Georg Krämer

"In charakterlicher Hinsicht ist seine Gerechtigkeitsliebe hervorzuheben.“

(aus einer dienstlichen Beurteilung von 1934)

Georg Krämer wird am 25. August 1872 als Sohn des Kaufmanns Gustav Krämer und seiner Ehefrau Franziska (Fanny), geb. Mendel, in Berlin geboren. Beide Eltern sind Juden. Nach dem Abitur in Berlin im Jahr 1891 studiert Georg Krämer Rechtswissenschaften. Während des Studiums lässt er sich evangelisch taufen. 1894 besteht er das 1. juristische Staatsexamen. In der Referendarzeit wird er zum Dr. jur. promoviert und legt 1899 das 2. juristische Examen ab. Er ist bei den Staatsanwaltschaften in Frankfurt/ Oder, Memel und Essen tätig. 1903 wird er zum Staatsanwalt in Essen ernannt. 1907 heiratet er Anna Johanna Goldschmidt. Sie ist die Tochter eines jüdischen Fabrikbesitzers und zum evangelischen Glauben konvertiert. Aus der Ehe gehen die Söhne Fritz (geb. 1908) und Wilhelm (geb. 1911) hervor.
1914 wird die Ehe geschieden. Inzwischen hat sich Georg Krämer freiwillig zum Kriegsdienst gemeldet und wird Soldat im I. Weltkrieg. Anfang 1919 scheidet er als Major und Rittmeister der Reserve aus dem Soldatenverhältnis aus. Rückwirkend wird er zum 1. April 1920 zum Ersten Staatsanwalt befördert und sogar seine Beförderung zum Oberstaatsanwalt befürwortet.
Nach wiederholten Bemühungen wird er Ende 1931 zur Staatsanwaltschaft Koblenz versetzt. Er will seiner Familie näher sein, seine geschiedene Frau wohnt in Diethardt bei Nastätten/Taunus, sein älterer Sohn ist nach dem Studium der Rechtswissenschaften Referendar in Frankfurt/Main und sein jüngerer Sohn studiert Medizin in Bonn.

1. April 1933 Im Zuge des „Judenboykotts“ wird Georg Krämer aus dem Dienst weggeschickt und bis auf weiteres beurlaubt. Dadurch erleidet er einen Nervenzusammenbruch. Nach einigen Monaten wird er doch wieder bei der Staatsanwaltschaft in Koblenz eingestellt: als „Frontkämpfer“ im I. Weltkrieg kann er nicht aufgrund des „Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“ vom 7. April 1933 entlassen werden.

Dezember 1934 Die Justizverwaltung spricht ihm zur Vollendung des 40. Dienstjahres noch Glückwünsche aus. Zur selben Zeit erhält er vom Oberstaatsanwalt in Koblenz seine letzte dienstliche Beurteilung. Darin heißt es:
In charakterlicher Hinsicht ist seine Gerechtigkeitsliebe hervorzuheben.

17. Dezember 1935 Das „Frontkämpferprivileg“ ist inzwischen abgeschafft. Daraufhin verfügt der Reichsjustizminister seine Entlassung wegen seiner jüdischen Herkunft.

15. Januar 1942 Weil er keinen „Judenstern“ trägt, wird er von der Koblenzer Gestapo in staatspolizeiliche
Haft genommen. Nach drei Wochen kommt er mit einer Verwarnung wieder frei.

13. Mai 1942 Auf Anordnung muss er seine Wohnung in der Bismarckstraße 6b aufgeben und in das „Judenhaus“ in der Hohenzollernstraße 146 umziehen.

27. Juli 1942 Mit dem 4. Transport von Koblenz aus wird Krämer zusammen mit 78 Juden in das KZ Theresienstadt deportiert und sein Vermögen wird eingezogen.

1. November 1942 Georg Krämer kommt im Alter von 70 Jahren im KZ Theresienstadt um. Seine Familie kann dem Rassenwahn der Nazis noch entfliehen. Der ältere Sohn Fritz wandert in die USA aus und holt seine Mutter und seine Frau nach, der jüngere flieht nach England. Sohn Fritz wird Entdecker und Mentor der US-Außenminister Henry Kissinger und Alexander Haig und ist Jahrzehnte lang der einflussreichste Deutsche im Pentagon.