Eva Salier, geb. Hellendag

„Es war eine Fahrt durch die Hölle.“


Am 26. Mai 1923 kommt Eva als Tochter des holländischen Kaufmanns Simon Hellendag (*1874) und dessen Frau Antonie (*1895), beides Juden, in Koblenz-Horchheim zur Welt. Ihr Elternhaus ist sehr gastfreundlich und offen auch für Christen und Gäste aller Gesellschaftsschichten. Zu Hause bei den Hellendags wird viel musiziert, der Vater spielt Klavier, die Mutter Geige. Eva geht von 1929 bis 1933 in die Volksschule in Horchheim.

1933 Fast zeitgleich mit der „Machtergreifung“ der Nazis wird Eva in die Hilda-Schule eingeschult. Die Diskriminierungen nehmen zu, auch für Eva. Zusammen mit der zweiten Jüdin, Helga Treidel, muss sie in der letzten Bank sitzen. Sie dürfen sich nicht melden und werden nur noch „Unkraut“ genannt, gemieden und bespuckt.

1935 Noch vor dem Erlass der „Nürnberger Rassengesetze“ erkennt ihr Vater die Gefahr für die Juden in Deutschland und bemüht sich um einen Transfer nach England. Ehe die Angelegenheit abgeschlossen ist, verstirbt er. Er hinterlässt Frau und Tochter.

1936 Die Schule will „judenrein“ sein. Deshalb wird Eva vom Gymnasium verwiesen. Um weiter zur Schule gehen zu können, schickt Evas Mutter sie zu den Verwandten des verstorbenen Vaters nach Holland. Die Umstellung fällt Eva sehr schwer.

1938 Wegen der Diskriminierungen in Deutschland emigriert Evas Mutter nach Holland.

10. Mai 1940 Nach der Invasion Hollands durch die deutsche Wehrmacht muss Eva die Schule verlassen.
Eva, ihre Mutter und ihre Großmutter können nicht fliehen, sie sitzen in Amsterdam fest.
Eva muss sich mit 499 anderen jüdischen Jugendlichen für ein „Arbeitslager“ melden. Durch eine glückliche Fügung wird sie vergessen. Die Jungen werden ins KZ Mauthausen und die anderen Mädchen ins KZ Ravensbrück verschleppt. „Offiziell“ existiert Eva nicht mehr. Mit Hilfe von Freunden erhält sie eine neue Identität.
Ihre Mutter, ihre Großmutter und Eva selbst werden trotz allem von holländischen Nazis festgenommen und auf dem Sammelplatz „selektiert“: Eva kommt als „Arbeiterin“ nach links, ihre Mutter und Großmutter schubst man nach rechts. Eva hat sie nie wieder gesehen.
Eva kommt in das Lager Vught, die „Vorhölle“. Sie muss Pelze von Juden umarbeiten, die bei der „Endlösung“ beraubt und ermordet wurden. Anschließend leiste sie Zwangsarbeit bei „Philips“.

2. Juni 1944 Im Viehwaggon bringt man sie mit anderen Häftlingen ins KZ Auschwitz-Birkenau. Der dunkle Himmel ist glutrot – von den Krematorien, in denen ermordete Menschen verbrannt werden. Auf der „Rampe“ wird Eva als „arbeitsfähig“ selektiert.
Sie wird einem Sonderkommando zugeteilt und muss Radioröhren zusammen bauen. Durch eine Umorganisation gehört das Kommando jetzt zum KZ Groß-Rosen, der Status der Häftlinge ändert sich von „Juden“ in „Kriegsgefangene“.

Januar 1945 Vor der heranrückenden Roten Armee werden die Häftlinge des Kommandos im Schneegestöber über das Riesengebirge getrieben.

Februar 1945 In offenen Viehwaggons geht es nach Westen. Die Häftlinge arbeiten dann unter Tage.

1. Mai 1945 Eva und ihre Kameradinnen sind frei. Das Rote Kreuz bringt sie nach Malmö/Schweden.

Später wandert Eva Hellendag in die USA aus. Sie heiratet, heißt jetzt Salier und bringt zwei Söhne zur Welt. Inzwischen ist sie Witwe. Ein Sohn ist Filmeditor, der andere Archäologe.

 

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