Heinz Kahn

„Du kommst zur Arbeit. Du musst überleben!“

(Vater Kahn zu seinem Sohn Heinz bei der „Selektion“
an der Todesrampe von Auschwitz-Birkenau im März 1943)

 

Am 13. April 1922 kommt Heinz (Gustav) Kahn in Hermeskeil bei Trier zur Welt. Er ist Sohn des Tierarztes Dr. Moritz Kahn und seiner Frau Elise, geb. Gamiel. Sein Vater, dessen Brüder und auch ein Bruder seiner Mutter waren im I. Weltkrieg Soldat; sein Vater wurde verwundet und erhielt zahlreiche Auszeichnungen und Orden. 1932 kommt Heinz Kahn auf die Höhere Schule.

1934 Die Diskriminierungen beginnen, als Heinz 12 Jahre alt ist. Ein Preis für eine sportliche Leistung wird ihm nicht ausgehändigt. Weil er Jude ist, muss er in der Klasse in der letzten Bank sitzen. Seine Arbeiten werden nicht mehr zensiert.

Ende 1935 Nach den „Nürnberger Rassengesetzen“ wird seinem Vater die Befugnis zur Fleischbeschau und zu amtlichen Tätigkeiten entzogen.

1936 Heinz muss die Schule verlassen, damit sie „judenrein“ ist. Er hilft dem Vater in der Praxis.

1937 In Frankfurt/Main findet er eine Stelle in einer jüdischen Schlosser-Lehrwerkstatt.

9. November 1938 Als er am Tag der „Reichspogromnacht“ die Werkstatt betreten will, kann er gerade noch der Verhaftung entgehen. Er flieht zu seinen Eltern nach Hermeskeil. Dort ist sein Vater in „Schutzhaft“ genommen, kommt aber nach einigen Tagen wieder frei. Wenig später wird sein Vater gezwungen, das Wohnhaus sehr günstig an die Gemeinde zu verkaufen.

März 1939 Die Familie zieht nach Trier; Heinz arbeitet in einer jüdischen Lehrwerkstatt in Köln.

1941 Heinz Kahn soll „in den Osten“ deportiert werden, kann sich dem aber durch die Flucht zu seinen Eltern nach Trier entziehen. Dann wird er zur Arbeitsleistung in verschiedenen Betrieben dienstverpflichtet.

27. Februar 1943 Zur Vorbereitung der Deportation wird Heinz Kahn ins Trierer Gefängnis eingeliefert.

1. März 1943 Die Familie Kahn (Vater, Mutter, Heinz und seine jüngere Schwester Gertrud) wird im Viehwaggon von Trier aus ins KZ Auschwitz-Birkenau verschleppt. Von den etwa 3.000 Deportierten kommen 2.100 nach der „Selektion“ sofort in die Gaskammern, 600 Männer und 300 Frauen überleben. Sein Vater sagt zu ihm: Du kommst zur Arbeit. Du musst überleben!
Aufgrund seiner Geschicklichkeit und Umsicht überträgt man Heinz Kahn im Lager besondere Funktionen. Er ist zeitweise Pfleger, Häftlingsschreiber und Lagerläufer. Dadurch hat er gewisse Privilegien und kann anderen Häftlingen helfen.

18. Januar 1945 Vor der heranrückenden Roten Armee wird Kahn zusammen mit anderen Häftlingen des Krankenbaus von Auschwitz im Güterwaggon ins KZ Buchenwald verschleppt.
Dort arbeitet er im „Sektionskommando“. Die Häftlinge müssen die Toten auf Goldzähne untersuchen und sie ihnen entfernen, das Gold wird für die SS gesammelt.

11. April 1945 Kahn kommt frei, als amerikanische Soldaten im KZ Buchenwald eintreffen.

Er kehrt nach Trier zurück, wird dort erster Vorsitzender der Jüdischen Kultusgemeinde, macht sein Abitur nach, studiert Veterinärmedizin, legt sein Examen ab und promoviert.1950 heiratet er seine Frau Inge, geb. Hein, aus Cochem. Sie wurde als 14Jährige zusammen mit ihren Eltern am 27. Juli 1942 in das KZ Theresienstadt verschleppt.
1954 ziehen die Eheleute nach Polch. Dort betreibt Dr. Kahn eine Tierarztpraxis. Aus der Ehe sind fünf Kinder hervorgegangen.
Seit 1987 ist Heinz Kahn Vorsitzender der Jüdischen Kultusgemeinde Koblenz.

 


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