Briefe von Juliana und Hugo Salzmann



Briefe von Juliana Salzmann

Letzter Brief von Juliana Salzmann aus Montreul/Seine vom 5. Dezember 1938  an ihre Schwester Ernestine in Österreich:

Adresse von Juliana Salzmann:
“58 bis Av. Pasteur, Montreul/Seine“

„Lieber Vater, Tinnerl & Mann,
Deinen lieben Brief haben wir mit Freude erhalten und danken Die, liebe Tinnerl, herzlichst. Du hattest mir viel geschrieben und so werde ich Euch auch viel antworten. Mit dem Bildchen habe ich große Freude und dass Ihr alle, besonders Vater, noch so wohlauf seid, hat mich am meisten gefreut. Du, liebe Tinnerl, und auch Vater habt Euch fast nicht verändert. Deinem Mann Peter sieht man es an, dass er ein lieber Mensch ist. Liebe Schwester & Schwager, nehmt von uns drein die besten Wünsche zu Eurem Eheleben entgegen. Ja, Tinnerl, Du willst wissen, was ich von Dir geträumt hab, ich hab Dich und Frau Kollmann gesehen und Du hattest ein reizendes zweijähriges Töchterchen an der Hand. Ja von Herzen wünsche ich Euch einen Sohn oder Tochter. Nur Geduld, es wird schon noch etwas ankommen.
Nannerl ist ein hübsches Mädl und sag ihr, sie soll sich nicht überstürzen. Sie hat ja noch Zeit bis sie einen Menschen findet, der es ehrlich mit ihr meint. Heute sind zwar solche Menschen dünn gesät, aber trotzdem findet man noch welche.
So, jetzt will ich Euch einmal von mir, vielmehr von uns, erzählen.
Du weißt, dass ich mich 1932 verheiratet habe. Wir hatten dort eine schöne Dreizimmerwohnung mit Küche. Es fehlte uns gar nichts, alles Möbel, genug Wäsche, Geschirr hatten wir, Hugo hatte immer Arbeit, verdiente genug, um anständig leben zu können.
Alles das war auf einmal und ist vorbei. Du wirst Dich vielleicht noch erinnern können, als ich Euch 1933 schrieb, da fing für uns und mit uns noch Millionen anderer Menschen ein schweres Leben an. Ich habe zwar nicht das Pech, mit einem Juden oder Halbjuden verheiratet zu sein. Nein, mein Mann ist reiner Arier, nach der Auffassung des heutigen Deutschlands. Aber wir sind eben auch in Paris gelandet, trotz Arier.
Ja, liebe Schwester, zu schreiben, wie wir hierher  kamen, das kann ich nicht, das erzähl ich Euch alles später einmal. Wenn wir uns wieder sehen?
Liebe Timmerl, Du fragst, ob es uns gut geht. Das muss ich mit nein beantworten. Wir haben jetzt fünf Jahre größter Entbehrungen hinter uns, ein Leben ohne Arbeit und Rechte. So eine Zeit, das könnt Ihr Euch gar nicht vorstellen. Und trotzdem haben wir Mut und sind überzeugt, dass wir es einmal wieder so bekommen wie früher. Natürlich haben wir unsere ganze Wohnung, Wäsche, Geschirr also alles, was wir hatten, verloren. Unser Kleiner war damals sechs Monate alt, als er fort musste. Ja, es waren Zeiten, die man nie vergessen kann.  
Aber Hugo ist ein lieber und anständiger Mann, wir verstehen uns sehr gut und ich gehe, wohin es auch nur ist, mit ihm.
Siehst Du, liebe Timmerl, so ist das Leben. Hier in Frankreich ist es für Ausländer auch schlimm, denn trotzdem wo Hugo einen guten Beruf hat, darf er nicht arbeiten.
Jetzt möchte ich Euch etwas fragen, und ich hoffe, dass Ihr mir darin bald Antwort gebt, ob ja oder nein. Wir bräuchten notwendig eine Hilfe und, wenn es geht, dass Ihr uns manchmal 10 Reichsmark schicken könntet, wäre ich Euch dankbar.
Wir könnten es Euch bei späteren Verhältnissen wieder zurückgeben. Wenn einer von Euch einen Pass hat, so könnt Ihr mir als Eurer Schwester 10 Reichsmark zukommen lassen.
Liebe Timmerl, ich möchte aber nicht gern, wenn Luis oder Mitzi wieder über mich urteilen, denn Ihr alle könnt vielleicht unser Leben von heute nicht verstehen. Das, was ich verlange, ist auch weniger für Hugo und mich, sondern für unseren kleinen Hugo, damit er ein bisschen besser essen könnte...“



Brief vom 23. Februar 1941 an Vater und Schwester Tinnerl:

„Lange habt Ihr nichts mehr von mir gehört. Ich weiß, dieser Brief wird Euch traurig stimmen, aber es ist nun nicht anders.
Am 27. November 1940 wurde ich in Paris verhaftet und verbrachte dort nicht ganz zehn Wochen in einem Gefängnis. In der Heimat bin ich seit dem 6. Februar. Wie lange ich noch in Haft bleibe, weiß ich nicht. Ich mache mir schwere Sorgen um mein Kind, welches ich damals in Paris zurücklassen musste. Ich wandte mich mit der Bitte an das Rote Kreuz, meinen Sohn Hugo, Dir, liebe Schwester Tinnerl, zu überbringen. Sei bitte so nett und bezahle die entstehenden Kosten. Ich, Vater und all meine Geschwister werden Freude an unserem lieben Hugo haben. Sollte er aber noch nicht bei Euch sein, so schreibe bitte an folgende Adresse: Frau Anna Bernard, 9 Chemin de la Chapelle, Villejuif/Seine, Frankreich.
Bei dieser Familie habe ich zuletzt gewohnt und (sie?) kümmern sich auch um Hugo.
Es tut mir leid, meinem Vater und Euch Geschwistern solche Sorgen zu machen, aber bitte nicht böse auf mich werden und sich meiner nicht schämen, ich habe ja nichts verbrochen.
Wie geht es Euch, was machen Luise, Anny, Friedl, dein Mann und alle anderen Geschwister, unser Vater soll gesund bleiben, damit wir uns alle wieder sehen.
 Hugo wird sich am Anfang recht schwer mit der Sprache tun, aber er wird es schon bald wieder können. Er sprach beides sehr gut, erst seit dem Kriege hat er das Deutsche viel verlernt, weil er viel auf dem Lande bei einer französischen Familie war, wo er sich gut erholte.
Er geht das dritte Jahr in die Schule und war ein guter Schüler. Hugo muss auch in Stainz bald wieder zur Schule, es wird dem armen Bub wohl zuerst schwer fallen, aber gell Tinnerl, Du hilfst ihm bei den Aufgaben und so wird er es schon schaffen.
Jetzt will ich noch meinem Söhnchen ein paar Zeilen schreiben, falls er schon bei Euch ist. Schreibe mir bitte recht bald.
Habt vielen Dank für alles Gute, hoffentlich geht es auch mir wieder einmal besser, damit ich es wieder gut machen kann....

Mein lieber guter Hugo!

Wenn Du nun schon bei Großvater und Tante bist, dann bin ich froh und ruhiger. Ich weiß, sie werden alle recht lieb zu Dir sein und Dich gut erziehen. Heute ist wieder ein Sonntag und draußen schneit es, gerne würde ich mit Dir Schneeball werfen, aber warte nur mein Sohn, auch das machen wir noch, es fällt ja noch viel Schnee. Immer bleibt Deine Mama nicht im Gefängnis, dann komme ich zu Dir und alles wird wieder gut.
Jetzt höre, mein guter Hugo, sei recht lieb und folge allen schön, sei brav und lerne gut in der Schule, ich weiß, Du bist nicht dumm, wenn Du willst, wird es schon gehen, wenn es auch zuerst ein bisschen schwer ist. Damit machst Du deinen Eltern eine große Freude.
Helfe der Tante Tinnerl arbeiten, Holz tragen und was sonst zu tun ist, Du warst doch immer unser fleißiger Bub. Gehe nie an das große Wasser hinterm Haus, das ist gefährlich. Putze immer gut Deine Zähne und deine Fingernägel lässt Du ganz in Ruhe, gell.
Sei bitte so gut und male für deine Mama, die so ganz allein ist, ein Bildchen. Jetzt mein liebes gutes Kind, drücke ich fest deine lieben Händchen, küsse Dich herzlichst
Deine Mama. „



2. Brief vom 20. April 1941 an Vater, Schwester Tinni und Hugo.

Habe Deinen sowie Hugos Brieflein ebenso die 10 Reichsmark mit viel Freude und Dank erhalten. Liebe Tinni, ich kann mir denken, dass Hugos Sachen nicht ganz in Ordnung waren, aber sei bitte deswegen nicht böse, ich war halt in der letzten Zeit nicht bei ihm. Dass es bei Euch noch so kalt ist, habe ich mir gar nicht gedacht, ich kann mich schon bald nicht mehr erinnern. Ich hoffe, dass es uns auch einmal wieder besser geht und ich Euch dann wieder für alles Gute, was Ihr Hugo tut, es besonders Dir, liebe Tinnerl, wieder geben kann.
Du brauchst Dir meinetwegen keine Sorgen zu machen, wie lange ich noch in der Haft bleibe, weiß ich nicht, im Leben geht es immer anders als man denkt. Aber wenn sich einmal die Gefängnistüre für mich öffnet, so mache Dir nicht schon jetzt Gedanken, wie ich bei Euch ankomme. Ich war so lange fort und kenne daher die deutschen Gesetze nicht, weiß daher nicht, ob ich als Staatenlose nach Freilassung, selbst wenn ich über Reisegeld verfüge, nicht doch in Bewachung eines Beamten in meine Heimat gebracht werde. Ich kann Dich gut verstehen, es wäre nichts Angenehmes, sollte es aber so sein, so kann ich es nicht ändern.
Ich kann meinen Kopf immer hoch tragen, ich bin keine Verbrecherin, ich habe nicht gestohlen, noch betrogen oder gemordet. Dass Euch in der letzten Zeit ebenfalls die Flieger aufsuchen, ist ja schlimm, hoffentlich richten sie keinen Schaden an.
Sage Tinni, hat Hugo keine Kleider und Schuhe von mir mitgebracht? Schreibe es mir. Hugo hat mir in seinem Brieflein geschrieben, Du seiest  so lieb zu ihm und er habe keine Angst vor den Fliegern.
Hoffentlich bleibt Ihr alle gesund bis wir uns wieder sehen. Wie geht es Luise und Mann und Anny? Wann kommt Dein Mann auf Urlaub? Jetzt schreibe ich noch ein paar Worte an Mitzi. Bleibt alle recht gesund, schreibt mir wieder...

Liebe Schwester Mitzi!

Du weißt über meine jetzige Lage genau Bescheid, Tinnerl hat Dir ja alles erzählt. So tritt das Schicksal an jeden Menschen heran, an den einen früher, den anderen später. Dich, liebe Schwester, hat es schon getroffen, ich fühle mit Dir, Dein einziger Sohn und Kind ist gefallen, armer Fritz. Ich weiß es, ich habe meinen Hugo, er ist der einzige Reichtum, den ich besitze, und so geht es jeder Mutter. Du warst zu Hause und hast Hugo kennen gelernt und freute mich, dass Du gut zu ihm warst. Wenn ich auch noch nicht an Dich schrieb, so war dies doch nicht böse gemeint. Ich habe viel Schweres hinter mir, und ich weiß nicht, was noch alles bevorsteht. Wenn ich einmal wieder komme, werde ich mich über manches, was Dir an mir nicht gefällt, ausspre-chen. Mit dem Schreiben kommen immer missverstandene Sachen heraus. Wünsche Dir alles Gute, bleib gesund bis auf ein Wiedersehen, sei innigst gegrüßt ....

