Johann (Hans) Bauer

„Für Frieden, Freiheit, Sozialismus!“

(Manifest der demokratischen Sozialisten des ehemaligen Konzentrationslagers Buchenwald vom 11/12 April 1945)

Johann (Hans) Bauer wird am 13. Mai 1888 in Lützelburg/Lothringen als Sohn des Gendarmerie- Wachtmeisters Johannes Bauer und dessen Ehefrau Anna Maria, geb. Lipp, geboren. Er macht in Mühlhausen/Elsaß Abitur und studiert Mathematik und Naturwissenschaften an der Universität in Straßburg. 1910 legt er das Staatsexamen ab und promoviert mit einer Dissertation auf dem Gebiet der Psychologie. Ab 1911 ist er im Schuldienst und studiert daneben noch neuere Sprachen und Philosophie. 1919 wird Dr. Johann Bauer Leiter der Städtischen Höheren Bürgerschule in Bendorf/Rhein. 1925 ist er Vorsitzender im Ortskartell der deutschen Beamtenschaft, wird Führer des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold, Mitglied der Deutschen Staatspartei, später der SPD, Stadtverordneter und Mitglied des Kreistages. 1928 stirbt seine Ehefrau, aus der Ehe sind zwei Töchter hervorgegangen.
 
17. Oktober 1933 Bauer wird aufgrund des „Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“ vom 7. April 1933 wegen „politischer Unzuverlässigkeit“ entlassen.
Er und zwei Gewerkschafter, Anton Gelhard aus Bendorf-Mülhofen (Gelhard I) und Anton Wilhelm Gelhard aus Bendorf (Gelhard II), halten weiterhin Kontakt zu dem früheren Gewerkschaftssekretär Ernst Rebber, der inzwischen im Saargebiet ist. Sie stehen auch in Verbindung mit dem nächstgelegenen Grenzsekretariat der SOPADE (Sozialdemokratische Partei Deutschlands, dem Vorstand der Exilpartei) und verbreiten illegale Literatur.

5. Juni 1935
Bauer und Gelhard II werden festgenommen. Beide sitzen zunächst in Untersuchungshaft im Gefängnis in Koblenz ein. Zuvor sind Gelhard I und dessen Ehefrau verhaftet worden.

2. November 1935
Der Generalstaatsanwalt beim Oberlandesgericht Hamm klagt Johann Bauer und die Gelhards wegen Vorbereitung eines hochverräterischen Unternehmens an.

18. Dezember 1935 Das Oberlandesgericht Hamm bestraft Bauer wegen des brieflichen Kontakts zu Rebber und wegen einer Reise mit Fahrrad und Zug zu Rebber nach Saarbrücken u.ä. wegen Vorbereitung zum Hochverrat zu zwei Jahren und sechs Monaten Zuchthaus. Gelhard I erhält ebenfalls zwei Jahre und sechs Monate Zuchthaus, Gelhard II zwei Jahre und vier Monate Zuchthaus und Frau Gelhard sechs Monate Gefängnis.

20. Mai 1938
Nach Verbüßung seiner Strafe in den Zuchthäusern Rheinbach und Siegburg wird Bauer nicht freigelassen, er kommt in „Schutzhaft“ in das Polizeigefängnis in Koblenz.

6. Juni 1938 Von Koblenz aus wird er ins Konzentrationslager Buchenwald bei Weimar verschleppt. Seine Häftlingsnummer lautet 4952. Gelhard II kommt wie Bauer 1938 ins KZ Buchenwald, Gelhard I ist zunächst im KZ Dachau und später ebenfalls in Buchenwald.

11. / 12. April 1945 Bauer und die beiden Gelhard werden befreit. Sie proklamieren mit anderen Häftlingen das Manifest der demokratischen Sozialisten des ehemaligen Konzentrationslagers Buchenwald für Frieden, Freiheit, Sozialismus!. In ihm heißt es u.a:
Solange Faschismus und Militarismus in Deutschland nicht restlos vernichtet sind, wird es keine Ruhe und keinen Frieden bei uns und in der Welt geben. Unsere ersten Anstrengungen müssen darauf gerichtet sein, alle gesellschaftlichen Erscheinungen dieser blutigen Unterdrückung des Lebens für immer zu beseitigen.

Im Mai 1945 kehrt Bauer nach Bendorf zurück. Im selben Jahr wird er Oberstudiendirektor des Staatlichen Realgymnasiums Traben-Trarbach. 1947 stirbt Hans Bauer – gesundheitlich geschwächt durch fast zehn Jahre Haft – auf der Fahrt mit dem Fahrrad zur Schule.