten 12 Personentafeln von NS-Opfern - Frauen aus Koblenz und Umgebung, die ebenfalls in Konzentrationslager verschleppt worden waren. Diese Biografien wurden zusammen mit der Wanderausstellung des Studienkreises deutscher Widerstand im Januar 2003 im Haus Metternich in Koblenz gezeigt.
Im Laufe des Jahres 2003 hat der Förderverein diesen regionalen Teil um eine Einführungstafel ergänzt und zu der hier auszugsweise gezeigten Dauerausstellung verselbständigt. Noch im selben Jahr hat man die Ausstellung um einige Kurzbiografien von Männern aus der Region ergänzt.
Ende 2003 hat Joachim Hennig weitere 12 Personentafeln über Kinder und Jugendliche als regionalen Teil zur Wanderausstellung von Martin Guse „Wir hatten noch gar nicht angefangen zu leben“ erarbeitet; die Ausstellung mit regionalem Teil war dann zum 27. Januar 2004 in Koblenz zu sehen. Aus Anlass der 60. Wiederkehr des 20. Juli 1944 wurden sieben Tafeln mit Biografien von Widerständlern aus Koblenz und Umgebung erarbeitet und in die Dauerausstellung integriert.
Zum 27. Januar 2005 hat Herr Hennig 11 neue Tafeln, vor allem mit jüdischen Opfern, die in die Vernichtungslager des Ostens verschleppt wurden, erarbeitet. Der Förderverein hat diese und weitere Personentafeln dann erstmals in einer eigenen Ausstellung mit dem Titel: „Es war eine Fahrt durch die Hölle“ in der Sparkasse Koblenz gezeigt.
Eine weitere, wesentliche Ergänzung hat die Ausstellung zum 27. Januar 2006 erfahren. Zu diesem Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus hat Herr Hennig 12 neue Porträts von Opfern des Nationalsozialismus erarbeitet. Porträtiert werden Personen, die trotz Verfolgung die Zeit des Nationalsozialismus überlebt und nach der Befreiung Beispielhaftes geleistet haben, die beim demokratischen Aufbau des neuen Landes Rheinland-Pfalz mitgearbeitet oder in anderer Weise im gesellschaftlichen, künstlerischen u.ä. Bereich herausragend tätig waren. Zusammen mit den bereits zu dieser Thematik vorhandenen Personentafeln wurden diese Porträts zum 27. Januar 2006 unter dem Titel "'Wir können nur vorwärts, denn hinter uns ist der Tod.' - NS-Opfer aus der Region Koblenz und Neuanfang vor 60 Jahren" als eigenständige neue Ausstellung des Fördervereins Mahnmal Koblenz im Bischöflichen Cusanus-Gymnasium in Koblenz gezeigt.
Diese Ausstellung des Fördervereins wurde dann noch aktualisiert und zum Gedenktag am 27. Januar 2007 im Landtag des Landes Rheinland-Pfalz in Mainz gezeigt. In der am 27. Januar 2007 anberaumten Sondersitzung des Landtages im Plenarsaal erstattete der Vorsitzende des jüdischen Kultusgemeinde Koblenz und Überlebende des Holocaust Dr. Heinz Kahn seinen Zeitzeugenbericht. Dieser Bericht und das vom Landtag präsentierte Begleitprogramm zur Ausstellung (u.a. mit einem Vortrag von Joachim Hennig über den Koblenzer NS-Gegner Dr. Ernst Biesten) sind dokumentiert in Band 34 der Schriftenreihe des Landtages Rheinland-Pfalz: Veranstaltungen zum Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus 2007, der beim Referat für Öffentlichkeitsarbeit des Landtages kostenlos bezogen werden kann.
Aus Anlass des 10jährigen Bestehens des Fördervereins zeigte er diese Ausstellung im Monat September 2007 auch in der Florinskirche in Koblenz.
Die zum 27. Januar 2008 im Landesbibliothekszentrum Rheinland-Pfalz in Koblenz gezeigte Ausstellung zur Zerschlagung der Gewerkschaften im Jahr 1933 "... gerade Dich, Arbeiter, wollen wir!" ergänzte der Förderverein um die Biografien von neun frühen Gegnern des Nationalsozialismus aus Koblenz und Umgebung. Diese Personentafeln gehörten schon zum Bestand der Dauerausstellung und haben deshalb zu keiner Vergrößerung der Ausstellung geführt.
Im Rahmen der von zahlreichen Initiativen aus Koblenz getragenen Veranstaltungen zur 70. Wiederkehr der Novemberpogrome von 1938 veranstaltete der Förderverein im Oktober/November 2008 in Kooperation mit dem Oberlandesgericht Koblenz eine Ausstellung mit Aquarellen von Teophila Reich-Ranicki und 16 Biografien jüdischer NS-Opfer aus Koblenz und Umgebung. Hierzu erstellte Joachim Hennig drei weitere Personentafeln mit NS-Opfern - jüdischen Juristen aus Koblenz.
Die Ausstellung zum 27. Januar 2009 im Landeshauptarchiv Koblenz stand unter dem Motto "
Steine des Anstoßes – Biografien und Stolpersteine für NS-Opfer in Koblenz" Hierzu erarbeitete der Förderverein fünf neue Personentafeln, auf denen NS-Opfer aus Koblenz, für die ein Stolperstein verlegt wurde, porträtiert wurden. Sie bildeten zusammen mit den schon vorhandenen Personentafeln eine größere Ausstellung mit Biografien von Menschen aus Koblenz, an die sowohl in der Dauerausstellung des Fördervereins als auch mit Stolpersteinen gedacht wird.
Zum "Zug der Erinnerung", der Anfang März 2009 für drei Tage in Koblenz Station machte, steuerte der Förderverein 16 Porträts von Kindern und Jugendlichen aus Koblenz und Umgebung als regionalen Teil. Dafür erstellte er eine Personentafel neu.
Zu jeder Tafel gibt es eine Lesemappe mit ergänzenden Informationen. Die Dauerausstellung wird im Kurt-Esser-Haus in Koblenz gezeigt. Die Tafeln können - z. B. nach Themengruppen wie Widerstand, religiöse Verfolgung, Verfolgung von Frauen, Verfolgung von Jugendlichen, Neuanfang vor 60 Jahren sowie nach Orten der Verfolgung - ausgeliehen werden.

Inzwischen hat der stellvertretende Vorsitzende des Fördervereins Mahnmal Koblenz einen neuen und eingehenden systematischen Überblick über den Widerstand in Koblenz und Umgebung veröffentlicht:
Joachim Hennig: Widerstand gegen den Nationalsozialismus im Koblenzer Raum, in:
Jahrbuch für westdeutsche Landesgeschichte, 31. Jg, 2005, S. 381 – 423.
Dieser Beitrag ist eine wertvolle Ergänzung zu den in der Dauerausstellung porträtierten Opfern des Nationalsozialismus.