Mein lieber guter Hugo!

Vielen lieben Dank für dein liebes Brieflein mit Zeichnung, sehr schön hast Du das gemalt.  Und für das Geld, welches zu für Deine Mama sparst, Danke dafür, bist mein braver Bub. Du hast ganz recht Hugo, wenn Du vor den Fliegern keine Angst hast, der Krieg wird bald zu Ende sein und dann wird vieles wieder anders. Ich freue mich, dass Du gesund bist und es Dir gut geht, es ist lieb von Tante Tinni, dass sie Dir Schuhe und Hose gekauft hat, und Du bist auch recht lieb zu ihr und Großvater, gell. Schreibe mir bitte bald wieder, ich freue mich darauf. Nehme von deiner Mama, die immer an Dich denkt, viele liebe Grüße und Küsse...“
3. Brief vom 4. Mai 1941 an Vater, Schwester Tinni und Hugo
„Habe gestern deinen lieben Brief erhalten, vielen Dank. Ich habe auch das Päckchen mit allem darin bekommen, und ich habe mich sehr darüber gefreut, lieben Dank dafür.
Hugo geht nun in die Schule, es ist gut so, ich kann mir gut vorstellen, dass es für ihn schwer ist, aber es wird schon gehen. Auch soll er geimpft werden gegen Diphterie, ja Tinnerl, Du weißt doch noch, wie damals unser Brüderchen Victor im schönsten Kindesalter von dieser heimtückischen Krankheit überfallen wurde und sterben musste. Mache Dir keine Sorgen und lasse Hugo impfen, ich glaube nicht, dass er dadurch krank wird. Sicher wird er sich danach nicht ganz wohl fühlen, vielleicht etwas Fieber haben, aber wenn Du gut acht gibst, und ich weiß gute Schwester, dass Du das tust, so wird ihm nichts Ernsthaftes dabei zustoßen.
Die roten Flecken, die Hugo bekommt, sind schon viel besser geworden, er hatte sie besonders stark, als er noch jünger war, und in Paris die Luft konnte er schlecht vertragen. Ich war deswegen schon viel mit ihm beim Arzt, er bekam Höhensonne und Vitaminpräparate. Es wird jetzt wohl der Luft- und Nahrungswechsel sein, dass er es wieder hat. Armer Hugo, er hat dadurch schon viel gelitten.
Du wirst ja sehen, ob es wieder weggeht, gib ihm viel Gemüse, rohen Salat, wenn es wieder gibt rohe Karotten und keine so scharfen Speisen. Aber Du kochst doch wie unsere Mutter, und das war sehr gut. Liebe Tinnerl, sei nur nicht ängstlich, es wird schon gut gehen, ich bin ganz ruhig, denn ich weiß, dass Hugo es bei Dir gut hat und in der herrlichen Natur ganz gesund wird. Nur mit dem Baden musst Du trotzdem aufpassen, denn ich erinnere mich, das Wasser war manchmal eiskalt und Hugo hat schon zweimal doppelseitige Lungenentzündung gehabt, ebenso die Masern. Aber an heißen Tagen kann er schon baden.
Dass unser Vater auch fast nichts mehr sieht, ist ja furchtbar traurig, 80 Jahre ist schon ein hohes Alter und dazu sein leben lang gearbeitet. Du hast dadurch auch noch viel Arbeit, das Bad und jetzt noch Hugo, oft denke ich, wie Du das alles schaffen kannst.
Ich hoffe, dass Ihr einmal ein Bildchen von Hugo macht, ich hätte Freude daran.
Was ist mit Luise, warum schreibt sie nicht? Anny hat wohl auch keine Zeit, mir einige Worte zu schreiben, aber macht nichts. Es ist halt etwas Schreckliches, eine Schwester zu haben, die im Gefängnis sitzt, ja, ja. Ich hatte neulich einen dummen Traum, ich verlor zwei Zähne und war bei Euch daheim, bei einer Beerdigung, überall Trauerkleider, Franz und Luis wollten mich gar nicht sehen.
Wenn Du einmal an Bernard schreibst, dann bitte sie, sie möchten meine paar Sachen, die ich habe, aufheben. Herr und Frau Rose sind Onkel und Tante zu meinem Mann, wenn Du schreibst grüße und danke von mir, den Koffer mit Sachen habe ich vom Gefängnis in Trier an sie gesandt. Ich will jetzt noch ein paar Worte an Hugo schreiben. ....

Mein lieber guter Hugo!

Ich danke Dir für Dein liebes Brieflein und die guten Sachen vom Osterhasen. Jetzt gehst Du in die Schule, mein Guter, ja ich verstehe, dass es schwer ist. Aber auch das ist nur am Anfang, und ich weiß Hugo, dass es bald besser gehen wird. Du bist doch kein Dummer, und wenn Du fleißig bist und gerne lernst, dann kannst Du es bald so gut wie in Frankreich, da warst Du doch der beste von der Klasse, und nicht weinen Hugo, immer tapfer sein. Ich hab viel Freude mit Dir, weil Du so brav und lieb bist und Dein lieber Papa wird sich auch .......“



4. Brief vom 18. Mai 1941an Vater, Schwester und Hugo

„Habe gestern Deinen Brief sowie Mitzis liebe Zeilen erhalten, besten Dank, ich habe mich gefreut. Auch habe ich die Seife mit Zuckerzeug und Ansichtskarte bekommen. Von Luise habe ich diese Woche auch einen Brief erhalten und eine Mark darin. Schade, sie hat mir schon vor diesem einen geschrieben und vier Mark hineingelegt, und solchen bekam ich nicht. Ich schreibe ihr noch diese Woche, sie darf kein Geld mehr in Briefe legen.
Heute ist Muttertag, gestern bekam ich von meiner Schwägerin aus Bad Kreuznach ein kleines Geschenk, ich freute mich darüber. Sie hat auch an Hugo ein Päckchen abgeschickt, unser Sohn wird sich freuen.
Meine Verwandten in Kreuznach haben mir Strümpfe und Esswaren geschickt.
Mir geht es seit achte Wochen schon gesundheitlich gar nicht gut. Ich war bei dem Arzt, und er will mich röntgen lassen wegen meiner Lunge. Ich habe immer so Schmerzen an der linken Lungenseite, Husten und Nachtschweiß. Besonders in der letzten Zeit fühle ich mich ganz elend, hoffe doch, dass es nichts Ernstes ist, wie schon einmal vor Jahren. Ich werde Dir nach den Feststellungen des Arztes schreiben, was es ist.
Liebe Schwester, mache Dir deshalb keine Sorgen, es wird sich schon alles finden. Du hast einen Brief von Frau Knobel bekommen, das freut mich, sie war immer sehr gut zu unserem lieben Bub. Auch mein Mann schreibt ihr, ich bin so froh über diese Nachricht, richte bitte liebe Grüße an sie aus, und an Hugo alles Gute und einen festen Kuss. Ich freue mich sehr auf ein Bild vom Kleinen, es sind ja wieder Unkosten für Dich, liebe Tinni, aber ich hoffe, später alles gut machen zu können.
Luise schrieb mir, sie fahre nach Hause, sicher ist sie inzwischen schon bei Euch eingetroffen und kann sich mit Hugo freuen. Ja ich weiß, er ist ein lieber lustiger Bub, und überall hatten sie Hugo lieb. Er will immer arbeiten, als er noch klein war, half er mir schon den Boden putzen, Geschirr abtrocknen. Ich muss lachen, wie Mitzi schreibt, Du hättest noch nie so viel Spähne zum Heizen gehabt als jetzt. Ich bin froh, dass Hugo Dir und Euch nicht nur Arbeit und Ausgaben macht, sondern durch sein liebes Wesen auch Freude bereitet.
So langsam wird er auch in der Schule vorwärts kommen und bis seine Mama wieder kommt, wird er schon tüchtig gelernt haben. Wenn er jetzt auch die zweite Impfung gut übersteht, dann hat er auch das hinter sich.
Tinni, Du hast jetzt oft zu schreiben und ich weiß wenig Zeit, wenn Du mir ab und zu nur eine Karte Schreibst, so bin ich auch froh. Luise schrieb mir, sie wollte Hugo eine Lederhose kaufen, ich denke, erwächst noch zu stark, es ist schade um das viele Geld. Auch möchte sie Hugo in den Ferien zu sich haben, das könnt Ihr machen wie Ihr wollt, mir ist alles recht. Das ist für heute wohl alles.....

Mein lieber Sohn Hugo!

Ich danke Dir für dein liebes Briefchen, und so schön geschrieben hast Du das. Ich glaub es Dir gerne, dass es bei Tante Tinni lustig und schön ist. Und dass Du mein Lieber so brav und fleißig bist, daran habe ich viel Freude und dein lieber Papa wird sich auch sehr freuen über Dich, gutes Söhnchen. Tante Mitzi hat Dir eine schön Schultasche und einen Batzen zum Sparen geschickt, sag ihr, ich lasse vielmals danken. Auch der Tante Anny, die Dir ein Päckchen geschickt hat.... Male mir bitte wieder einmal ein Bildchen.“



5. Brief vom 25. Mai 1941 an Vater, Schwester Tinni und Hugo

„Mit vielen Freuden erhielt ich Deinen Brief vom 13. Mai, so lieb hast Du mir geschrieben, und die schönen Bildchen, ich kann sie gar nicht genug anschauen. Du, liebe Tinni, mit Hugo zusammen ist allerliebst, wie Mutter und Sohn, so sieht Dir Hugo ähnlich. Ich sehe, dass er Dich sehr lieb hat, und Du ihn.
Ich mache mir auch keine Sorgen, denn ich weiß, ich selbst kann nicht besser sein. Mein guter Bub ist in den sechs Monaten, wo ich ihn nicht mehr gesehen habe, recht groß geworden, und gut sieht er aus. Gell, Tinni, wenn Du auch Ausgaben für unseren Bub hast, so macht er Dir manches frohe Stündchen, und kannst in all Deiner Sorge um Peter, die ich sehr gut verstehe, doch so manchmal herzlich mit ihm lachen.
Du hast recht, Tinni, auch ich hoffe einmal wieder warmen Sonnenschein zu spüren, warum sollte er uns auch immer versagt bleiben.
Diese Woche hoffe ich geröntgt zu werden, mache Dir aber nur keine Sorgen, vielleicht ist es auch nur Schwäche, wenn ich nachts nicht schwitze, ist es mir gleich wohler. Hier ist das Wetter auch noch kalt und trübe, der Mai ist nun auch wieder bald vorbei, trotz der Einsamkeit vergeht die Zeit einigermaßen schnell, nur vor dem Winter graut es mir, da ist es so dunkel und kalt.
Wenn Du magst, so schicke doch auch ein Bildchen, wo Du mit Hugo zusammen bist, an Frau Knobel, es wird Freude machen, und schreibe mir dann immer, wenn sie schreibt.
Diese Woche bekam ich von Familie Rose eine Karte, wo sie mir schrieben, dass Du ihnen ein Bild von unserem Bub gesandt hast. Sie haben sich sehr darüber gefreut. Sie alle liebten unseren Sohn und waren lieb und gut zu ihm. Hugo soll einmal an diese Familie schreiben, wenn es in deutsch noch nicht so gut geht, so kann er in französisch schreiben. Onkel Rose kann es lesen.
Von Luise bekam ich diese Woche einen Brief, ich schreibe ihr heute auch noch, aber Anny hat mir noch nie geschrieben, vielleicht ist es ihr nicht wohl, sie bekommt doch im Juni ihr Kind, wünsch, dass alles gut geht.
Höre, Tinni, damit Du es weißt, sollte Hugo Dich einmal fragen, in Paris hat ihm eine Frau erzählt, die kleinen Kinderchen wachsen im Krautkopf. Da kam er zu mir und sagte, „Mama, das glaube ich nicht“, und ich sagte ihm, er habe recht, es sei nicht wahr. Ich erzählte ihm, dass ein kleines Kind anfängt am Herzen der Mutter zu wachsen, und da es doch groß werden muss, im Mutterleib so lange bleibt, bis es der Doktor holt. Damit war er ganz zufrieden und frug nie mehr. Dies nur, falls er Dich einmal frägt. Ich muss auch noch ein bisschen Platz für Hugo lassen und sage Dir, liebe gute Tinni, innigen Dank für die schönen Bilder, über die ich mich so freue, und alles Gute...

