Julius und Hermann Baruch

 

 

 

 

 

„Arm und ehrlich haben sie sich durchgeschlagen.“

 

 

 

 

 

 

 

Die Baruchs aus Bad Kreuznach sind eine jüdische Familie mit fünf Kindern, den Mädchen Emma und Johanna sowie den drei Jungen: Adolf (*1891), Julius (*1892) und Hermann (*1894). Alle drei sind „Frontkämpfer“ im I. Weltkrieg. Die Eltern haben es schwer. Vater Salomon erblindet nach einer Lungenentzündung. Mutter Karoline verdient mit einem Obst- und Gemüsegeschäft den Lebensunterhalt für die sieben- köpfige Familie.

Julius und Hermann sind sportliche Ausnahmeerscheinungen. 1924 werden sie in verschiedenen Klassen im Gewichtheben Europameister. Bei den gleichen Meisterschaften gewinnt Julius noch eine Silbermedaille im Ringen. Beide haben entscheidenden Anteil, dass die Kreuznacher 1925 im Ringen die Deutsche Mannschaftsmeisterschaft gewinnen. 1928 sind sie mit Hermann wieder deutscher Mannschaftsmeister, Julius ist jetzt Trainer des Vereins.
Julius, der „Riese mit dem Kindergemüt“ und Liebhaber schöngeistiger Literatur, wird Inhaber einer Autovermietung, Hermann leitet eine Polsterer- und Tapezierwerkstatt.

 

Anfang März 1933 Julius und seine christliche Frau verhelfen einem Freund, dem steckbrieflich von den Nazis gesuchten Kreuznacher Gewerkschaftler und Kommunisten Hugo Salzmann, mit ihrem Mietwagen zur Flucht ins Saargebiet, das damals noch einen Sonderstatus hat.

1933 Weil sie Juden sind, werden Julius und Hermann mit einem umfassenden Sportverbot belegt. Julius darf auch nicht mehr Trainer sein.
Die Geschäfte der Baruchs gehen wegen der Diskriminierung der Juden immer schlechter.

1938 Adolf Baruch wandert mit seiner Familie nach Argentinien aus.
Hermann wird verdächtigt, emigrierenden Juden bei der Mitnahme ihrer Wertgegenstände ins Ausland zu helfen. Er kann sich der drohenden Verhaftung gerade noch durch die Flucht nach Belgien entziehen.

4. November 1938 Julius wird als Hermanns Bruder wegen Beihilfe zu einem Devisenvergehen zu einer neunmonatigen Gefängnisstrafe verurteilt.

1939 Völlig abgemagert kehrt Julius aus dem Gefängnis zu seiner Familie zurück.

1940 Nach dem Überfall Deutschlands auf Belgien wird Hermann in Antwerpen festgenommen.
Man verschleppt ihn in das südfranzösische Internierungslager Gurs.

Herbst 1941 Die jüngste Schwester Johanna (Rosenberg) wird von Frankfurt/Main aus nach Minsk (Weißrussland) verschleppt und kommt dort um.

1942 Hermann wird von Gurs aus ins KZ Auschwitz-Birkenau deportiert und dort wohl noch im selben Jahr ermordet.
Die 81jährige Mutter, Karoline Baruch, wird schwerkrank nach Koblenz gebracht und ins KZ Theresienstadt deportiert. Dort verhungert sie.

Mai 1943 Die ältere Schwester Emma (Reichert) wird von Frankfurt/Main aus ins KZ Auschwitz-Birkenau verschleppt und ermordet.

September 1944 Julius wird verhaftet. Auch die „Mischehe“, in der er lebt, bietet ihm keinen Schutz mehr. Mehrere Monate ist er im Gefängnis in Bad Kreuznach inhaftiert.

Anfang 1945 Von dort aus wird Julius in das KZ Buchenwald deportiert.
Wenig später stirbt er an Entkräftung im KZ oder auf dem „Todesmarsch“.

 


Quellen:
Nachlass Hugo Salzmann (privat), International Tracing Service (ITS), Bad Arolsen,
sowie: Kerstin Zehmer, in Sachor, 1999, Heft 1, S. 43 – 49.

 


 

 

 

 

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