Edmund Zimmer

„Er macht sich durch vielerlei leichte Arbeiten bei den Schwerkranken nützlich.“

 
Edmund Zimmer wird am 23. Mai 1920 in Koblenz geboren. Seine Eltern sind der Eisenbahner Peter Josef Zimmer und dessen Frau Maria Katharina, geb. Gravemeier. Sein Lebensweg verläuft zunächst in geordneten, „normalen“ Bahnen: Edmund besucht die Volksschule, ohne sitzen zu bleiben. Nach deren Abschluss absolviert er in der Tuchhandlung Raffauf in Koblenz eine kaufmännische Lehre. Auch diese bringt er zu Ende.

Frühjahr 1937 Anschließend meldet er sich freiwillig zum Reichsarbeitsdienst (RAD). Nach vier Wochen dort erleidet er seinen ersten Gehirnkrampf. Daraufhin wird er aus dem RAD entlassen.

Er ist wieder zu Hause in Koblenz. Sein Vater ist inzwischen gestorben. Seine Mutter kümmert sich um ihn und sucht zu seiner Behandlung verschiedene Ärzte auf. Das Krampfleiden bleibt aber.

Auf ärztlichen Rat hin bringt sie Edmund in die Heil- und Pflegeanstalt Bonn, damit er dort ständige fachärztliche Betreuung erhalte. Aber auch dort bessert sich sein Leiden nicht. Die Krämpfe nehmen vielmehr noch zu, bis zu drei bis fünf Mal täglich. Im Übrigen ist Edmund körperlich und geistig „in Ordnung“. Dabei macht er sich durch vielerlei leichte Arbeiten bei den Schwerkranken nützlich.

Oktober 1939
Mit einem auf den 1. September 1939 (Beginn des Zweiten Weltkrieges) rückdatierten Ermächtigungsschreiben Hitlers wird die „Vernichtung lebensunwerten Lebens“ eingeleitet. Unter Tarnnamen organisiert die „Kanzlei des Führers“ die Ermordung von ca. 70.000 Geisteskranken und körperlich Missgebildeten im Rahmen der „Aktion T 4“ (benannt nach dem Sitz der Zentrale in der Tiergartenstraße 4 in Berlin). Das ganze Deutsche Reich ist überzogen mit einem Netz von sechs Tötungsanstalten und zahlreichen „Zwischenanstalten“. In diese werden die Kranken zur Tarnung und zur Organisation des Mordens zuvor „verlegt“. Eine solche Zwischenanstalt ist die Anstalt in Andernach. Eine Tötungsanstalt befindet sich in Hadamar bei Limburg.


20. Mai 1941 Edmund wird von der Anstalt Bonn nach Andernach verlegt.

Anfang Juni 1941 Er schreibt seiner Mutter und seiner Schwester eine Karte und erzählt: Sie hätten von Bonn aus einen Ausflug nach Andernach gemacht, dort solle er auch bleiben. Wenige Tage später besucht ihn seine besorgte Mutter in Andernach.

Mitte Juni 1941 Edmunds Patin will ihn dort ebenfalls besuchen, sie trifft ihn aber nicht mehr an. Daraufhin ruft Edmunds Schwester sofort in Andernach an – ohne Erfolg: Viermal wird sie von einer Stelle zur anderen weiter verbunden, dann hängt man am anderen Ende der Leitung einfach ein. Als die Schwester am nächsten Tag in der Anstalt erscheint, verweigert man ihr jede Auskunft über den Verbleib des Jungen. Man gibt ihr die Adresse des ihn abtransportierenden Unternehmens, der „Gemeinnützigen Kranken-Transport GmbH (GEKRAT)“. Auf den heftigen Protest der Schwester hin bekunden die drei Ärzte in Andernach ihre Unschuld an allem.

Einige Tage später erhält die Familie von der GEKRAT aus Berlin Bescheid, dass Edmund nach Hadamar bei Limburg „verlegt“ worden und dort in gutem Gesundheitszustand angekommen sei. Wegen ansteckender Krankheiten seien aber Besuche, Briefe und Pakete verboten.

Anfang Juli 1941 Die Landesheilanstalt Hadamar teilt Edmunds Familie in Koblenz mit, dass er am 3. Juli 1941 in Hadamar an Pneumonie (Lungenentzündung) gestorben sei. Die Wahrheit ist eine andere: Wie tausend andere Kranke auch wurde Edmund Zimmer von der „Zwischenanstalt“ Andernach „als unnützer Esser“ und „Ballastexistenz“ in die Tötungsanstalt Hadamar verschleppt und dort noch am Tag der Einlieferung mit Kohlen-monoxyd vergast.