Mein lieber Hugo!

Du hast mir zum Muttertag ein so schönes Herz gemalt, mit Vergissmeinnicht rings-herum, das ist sehr lieb von Dir und ich danke Dir mein gutes Kind. Und lieb bist Du auf dem Bildchen, ach, und Tante Tinni hat Dir ja Golfhosen gekauft, schon so lange hast Du Dir solche gewünscht. Ich muss lachen, mein Hugo hat die ersten langen Hosen an und einen schönen Ball dazu, ich und Papa sind froh, dass es Dir gut geht und alle lieb mit Dir sind. Sag, Hugo, wie ist das mit Deinen Fingernägeln, tust Du sie immer noch abbeißen? Mache es nimmer, Hugo, es ist nicht gesund und auch nicht schön, gell Du denkst daran. Ich bin froh, dass es in der Schule schon ein bisschen besser geht und habe viel Freude, dass Du ein so lieber braver Bub bist, bleib nur so. Ich drücke ganz fest....“



6. Brief vom 1. Juni 1941 an Vater und Schwester Tinni

„Deine lieben Zeilen vom 20. Mai habe ich erhalten. Inzwischen wirst Du meine anderen Briefe auch bekommen haben und Du weißt daher, dass ich die Bilder erhalten habe. Ich bin froh, dass Hugo sich so eingewöhnt hat, Du hast recht, es ist so wunderschön bei uns daheim, und ich weiß, er hat es gut bei Dir. Auch ist er wirklich genug gewandert und soll jetzt bleiben, wo er ist, bis ich wiederkomme und dann werden wir schon sehen, wie es für uns weiter geht. Wegen der roten Flecken, die er immer noch hat, Tinni, wenn sie ihn gar so jucken, so kannst Du sie mit Essigwasser abwaschen, das lindert ihm die Schmerzen. Es ist eigenartig, Hugo war des öfteren in der Schweiz zur Erholung und dort hatte er nie diese Flecken, aber er wird sie auch jetzt wieder verlieren. . Wenn es warm wird, soll er nur immer mit der Badehose herumlaufen und viel Sonnebäder nehmen, das ist besser wie Medikamente.
Ich habe an meine Schwägerin Tilla, welche Hugo das Paket geschickt hat, geschrieben. Sie hat auch mir wieder ein kleines Päckchen geschickt, ein paar schöne Strümpfe, einen Kuchen und ein bisschen Wurst. Sie möchte mich gerne besuchen, vielleicht bekommt sie es erlaubt.
Bei Euch ist ein Kindergarten, schon lange? Ja, Kinder mag Hugo gerne, er kann auch gut mit Kleinen umgehen, es macht ihm Freude. Wie sieht es in Stainz sonst aus, hat sich vieles verändert?
Oft träume ich vom Schloss, oder ich bin im Tannenwald, einmal ha ich Schwarzbeeren gepflückt und immer so Zeug, das kommt, weil ich viel denke.
Ich bin froh, dass der Sonnenschein unserem Vater gut tut, so wird er sich wieder ein bisschen wohler fühlen.
Bei mir ist noch immer das gleiche, ich weiß daher nichts Neues zu berichten. Wenn Du an Frau Knobel schreibst, richte ihr bitte viele liebe Grüße aus und, wenn sie an meinen Mann schreibt, ebenso alles Gute für ihn, er soll gesund bleiben. Ich schreibe jetzt noch an Hugo....

Mein lieber Hugo!

Ich habe Dein liebes Brieflein bekommen, auch die schönen Bilder und ich habe mit meinem braven Hugo viel Freude. Ich weiß, dass es Dir recht gut geht bei deiner guten Tante Tinni und Du ein fleißiger lieber Bub bist.
Hast Du Dich gefreut über die schönen Sachen von Tante Tilla aus Kreuznach, weißt, das ist eine Schwester von deinem Papa. Hugo, Du brauchst mir nichts davon zu schicken, es ist sehr lieb von Dir, Geld brauche ich auch noch nicht, ich danke Dir, spare nur schön, wenn Du dann einmal etwas zum Anziehen brauchst, so kannst Du es selbst bezahlen. Wie geht es denn in der Schule, gell, mein Söhnchen, es geht schon besser, ich hab es ja gewusst.
Hugo, tust Dich für das Paket schön bedanken, schreibst ein kleines Brieflein an die Tante.
Viel denke ich an Dich, wenn es morgens acht Uhr ist, dann fängt mein Hugo an zu lernen, Du gehst in dieselbe Schule wie ich, und Mittag kommst Du heim und lachst mit der Tante Tinni, erzählst ihr, machst schön Deine Aufgaben und dann geht Hugo spielen.
Siehst Du, Hugo, weil Du ein braver und guter Bub bist, darum haben Dich die Leute gerne. Dein lieber Papa hat Dich schon so lange nicht mehr gesehen, aber nur immer tapfer bleiben, es gibt ein Wiedersehen für uns. Hugo denke immer wegen den Fingernägeln, lass sie wachsen, gell. Bleib gesund. Bis auf ein Wiedersehen....“



7. Brief vom 8. Juni 1941 an den Sohn Hugo

„Vor einigen Tagen erhielt ich das von Dir und Tante Tinni gegeben Päckchen. Ich habe mich sehr gefreut, und ich danke Dir und Tante Tinni. Gestern bekam ich den Brief, wo Du mir so schön gemalt und geschrieben hast, auch Dein liebes Bildchen.  
Ich habe viel Freude damit und glaube, mein Hugolein ist bei mir. Du bist ein großer Bub geworden und es ist recht, immer lachen. Hugo, auch ich lache, weißt, wenn ich daran denke, wie unser lieber Papa noch bei uns war und wie er immer Spaß gemacht hat, da war es doch lustig. Ja, Hugo, immer war dein Papa lieb und gut, und  darum wollen wir auch immer an ihn denken. Wenn wir Papa wieder sehen, dann bist Du schon so groß und darum lerne fleißig, Hugo, damit Du ganz tüchtig wirst.
Aus Bad Kreuznach bekommst Du von Tante Tilla und Kätha etwas ganz schönes geschickt, was meinst Du, Hugo, ein Segelflugzeug, das größte, wo zu kaufen war. Da wirst Du Dich freuen und kannst es auf der Turnwiese fliegen lassen, aber gib acht, dass es nicht in den Bach fällt oder auf einen Baum im Park.
Dein Onkel Karl, das ist der Bruder von Papa, hat Dir 10 Mark geschickt. Tante Tinni kann Dir was kaufen, Du brauchst doch sicher ein paar Sandalen. Mir hat er auch 10 Mark geschickt und Tante Luise 5, jetzt brauchst Du mir keines zu geben, kannst es schön sparen.
Schreibe auch an Tante Kätha, sie ist sehr lieb und hat fünf Kinder, alles Mädchen, die Dich alle gerne haben, und Tante Tinni ist so gut und schickt ihr so ein kleines Bildchen von Dir, sie hat noch keines.
So, mein liebes Söhnchen, ich wünsch Dir viel Freude und bleib recht brav, immer schnell kommen, wenn Du gerufen wirst, dann hab ich mit meinem Hugo viel Freude. Bleib gesund und nimm viele Bussi von Deiner Mama.

Meine liebste Schwester!

Herzlichen Dank für deine lieben Zeilen, ich habe immer viel Freude, wenn Du schreibst. Unterdessen hast Du meine anderen Briefe wohl bekommen. Das Bildchen ist allerliebst, er steht da, na, so komm doch und fang mich, wenn Du mich kriegst.
Zwei Kilo hat Hugo zugenommen, das ist sehr schön und viel für die kurze Zeit. Ja, es ist recht, manchmal muss man halt streng mit den Buben sein, ich weiß es, und man darf ihnen nicht alles durchgehen lassen, aber ich weiß, Du bist herzensgut und gerecht und bin deshalb ganz ohne Sorge um klein Hugo.
Tinnerl, Du bist so lieb und hast extra für uns Fichtennadel eingekocht, die sind sehr gesund für die Lunge, ich schreibe gleich nach Erhalt. Ich habe auch Luise um einige Sachen gebeten, sie wird es Dir schon sagen, jetzt im Juni wollte sie zu Euch fahren. Ich war zum Röntgen und Durchleuchten und warte auf Bescheid. Hier ist auch kein schönes Wetter, immer noch kalt.
Im Sommer wird Hugo schön braun, und wenn er blass ist, er ist auch stark gewachsen, wenn er so herumläuft, fehlt ihm nichts, und mit der Zeit bekommt er auch rote Backen. Dein armer Peter, Rheuma ist sehr schmerzhaft und wenn es so kalt ist. Man kann nur hoffen, dass bald Friede wird ....



8. Brief vom 15. Juni 1941 an Vater, Schwester Tinnerl und Hugo.

„Ich habe am Freitag, den 13., das von Dir gesandte Päckchen erhalten, es kam in bester Ordnung an. Das eingekochte Fichtennadelmark ist sehr gut, und ich nehme es so gerne wie Hugo auch. Du kannst alles so gut machen wie unsere gute Mutter, sie wusste gegen jede Krankheit ein Kräutlein.
Ich bin so froh, dass Hugo auch die zweite Impfung gut überstanden hat, und seine roten Flecken nicht mehr hat, die haben ihn immer gequält. Unser Franz war bei Euch, ja, er würde aus Hugolein einen guten Turner machen, wenn er immer in Stainz wäre. Ich weiß noch, wie der große Bruder stolz auf mich war, wenn ich „bei Schauturnen“ mich gut gehalten ha. Er hat Hugo einen so großen Batzen in die Sparbüchse getan, sag ihm meinen Dank.
Dir, liebe Tinni, meinen besten Dank für Päckchen und Brief, habe mich sehr gefreut. Aber jetzt mit dem Schicken etwas abwarten, ich hab ja den Fichtennadelsaft, und meine Schwägerin schickt mir auch ab und zu etwas, sonst wird es zu viel.
Luise hat mir 5 Mark geschickt, ich schreibe ihr das nächste Mal.
Dass Hugo sich über das Herzchen gefreut hat, glaube ich gern, es ist auch lieb. Wenn Du schreibst, richte immer herzliche Grüße aus, ich kann Dich verstehen, alle Verwandten wollen von klein Hugo wissen, möchten ein Bildchen haben, da kannst Du nichts wie Briefe beantworten. Aber schon als er noch ganz klein war und wir noch in Kreuznach waren, sind sie immer um ihn gewesen und schenkten ihm viel.
Geht es unserem Vater wieder etwas besser? Wenn es nur schön warm wird diesen Sommer, dann erholt er sich wieder ein bisschen. Ich selbst war noch nicht wieder beim Arzt, erst muss er ja die Röntgenaufnahme haben. Hoffentlich habe ich nichts Ernsthaftes, dann wäre alles nicht so schlimm.
Ich hoffe, dass Du, liebe Tinnerl, inzwischen wieder Nachricht von deinem Mann hast, ich es Dir gut nachfühlen, es ist schwer.
Dass mein liebes Söhnchen so lieb und brav ist, und dass er schon so ordentlich lernt, freut mich sehr, er soll nur so bleiben. Auch für sein gemaltes Bildchen vielen Dank, alles, was er macht, ist schön.
Für heute ist es alles, was ich zu berichten weiß, ich erlebe ja nichts, es ist immer dasselbe.
Auch ich freue mich auf ein Wiedersehen mit Euch daheim, auch das kommt, nur Geduld. ....

