Pater Franz Reinisch

Er ließ sein Leben für den Glauben

Im "Dritten Reich" wurden im Rheinland viele katholische Priester, Ordensleute und auch Laien wegen ihres Glaubens verfolgt. Auf ihrem Rücken trugen die Nazis ihren "Weltanschauungskampf' gegen die katholische Kirche aus. Dabei blieben die Priester ohne wirkliche Unterstützung ihrer Kirche. Sie waren "Märtyrer ohne Auftrag". Unter diesen Opfern nahm Franz Reinisch eine Sonderstellung ein.
Er ließ sein Leben für seinen Glauben und war zudem ein entschiedener Gegner des Nationalsozialismus. 1903 in Feldkirch/Österreich geboren, studierte er Rechtswissenschaften und Theologie. Er trat in den Pallottiner-Orden ein und kam in den 30er Jahren zur Schönstatt-Bewegung nach Vallendar. Dort gehörte er zum engsten Kreis um deren Gründer, Pater Josef Kentenich. Als Hitler 1939 den Zweiten Weltkrieg entfesselte, stand für Pater Reinisch bald fest: Bei einer Einberufung zum Kriegsdienst würde er den Fahreneid, den Eid auf Hiller persönlich, nicht leisten. Schon 1939 sagte er in Schönstatt: "Man würde ja einem Verbrecher einen Eid geben. "
Im April 1942 erhielt er den Gestellungsbefehl und verweigerte den Eid. Drei Monate später stand er vor dem höchsten deutschen Militärgericht, dem Reichskriegsgericht in Berlin. Die Anklage lautete auf "Zersetzung der Wehrkraft" . Das Verfahren war wie in vielen anderen Fällen eine Farce. Es ging den Richtern - Juristen und hohen Militärs - nicht um die Wahrheitsfindung, sondern nur um ein "Verurteilen" und "Ausmerzen eines Andersdenkenden. Als Pater Reinisch seine Beweggrunde vor dem Reichskriegsgericht darlegen wollte, unterbrach ihn der Vorsitzende mit den Worten: "Halten Sie keine kirchliche Propagandarede. Wir sind kein Kirchengericht, sondern ein Kriegsgericht! ". Das von Anfang an feststehende Urteil lautete auf Todesstrafe und Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte auf Lebenszeit.
In den Urteilsgründen hob das Gericht zu allem Überfluß auch noch hervor, daß die kirchlichen Oberen nicht zu Reinisch gestanden hätten. Tatsächlich hatte ihn der Orden wegen seiner Haltung aus der Gemeinschaft ausgeschlossen.
Auch nach dem Urteil ließ sich Pater Reinisch durch niemanden von seiner Überzeugung abbringen, obwohl dies sicher sein Leben gerettet hätte. Für die Verweigerung des Eides auf Hiller starb er den Märtyrertod. In großer Glaubens- und Gewissenstreue hat er den Tod angenommen und dies in seinem selbstverfaßten Sterbelied in die Worte gefaßt: "Auch heute ruft Gott wieder nach seiner Heldenschar drum bringe mich, o Mutter als Liebesopfer dar”.
Am 21. August 1942, um 5.03 Uhr, wurde Pater Franz Reinisch im Zuchthaus Brandenburg durch das Fallbeil hingerichtet. In dieser Nacht wurden dort insgesamt sieben Todesurteile vollstreckt. Seine sterblichen Überreste sind neben der Schönstätter Gnadenkapelle beigesetzt. In Bruchsal, Bad Kissingen, Friedberg bei Augsburg und in einer Wallfahrtskirche bei Schwäbisch-Gmünd erinnern Gedenktafeln sowie in einer Abteikirche bei Höxter ein Gedenkstein an ihn. Auch Vallendar hat Pater Reinisch nicht vergessen. Vor einem halben Jahr hat der Stadtrat beschlossen, eine der beiden nächsten neuen Straßen nach ihm zu benennen.
Joachim Hennig in: Rhein-Zeitung - Ausgabe Koblenz - vom 28. Dezember 1998
 

Weiterführende Hinweise :

  • Brantzen, Klaus: Pater Franz Reinisch. Sein Lebensbild. Ein Mann steht zu seinem Gewissen. Vallendar-Schönstatt 1993,
  • Brantzen, Klaus: Pater Franz Reinisch. Märtyrer der Gewissenstreue.
    Band 1: Im Angesicht des Todes. Tagebuch aus dem Gefängnis. 2. Aufl., Vallendar-Schönstatt 1987,

    Band 2: Geheimnis der gekreuzigten Liebe. Meditationen in der Gefängniszelle. Vallendar-Schönstatt 1987.
  • Dirksen, Jutta: Wagnis Freiheit. Pater Franz Reinisch. Vallendar-Schönstatt 1993,
  • Emge, Martin J./Klaus Hagmann/Klaus Brantzen: Pater Franz Reinisch. Band 3: Geht hinaus in alle Welt! Unser missionarischer Auftrag. Vorträge. Vallendar 1993,
  • Hennig, Joachim: Er ließ sein Leben für den Glauben, in: Rhein-Zeitung vom 28. Dezember 1998,
  • Kordas, Wojciech: Mut zum Widerstand. Die Verweigerung des Fahneneids von P. Franz Reinisch als prophetischer Protest (Pallottinische Schriften zu Kirche und Welt, Band 4). St. Ottilien 2001,
  • Kreutzberg, Heinrich: Franz Reinisch. Ein Märtyrer unserer Zeit. Limburg 1953,
  • Weicht, Werner: Pater Franz Reinisch, in: Helmut Moll (Hg.): Zeugen für Christus. Das deutsche Martyrologium des 20. Jahrhunderts. Paderborn u.a. 1999, Band 2, S. 836 – 840.

Video:

  • Landesbildstelle Rheinland-Pfalz: Pater Franz Reinisch. Ein Mann steht zu seinem Gewissen. Koblenz 1989.