Pfarrer Paul Schneider

“... und sollst mein Prediger bleiben” Jer. 15, 19a


Geboren wird Paul Schneider am 29. August 1897 in Pferdsfeld/Hunsrück als Sohn der dortigen Pfarrersleute Gustav Adolf und Elisabeth. Nach seinem Schulbesuch in Pferdsfeld und Bad Kreuznach zieht die Familie um nach Gießen.
1915 macht er die Kriegsreifeprüfung (Notabitur), weil er sich als Freiwilliger gemeldet hat. Er wird Soldat, schwer verletzt und schließlich als Leutnant entlassen. Nach seinem Studium der Theologie legt er 1922 sein Erstes und im folgenden Jahr sein Zweites Theologisches Examen in Koblenz ab. Als sein Vater 1926 stirbt, wird er dessen Nachfolger auf der Pfarrstelle in Hochelheim/Kreis Wetzlar.
Paul Schneider heiratet Margarete, geb. Dieterich. Der Ehe entstammen sechs Kinder.

8. Oktober 1933 Erste offene Auseinandersetzung Schneiders mit der NSDAP und erste Beurlaubung vom Amt des Pfarrers für 10 Tage.

Januar 1934 Auf Betreiben der NSDAP wird er zum zweiten Mal vom Dienst beurlaubt und anschließend nach Dickenschied und Womrath/Hunsrück versetzt.

12. Juni 1934 Anlässlich der Beerdigung eines Hitlerjungen in Gemünden kommt es zu einem schweren Zusammenstoß mit dem Kreisleiter der NSDAP. Schneider wird eine Woche lang in Simmern in Haft gehalten.

16. März 1935 Er wird zum zweiten Mal im Zusammenhang mit der Verlesung einer „Kundgebung der Altpreußischen Bekenntnissynode“ verhaftet und für mehrere Tage im Gefängnis in Kirchberg/Hunsrück inhaftiert.

29. März 1936 Paul und Margarete Schneider gehen nicht zur Reichstags“wahl“, ihr Pfarrhaus wird deshalb beschmiert.

31. Mai 1937 Dritte Verhaftung mit anschließender „Schutzhaft“ im Gestapo-Gefängnis in Koblenz. Zwei Monate später wird Schneider aus der Haft entlassen und aus dem Rheinland ausgewiesen.

3. Oktober 1937 Er kehrt in seine Gemeinden Dickenschied und Womrath zurück und wird umgehend zum vierten Mal verhaftet. Nach kurzer Haft im Gestapogefängnis in Koblenz kommt Paul Schneider in das Gefängnis im Polizeipräsidium Koblenz.
Von dort schickt er Briefe offiziell und auch inoffiziell an seine Frau Margarete und schmuggelt Zeichnungen für seine Kinder über seine Haft nach draußen.

27. November 1937 Paul Schneider wird ins Konzentrationslager Buchenwald bei Weimar verschleppt.
In der Folgezeit weigert er sich, beim Fahnenappell die Mütze abzunehmen. Das ist Anlass für seine Einzelhaft im Arrestzellenbau (Bunker).
Aus dem Zellenfenster heraus „predigt“ er zu den auf dem Appellplatz stehenden Häftlingen, er ruft ihnen Bibelsprüche, Trostworte und Ermutigungen zu und klagt die SS-Leute an. Deswegen wird Paul Schneider ständig grausam misshandelt. Er ist der „Prediger von Buchenwald“.

18. Juli 1939 Tod Paul Schneiders im KZ Buchenwald unter ungeklärten Umständen.
Seine Frau Margarete darf den Leichnam im versiegelten Sarg mitnehmen. Paul Schneider wird unter großer Anteilnahme der Bevölkerung und der Pfarrer der Bekennenden Kirche wenige Tage später in Dickenschied beerdigt.