Hans Bauer

Glauben an ein anderes, besseres Deutschland

Der 11. April 1945 brachte auch für drei Bendorfer die Befreiung aus dem Konzentrationslager Buchenwald bei Weimar (Thüringen) durch amerikanische Truppen: Dr. Hans Bauer, Anton Gelhard I und II.
Dr. Hans Bauer, 1888 in Lützelburg/Lothringen geboren, wurde nach dem Studium (Mathematik/Physik) an der Uni Straßburg dort Mitarbeiter des Instituts für experimentelle Psychologie: Er promovierte mit einer Arbeit zur mittelalterlichen Philosophie. Nach dem Militärdienst folgte Schuldienst an Gymnasien in Westfalen und Köln. An der Kölner Universität studierte er neben der Arbeit in der Schule neuere Sprachen und Philosophie, danach Chemie, Mineralogie und Theologie in Bonn. 1919 übernahm er die Leitung der Schule in Bendorf. Hier wurden 1920 und 1923 seine beiden Töchter geboren, hier starb schon 1928 seine Frau.
In Bendorf setzte Dr. Bauer sich sehr aktiv für das "Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold" ein, eine Vereinigung vor allem ehemaliger Frontsoldaten aus der SPD, dem Zentrum und der Deutschen Demokratischen Partei, die die Republik vor ihren Feinden schützen wollten. Er behielt, nachdem die Nazis an die Macht kamen, Kontakt zu politischen Emigranten. 1934 fuhr er rnit dem Rad ins damals noch nicht braune Saarland. Er traf dort geflohene ehemalige SPD Reichstagsabgeordnete und den ehemaligen Gewerkschaftssekretär Rebber, der einige Zeit in Bendorf tätig gewesen war. Die NS-Behörden erfuhren davon aus Briefen, die an die beiden Gelhards gerichtet waren, aber abgefangen wurden, und von Post, die die Gelhards ins Saargebiet geschickt hatten. Anläßlich einer Haussuchung bei Gelhards fanden sich "illegale" politische Schriften. Am 18. Dezember 1935 wurden Anton Gelhard I und Dr. Bauer "wegen Vorbereitung zum Hochverrat" zu je zwei Jahren und sechs Monaten Zuchthaus, Anton Gelhard II zu zwei Jahren vier Monaten Zuchthaus verurteilt, Anna Gelhard (Frau von Gelhard I) zu sechs Monaten Gefängnis.
Daraufhin stellte die Stadt Bendorf die Versorgungsbezüge, die Dr. Bauer nach der Schließung der Schule 1932 bekommen hatte, am 31. Dezember 1935 ein. Gertrud Müller aus Bendorf, die nach dem Tode von Frau Bauer in der Familie den Haushalt geführt hatte, nahm Edith und Gisela zu sich. Sie verdiente für sich, für ihr eigenes Kind und die Geschwister Bauer den Lebensunterhalt mit Putzen und Waschen im Haushalten.
Als Bauer die Zuchthausstrafe verbüßt hatte, kam er im Mai 1938 zunächst in " Schutzhaft " ins Polizeigefängnis Koblenz, dann ins Konzentrationslager Buchenwald. Das Schicksal der beiden Gelhards ist weniger gut bekannt. In einer Akte heißt es, einer von ihnen sei 1944 nach Buchenwald gekommen. Es ist aber anzunehmen, daß auch er schon vorher zumindest vorübergehend dort war. Gelhards gehörten zu den Unterzeichnern des berühmten Buchenwalder "Manifestes der demokratischen Sozialisten des ehemaligen Konzentrationslagers Buchenwald".
Gerhard I war später beim städtischen Bauhof beschäftigt, Gerhard II leitete das Bendorfer Arbeitsamt. Bauer übernahm als Oberstudiendirektor den Aufbau des Gymnasiums Traben-Trarbach. Seine heutige 75jährige Tochter Gisela Haussmann, in Süddeutschland lebend, hat ihren Vater öfters gebeten, ihr aus der KZ-Zeit zu erzählen. Er habe dies abgelehnt, vielleicht werde er später einmal darüber berichten. Dazu konnte es leider nicht mehr kommen. Bauer litt unter den Folgen der Haft. Am 3. November 1947 fuhr er wie gewöhnlich mit dem Rad zur Arbeit. Plötzlich erlitt er einen Schwächeanfall und starb auf der Straße.
Stuhlträger hob hervor, daß die drei Bendorfer "durch ihren Widerstand gegen die Barbarei den Glauben an ein anderes Deutschland aufrecht erhalten und die Rückkehr unseres Landes zur Achtung der Menschenrechte, zur Demokratie ermöglicht haben."
mit “Sch” gezeichneter Artikel in der Rhein-Zeitung - Ausgabe Koblenz - vom 25. Februar 1999 ( Nähers nicht bekannt )
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