Maria Hilfrich

„Mein Bekenntnis: Ich bin katholisch, ich bin Schönstätter,

was ich getan habe, habe ich (vor) Gott allein zu verantworten .“

 
Maria Hilfrich wird am 15. Mai 1889 als 7. Kind eines Schuhmachers in Niederselters/Taunus geboren. Nach ihrem Staatsexamen in Montabaur wird sie 1910 Lehrerin an der Volksschule in Siershahn/Westerwald. 1926 gründet sie dort eine Mädchen-Berufsschule, arbeitet im Mütterverein sowie in der Jugend- und Wohlfahrtspflege. Maria ist Schönstätterin: 1925 legt sie bei der ersten Bundesweihe in Anwesenheit von Pater Kentenich ihre „Lebensweihe” ab. Sie wird Gauführerin und später Provinzialoberin.
 
1938 Ihre Mitarbeit bei der Schönstätter Frauenbewegung macht sie der Gestapo verdächtig. Bei der „Volksabstimmung“ anlässlich des „Anschlusses“ von Österreich wählt Maria nicht in ihrem Wohnort sondern in Koblenz. Trotzdem fällt auf, dass ihre Stimmabgabe ungültig ist. Ein Lehrerkollege denunziert sie wegen ihres religiös gehaltenen Unterrichts. Die Marienfeier am 31. Mai 1938 ist dann der konkrete Anlass für ihre zwangsweise Versetzung nach Ailertchen/Kreis Oberwesterwald. Maria weiß später:
Grund dazu war meine religiöse Einstellung und weil ich den Rassegedanken in der Oberklasse der Mädchen nicht im nationalsozialistischen Sinne behandelte.

5. November 1942
Es kommt zur Konfrontation mit der Ehefrau des Schulleiters in Ailertchen, die zugleich Führerin der örtlichen NS-Frauenschaft ist. Als Maria wieder einmal mit ihren Schülern betet, kommt diese in die Klasse und schreit:
Wissen Sie nicht, dass das verboten ist? Sie fallen dem Führer in den Rücken!
Sie ist es dann auch, die gegen Maria Anzeige erstattet.
Auf der Karteikarte der Gestapo heißt es über Marias Verhaftung:
Die Hilfrich wurde am 5. 11. 1942 wegen Sabotierung des NS-Erziehungswerkes festgenommen. Darüber hinaus hat sie sich an den Bestrebungen der Marianischen Gebets- und Opfergemeinschaft (Erg.: gemeint ist die Schönstatt-Bewegung) betätigt und zersetzend gewirkt.

10. März 1943
Ohne Strafverfahren wird Maria aus der „Schutzhaft“ im Polizeigefängnis von Frankfurt/Main ins Frauen-KZ Ravensbrück überführt. Sie erhält die Häftlingsnummer 17938 und den „roten Winkel“ einer „politischen“ Gefangenen. Später sagt sie:
Sollte ich noch einmal vor ein Gericht geladen werden, dann lautet mein Bekenntnis: Ich bin katholisch, bin Schönstätter, was ich getan habe, habe ich (vor) Gott allein zu verantworten. Ich verweigere jede weitere Auskunft.
Ende August 1943 Nach fünf Monaten KZ-Haft wird sie wieder in die Haft nach Frankfurt überstellt, um das gegen sie eingeleitete Dienstrafverfahren besser durchführen zu können. Unter dem Druck der Umstände (KZ-Aufenthalt, Bombardierung von Frankfurt und schwebendes Dienststrafverfahren) beantragt sie die Entlassung aus dem Beamtenverhältnis.

Juli 1944
Maria muss wieder in das KZ Ravensbrück zurück.

21. April 1945
Zusammen mit 58 anderen Häftlingen wird sie auf Befehl Himmlers entlassen. In den letzten Kriegstagen schlägt sie sich auf eigene Faust durch.

Im Juli 1945
nach Niederselters zurückgekehrt, wird sie im Oktober 1945 erneut an der Volksschule in Siershahn angestellt. Von 1947 an ist sie bis 1955 Schulleiterin. Sie ist weiterhin für die Schönstatt-Bewegung tätig, zuletzt noch als Oberin.

Am 1. Oktober 1965
Maria Hilfrich stirbt in Siershahn und wird in Niederselters beigesetzt. Ihr wird als erste das Ehrenbürgerrecht von Siershahn verliehen.