Maria Detzel, geb. Rath

„Wahre Mutter der Kriegsopfer“

Geboren wird Maria Detzel am 6. April 1892 in dem damals noch selbständigen Güls. Nach dem Schulbesuch wird sie 1909 Buchhalterin in Koblenz. 1913 heiratet sie Peter Detzel. Von Kriegsbeginn an ist sie freiwillige Helferin im Festungslazarett Koblenz. 1917 fällt ihr Mann an der Front. Daraufhin intensiviert Maria Detzel ihre Arbeit für die Kriegsbeschädigten und Hinterbliebenen. 1918 wird sie Sachbearbeiterin im Hauptversorgungsamt Koblenz. 1921 tritt sie in die SPD und in die freie Gewerkschaft ein. 1924 wählt man sie in die Stadtverordnetenversammlung von Koblenz. Zwei Jahre später wird sie Geschäftsführerin des pazifistischen Reichsbundes der Kriegsbeschädigten im Regierungsbezirk Koblenz. Ab 1930 ist sie stellvertretende SPD-Ortsvereinsvorsitzende.

12. März 1933. Bei den vorgezogenen Kommunalwahlen nach der sog. Machtergreifung Hitlers wählt man sie wieder in den Stadtrat von Koblenz.

29. März 1933.
Maria Detzel und ein weiterer sozialdemokratischer Stadtrat stimmen bei der ersten Stadtratssitzung nicht für die Verleihung der Ehrenbürgerrechte von Koblenz an Adolf Hitler. Daraufhin werden sie unter anhaltenden Protestrufen von SS-Leuten aus dem Saal geführt.

19. April 1933. In der Liste der Stadtverordneten wird vermerkt, dass Maria Detzel und der andere Stadtrat ihre Mandate niedergelegt hätten. Aus politischen Gründen wird sie als Geschäftsführerin des Reichsbundes entlassen. Kurz darauf kommt sie vorübergehend in „Schutzhaft“. Nach ihrer Freilassung versteckt sie sich auf dem Hunsrück.

Juli 1933.
Als der Haftbefehl gegen sie aufgehoben wird, kehrt sie nach Koblenz zurück. Anschließend muss sie sich drei Jahre lang täglich bei der Polizei melden.

Juli 1937. Frau Detzel hat Kontakt zu einigen früheren widerständigen SPD- und KPD-Leuten und kommt ein zweites Mal kurze Zeit in „Schutzhaft“.

1. Oktober 1938. Sie findet Arbeit in der Zahlmeisterei des Infanterieregiments 80 in Koblenz, wird aber vier Monate später aus politischen Gründen wieder entlassen.

1. März 1939. Eine Koblenzer Süßmosterei stellt sie als Sekretärin ein.

Ende August 1944. Nach dem 20. Juli 1944 wird sie – wie reichsweit viele andere frühere Abgeordnete auch – im Rahmen der „Aktion Gewitter“ in „Schutzhaft“ genommen.

Ende September 1944.
Maria Detzel kommt aus der „Schutzhaft“ im Koblenzer Gefängnis frei.

1945 und danach.
Nach dem II. Weltkrieg ist Maria Detzel sehr bald wieder politisch und auch beruflich aktiv. Im Juli 1945 wird sie Mitglied des Bürgerrats von Koblenz und Regierungsrätin im Ministerium für Arbeit und Volkswohlfahrt. An der Gründung der Gewerkschaften in Koblenz ist sie ebenso beteiligt wie an der Wiedergründung der SPD. 1946 wird sie stellvertretende Vorsitzende des SPD-Unterbezirks Koblenz, Mitglied des Stadtrats sowie der Beratenden Landesversammlung. Beim Aufbau der Versorgungsverwaltung ist sie ebenfalls besonders aktiv, zunächst als Referentin für Kriegsopferversorgung, dann leitet sie als Regierungsdirektorin das Landesversorgungsamt in Koblenz. Außerdem arbeitet sie im Verband der Kriegsopfer und Zivilgeschädigten mit und organisiert die Arbeiterwohlfahrt neu. Zum 70. Geburtstag erhält sie das Bundesverdienstkreuz erster Klasse. Maria Detzel stirbt am 5. Juli 1965.
 
 

 

 

 

 

 

 

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