Hugo und Julianna Salzmann

„Tot oder lebendig“ hieß es auf Plakaten

In der Verfolgung haben die Nazis Unvorstellbares „geleistet“. Sie haben sogar Menschen verfolgt, die sich der Verfolgung entzogen hatten. Geschehen ist dies Emigranten, und zwar während des II. Weltkrieges in den von den Nazis besetzten Ländern Europas. Opfer dieser Verfolgung waren u.a. die Eheleute Hugo und Julianna Salzmann. Ehe die Salzmanns in Koblenz verfolgt wurden, hatten sie schon ein bewegtes Leben hinter sich.

Als beide heirateten und 1932 ein Junge zur Welt kam, war Hugo Salzmann (geb. 1902 und von Beruf Dreher) u.a. Organisationsleiter der KPD, Stadtverordneter und örtlicher Gewerkschaftsvorsitzender von Bad Kreuznach. Nach dem Reichstagsbrand 1933 konnte er untertauchen und - obwohl man ihn mit Plakaten („tot oder lebendig“) suchte - ins damals selbständige Saargebiet fliehen. Später folgte ihm seine Frau mit dem Kind nach. Dann flohen sie nach Frankreich. In Paris schlossen sie sich Emigrantenzirkeln an. Salzmann fand zunächst Arbeit und war dann an der Herstellung und Verteilung kommunistischer Zeitungen und Literatur beteiligt. Frau Salzmann kümmerte sich um Emigrantenfamilien, deren Lage in Frankreich sehr schwierig war. Nazi-Deutschland bürgerte sie 1938 aus.
Seit Kriegsbeginn am 1. September 1939 wurde Salzmann von den Franzosen verhaftet und interniert. Seine Frau blieb mit dem Kind in Freiheit. Nach dem Überfall der Nazis auf Frankreich (1940) suchte die Gestapo auch sie und nahm eine Freundin von ihr in Geiselhaft. Mit den Worten „Ich habe nur ein Kind und ihr habt vier. Damit die vier Kinder ihre Mutter wieder erhalten“ stellte sie sich ihren Häschern.
Wochen später traf Frau Salzmann im Koblenzer Gefängnis ein. Nach langem Schweigen wurde eine Gefangene in ihre Zelle gelegt. Es war eine ehemalige deutsche Tänzerin, die sich inzwischen zu einer französischen Marquise „heraufgearbeitet“ hatte. Diese arbeitete als Agentin für die Gestapo in Gefängnissen, um so Informationen für die Nazis zu erhalten. Nach mehr als einjähriger Einzelhaft machte Julianna Salzmann dieser „Mitgefangenen“ gegenüber Äußerungen, die die Koblenzer Gestapo gierig aufgriff. Daraufhin kam sie „auf Transport“ ins Frauen-KZ Ravensbrück. Selbst in verzweifelter Situation, nahm sie sich dort sogleich eines elternlosen vierjährigen Ukrainermädchens an. Aber später versagten auch ihre Kräfte gegenüber dem Terror:
Am 5. Dezember 1944 starb Julianna Salzmann u.a. an Bauchtyphus.
10 Tage nach dem Abtransport seiner Frau aus Koblenz traf Hugo Salzmann hier ein. Er war von der mit den Nazis kollaborierenden französischen Vichy-Regierung an die Gestapo ausgeliefert worden und wurde ebenfalls ein Jahr lang in Koblenz in Haft gehalten. Dann machte man ihm vor dem Volksgerichtshof in Berlin den Prozess und verurteilte ihn 1943 wegen „gefährlicher Emigrantenhetze gegen Deutschland vom damals sicheren Hort des Auslands aus“ zu acht Jahren Zuchthaus. Die Strafe verbüßte er im Zuchthaus Butzbach/Hessen.
Im Mai 1945 wurde er befreit. Nach dem Krieg machte er dort weiter, wo er 1933 hatte aufhören müssen. Hugo Salzmann war u. a. Gewerkschafter und Stadtratsmitglied für die KPD in Bad Kreuznach. Er starb vor etwa 20 Jahren.
Joachim Hennig, in: Rhein-Zeitung - Ausgabe Koblenz - vom 4. Januar 2001
 
Beachten Sie bitte auch unsere umfangreiche "Virtuelle Ausstellung" zu Hugo Salzmann
( Inhalt ca. 390 Text-Tafeln mit Fotos und Dokumenten, originale Tondokumente von Hugo Salzmann, Zeitzeugenvideos u.v. mehr)
 
 

Weiterführende Hinweise :

  • Joachim Hennig: Hugo und Julianna Salzmann „Tot oder lebendig“ hieß es auf Plakaten, in:
    Rhein-Zeitung - Ausgabe Koblenz - vom 4. Januar 2001
  • Heimo Halbrainer: „In der Gewissheit, dass Ihr den Kampf weiterführen werdet“.
    Briefe steirischer WiderstandskämpferInnen aus Todeszelle und KZ. Graz 2000, S. 194 – 198.
Zum Seitenanfang