Wilhelm Rott

„Du glaubst also, unser Jungele würde mich vielleicht doch wieder erkennen, hoffen wir es, aber wer hätte gedacht, dass alles so lange dauern würde und wer weiß, wie lange es noch dauert.“

(Willi Rott in einem Brief an seine Frau aus der Haft 1934)

Wilhelm (Willi) Rott wird am 11. Januar 1895 in Bonn-Rheindorf geboren. Nach der Volksschule erlernt er den Beruf des Einschalers, den er auch ausübt. 1916 heiratet er seine Frau Katharina. Beide sympathisieren mit der KPD. Jedenfalls Ende der 1920er Jahre ist er in dem damals noch selbständigen Lay (heute: Koblenz-Lay) und Umgebung als Kommunist aktiv und tritt öffentlich auf. Sein Haus ist Treffpunkt der Layer und anderer Kommunisten, man nennt es „Klein-Russland“. Anfang der 1930er Jahre wird in Lay der „Bund gegen den Faschismus“ gegründet. Rott ist sein Leiter. Der Kampfbund ist militant, macht im Wald Nachtübungen und nimmt an den „Hungermärschen“ in Koblenz teil.

1. März 1933. Als nach dem Reichstagsbrand am 27. Februar 1933 viele Kommunisten in „Schutzhaft“ kommen, versteckt sich Rott. Er und seine Frau sind mit anderen daran beteiligt, eine mit Sprengstoff gefüllte Flasche in Koblenz abzuholen und in Lay in die Mosel zu werfen.

10. März 1933. Rott kommt wegen seiner kommunistischen Gesinnung in Koblenz in „Schutzhaft“.

Mai 1933. Er wird aus der „Schutzhaft“ in Koblenz entlassen.

6. Oktober 1933. Wegen des Transports der Sprengstoffflasche wird Rott in Untersuchungshaft genommen.

20. April 1934. Rott, seine Frau und andere werden wegen Hochverrats und Sprengstoffverbrechens vor dem Volksgerichtshof angeklagt.

14. August 1934. In der Hauptverhandlung stellt sich heraus, dass man mit dem Inhalt der Flasche allenfalls eine Tür hätte aufsprengen können. Gleichwohl verurteilt der Volksgerichtshof wegen Hochverrats und Sprengstoffverbrechens Rott zu einem Jahr und vier Monaten Zuchthaus und seine Frau zu einem Jahr Zuchthaus. Rott verbüßt die Strafe in den Zuchthäusern Rheinbach und Siegburg.

Februar 1935. Er wird aus dem Zuchthaus entlassen und kehrt nach Lay zurück.

1. September 1939. Im Rahmen der sog. A-Kartei-Aktion nimmt die Gestapo Rott erneut in „Schutzhaft“ und verschleppt ihn ins Konzentrationslager Sachsenhausen bei Berlin.

5. März 1940. Bald überführt man ihn ins Konzentrationslager Dachau bei München.

8. April 1941. Von Dachau aus wird Rott ins KZ Ravensbrück überstellt.

Mai 1941. Man wirft Rott vor, Vorbereitungen zum Hochverrat begangen zu haben.

Juli 1941. Das Oberlandesgericht Hamm/Westfalen verurteilt Rott wegen Vorbereitung zum Hochverrat zu 3 ½ Jahren Zuchthaus. Die Strafe verbüßt Rott im Zuchthaus Siegburg.

10. Juli 1943. Aus der Strafhaft wird Rott nach Heuberg/Baden überführt. Hier muss er in dem Bataillon der Wehrunwürdigen (Strafbataillon 999) Soldat werden. Später gerät er in Gefangenschaft.


1945 und danach. Rott wird aus der Gefangenschaft entlassen und kehrt nach Lay zurück.

Bei den ersten freien Gemeindewahlen am 15. September 1946 wählt man ihn zum Beigeordneten von Lay. Später wird er Mitglied der SPD und Bürgermeister von Lay, außerdem im Rahmen der Entnazifizierung stellvertretender öffentlicher Kläger für den Landkreis Koblenz. Rott ist jahrelang auch Mitglied des Gemeinderates von Winningen und des Kreistages Koblenz-Land. Wilhelm Rott stirbt am 5. Februar 1981.