Familie Edwin Landau

„Ich, Edwin Landau, schwöre bei Gott, dass ich alle mir vermöge meines Amtes obliegenden Pflichten genau erfüllen, auch die Verfassung gewissenhaft beobachten will. So wahr mir Gott helfe.“

Der am 20. September 1861 geborene und evangelisch getaufte Edwin Landau stammt aus einer seit ca. 1800 in Koblenz ansässigen jüdischen Familie. Sein Elternhaus ist das repräsentative Gebäude Neustadt 4. Landau ist nach seinem Studium als Referendar beim Landgericht Koblenz tätig. Nach 2. Staats-examen und Promotion wird er zum Amtsgerichtsrat beim Amtsgericht Koblenz ernannt. Um 1900 heiratet er seine Frau Julie, geb. Wollheim, sie ist die Tochter eines Wiener Bankiers. Aus der Ehe gehen zwei Kinder hervor: die Tochter Ilse (geb. 1902) und der Sohn Edwin Maria (geb. 1904). Dr. Edwin Landau nimmt am I. Weltkrieg als Rittmeister teil.
Er und seine Frau sind begeisterte Musikliebhaber. Landau wird Vorstandsmitglied und Vorsitzender des „Vereins der Musikfreunde“ in Koblenz. In der Neustadt 4 verkehren alle großen Musiker der Zeit, von Clara Schumann und Josef Joachim bis Paul Hindemith.
1927 scheidet Dr. Edwin Landau als Amtsgerichtsrat aus dem Justizdienst aus. 1931 gründet sein Sohn Edwin Maria, inzwischen promoviert, in Berlin den Verlag „Die Runde“.

August 1933 Im Verlag erscheint die Schrift „Nationalsozialismus vom Ausland gesehen – an die Gebildeten seiner Gegner“, die die Rassengesetzgebung der Nazis scharf kritisiert.

1935 Die „Reichsschrifttumskammer“ veranlasst, dass der Sohn Edwin Maria wegen seiner jüdischen Herkunft den Verlag verlassen muss.

1936 Die Tochter Ilse, die Physiotherapeutin geworden ist und wegen ihrer jüdischen Herkunft die Arbeitsstelle in Koblenz verloren hat, heiratet den Berliner Landgerichtsrat Dr. Friedrich Oppler, der ebenfalls jüdischer Herkunft ist.
Die Eheleute Edwin und Julie Landau halten es in Koblenz nicht mehr aus. Sie „gehen auf Reisen“, verkaufen ihr Haus in der Neustadt 4 „zu einem Spottpreis“ und ziehen zur Tochter Ilse und ihrem Ehemann nach Berlin.

1938 Der Sohn Edwin Maria sieht keine Perspektive mehr und verlässt Deutschland.

10. November 1938 Ilses Ehemann wird in Berlin nach den Novemberpogromen verhaftet und ins KZ Oranienburg verschleppt. Sechs Wochen später wird er wieder frei gelassen.

September 1939 Edwin Maria Landau wird bei einem Aufenthalt in Paris vom II. Weltkrieg überrascht und kommt – wie viele andere Deutsche auch – in ein Internierungslager der Franzosen.

August 1940 Die Eheleute Ilse und Friedrich Oppler fliehen nach Brasilien.

Oktober 1941 In Berlin beginnen die ersten Deportationen von Juden in den Osten.

23. Dezember 1941 Amtsgerichtsrat a.D. Dr. Edwin Landau stirbt in Berlin.

7. Juli 1942 Seine Frau Julie entscheidet sich angesichts ihrer Deportation für den Freitod.

März 1943 Edwin Maria Landau kommt in Frankreich aus dem Lager frei und flieht in die Schweiz.

Nach dem Krieg kehren Ilse Oppler und ihr Ehemann von Brasilien nach Berlin zurück. Dr. Oppler ist noch knapp zehn Jahre als Landgerichtsrat bzw. Landgerichtsdirektor beim Landgericht Berlin tätig. Dr. Edwin Maria Landau bleibt in der Schweiz und heiratet dort. Er ist als Schriftsteller und Übersetzer tätig, wird Träger zahlreicher literarischer Auszeichnungen. Als erster erhält er im Jahr 1983 den neu geschaffenen Kulturpreis der Stadt Koblenz.
Edwin Maria Landau stirbt am 2. Januar 2001.