Edgar Lohner

„Ich bin der Mitbürger eines Jeden, der denkt.
Mein Vaterland ist die Freiheit.“
(Alphonse de Lamartine)


Edgar Lohner wird am 26. November 1919 als älterer Sohn des Oberpflegers Johann Lohner und seiner Ehefrau Maria, geb. Lanz, in Andernach geboren. Sein Vater ist dort an der Heil- und Pflegeanstalt tätig. Edgar besucht die Volksschule Andernach, ab 1930, nach dem Umzug der Eltern nach Bonn, das dortige Beethovengymnasium. Er wird zu Hause gut katholisch erzogen, in der Schule schließt er sich dem katholischen Bund „Neudeutschland“ (ND) an.
 
Mai 1933 Wie viele andere auch wird er Mitglied des Deutschen Jungvolks; es ist eine Organisation der Nazis, steht damals aber noch unter starkem „bündischen“ Einfluss.

1935 /1936 Edgar sucht Alternativen zum „Jungvolk“. Er hält Kontakt zu einer Gruppe ehemaliger NDler, die Freundschaft mit Michael Jovy wird enger. Mit Jovy unternimmt er Fahrten nach Ostpreußen und in den Schwarzwald.

Sommer 1937 Edgar freundet sich mit Günther Platz, einem früheren Führer des katholischen Bundes „Quickborn“, an. Beide und zwei andere fahren in den Ferien zur Weltausstellung nach Paris. Dort lernen sie zufällig zwei jüdische Mädchen kennen, die früher in Berlin gelebt haben. Durch sie erhalten sie Kontakt zu dem Schriftsteller Karl Otto Paetel. Er war ein Führer der Bündischen Jugend. Wegen seiner sozialrevolutionären Ideen hat er aus Nazi-Deutschland emigrieren müssen. In Paris ist er weiter politisch und schriftstellerisch aktiv.

Ende 1937 Es entsteht eine Gruppe um Günther Platz mit Edgar, den Gebrüdern Jovy und einem alten Freund namens Helmut Giesen. Man trifft sich regelmäßig zu Heimabenden.

Sommer 1938 In den Sommerferien fahren Edgar und andere der Gruppe wieder nach Frankreich. Sie vertiefen die Kontakte zu Paetel und den Mädchen. Edgar freundet sich näher mit einem der Mädchen an.
Die Gruppe kehrt über die Schweiz nach Deutschland zurück.

Anfang 1939 Anlässlich eines Konzerts der Don Kosaken wird Edgar erstmals kurz festgenommen.

Ostern 1939 Nach seinem Abitur fährt Edgar ein drittes Mal nach Frankreich zum Paetel-Kreis.
Edgar wird zum Reicharbeitsdienst eingezogen. Er nimmt mit der Gruppe an Fahrten und Lagern in der Umgebung teil. Auch hält man Kontakt zu Gleichgesinnten. Durch Briefe wird die Gruppe entdeckt und Edgar kommt vorübergehend in Haft.

15. Dezember 1939 Er wird erneut festgenommen und in Untersuchungshaft nach Berlin gebracht.

5. September 1940
Das Landgericht Koblenz bestraft Edgar, weil er in Frankreich mit dem jüdischen Mädchen Verkehr gehabt habe, wegen „Rassenschande“ zu 9 Monaten Gefängnis.

11. September 1941
Der Volksgerichtshof verurteilt Mitglieder der Gruppe für die Kontakte zu Paetel und seinem Kreis wegen Vorbereitung zum Hochverrat zu langjährigen Zuchthausstrafen.
Edgar verbüßt seine dreijährige Strafe im Zuchthaus in Siegburg.

Ende 1942 Er wird zur Wehrmacht eingezogen und dem Bewährungsbataillon 999 überstellt.

Mitte 1943 In Nordafrika gerät er in amerikanische Gefangenschaft und wird in die USA gebracht. Dort studiert er intensiv die englische Sprache.
 
1946 kommt er aus der Gefangenschaft frei. Er kehrt zurück, studiert an der Bonner Universität Anglistik, Romanistik, Germanistik und Philosophie und promoviert. Anschließend wandert er in die USA aus und lehrt an Universitäten. 1973 wird er Professor für Vergleichende Literaturwissenschaften an der Universität in Mainz.
 
Edgar Lohner stirbt im Jahr 1975.
 
 

 

 

 

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