Richard Christ

„Wir sind die Moorsoldaten…“

Richard Christ hat bis zu seiner Verfolgung und seinem Tod in Koblenz gelebt. Geboren wird er am 24. März 1898 als Sohn des Schneiders Peter Josef Christ und dessen Ehefrau Maria Magdalena, geb. Bemb. Nach seiner Schulausbildung wird er Buchhändler. Er heiratet seine zwei Jahre ältere, ebenfalls in Koblenz geborene Frau Else, geb. Beyerlein.
Die Eheleute sind politisch stark engagiert und dann Mitglied der Kommunistischen Partei (KPD). Richard Christ soll auch – was ihm aber nicht nachgewiesen werden kann – noch nach dessen Verbot Mitglied des Rotfrontkämpferbundes (RFB) gewesen sein.

1. Februar 1933 Kurz nach der Machtübernahme der Nazis am 30. Januar 1933 löst Reichspräsident Paul von Hindenburg den Reichstag auf und verfügt Neuwahlen für den 5. März 1933.

4. Februar 1933 Der Preußische Landtag löst die Gemeindeparlamente auf und ordnet Kommunalwahlen für den 12. März 1933 an.
Richard Christ ist Kandidat der KPD für die Wahlen zur Koblenzer Stadtverordnetenversammlung.
Im Wahlkampf werden „zum Schutze des deutschen Volkes“ die Presse- und Versammlungsfreiheit eingeschränkt. Göring wird kommissarischer preußischer Innen­minister.

28. Februar 1933 Nach dem Reichstagsbrand am Abend des 27. Februar folgen in Preußen noch in der Nacht die sofortige Verhaftung vieler KPD-Abgeordneter und wichtiger Funktionäre, die Schließung der Parteibüros und das endgültige Verbot der KPD-Presse.
Richard Christ ist einer von ca. 80 „Funktionären“ der KPD, die die Koblenzer Polizei festnimmt. Er kommt in „Schutzhaft“ in das Stadtgefängnis in der Karmeliterstraße.


12. März 1933 Bei den Kommunalwahlen wird Christ zum Stadtverordneten gewählt. Er ist aber weiter in „Schutzhaft“, erhält keine Einladung zur konstituierenden Stadtverordnetenversammlung und wird auch nicht in sein Amt eingeführt.

Frühjahr 1933 Während er weiter im Gefängnis einsitzt, muss er tagsüber Renovierungsarbeiten im SA-Heim an der Pfaffendorfer Brücke, in der Langemarckkaserne und in der SS-Kaserne am Schlossplatz leisten.

Ende Juni 1933 Nach dem Verbot auch der SPD verschärft sich die Situation für die „Schutzhäftlinge“. Sie kommen zu Vernehmungen und Misshandlungen in die SS-Kaserne. Ein Mitgefangener berichtet später über die Begrüßung („Da ist ja der intellektuelle Vogel!“) und die Misshandlungen von Richard Christ durch einen SS-Mann: „Er schlug auf ihn stundenlang ein. Ich selbst war Augenzeuge dabei und kann beeiden, dass er Christ mit dem Gummiknüppel nicht nur auf die Brillengläser in der Absicht schlug, um ihm das Augenlicht auszulöschen, sondern auch fortgesetzt Nierenschläge versetzte (ebenfalls mit dem Gummiknüppel), wie es nur fachkundige Sadisten in den Konzentrationslagern und in den SS-Höhlen taten, die es auf das Leben der Gefangenen absahen.“

Mitte August 1933 Richard Christ wird mit ca. 40 anderen Koblenzer „Schutzhäftlingen“ in das Konzentrationslager Esterwegen, einem „Emslandlager“, verschleppt. Dort treffen sie wieder auf den Koblenzer SS-Mann, der sie mit den Worten begrüßt: „Das Herz im Leibe lacht mir, wenn ich euch sehe, ihr werdet die Heimat nie wieder sehen!“
Wie die anderen Häftlinge auch muss Richard Christ in dem KZ hart arbeiten – vor allem im Moor. Trotz aller Quälereien entsteht dort das „Moorsoldatenlied“, ein Zeugnis für den Überlebenswillen im Konzentrationslager.

1934 Wohl vor der Umwandlung des Lagers in ein Strafgefangenenlager zum 1. April 1934 wird Richard Christ aus dem KZ Esterwegen entlassen.
Er kehrt nach Koblenz zurück und hält sich dort noch eine gewisse Zeit auf.
Schon bald emigriert er nach Frankreich.

1935 Christ stirbt in Toulouse in Südfrankreich an Nierenblutungen und wird dort beerdigt.

1938 Die Nazis betreiben noch das Ausbürgerungsverfahren gegen ihn und seine Witwe, verfolgen es aber nicht weiter, nachdem sie erfahren haben, dass Richard Christ tot ist.

 

 

 


 

 

 

 

 

Zum Seitenanfang