Lieber Hugo, es ist schade, dass die Mundharmonika nicht mehr so gut spielt, aber Du bekommst schon mal wieder eine andere....“



9. Brief vom 6. Juli 1941 an Vater und Schwester Tinnerl

„Für Deine lieben Zeilen vom 18. Juni danke ich Dir herzlich. Ich hatte an den zwei vergangenen Sonntagen nicht an Dich geschrieben, sondern an Familie Rose und an Luise. Heute ist ein herrlicher Tag, ich denke an Euch daheim, wie viele Leute bei solch schönem Wetter zum Baden kommen und mein Söhnchen unter allen anderen lustig herumspringt. Auch zu mir lachte die Sonne ein klein wenig herein, und macht das Stübchen dadurch ganz hell.
Ich hoffe, liebe Tinnerl,  Du hast in der Zeit seit dem 18. Juni eine gute Nachricht von deinem Mann bekommen, ich denke viel daran.
Bei mir hat sich noch nichts geändert. Gesundheitlich geht es mir manchmal besser und dann hab ich wieder Schmerzen, immer an der gleichen Stelle. Das Fichtennadelmark hab ich aufgegessen und es war sehr gut, danke nochmals.
Wie geht es unserem lieben Vater? Ich hoffe, ein schöner Sommer wird ihm wieder etwas Kraft geben, ich muss ihn doch wieder sehen können. Es muss jetzt daheim wunderschön sein, und ich bin froh, dass Hugo bei Dir sein kann und hab daher auch keine Sorge, ich weiß, Du bist gut und lieb zu ihm und, wenn es sein muss, strenge, und es ist richtig.
Hugo durfte auch bei mir seinen Willen nicht durchsetzen, er weiß es sehr gut und ich muss sagen, er ist ein liebes Kind, ich hatte es nicht oft nötig, ihn zu strafen, Kinder muss man verstehen, und kann sie ohne Schläge tadellos erziehen.
Luise hat mir, als sie bei ihrem Mann zu Besuch war, eine Karte geschickt, aus Kärnten. Sie wollte Anfang Juni Euch besuchen, aber sie hat halt ihre Ansicht geändert.
Was macht Mitzi, ich hoffe, dass sie gesund ist, richte grüße an sie aus. Wegen Anny will ich gar nicht fragen, ich habe von ihr geträumt, sie war krank und ich habe sie gepflegt, geschrieben hat sie mir noch nie, kann mir schon denken warum, bin ihr aber nicht böse darum.
‚Edel sei der Mensch, hilfreich und gut’, heißt ein schönes Sprichwort. Liebste Schwester, wenn Du mal wieder an Frau Knobel schreibst, dann bestelle viele herzliche Grüße und Küsse und ich bin ihr sehr dankbar, dass sie sich so lieb um Hugolein gekümmert hat. Wie lange ich noch hinter verschlossenen Türen bleib, weiß ich nicht, aber wenn ich gesund bleib, komm ich auch wieder zu meinen Lieben zurück.
Hugo wird nun auch bald seinen neunten Geburtstag haben, die zeit vergeht, im September ist es zwei Jahre, dass wir unseren lieben Papa nicht mehr gesehen haben, es war und ist eine schwere Zeit für alle. Sage an Franz meinen besten Dank.....

Mein lieber kleiner Hugo!

Ich weiß, dass es Dir recht gut geht und dass Du brav bist, sei es immer, denke daran, wie lieb Tante Tinni zu Dir ist und wie schön Du es bei ihr hast. Wie geht es mit dem Lernen, Hugo? Du hast mir geschrieben, dass Du mir bald einen Brief schreibst, aber jetzt ist es so schönes Wetter und da läufst Du lieber draußen herum, das versteht Deine Mama...“
 

 

10. Brief vom 20. Juli 1941 an Vater, Schwester Tinni und Hugo

Deine lieben Zeilen vom 30. Juni habe ich erhalten, besten dank. Auch Anny hat mir geschrieben, und ich habe mich sehr darüber gefreut und hoffe, dass sie alles gut übersteht.
Wie geht es daheim? Hoffe, dass Vater gesund ist, und Du von deinem Mann wieder Nachricht hast. Ich habe mich sehr über Hugos Bildchen gefreut, er schaut so treu drein, und groß ist er geworden, ich glaube schon, dass ihm von seinen Sachen nichts mehr passt.  Mein Schwager Karl hat ihm wieder etwas Geld geschickt, er schrieb mir, es sei für seinen Anzug.
Mit dem Schwimmen, liebe Tinerl, eilt es ja nicht, er wird es schon noch lernen, es ist ja auch nicht das Wichtigste, Hauptsache er ist gesund und kommt in der Schule gut vorwärts.
Ich habe auch meinen Röntgenbefund bekommen, und ich bin sehr froh, an der Lunge hab ich nichts, der Arzt sagte, es kann eine Rippenfellverwachsung sein, oder auch die Nerven. Bei warmem Wetter hab ich fast keine Schmerzen, und jetzt mache ich mir keine Sorgen mehr, das brauchst Du nun auch nicht mehr, gelt!
Heute ist es wieder kühl und es regnet, nun kommt noch August und hiermit ist auch dieser Sommer wieder beendet, die Zeit vergeht trotzdem schnell, und so kommt auch die Zeit, wo wir uns wieder sehen.
War Luise noch nicht bei Euch? Und was macht Mitzi, richte bitte Grüße an sie aus.
Sonst, liebste Schwester, kann ich Dir nichts Wesentliches berichten, es ist vorläufig beim alten. Bleibt alle gesund und sei gut, gebe auf mein Söhnchen gut acht, bis ich wiederkomme...

Mein lieber Hugo!

Ich will Dir nur einige Zeilen schreiben, weißt, Hugo, ich weiß nichts Neues, ich erlebe so wenig und trotzdem freust Du Dich bestimmt, wenn Du von deiner Mama ein paar Worte hörst.
Ich weiß, dass es Dir gut geht und Tante Tini zu Dir so lieb ist wie eine gute Mama, darum, Hugolein, sei auch Du recht brav.
Du bist sehr gewachsen und deshalb esse nur tüchtig, damit Du stark wirst. In der Schule lernst Du ja ganz brav und ich hab mit Dir viel Freude, bleib immer gut und vergesse deine Eltern nie, auch wenn wir noch für lange Zeit getrennt sein müssen.
Wie ist es denn mit Deinen Fingernägeln, mein Söhnchen? Ich hoffe, dass sie jetzt schön wachsen und Tante Tini sie abschneiden kann, es ist doch nicht schön, weißt, ich habe vor kurzer Zeit eine Frau gesehen, die hat sie abgebissen und das sah ganz grausig aus, also, Hugo, merke Dir das, gelt!
Nun bekommst Du ja bald Ferien und da hast Du viel zeit für zu spielen, aber das lernen dabei nicht ganz vergessen. So wünsche ich Dir, mein liebes gutes Söhnchen, recht viel Freude, bleib gesund...“


 
11. Brief undatiert  an Sohn Hugo

„Mein lieber Hugo!

Heute ist Sonntag und da hast Du keine Schule, da kannst Du den ganzen Tag laufen und Spielen, ja auf dem Turnplatz, da ist es schön, dort hat auch Deine Mama gespielt. Wie geht es Dir in der Schule, doch schon ein bisschen besser, gelt. Weißt Du, Hugo, ich denke oft daran und muss immer lachen, wie Dir dein Lehrer, wo Du bei Julien warst, in das Heft schrieb, Du seiest der beste Schüler in der Klasse. Da hast Du mir gesagt, Mama, das ist nicht leicht, erster zu sein, denn der zweite war gleich hinter mir her. Siehst Du, Hugo, so wird es auch jetzt sein, dort hast Du am Anfang auch geweint, und hast gesagt, das kann ich nie und es ging gut. So ist es auch jetzt, am Anfang ist es schwer, mein guter Hugo, aber wenn Du daheim jeden Tag ein bisschen liest und schreibst, dann wirst Du sehen, dass es in der Schule besser geht. Nicht nur spielen, Hugo, denn Du weißt doch noch, was ich Dir immer erzählt habe von den Menschen, die zu faul waren, richtig zu lernen. Hast Du schon einen kleinen Kameraden gefunden? Du bist ja unser lieber Bub, und wenn man lieb und gut ist, dann hat man immer Freunde. Wie geht es sonst, hast Du noch Ausschlag, bleib mir nur gesund und gehe nie in das tiefe Wasser, auch wenn andere Jungens sagen, Du solltest mitgehen. Morgens gehe ich immer eine halbe Stunde im Hof spazieren und da schicke ich Dir immer liebe Grüße mit den Wolken, die Du auch siehst.
So, Hugo, jetzt hat Dir deine Mama wieder geschrieben, es ist dies alles, was ich Dir jetzt tun kann, aber es kommt auch wieder die Zeit, wo wir beisammen sind und bleiben. Bleib tapfer, mein gutes Söhnchen, denke an deinen lieben Papa, gebe dem Großvater und Tante Tinni ein festes Küsschen von mir und sei herzlichst gegrüßt....“





Briefe von Juliana Salzmann aus dem Frauen-Konzentrationslager Ravensbrück


1. Brief von September 1941 (Häftlingsnummer 6826, Block 16)

„Lieber Vater, Schwester, Sohn Hugo!
Habe deine Karte und Brief erhalten, vielen Dank, auch das(?) Päckchen. Ich schreibe immer an Dich, Tinerl, und an mein Hugolein und seid bitte ......
Meinetwegen macht Euch keine Sorge, ich bin gesund und hoffe dies auch von Euch und meinem Mann. Mein liebes Söhnchen, ich freue mich, dass es Dir gut geht und Du so brav bist, bleibe so. Wenn Du einmal deinem lieben Papa schreibst, richte liebe Grüße und Bussi von mir aus, auch an Frau Knobel. Liebe Schwester, wenn es Euch möglich ist, schickt mir etwas Geld, mein Koffer mit einigen Sachen wird von hier aus an Dich geschickt, hebe sie bitte auf. Ich bin froh, dass Hugo einen Anzug hat, und habt alle vielen innigen Dank für alles Gute. Bis aufs Wiedersehen, nehmt alle meine besten Grüße, Bussi an Hugo .....“



