Anneliese Hoevel

Der Roman “Nackt unter Wölfen” wurde ihr “Denkmal”

Die politischen Gegner der Nationalsozialisten aus der "Kampfzeit" - Kommunisten, Sozialdemokraten und Gewerkschafter - wurden von Beginn der Naziherrschaft an hart und brutal verfolgt. Am schlimmsten traf es die Kommunisten. Das Ehepaar Andreas (Andre) und Anneliese Hoevel gehört zu den ganz wenigen Widerstandskämpfern, die während der NS-Zeit in Koblenz gelebt haben. Als beide im Sommer 1939 hierher umzogen, hatten sie schon in Zuchthäusern und Konzentrationslagern gelitten.
Der im Jahr 1900 in Pallien (heute: Trier-Pallien) geborene Andre und die 1898 in Köln-Nippes geborene Anneliese Hoevel lernten sich Ende der 20er Jahre in Berlin kennen. Nachdem Andre in der Buchhaltung bei Opel in Rüsselsheim eine Anstellung gefunden hatte, zogen beide nach Wiesbaden. Im Zuge der Weltwirtschaftskrise schärften beide ihr politisches Bewusstsein.
Bald war Andre Mitglied und örtlicher Funktionär der KPD; auch Anneliese trat der KPD bei. Zeitgleich mit der "Machtergreifung" wurde Andre aus politischen Gründen von Opel entlassen. Neun Jahre Kampf und Verfolgung nahmen ihren Anfang. Andre floh zunächst in das von den Franzosen besetzte Saargebiet. Noch während seines Aufenthalts dort wurde Anneliese im September 1933 wegen illegaler Tätigkeit für die inzwischen verbotene KPD verhaftet und bis Februar 1934 in "Schutzhaft" im Frauen-KZ Moringen gehalten.
Wenig später verhaftete man Andre bei dessen Rückkehr nach Wiesbaden, und das Oberlandesgericht Kassel verurteilte ihn als "politischen Instrukteur" für die KPD wegen Hochverrats zu einer Freiheitsstrafe. Während er die Strafe in Hameln verbüßte, wurde Anneliese erneut verhaftet und wegen illegaler Tätigkeit für die KPD zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt. Kurz nach seiner Haftentlassung Mitte 1935 wurde Andre erneut in Haft genommen. Diesmal wurde er einfach ohne Urteil in mehreren KZs (Esterwegen, Sachsenhausen und Buchenwald) in "Schutzhaft" genommen. Unterdessen hatte Anneliese ihre Strafe verbüßt, sie wurde aber auch nicht freigelassen, sondern erneut ins KZ Moringen und später ins KZ Lichtenburg verschleppt.
Zu Weihnachten 1938 entließ man Andre aus dem KZ Buchenwald und zu "Führers Geburtstag" 1939 Anneliese aus dem KZ Lichtenburg. Von Berlin zogen beide im Sommer 1939 nacheinander nach Koblenz. Ursache war der plötzliche Tod von Andres Schwager, Peter Heep, der in Metternich einen Obst- und Gemüsehandel hinterliess. Andre übernahm das Geschäft.
Von Koblenz aus knüpften beide wieder Kontakte zu alten Freunden. Ihre Wohnung wurde ein Treff Gleichgesinnter. Die Kontakte reichten in den Rheingau, nach Düsseldorf, Duisburg und Berlin. Neben der Erhaltung der eigenen Identität und Überzeugung war man auch nach aussen aktiv und trieb vor allem Antikriegspropaganda in die Wehrmacht hinein. Ende 1941 wurden beide von der Gestapo verhaftet. Das OLG Kassel verurteilte sie wegen Vorbereitung eines hochverräterischen Verbrechens und wegen Hörens ausländischer Sender zum Tode. Am 28. August 1942 wurden beide innerhalb von fünf Minuten im Gefängnis Frankfurt/M-Preungesheim durch das Fallbeil hingerichtet. Sie sind unvergessen. In Koblenz ist die Hoevelstrasse nach ihnen benannt; in Trier- Pallien gibt es die Andreas-Hoevel-Strasse.
Vor allem hat Bruno Apitz in seinem bekannten (und auch verfilmten) autobiographischen Roman "Nackt unter Wölfen" Andre Hoevel als Kapo im KZ Buchenwald ein literarisches Denkmal gesetzt.

Joachim Hennig, in: Rhein-Zeitung - Ausgabe Koblenz - vom 5. Januar 1999

Weiterführende Hinweise :


  • Nachlass (Materialsammlung) im Stadtarchiv Trier,
  • Quellennachweise bei dem vom Hessischen Hauptstaatsarchiv Wiesbaden durchgeführten Projekt „Widerstand und Verfolgung unter dem Nationalsozialismus in Hessen“,
  • Bembenek, Lothar/Fritz Schumacher: Nicht alle sind tot, die begraben sind, Frankfurt/Main 1980, S. 90 – 95,
  • Bembenek, Lothar/Axel Ulrich: Widerstand und Verfolgung in Wiesbaden 1933 – 1945, Gießen 1990, S. 93 – 98,
  • Freyberg, Jutta von/Ursula Krause-Schmitt: Moringen – Lichtenburg – Ravensbrück. Frauen im Konzentrationslager 1933 – 1945. Lesebuch zur Ausstellung, Frankfurt/Main 1997, S. 65 – 68,
  • Hennig, Joachim: Der Roman „Nackt unter Wölfen“ wurde ihr „Denkmal“, in : Rhein-Zeitung vom 5. Januar 1999,
  • Hennig, Joachim: Stichworte „Anneliese Hoevel“ und „Andreas Hoevel“ in: Heinz Monz (Hg.): Trierer Biographisches Lexikon, Trier 2000, S. 186.