Heinrich Roth

„Eins habe ich mir jetzt vorgenommen: Mit den Besatzungsmächten für meinen Teil an der Befreiung der Welt und dem Wiederaufbau mitzuarbeiten.“

Heinrich Roth wird am 8. Juli 1889 in Holler/Westerwald als das 6. von 9 Kindern geboren. Nach der Volksschule erlernt er das Buchdruckerhandwerk in Montabaur. Dann arbeitet er als Schriftsetzer und schreibt Artikel für Zeitungen. Nach seiner Fortbildung findet er eine Anstellung als Sekretär des Katholischen Volksvereins in Montabaur. 1919 wird er Kreisdeputierter des Unterwesterwaldkreises und gehört dem nassauischen Kommunallandtag und dem Landesausschuss an. 1921 tritt er der Zentrumspartei bei. Als Vertreter des Landrats wird er 1923 von der französischen Besatzung aus den besetzten Gebieten ausgewiesen. 1924 ist er Mitglied des Reichstages. Im Jahr 1926 wählt man Roth zum Bürgermeister von Montabaur. 1929 wird er Vorsitzender des Zentrum im Regierungsbezirk Wiesbaden, 1930 Mitglied im geschäftsführenden Vorstand des preußischen Zentrum und 1932 Mitglied des Preußischen Landtages.

2. April 1933. Bald nach der „Machtergreifung“ der Nazis wird Roth seines Amtes als Bürgermeister von Montabaur enthoben.

20. Juli 1933. Nach der Selbstauflösung des Zentrum durchsucht die Polizei seine Wohnung und er kommt zwei Tage in „Schutzhaft“.

29. November 1933. Heinrich Roth wird endgültig als Bürgermeister von Montabaur entlassen. Nach und nach verliert er auch seine anderen Ämter.

20. Februar 1936. Er heiratet seine Frau Gertrud, geb. Ebert. Den Lebensunterhalt für sich und seine Familie bestreitet er als Vertreter einer Wachswarenfabrik und aus einer Lebensversicherung.

1937. Roth arbeitet als Inspektor einer Frankfurter Versicherung.

1. September 1939. Während des II. Weltkrieges unterbindet die NSDAP jede berufliche Betätigung Roths wegen dessen „politischer Unzuverlässigkeit“ .Jahrelang ist er fast ohne Einkommen und muss seine Frau und die beiden kleinen Kinder mit Hilfe eines Bankdarlehens ernähren.

23. August 1944.
Nach dem 20. Juli 1944 kommt Heinrich Roth – wie reichsweit viele andere frühere Abgeordnete auch – im Rahmen der „Aktion Gewitter“ in „Schutzhaft“. Die Gestapo liefert ihn ins Polizeigefängnis Frankfurt/Main ein.

10. Oktober 1944.
Roth wird als haft- und lagerunfähig entlassen und entgeht so der drohenden Verschleppung ins Konzentrationslager Dachau. Er steht unter Polizeiaufsicht. In den letzten Wochen versteckt er sich bei Verwandten.

1945 und danach. Nach dem Krieg ist Roth nochmals Bürgermeister von Montabaur. Ein Jahr später wird er Landrat des Unterwesterwaldkreises. Als er sich bei der Kartoffelzuteilung engagiert für die Bevölkerung einsetzt und sich über die Anweisungen der französischen Besatzungsmacht hinwegsetzt, bleibt nichts anderes übrig, als ihn als Landrat von Montabaur abzuberufen. Wegen dieses Vorfalls wird er mit Wirkung vom 1. November 1947 Landrat des Landkreises St. Goar. 1951 äußert er sich erneut sehr kritisch gegenüber der französischen Besatzungsmacht – diesmal ohne Folgen. Nach dem Hinausschieben der Altersgrenze tritt er im Sommer 1955 in den Ruhestand. Heinrich Roth stirbt am 25. November 1955.
 
 

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