2. Brief von Oktober 1941 (Block 5)

„Meine liebe Schwester, Sohn Hugo!
Deinen letzten Brief sowie die 10 Reichsmark habe ich erhalten, ich habe mich sehr gefreut, und hab vielen Dank dafür. Wenn Du mir wieder schreibst, so soll mir mein Söhnchen auf die andere Seite etwas malen und dazu schreiben, ich habe solche Sehnsucht, von ihm selbst etwas zu haben, seine beiden Bienenhäuschen habe ich bekommen und hatte viel Freude damit. Ja, liebes Hugolein, bald hast Du Geburtstag, am 2. 11., nehme alles Gutes zu deinem 9. Geburtstag von Deiner Mutti, bleibe gesund und sei immer unser braves gutes Kind. Leider habe ich heute nur ein paar Worte für Dich, aber Deinen 10. Geburtstag wollen wir zusammen mit unserem lieben Papa in der Heimat feiern. Wenn Du an ihn schreibst, grüße ihn herzlich von mir und drücke Großvater und Tante Tinerl fest von mir. Nochmals vielen Dank, Grüße und Bussi an alle ....“
 


3. Brief von November 1941 (Häftlingsnummer 6826/6176, Block 5)      

Meine Lieben, ich habe mit Freude Deine lieben Zeilen erhalten und ich bin sehr froh, dass es Euch und meinem lieben Söhnchen gut geht. Besten Dank für das Geld und brauche vorläufig keines mehr. Liebste Schwester, Sorgen mache ich mir um Hugo, wenn er wieder mit seinem Magen zu tun hat, frage ihn, ob ihn nicht Dr. Scheu behandeln kann, dass sich sein Zustand bessert, gebe mir darüber Bescheid, ich hab sonst keine Ruhe. Ich bin noch gesund und macht Euch meinetwegen keine Sorgen, wir werden uns bald wieder sehen. Unser Söhnchen hat es gut bei Dir, und das macht mich froh. Wenn Du kannst, kaufe Lebertran für ihn und bleib ein gutes Mütterlein zu ihm bis ich wieder komme. Grüße die Kreuznacher Tante Knobel, Hugo, wünsche ihm gute Besserung, an alle Geschwister, Bussi an Vater, Dich und Bub .....“



4. Brief von Dezember 1941 (Häftlingsnummer 6826/6176, Block 5)

„Meine Lieben! Ich habe Deinen lieben Brief und auch 10 Mark erhalten, besten Dank, ich habe mich gefreut. Dass Hugolein sich den Arm gebrochen hat, ist schlimm, hoffentlich ist er gut geheilt und hat Dir nicht allzu viel Sorgen gemacht, wer wird die Krankenhauskosten bezahlen? Hast Du von Hugo wieder etwas gehört? Luise ihren Gruß habe ich bekommen und sage ihr meinen Dank. Liebes Söhnchen, ich habe mich sehr über Dein Brieflein gefreut, schreibe mir bitte öfter, es hat mich betrübt, dass Du so ein Pech gehabt hast, und ich bin froh, dass es Dir wieder besser ist, sei lieb, Hugolein, und lerne brav, nächstes Jahr kommt Deine Mutti wieder, dann werden wir uns vieles erzählen, wenn Du an Papa schreiben kannst, richte liebe Grüße, Bussi von mir aus. Liebste Schwester, an Euch alle, verwandten und Freunde, wünsche ich ein besseres neues Jahr, hoffentlich bringt es uns den Frieden. Bleibt gesund und seid herzlich gegrüßt...“



4a. Brief von Dezember 1941 (Häftlingsnummer 6826, Block 1)

„Liebste Schwester, Hugolein, habt innigen Dank für Euren lieben Brief, auch von Papa hab ich einen kleinen bekommen, schreibt ihm, dass ich mich sehr gefreut hab und ihm danke. Im neuen Jahr schreibe ich ihm wieder. Heute bekam ich von der lieben Tilli eine schöne Karte und ein Päckchen mit gutem Keks, ich habe große Freude damit und danke herzlichst dafür. Alle meine Verwandten können mir etwas schicken, wenn es möglich ist, ich bin für alles sehr dankbar. Schickt mir Obst(?), Haferflocken oder Margarine., Speck, Marmelade, Zucker oder Kunsthonig, Äpfel und wenn Ihr könnt backt mir .... mit ....L. Tini, wenn Ihr Kletzenbrot(?) bäckt, so vergesst mich nicht, wickelt Brot oder Mehlspeise in ein Geschirrtuch ein und verpackt alles gut. Notwendig brauche ich warme Handschuhe, warme Unterhemden, Unterhosen, ..... Taschentücher, Strümpfe, Socken, zwei Büstenhalter, Nachthemd, Kamm, Staub... , Bürste, Seife, Zahnpasta. L. Schwester, schicke diesen Brief an Tilla, sie schicken mir das .... gerne, Du hast schon genug an Herzeleid. Grüße herzlichst alle Geschwister..... gesunde Weihnachten. Auf Wiedersehen im besseren neuen Jahr....“



5. Brief von Januar 1942  (Block 5)

„Meine liebe Schwester und Hugolein!
Euren lieben Brief habe ich mit viel Freude erhalten, besonders freute mich Hugos schöne Zeichnung, herzlichen Dank. Ich bin sehr froh, dass Hugo seine Hand gut geheilt ist und hoffe, liebe Tinnerl, Dir alle Ausgaben, welche Du für unser Söhnchen hast, bei besseren Verhältnissen wieder geben zu können, ich mache mir deswegen oft Sorgen. Liebes Söhnchen, unser Hugo hat am 4. Februar seinen 39ten Geburtstag, sei bitte so lieb und schreibe an ihn, zeichne auch etwas Schönes, vergesse die Sonne dabei nicht, er mag sie so gerne, und sage ihm von mir alles Gute, er soll gesund bleiben. Schreibe mir recht bald wieder, und ich glaube fest an ein Wiedersehen in diesem Jahr. Lerne gut, Hugolein, gebe Großvater, Tante Bussi von mir ...“
 


6. Brief von März 1942 (Block 5)

„Liebe Schwester, Hugolein! Habe deinen lieben Brief erhalten, ebenso die 10 Mark, ich habe mich sehr gefreut, vielen Dank. Geld habe ich noch genug, wenn ich welches brauche, werde ich Euch darum bitten. Liebes Söhnchen, Du hast mir so lieb geschrieben und gezeichnet, ich habe viel Freude damit und danke Dir dafür, schreibe mir bald wieder. Es ist lieb, Hugo, dass Du für Deine Mutti sparst, aber Tante Tinni soll es verbrauchen, wenn ich komme, gibt es wieder Rat, und ich habe den festen Glauben, dass ich bald bei Euch sein werde. Hugolein, Du hast es nicht leicht in der vierten Klasse, aber ich weiß, dass Du brav lernst und ‚erster’ brauchst Du nicht zu sein, ich, es ist sehr schwer vom Französischen ins Deutsche umzulernen. Zu Großvaters Namenstag wünsche ich ihm beste Gesundheit ....“



7. Brief von Mai 1942

„liebe Schwester, Hugolein! Ich habe Deine beiden lieben Briefe erhalten, herzlichen Dank. Habe immer große Freude über Hugos Zeilen und die schönen Zeichnungen. Im April habe ich nicht geschrieben, sollte einmal mein Brief ausbleiben, so mache Dir keine Sorgen. Mit Deinem letzten Brief bekam ich auch einen von Hugo, ich weiß nicht mehr, wie mir zu Mute war, nach so langer Zeit von ihm zu hören. Jetzt warte ich nur(?), wie es mit ihm weiter geht. Mein liebes Söhnchen, schreibe und zeichne für deinen lieben Vati, damit er etwas Freude hat. Ich hoffe, dass Ihr alle noch gesund seid, auch unser alter Vater, ich hoffe sehr, dass ich bis zum Herbst bei Euch bin. Dass Du, mein Kind, gesund bist und es Dir bei Tante gut geht, darüber bin ich sehr beruhigt, wenigstens brauchst Du das Elend Deiner Eltern nicht zu teilen. Aber ich will den Kopf hoch halten, seid auch Ihr ruhig. Innigste Grüße ...“



8. Brief von Juni 1942

Liebste Schwester und Hugolein! Habe deinen lieben Brief und 10 Mark erhalten, habe mich sehr gefreut, vielen Dank. Käthe hat mir auch sehr lieb geschrieben, kann ihr aber nicht antworten. Grüße sie alle von mir und Käthe soll mir wieder schreiben. Von Hugo habe ich noch nichts wieder gehört, Hugolein soll ihm schreiben und ein Bildchen schicken, wenn Papa auch noch nicht geschrieben hat, er wartet mit Sehnsucht auf Nachricht von seinem Bub. Ich mache mir viel Sorgen um Hugo. Liebe Schwester, hoffentlich ist dein Mann nicht schwer verwundet und kommt bald geheilt zurück. Ich bin so froh, dass unser Bub gesund ist und er brav lernt, ich hoffe, in diesem Jahr heimzukommen, und wir werden alle nochmals froh werden, wenn wir gesund bleiben. Hugolein, drücke Großvater und Tante Tinnerl von mir, gib Ihnen ein Bussi. Bleibe weiter so lieb, grüße Papa und alle Verwandten recht herzlich. Auf Wiedersehen recht bald, besten Dank ...“



9. Brief von Juli 1942 (Häftlingsnummer 6826, Block 1)

Liebe Schwester und Hugolein! Habe Euren lieben Brief erhalten, besten Dank, auch Papa hat Euch geschrieben, das freut mich. Nach so langer Zeit hat Hugo wieder von ihm gehört, wenn auch unter so traurigen Verhältnissen, ich habe noch nichts wieder von ihm gehört, bin aber froh, dass er gesund ist. Auf Deine Anfrage kann ich Dir keine Auskunft noch einen Rat geben, da er staatenlos ist, ist meines Erachtens nach die Sache hinfällig. Vielleicht habe ich das Glück, noch dieses Jahr heim zu kommen, dann werden wir weiter sehen. Liebes Hugolein, Geld habe ich noch, und Tante Tinni soll Dir für die 100 Mark Sachen kaufen, Du sollst nicht für Deine Mutti sparen, wenn ich erst frei bin, kann ich wieder verdienen. Schreibe an Papa und richte innige Grüße aus, hab nochmals vielen Dank für Dein liebes Brieflein + Zeichnungen, schreibt bald wieder. Grüßt alle lieben Verwandten, Käthe soll mir schreiben, und was sie von Hugo hört....“



10. Brief von Oktober 1942 (an den Ehemann Hugo Salzmann, Adresse: Koblenz, Karmeliterstraße 1 a)

Liebster Hugo! Deinen lieben Brief habe ich erhalten, leider konnte ich nur eine Hälfte lesen, schade, habe mich sehr gefreut und hab vielen Dank. Wollte heute erst an Hugo schreiben, er hat am 2.11. Geburtstag, es ist schon der vierte, wo Du nicht bei ihm bist, ach ja, und er hat Dich so lieb. Gerne wäre ich bei ihm, er hat mir so lieb geschrieben, er freue sich schon, dass ich im Herbst heimkomme. Ja unser guter Bub hat mit uns auch schwere Zeit mitgemacht, aber jetzt hat er es gut. Mir geht es so, den Kopf lasse ich nicht hängen, habe hier einen lieben Menschen, wir verstehen uns gut und so erträgt man das Schwerste. Um mich, liebster Hugo, habe keine Sorge, es soll uns eben nicht anders gehen. Wie oft denke ich über alles nach, mehr als elf Jahre haben wir treu zueinander gehalten und ich denke, ein bisschen Glück werden wir schon auch noch haben. Würde mich freuen, wenn Tilla Dich besuchen könnte. Grüße alle Lieben, und hoffe, sie bald wieder zu sehen. Bleib gesund, mein lieber Hugo, und sei.....“



