Andreas (Andre) Hoevel

„Nackt unter Wölfen“

(Titel eines Romans von Bruno Apitz)

 
Andreas (später: André) Hoevel wird am 24. Februar 1900 als sechstes von sieben Kindern des Eisenbahners Philipp Hoevel und seiner Frau Elisabeth, geb. Effertz, in (Trier-)Pallien geboren. André legt am Trierer Gymnasium die Reifeprüfung ab und ist Soldat im Ersten Weltkrieg. Das begonnene Studium muss er aus finanziellen Gründen abbrechen. Er wird Eisenbahner, die Familie lebt inzwischen in Wiesbaden. Dann geht er für einige Jahre in die USA. 1926 kehrt er nach Europa als geschätzter kaufmännischer Angestellter in der Autobranche zurück. Ende der 20er Jahre lernt er in Berlin die Buchhalterin Anneliese Fiedler kennen. Beide heiraten 1929. 1930 wechselt André zur Firma Opel AG in Rüsselsheim. Die Eheleute ziehen von Berlin nach Wiesbaden um und werden KPD-Mitglieder, André wird örtlicher Funktionär der KPD und RGO (= Revolutionäre Gewerkschaftsopposition).
Januar 1933 André Hoevel wird wegen seiner politischen Aktivitäten im Betrieb gekündigt.

März 1933
Er entgeht einer Verhaftung durch Untertauchen und wird Instrukteur der KPD im Frankfurter Raum. Dann flieht er in das vom Völkerbund verwaltete Saargebiet.

September 1933
Bei seiner Rückkehr aus dem Saargebiet nach Wiesbaden wird André Hoevel verhaftet. Im selben Monat wird auch seine Frau in „Schutzhaft“ genommen.

2. März 1934 Das Oberlandesgericht Kassel verurteilt Hoevel als „politischen Instrukteur“ für die KPD wegen Hochverrats zu einem Jahr und sechs Monaten Gefängnis.

Ende März 1935 Hoevel wird nach Verbüßung der Strafe aus dem Gefängnis Hameln/Weser entlassen.

August 1935 Weil er weiterhin Kontakt zu seinen politischen Freunden hält, wird er in „Schutzhaft“ genommen. Er kommt in die Konzentrationslager Esterwegen, Sachsenhausen und Buchenwald. Im KZ Buchenwald freundet er sich mit Bruno Apitz an, der ihm später mit seinem berühmten Roman „Nackt unter Wölfen“ ein literarisches Denkmal setzt.

Weihnachten 1938 André wird aus dem KZ Buchenwald entlassen und kehrt nach Berlin zurück. Er kommt bei Freunden unter. Seine Frau Anneliese ist noch im KZ. Arbeit hat er zunächst nicht.

20. April 1939 Anneliese wird entlassen und geht zu André nach Berlin. Beide finden dort Arbeit.

Mai 1939 Andrés Schwager stirbt plötzlich. Er hinterlässt einen Obst- und Gemüsehandel in Koblenz-Metternich. André und Anneliese Hoevel ziehen nach Koblenz. Mit André blüht das Geschäft auf. Beide knüpfen Kontakte zu Gleichgesinnten, zu alten Freunden und ehemaligen Mithäftlingen. Der Kreis hört ausländische Sender, tauscht Meinungen aus und macht in der Wehrmacht Antikriegspropaganda.

30. November 1941 Die Gruppe wird entdeckt. André und Anneliese Hoevel werden in Koblenz verhaftet.

26. Juni 1942
Das Oberlandesgericht Kassel verurteilt beide wegen Hochverrats und Rundfunkverbrechens zum Tode. Ein Neffe sieht André vor der Hinrichtung. Er berichtet:
André war nur noch Haut und Knochen, vor Schwäche konnte er nicht stehen.
Als der Neffe André Hoevels ihm ein belegtes Brot und ein Getränk besorgt, schickt André die Hälfte davon seiner Frau Anneliese: Seit acht Tagen hat keiner von ihnen etwas zu essen oder zu trinken bekommen.

28. August 1942 Innerhalb von fünf Minuten werden André und Anneliese Hoevel im Gefängnis Frankfurt/Main-Preungesheim mit dem Fallbeil hingerichtet.

In Koblenz erinnert die Hoevelstraße an André und Anneliese Hoevel.



 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
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