Adolf Reichwein

„... in der Entscheidung gibt es keine Umwege.“

 
Geboren wird Adolf Reichwein am 3. Oktober 1898 als Sohn des Volksschullehrers Karl Reichwein und seiner Frau Anna Maria, geb. Mehl, in Bad Ems. Sein Vater stammt aus einer protestantischen Bauernfamilie in Heckholzhausen im Westerwald. 1904 zieht die Familie nach Ober-Rosbach bei Friedberg/Hessen. Seit 1908 ist Adolf beim „Wandervogel“. Nach dem Kriegsabitur wird er Soldat und als Stoßtruppführer schwer verwundet. Er studiert ab 1918 Geschichte, Kunstgeschichte, Germanistik, Philosophie und Nationalökonomie und ist nach seiner Promotion in der Erwachsenenbildung tätig. Von 1923 bis 1925 ist er Geschäftsführer der überörtlich koordinierten Volkshochschule Thüringen mit Sitz in Jena, ab 1929 Leiter der Volkshochschule Jena. Er arbeitet mit Jungarbeitern und unternimmt eine einjährige Forschungsreise durch Amerika und Südostasien sowie eine zweimonatige „Expedition“ durch Skandinavien. Anschließend ist er ein Jahr lang Leiter der Pressestelle und persönlicher Referent des Preußischen Kultusministers. 1930 wird er als Professor für Geschichte und Staatsbürgerkunde an der neu eröffneten Pädagogischen Akademie in Halle/Saale berufen. In dieser Zeit tritt er in die SPD ein.
 
1. April 1933 Reichwein geht die zweite Ehe mit der Dozentenkollegin Rosemarie Pallat ein.

24. April 1933 Aufgrund des „Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“ vom 7. April 1933 wird er zwangsweise beurlaubt.
 
1. Oktober 1933 Reichwein wird Lehrer an der einklassigen Dorfschule in Tiefensee in der Mark Brandenburg – quasi zur „Bewährung“. Er entwickelt ein alternatives Schulmodell in der Tradition der Reformpädagogik.

1937 / 38 Seine Tiefenseer Schulschriften „Schaffendes Schulvolk“ und „Film in der Landschule“ werden veröffentlicht.

Mai 1939 Er wird Leiter der Abteilung „Schule und Museum“ am Museum für Deutsche Volkskunde in Berlin. Reichwein konzipiert und organisiert Schulausstellungen zu handwerklichen Themen und unternimmt mehr als 100 Reisen zu museums- und werkpädagogischen Vorträgen.

ab 1940 Reichwein stellt Kontakte zu den Widerstandskreisen um Wilhelm Leuschner und Julius Leber her und schließt sich dem Freundeskreis um Helmuth James Graf von Moltke und Peter Yorck Graf von Wartenburg, dem „Kreisauer Kreis“, an. In der Folgezeit nimmt er an konspirativen Treffen und an zwei der drei großen Tagungen des „Kreisauer Kreises“ teil. Er ist maßgeblich beteiligt am bildungs- und kulturpolitischen Programm der „Kreisauer“ und gilt als Kultusministerkandidat einer Regierung nach Hitler.

23. August 1943 Die Wohnung Reichweins in Berlin wird zerstört; die Familie zieht nach Kreisau um.

22. Juni 1944 Adolf Reichwein und Julius Leber bemühen sich intensiv um eine Verbreiterung der Basis des Widerstandes und nehmen Kontakt zu kommunistischen Widerstandsgruppen auf. Sie treffen sich mit den KPD-Funktionären Anton Saefkow und Franz Jakob.

4. Juli 1944 Bei der zweiten Zusammenkunft wird Adolf Reichwein zusammen mit Anton Saefkow und Franz Jakob verhaftet. Ein Spitzel hat das Treffen der Gestapo verraten.
Reichwein kommt in Haft, wird schwer misshandelt und nachts sogar mit einer Kette an Beinen und Armen gefesselt.

20. Oktober 1944 In einem Schauprozess unter dem Vorsitz Freislers verurteilt der Volksgerichtshof Adolf Reichwein und die sozialdemokratischen Mitangeklagten Julius Leber und Hermann Maass wegen Landesverrats zum Tode und Gustav Dahrendorf zu sieben Jahren Zuchthaus.
Stunden später wird Adolf Reichwein in Berlin-Plötzensee hingerichtet.
 
 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 



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