11.  Brief von Jänner 1943
 
Lieber Vater, Schwester und Hugolein! Einen lieben Gruß und festen Händedruck im neuen Jahr, bleibt alle gesund. Vielen Dank für Euren lieben Brief, auch an Dich, lieber Bub, so schön hast Du geschrieben und gemalt, Du bist ein braves Kind. Vati hat am 4. Februar seinen 40. Geburtstag, schreib ihm einen lieben Brief und zeichne etwas und wünsche ihm auch von mir das Beste. Nächsten Monat schreibe ich ihm. Habe beide Pakete mit allem erhalten, ich bin sehr froh, dass Ihr mir etwas schicken könnt. Ihr könnt Euch nicht denken, wie ich mich gefreut habe, beim Weihnachtspäckchen konnte ich lange keinen Schlaf finden, vor Freude und Heimweh. Lange habe ich so Gutes nicht gegessen, Dir, liebe Luise, innigen Dank für das Gegebene. Liebe Schwester, ich kann unbegrenzt Pakete erhalten, schickt mir ein Kilo Brot und etwas zum Schmieren, damit ist mir viel geholfen. Wenn möglich Zitronen, statt Würfelz. Kristall..(?). Schreibe bitte an Tilla und Käthe, sie wollen mir öfter was schicken. Hoffentlich kann Hugo auch Essbares empfangen, er hat mir geschrieben, vielen Dank. Grüße ihn und alle lieben Verwandten herzlichst, auf Wiedersehen seid umarmt ...“



12. Brief von März 1943 (Block 4)

„Liebster Vater, Schwester und Hugolein! Deine lieben Briefe mit Geburtstagswünschen erhalten, habe mich sehr gefreut über Hugos Zeichnungen und über die schönen Pakete, ich habe alle bekommen, das letzte vom 27.2. am 18.3. Liebe gut Tini, ich kann nicht mehr als Dir für alles vielmals danken. Mein Schwiegervater hat mir zum Geburtstag ein Päckchen mit Zwieback geschickt, wenn Du schreibt, danke ihm bitte für mich. Hugo hat mir geschrieben, bin froh, dass er gesund ist. Käthe und Tilla haben mir Karten geschrieben, besten Dank und grüße sie alle herzlich. Liebe Tini, wenn Du kannst, schicke mir ein bisschen Öl oder sonst etwas, ich habe einen schweren Husten, wird gar nicht besser, und wenn möglich Zwiebeln, eine Handbürste und Vaseline. Wieder ist ein Frühling, sehe unseren lieben Bub daheim am Bach, wo die ...röschen(?) blühen, wann komme ich zu Euch? Ich hoffe dieses Jahr bestimmt. Liebe Tini, kannst Du A....(?) ein Bildchen vom Sohn schicken. Bleibt gesund und gegrüßt ....“



13. Brief von April 1943 (Block 4)

„Meine liebe gut Schwester, Vater und Hugolein! Heute habe ich deinen lieben kleinen Brief bekommen. Am 24. Jänner bekam ich den letzten von Dir und war auch in großer Sorge. Warum hat mir mein gutes Hugolein nichts geschrieben und gemalt, bitte das nächste Mal wieder. Im März habe ich Dir geschrieben, hoffentlich hast Du den Brief erhalten. Deine Pakete habe ich alle bekommen, das vorletzte vom 8.2. und das letzte vom 27.2. am 12. 3(ß). Gute Tinerl, alles war sehr gut und schön und es ist für mich eine große Hilfe. Was ist eigentlich mit Kreuznach los, warum schicken sie mir nichts? Bitte, liebes Hugolein, schicke deiner Mutti einen Bautzen. Von Hugo habe ich den letzten Brief vom 1.2. erhalten, schreibt ihm bitte liebe Grüße von mir, und wenn Du an Tante Julchen schreibst, so soll sie mir einmal Marmelade schicken. Liebster Bub, der Schnee ist weg und der Frühling hat Eingang gehalten, gern würde ich mit Dir in der schönen Heimat wandern, auch das kommt wieder, bleibt gesund , innigsten Dank für alles Gute, seid umarmt und alle recht herzlich gegrüßt...“



14. Brief von Mai 1943 (Block 2)

„Liebster Vater, Schwester und Hugolein! Für die lieben Zeilen, die mir frohe Ostern brachten, innigsten Dank. Jetzt bin ich ruhig, ich, dass Hugo es den Verhältnissen entsprechend anständig haben wird. Er hatte Glück. Dir, liebes Hugolein, danke ich für die liebe Zeichnung, die Katze hast Du ganz schön gemacht, was macht dein kleines Kätzchen? Hugolein, hab um uns keine Sorge, Vati und ich kommen wieder, wir müssen nur gesund bleiben, ich hoffe, dass Du nicht so ganz groß wirst, sondern dass wir früher schon bei Dir sind. Schreibe an unseren lieben Vati und sende ihm Grüße und Küsse von mir, er soll gesund und tapfer bleiben. Liebste Schwester, schicke nie wieder Öl, Vaseline oder Arzenei(?), schade, habe nichts bekommen, für alles andere besten Dank, bin froh für alles. Gestern habe ich das kleine Päckchen bekommen, war es von Luise, ich habe mich gefreut. Heute ist ein herrlicher erster Maitag, die Sonne sandte Ihre Wärme der Menschheit. Tini, schicke mir bitte zwei weiße starke Taschentücher. Bleibt gesund und herzlichst gegrüßt und ein festes Bussi an Hugolein... „



15. Brief von Juni 1943 (Block 2)

„Meine Lieben! Für Euren lieben Brief vom Mai herzlichen Dank, schön gezeichnet hast Du, Hugolein. Habe auch alle Pakete bekommen, auch die Zwiebeln, nur Öl und Vaseline bekam ich nicht. Hugolein, ich habe Dein Bildchen gesehen, ein so großer sauberer Bub bist Du, und immer so lieb wie Du warst. Mir war es sehr schwer, wenn ich auch alles andere tapfer trage. Aber es macht nichts, mein Söhnchen, uns scheint die Sonne auch noch, wir sehen uns wieder und werden es gut haben. Hugolein, ich weiß, dass Du Dir Mühe gibst zur Prüfung für die Hauptschule, wünsche Dir alles Gute. Vati hat mir noch nicht geschrieben, hoffentlich ist er gesund. Tilla, die Glückliche, kann unseren guten Buben sehen, grüße sie und Bigitte(?) und alle anderen Verwandten von mir, sie soll mir schreiben, auch wie sie Hugo in Koblenz besucht hat. Liebe Tini, Aliderl(?) war schon sehr krank, die Schule ist sehr anstrengend für sie es geht ihr besser, seit ihr ihre Schwester hilft. Die Äpfel waren schön und gut, danke vielmals für alles, bitte um Seifenpulver. Beste Grüße an Euch alle...“



16. Brief von Juli 1943 (Block 2)

„Meine Lieben. Bin ganz beunruhigt, habe seit sieben Wochen keine Post von Euch, schreibe mir einen Einschreibebrief und wenn Du, liebe Tini, keine Zeit hast, soll unser Bub mir öfters eine Karte schreiben. Es ist schlimm, wenn man keine Post bekommt. Von Hugo habe ich noch nichts gehört, war Tilla bei Euch? Hoffentlich schreibt sie mir einen Brief, und hoffe, dass Ihr meine Post erhalten habt. Liebe Tini, ich habe im Juni vier Päckchen bekommen, danke vielmals dafür, vermerke nächstens Inhalt und Datum im Karton und gebe sie als dringend auf. Bitte um zwei weiße starke Taschentücher. Wie geht es Vater, denke, in diesem Jahr heimzu-kommen. Anny kann mir auch schreiben, verliert bestimmt nichts von ihrer Ehre, nur wenn sie will. Dich, mein liebes Hugolein, grüße ich innigst und auf Wiedersehen recht bald, bleibe lieb. Beste Grüße an die Kreuznacher, an Euch alle ...“



17. Brief von August 1943 (Block 2)

„Meine Lieben! Habe im Juni Euren Brief erhalten, Annys Zeilen haben mich gefreut, ich bin froh, dass Ihr gesund seid. Hat Hugo Euch geschrieben? Mir noch nicht. Von Käthe bekam ich Anfang Juli einen Brief und ein Paket. Liebe Tini, schreibe ihr bitte, dass ich alles erhalten habe, grüße sie und ihre Familie herzlich  und lasse vielmals für alles danken. Liebe Schwester, der Lebkuchen war verschimmelt, schade. Ihr darbt es Euch und ich hab nichts! Am Haltbarsten sind Roggenkekse (große Stücke), Käse und alles andere war gut und ich danke Euch. Liebes Hugolein, wegen der Schule ist es gut so, es macht nichts, wenn Vati und ich wieder kommen, wirst Du zur höheren Schule gehen und außer Englisch noch viel mehr lernen. Wie geht es dem Französisch, hoffentlich hast Du Gelegenheit zu üben, damit Du es nicht verlernst, es wäre schade. Wenn Du an Vati schreibst, grüße ihn herzlich und er soll gesund bleiben, ebenso Frau Knobel. Nächsten Monat schreibe ich an Käthe, grüßt sie alle in Kreuznach. Du Hugolein, sei lieb zu klein ....(?) und gib ihm ein Bussi von mir. Bis auf ein Wiedersehen grüßt Euch Eure dankbare Julerl. Bin sehr froh für die zwei Taschentücher.“



18. Brief von Oktober 1943

„Meine Lieben! Habe Euren Brief erhalten, nur bekam ich den, der für Hugo bestimmt war und Hugo erhielt meinen. Peter war auf Urlaub und eine schöne Reise habt Ihr auch gemacht. Ich kann mir denken, dass Hugo sich gefreut hat und Ihr mit ihm. Habe noch ein bisschen Geduld, mein liebes Kind, wenn deine Mutter wieder kommt, dann fahren wir auch Boot auf dem ....teich(?). Es freut mich, dass Du so gut schwimmen kannst. Liebe Tini, ich habe Päckchen von Dir bekommen, es war alles gut und danke vielmals, wenn Ihr wieder schickt, nummerier sie, fange bei 1 an und laufend weiter , damit ich sehe, ob(?) eins verloren geht. Wenn möglich, schickt mir bitte ein paar warme Strümpfe und ein ....hemd(?) mit Ärmeln, Seife und ein bisschen Käse, wenn ihr habt. Käthe hat mir ein Päckchen geschickt und Tilla auch, denn ihnen bitte. Wenn Tante ...(?) schreibt, grüße sie herzlich, ihr Paket erhalten, leider alles schlecht, danke ihr bestens, grüße herzlichst Vater..... auf Wiedersehen recht bald Eure Julerl.“



19. Brief von Dezember 1943

„liebste Tini, Vater und Hugolein! Euren lieben Brief habe ich bekommen, auch die Pakete bis fünf erhalten, nur drei ist ausgeblieben, kann man nichts machen, es ist Krieg, es ist erstaunlich, dass alles noch so gut geht. Gute Tinerl, hab vielen herz-lichen Dank für alles. Ich bin sehr froh, dass Hugo Euch geschrieben hat und dass er gesund ist, auch mir geht’s gesundheitlich gut und so können wir hoffen, uns wieder zu sehen. Unser lieber Vater braucht sich nicht zu kränken, seine Julerl ist immer ehrlich und anständig geblieben, und ich habe nur einen Wunsch, bald bei Euch zu sein. Hugolein, unsere Paula ist ein lieber guter Mensch, wenn Du Zeit hast, schreibe ihr manchmal, sie wird sich freuen über dein Bildchen. Liebe Tini, nächstes Mal schreibe ich an Hugo, er hat am 4.2. Geburtstag, also sorge Dich nicht, wenn einmal kein Brief kommt. Ich wünsche Euch allen gute Weihnachten und ein gesundes neu-es Jahr, Hugolein, schreibe an Vati liebe Grüße, auch an die Kreuznacher und vielen Dank an Käthe, habe zwei Päckchen erhalten. Seid bestens gegrüßt und umarmt ...“



