Lina Lindemann, geb. von Friedeburg

„Frau Lindemann trug ihr schweres Los mit Fassung.“
(Mitgefangene Helene Rothländer)


Lina Marie Eugenie Eleonore Margot Lindemann wird am 9. August 1898 in (Berlin-) Schöneberg als Tochter des preußischen Generalleutnants Friedrich von Friedeburg und dessen Ehefrau Willy, geb. von Wenckstern, geboren.
1922 heiratet sie Oberleutnant Fritz Lindemann, Sohn eines preußischen Offiziers. Die Lindemanns haben drei Kinder: Sohn Friedrich (*1923), Sohn Georg (*1924) und Tochter Marie-Luise (*1934). Schon 1932 ist Fritz Lindemann Major und studiert Wirtschaftswissenschaften und unternimmt Reisen zu Sprachstudien.


1934  Der Mord an dem früheren Reichswehrminister und kurzzeitigen Reichskanzler Kurt von Schleicher und seiner Ehefrau, zu denen die Lindemanns guten Kontakt haben, im Zusammenhang mit dem sog. Röhm-Putsch am 30. Juni 1934 trifft sie schwer.  Dies bestärkt die Lindemanns in ihrer oppositionellen Einstellung gegenüber den Nazis. Sie erziehen ihre Kinder weltoffen und liberal. Später sagen die Nazis, in ihrer Erziehung „sei etwas nicht in Ordnung gewesen“.

1938  Fritz Lindemann scheidet als Oberst aus dem aktiven Wehrdienst aus und wird Mitarbeiter von Zeitungen.
 
1939  Im Zuge des Zweiten Weltkrieges wird er reaktiviert und zum Kommandeur eines Artillerie-Regiments ernannt; er nimmt am Polenfeldzug teil.
 
1941  Die Teilnahme am Überfall auf die Sowjetunion verstärkt seine oppositionelle Haltung. Lindemann schreibt an seine Frau: „Ich glaube, nach diesem Kriege bin ich ‚Pazifist’.“

Anfang 1943 
Lindemann wird zum Generalleutnant ernannt.


Ende 1943 
Beförderung zum General der Artillerie. Er arbeitet mit den (späteren) Verschwörern vom 20. Juli eng und nachhaltig zusammen


1944 
Die Söhne Friedrich und Georg kämpfen als Offizieranwärter an der Front. Frau Lindemann ist mit ihrer Tochter Marie-Luise bei ihrer jüngeren Schwester Ilse-Margot von Hohenzollern. Sie ist mit Prinz Albrecht von Hohenzollern(-Sigmaringen) verheiratet, beide leben auf Burg Namedy bei Andernach. Dort führt Frau Lindemann ihrer Schwester den Haushalt, als diese einen Unfall erleidet.
 
20. Juli 1944  Fritz Lindemann führt letzte Gespräche mit den Verschwörern  Olbricht, Stauffenberg u.a. Es ist geplant, dass Lindemann am Nachmittag Erklärungen der Verschwörer im Rundfunk verliest. Dazu kommt es nicht, der Umsturz scheitert.
Lindemann taucht bei Verwandten unter


28. Juli 1944  Lina Lindemann wird von der Gestapo auf Burg Namedy festgenommen. Der Grund ist „Sippenhaft“: die Ehe mit dem gesuchten Verschwörer des 20. Juli Fritz Lindemann. Noch am selben Tag kommt sie in das Gefängnis in Koblenz. Verhöre folgen. Eine Mitgefangene sagt später: “Frau Lindemann. trug ihr schweres Los mit Fassung. (...)  Sie trug aber schwer an der Ungewissheit über das Los ihrer Kinder.“
 
6. November 1944  Schwere alliierte Bombenangriffe zerstören u.a. das Gefängnis so stark, dass die Gefangenen fliehen können. Lina Lindemann flieht nicht, weil sie fürchtet, sonst ihren Angehörigen zu schaden.
 
Anfang 1945  Sie wird in das Frauen-Konzentrationslager Ravensbrück und dann weiter in das KZ Stutthof bei Danzig verschleppt.
 
9. März 1945  Über weitere Konzentrationslager kommt Frau Lindemann mit anderen „Sippenhäftlingen“ ins KZ Buchenwald. Dort werden bereits „Sonderhäftlinge“ gefangen gehalten.

3. April 1945  Lina Lindemann wird mit diesen „Sippen- und Sonderhäftlingen“ in Richtung Süden verschleppt

Ende April 1945  Vom KZ Dachau geht der Transport mit 139 Häftlingen aus 21 Nationen weiter nach Innsbruck und nach Südtirol. Dort im Dorf Niederdorf und im Hotel Pragser Waldsee werden Lina Lindemann und die anderen Häftlinge befreit. Anschließend erholen sie sich auf Capri und kehren nach Deutschland zurück. Auf Burg Namedy trifft Lina Lindemann ihre Kinder wieder – ihr Mann ist aber schon im September 1944 an seinen  bei seiner Flucht erlittenen Verletzungen gestorben.
Am 3. Mai 1982 stirbt Lina Lindemann in Kassel.