20. Brief von Jänner 1944  (an Hugo Salzmann, Adresse: Butzbach/Oberhessen)

„Mein Lieber Hugo! Es ist schon lange, als ich Deinen lieben Brief erhielt, ich hatte mich sehr gefreut, danke vielmals. Unserem Bub geht es gut, er schrieb mir sehr lieb und zeichnete einen Tannenzweig mit zwei Vögelein, dazu ein gesundes neues Jahr. Von Tilla bekam ich eine Karte, Käthe und ihre Familie senden mir öfters einen Gruß durch ein kleines Päckchen. Alle lasse ich grüßen und wünsche ein gesundes neues Jahr und danke für alles. Lieber guter Hugo, bald hast Du Geburtstag, nehme von ganzem Herzen einen festen Händedruck, bleibe gesund und tapfer, es kommt die Zeit, wo wir wieder beisammen sind. Es freut mich, dass Karl bei Dir war, er ist ein armer(?) Kerl. Mir geht’s gesundheitlich gut und wünsche mir nur, alle meine Lieben wieder zu sehen. Lieber Hugo, schreibe bitte an Tilla, sie soll mir, wenn möglich, zwei feste Nachthemden, keine weißen, schicken. Wir zählen 1944, es ist lange und schwer für alle Menschen, hoffentlich bringt uns das kommende Jahr den Frieden. Habe Ausdauer und bleibe gesund, sei innigst gegrüßt, guter Hugo, bis auf ein Wiedersehen umarmt und küsst Dich....“



21. Brief  von Februar 1944

„Meine Lieben! Euren lieben Brief von Dezember habe ich bekommen, an Hugo habe ich geschrieben, aber noch keine Antwort, hoffentlich schreibt er an Euch. Liebe gute Tini, alle deine Pakete habe ich erhalten, danke vielmals für alles, auch unserer Luise. Paula sandte mir eine schönes, auch ihre Geburtskarte bekam ich, grüße sie sehr herzlich und danke ihr. Tante Julchen, Tilla, die kleine Therese haben mich nicht vergessen, ich habe mich sehr gefreut und danke Ihnen für alles Gute. Wenn die Therese schreibt, so grüße sie und ihre Eltern und danke für das Päckchen. Liebe Tini, die Pakete fest packen, damit sie heil bleiben. Wie geht es Euch? Ist Vater noch einigermaßen gesund, und Du, liebes Hugolein, lernst Du brav, bist Du gesund, sind deine Zähne gesund. Mein gutes Kind, bald kommt der Frühling und mit ihm wird die Sehnsucht auf ein Wiedersehen immer größer. Liebste Schwester, schicke an Tante Julchen an alle Kreuznacher, grüße sie und alle Geschwister, bleibt alle gesund und seid gegrüßt und umarmt, Bussi für Bub und Vati Eure Julerl.“



22. Brief von März 1944

„Meine Lieben! Habt besten Dank für Euren lieben Brief vom 2.2., habe mich sehr gefreut über Paulas Zeilen, gebt ihr diesen Brief zum lesen. Liebe Tini, ich habe Dein Päckchen vom 71.1. erhalten und Paula ihres auch. Tilla hat mir einen Kuchen geschickt, ich danke Euch allen vielmals. Über Paula habe ich gelacht, sie hat mir ein ganzes Mittagessen mitgeschickt. Alles war sehr gut, Knödel, Kraut und Fleisch, haben sehr gut geschmeckt. Paula, schicke aber nichts derartiges mehr, die Pakete sind oft vier Wochen unterwegs und dann werden solche Sachen schlecht und Ihr spart es Euch vom Munde ab. Liebe Paula, die Eier waren schlecht, sie waren zerbrochen, aber Hose(?) und Butter waren gut. Zucker war nicht feucht. Brot, Wurst, Kuchen, Senf, Käse, Marmelade, alles war in gutem Zustand. Habe innigsten Dank, treue Paula, aber gebe es deinem Hans, bei mir geht es schon. Von Dir, liebes Hugolein, träume ich oft und morgens bin ich dann traurig, dass es nur ein Traum war. Ich bin glücklich, dass Du bei Tante Tini ein so gutes Plätzchen hast und dass Du gesund und brav bist. Liebste Tini, richte herzliche Grüße an alle Verwandten aus...“



23. Brief von Juni 1944 (Block 3)

„Meine Lieben! Über Euren Brief habe ich mich sehr gefreut, über Hugos Zeilen habe ich tüchtig gelacht. Es kommt ja sehr selten vor, dass man so von herzen lachen kann. Die arme Lederhose, die hat ja schön ausgesehen, Du bist halt doch ein kleiner Spitzbub, gell, Hugolein. Es ist ja sehr bedauerlich, dass wir so lange von einander getrennt sein müssen, aber wir halten treu zusammen, auch wenn wir auf unser Wiedersehen noch eine Zeit warten müssen. Ich bin froh, dass Ihr gesund seid, traurig für die arme Gusti, deren Mann gefallen ist, es ist alles so schrecklich, dass man gar nicht denken kann. Lange schon habe ich nichts mehr gehört von Käthe und Tilla, grüße sie bitte. Auch meine liebe Paula, die ihren Mann verloren hat, Gina, eine Bekannte von Paula, hat mir erzählt, dass Hans gestorben ist. Er ist erlöst von allem leiden. Schreibe meinen lieben guten Paula, sie soll den Kopf hoch halten, nicht trauern, es wird alles belohnt. Miene liebe gute Tinerl, Deine Päckchen habe ich erhalten, sie helfen mir viel, und ich bin Euch sehr dankbar, wenn Du kannst, schicke mir auch Zwiebel und Zitronensäurepulver. Meinen lieben Hugo grüße ich ganz herzlichst, möchte gerne einen Brief von ihm. Unserer ganzen Familie meine innigsten Grüße, auf Wiedersehen, nochmals besten Dank seid umarmt ....“



23 a. Brief von Juli 1944 (Block 3)

Meine Lieben! Gestern erhielt ich Euren lieben Brief, danke vielmals, auch Seife und Zahnpasta bekam ich, auch Paket mit Rosinen, Feigen und Äpfeln., alles war sehr gut und ich dachte an Deinen Peter, ob er vielleicht die Südfrüchte geschickt hat. Liebe gute Tini, so oft denke ich, hoffentlich kommt er bald für immer zu Dir zurück. Ich freue mich, dass Du, mein liebes Hugolein, eine Füllfeder bekommen hast., ist aber lieb von Frau Knobel, grüße sie alle herzlichst von mir. Ich hatte einen schönen Traum, die Sonne schien so hell und warm, und ich ging durch grüne Wiesen und kam an einen kleinen Bach und dort fand ich mein Hugolein, Du hattest eine Badehose an, warst wunderschön braun und so gesund und hattest fest an einem kleinen Schiff gearbeitet, dann gingen wir zusammen bei hellem Sonnenschein ins Haus. Dort nahmst Du deine Schultasche und sagtest, glaubst, Mutti, ihr sollt dünner(?) sein als die anderen, dabei wurde ich wach. Ich hatte eine große Freude. Vati hat noch nicht geschrieben. Grüße ihn bitte und ein Bussi, von Paula habe ich eine Karte bekommen. Also recht bald auf Wiedersehen mit Euch allen, bleibt gesund, gegrüßt und umarmt...“



24. (letzter) Brief von November 1944   

„Meine Lieben! Habe Euren lieben Brief bekommen, ich war sehr froh, gute Nachricht von Euch zu haben. Es tut mir sehr leid, dass es Vater nicht gut geht, und ich habe ein großes Verlangen, ihn wieder zu sehen. Von Hugo habe ich noch immer nichts gehört und bin daher sehr beunruhigt, vielleicht könntest Ihr einmal dorthin schreiben. Liebe Tini, ich habe zwei Pakete bekommen, eines mit getrockneten Äpfeln und das zweite mit Zwiebeln, alles bekam ich und war in bestem Zustand. Meinen innigsten Dank dafür. Wenn Du hast, schicke mir einmal getrocknete Schwarzbeeren. Jetzt zu Dir ein paar Worte, mein liebes Kind. Übermorgen feierst Du dein zwölftes Lebensjahr, viele Jahre schon feierst Du Deinen Geburtstag ohne Eltern, ich, liebster Hugo, wünsche Dir das Beste, bleibe gesund und brav. Lerne weiter so gut, und hoffe, dass wir uns recht bald mit unserem lieben Papa wieder sehen. Hoffentlich ist er gesund. Ich denke zurück, vor 12 Jahren waren wir in Bad Kreuznach, es ist Deine Vaterstadt, eine schöne Heimat hast Du, Hugo, ia und liebe gute Freunde hatten wir, als Du geboren wurdest, da hatten sie mit uns die größte Freude, wir gehen wieder dorthin, wenn wir uns alle drei wieder finden, ich umarme und küsse Dich und grüße alle recht herzlich, Geschwister, paula und die Kreuznacher Eure dankbare Julerl.“




Briefe von Hugo Salzmann


1. Brief von Hugo Salzmann vom 8. Juni 1942 aus dem Gefängnis in Koblenz  

Mein lieber kleiner herzensguter und braver Sohn Hugo und liebe Ernestine!
Wie lange hab ich Dich nicht mehr gesehen. Jahre sind es geworden, und wie viele Jahre wird es noch dauern? Das Wiedersehen? Auf(?) mein über alles gel...(?) Junge, wie oft war mein Herz schon weich und meine Augen feucht, wenn ich in mancher schwermütiger Stunde deiner gedenke. Wie drücke ich Dich dann in Gedanken an mein Herz, liebkose und küsse Dich, erzähle Dir im Geiste schöne Kindermärchen, sehe wie lieb Du ...(?) wie Du läufst und freust, deine Kinderaugen leuchten. Sehe in Gedanken die Mama dabei stehen, wie sie sich freut und stolz ist auf ihren kleinen Sohn, den ‚lieben Bub’ wie sie immer sagte. Ja, lieber Bub klein Hugo, von Tag zu Tag worst Du größer, wirst ein großer Junge, der fleißig in der Schule lernt, ...(?) Rechnen, Schreiben und noch mehr, um ein kluger Mensch zu werden. Es freut Deinen Papa sowie die Mama, wenn sie hören., dass Du brav und lieb zur Tante bist, dazu fleißig in der Schule. Lerne gut, mein kleiner Sohn, sei aufmerksam im Leben und anständig zu allen Menschen. Soll Papa das große Glück haben, Dich im Leben wieder gesund zu sehen, wieder eine Familie mit Dir und der lieben Mama zu sein, dann soll die Liebe meines Herzens, all seine Wärme Dir, unserem lieben Bub, gehören. Dann will ich Dich herzen und drücken und als dein großer Freund weiter mit Dir durchs Leben gehen. So schicke ich heute mit den Schwalben, die piepsend und schreiend an meiner Zelle vorbei fliegen, mit aller Herzenswärme, die ein Vaterherz hat, die besten liebsten Grüße für Dich und deine Tante mit. Bleibe gesund, mein Junge, helfe Tante mit arbeiten, wo sie Dich braucht, mache ihr Freude, und Du wirst sehen, dass Tante Ernestine auch zu Dir lieb sein wird, und Freude Dir bereitet. Papa sagt immer, wenn man seine Arbeit getan hat, darf man auch mit den anderen Jungen spielen. Gelt, lieber Bub, mit 9 Jahren kann man das alles schon verstehen. Wenn Du Mama schreiben tust, grüße sie lieb von Papa, und schreib ihr, dass ich gesund bin und täglich an die liebe Mama denken würde. Nochmals, lieber guter Bub, bleibe gesund, viele Küsse schicke ich Dir mit den schönen Schwalben, bleibe lieb zur Tante, vergesse Papa und Mama nicht. In Gedanken drücke ich Dich fest, fest an mein Herz, nochmals tausend Busserl von deinem lieben Papa Hugo.

Liebe Schwägerin Ernestine,
küsse meinen Jungen für mich. Du gibst ihm ein Mutterherz. Das weiß ich. Ich wünsche, im Leben noch einmal Gelegenheit zu bekommen, Dir, liebe Schwägerin, sowie deinem lieben Manne, das Gute , was Ihr tat, mit dem gleichen danken zu können. Vorigen Monat hat mir auch Julerl geschrieben. Sie hatte meinen Brief erhalten. Darüber sie sich freute. Ebenso schrieb sie mir, dass sie noch gesund sei. Unser Bub ihr oft schreibe und auch seine Malkunst dabei zeige. Dies freut mich in meiner Zelle sehr. Grüßt sie recht lieb, wenn Ihr wieder an Julerl schreibt. Klein Hugo soll auch an seine Tanten Käthe Da...(?) und Anni Lindner eine Geburtstagskarte zum 17. Juni schicken. Beide haben an einem Tag Geburtstag. Das wird sie sehr freuen. Meine Schwester Käthe schrieb mir, dass sie immer an unseren Kleien denken werden und helfen, wo es geht. Ich kann verstehen, so ein Junge wächst aus seinen Kleidern, zerreisst, macht schmutzig und so weiter, da muss man viel Liebe zu einem Kinde haben. Wenn möglich kannst Du, liebe Ernestine, auch mal an meine Schwester Anni schreiben. Sie ist Schneidermeisterin und kann leicht ein Hemdlein oder Hose für Klein Hugo nähen. Nun, Du wirst schon sehen, wie man auskommen muss. Hoffen wir, dass unsere Strafe nicht allzu hart werde, um das Familienglück wieder finden zu können. Dir, liebe Schwägerin Ernestine, sowie Deinem Gatten und all Deinen Geschwistern alles Liebe und gute, tausend Busserl nochmals für Klein Bub
Dein Schwager Hugo.“



2. Brief vom Hugo Salzmann vom 25 Januar 1943 aus dem Gefängnis in Koblenz  

„Liebe Schwägerin Ernestine und Klein Hugo!
Deinen lieben Brief vom 3. Januar erhalten. Dafür herzlichen Dank. Wie ich an deinem Brief ersehen kann, ist bei Euch noch alles gesund, dies freut mich besonders. Auch ich bin noch gesund. Nun ist Weihnachten und Neues Jahr vorüber. Meine Eltern und Geschwister schrieben mir, dass sie alle an unseren lieben Buben gedacht hatten. So hatte er doch seine große Freude. Aus(?) dieser Freude sehe ich auch an seinem Brieflein, wie stolz er ist auf den neuen Förstermantel, den er erhielt. Man sieht, er ist bei Dir und mit Dir, liebe Schwägerin, sehr zufrieden. Werde ihm auch so schwere Briefe wie den zu Neujahr nicht mehr schreiben. Den soll er sich aufheben. In 10 Tagen hat seine Mutti Geburtstag, am 5., Julerl wird 34 Jahre. Tags zuvor, am 4. Februar, werde ich 40. Jahre. Habe meiner lieben Julerl, schon anfangs des Monats geschrieben, ihr gratuliert und gewünscht, dass sie recht bald in Freiheit bei unserem lieben Bub sei. Meine Schwester Käthe schrieb mir, dass sie für Julerls Geburtstag ihr ein schönes Päckchen schickt. Sie werden ihr, so oft es ihnen möglich ist, eine Freude machen, denn alle haben Julerl sehr lieb und sie hat bestimmt jede kleine Freude in ihrem schweren Leben verdient. Ich wünsche und hoffe zu unserem Geburtstage, dass das Schicksal mir noch viele Jahre des gemeinsamen Lebens mit meiner lieben Julerl gibt. Nun zum Schluss, möchte ich noch ein paar Worte für unseren lieben guten Bub schreiben. Liebe Schwägerin, schreibst Du Julerl, dann grüße sie auch von mir, ebenso grüße meinen lieben Schwiegervater. Bleibt alle gesund, ich danke Dir für deine lieben Worte und alles Gute....

Mein lieber herziger Bub!
Dein liebes Brieflein mit deinem lieben Neujahrs-Wunsche, dass Mutti und Vati recht bald bei Dir sein sollen, mit vieler Freude erhalten. Auch deine Zeichnung mit Herrn und Frau Keppellmeier war schön, ich musste darüber lachen. Lege auch in Muttis Brief immer eine Zeichnung. Sie wartet drauf und hat ihre Freude. Vergiss nicht, unserer lieben Mutti am 5. Februar zu gratulieren. Denke Dir, welche Freude Du für die liebe Mutti bist(?). Grüße sie auch von mir, hoffen wir alle, dass wir uns wieder sehen.
Das Christkind war sehr lieb zu Dir. Einen schönen Förstermantel, ein Hemd, Spielsachen, dazu noch Geld von Tanten und Großeltern. So haben sie alle lieb an Dich gedacht, das ist brav und lieb. Gelt, lieber Bub, es ist schön das Rodeln, aber auch schön, wenn man darauf(?) mit Lust und Liebe lernt, um in die Hauptschule zu kommen. Viel lernen muss man, um die Prüfung zu bestehen. Na, ich weiß, mein guter Bub, Du wirst es schon schaffen. Nur ruhig lernen, nicht aufgeregt oder ängstlich sein, dann geht’s schon. Mein Hugolein, Du hast auch ein kleines Kätzchen. Sei nur vorsichtig, wenn es größer wird, dass sie nicht beißt, sonst ist ein kleines Kätzelein sehr lieb. Bleibe auch Du lieb und brav und freue Dich bei deiner lieben Tante. Mache auch ihr Freude, wenn Du kannst, bleibe gesund, werde groß und stark. Schicke unserer lieben Mutti viele Grüße und Bussi von mir. Tante Käthe schrieb mir auch, dass sie sich sehr gefreut hat, von Dir, Hugolein, nach Weihnachten gleich wieder Post bekam. Darum schreibe den Tanten hie und da auch mal eine Karte, gelt? Die freuen sich alle. Zum Schluss, liebes Hugolein, grüße Tante Ernestine nochmals, trinke vernünftig Lebertran für deine Gesundheit. In Gedanken, recht fest drückt Dich Vati an sein Herz. Grüße Mutti. Tausend Bussi von Deinem lieben Vati Hugo.“
 


Brief von Hugo Salzmann vom 24. Oktober 1943 aus dem Zuchthaus Butzbach

„Liebe Schwägerin Ernestine und mein lieber guter Bub Klein Hugo!
Nun, zuerst wünsche ich Euch einen ‚schönen guten Tag’ und hoffe, dass Ihr beide gesund seid, ebenso dein lieber Mann. Mir selbst war es einige Tage nicht wohl. Jetzt ist’s wieder gut. Von meinen Geschwistern habe ich schon 6 Wochen lang keine Post erhalten. Sie verstehen sich noch nicht, im Schreiben einzuteilen. Beunruhigen tut mich das Schicksal meines Bruders, der im Osten schwer verwundet wurde, seit Wochen habe ich über seinen Gesundheitszustand nichts mehr gehört. Wenn Du an meine Schwester Tilla schreibst, liebe Schwägerin Ernestine, erwähne, dass ich auch geschrieben habe und gespannt auf Nachricht von unserem Bruder Karl wäre. Meiner treuen Julerl hatte ich geschrieben, hoffe und wünsche, dass sie gesund ist und auch weiterhin bleibt. Ich werde mich freuen, von ihr wieder einen Gruß zu erhalten. Wenn Du und Klein Hugo schreibt, grüßt sie recht, recht lieb von mir. Meinen nächsten Schreibtag habe ich am 5. Dezember, da werde ich an meine Geschwister in Kreuznach schreiben. Allen Lieben, die an uns Grüße senden und an Klein Hugo denken, innigsten Dank, wünsche Ihnen allen gute Gesundheit und baldiges Wiedersehen. Am 22. November hat mein Vater Geburtstag, er wird 71 Jahre. Klein Hugo soll ihm auch im Namen von seinem Papa und Mama gratulieren. Nun, liebe Schwägerin Ernestine, all meinen Dank Dir und Deinem lieben Mann für all die Mühe und Sorgen um das Wachsen und Gedeihen an Klein Hugo. Hoffen wir, es im Leben recht bald wieder gut machen zu können. Nun komme ich zu unserem Bub. Zu seinem 11. Geburtstage am 2. November und seinem 4., den er bei Dir verlebt. Nochmals Dir, liebe Schwägerin, Deinem Manne sowie allen, die Dir und Klein Hugo liebes erweisen, recht herzlichen Dank. Auf baldiges gesundes Wiedersehen grüßt Euch Dein Schwager Hugo.

Mein lieber guter braver Bub Hugo!
Euren letzten Brief, den ich von Euch erhielt, hattest Du in den falschen Briefbogen gesteckt. Ich erhielt den Brief, den Du an Mutti schicken wolltest. Natürlich, Mutti erhielt dann meinen Brief. Ich habe viel lachen müssen. Du schriebst immer „liebe Mutti, ich war in Judenburg in Graz, bei Onkel und Tanten, es hatte überall nur Freuden gegeben“, aber am Ende hattest Du dann wieder anstatt „liebe Mutti“ mal „lieber Vati“ geschrieben. Na, so weiß ich, dass Mutti, unsere Liebe, noch gesund ist, und Du nächstens den Brief nicht mehr verwechseln tust. Die Mutti wird ja auch über ihren Brief gelacht haben, und konnte sich vorstellen, was ihr lieber Bub für große Augen macht, wenn er davon erfährt.
Nun, mein lieber guter Bub, am 2. November werden Mutti und Vati viel, recht viel an Dich denken. Deinen 11. Geburtstag begehst Du am 2. November. Welch ein großer Junge bist Du geworden in den vier Jahren, wo wir uns nicht mehr sahen. Ach Hugolein, Mutti, die Liebe, die so viel für Dich getan und geopfert hat, wird am 2. November weinend und laufend Deiner gedenken. Auch viele andere denken an Dich. Hoffen wir und wünschen wir an deinem Geburtstage, dass die Zeit bald kommen möge, wo wir alle drei gesund, zufrieden einer hoffnungsvollen Zukunft gemeinsam entgegen leben können. Bleibe brav und lieb zu Tante Ernestine, Onkel und allen lieben Menschen. Werde ein gerader ehrlicher Mann. Dafür lerne fleißig in der Schule. Sei immer aufmerksam. Halte Dich gesund und sauber zu Deiner Freude, zur Freude von Tante sowie mir und Mutti. Werde groß kräftig und klug, und wünschen wir an deinem Geburtstage das baldige Wiedersehen, so sind das gleichzeitig die besten Glückwünsche für dein weiteres Leben. Fest drückt und küsst Dich im Geiste Dein lieber Vati Hugo.“  
 
 
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