Jakob Stiehl

 

„Weil ich mich weigerte, mit ‚Heil Hitler’ zu grüßen, wurde ich nach 29 Jahren bei der Reichsbahn fristlos entlassen.“

 

Jakob Stiehl wird im Jahr 1887 als Sohn eines Landwirts und Winzers geboren. Nach dem Besuch der Volksschule hilft er zunächst seinem Vater im Betrieb in Manubach bei Bacharach. 1905 geht er zur Reichsbahn. Von 1907 bis 1909 genügt er seiner Militärpflicht. Danach ist er wieder bei der Reichsbahn und wird Rottenführer. 1913 heiratet er. Aus der Ehe gehen vier Kinder hervor. Im Jahr 1923 schließt er sich den Ernsten Bibelforschern (Zeugen Jehovas) an. Er lässt sich taufen und tritt aus der evangelischen Kirche aus.


24. Juni 1933 Auch nach dem Verbot der Zeugen Jehovas hält Jakob Stiehl an seinem Glauben fest.

9. November 1933 Nach 29 Jahren Dienst in der Reichsbahn wird ihm fristlos gekündigt, weil er sich aus religiösen Gründen weigert, den „Deutschen Gruß“ zu erweisen. Er sagt weiterhin nur: „Guten Tag“. Er ist jetzt ausschließlich als Landwirt und Winzer in seinem Heimatort Manubach tätig. Weiterhin hält er Kontakt zu Zeugen Jehovas. Besucht wird er u.a. von dem Bezirksdiener Albert Wandres und von Jakob Wagner aus Mainz-Weisenau. Er schreibt Briefe und trifft sich mit Glaubensbrüdern vom Hunsrück.

24. März 1937 Anlässlich einer weiteren Aktion gegen die Ernsten Bibelforscher durchsucht die Gestapo(leit)stelle in Koblenz die Wohnung Jakobs Stiehls und findet bei ihm religiöse Schriften.

25. März 1937 Die Gestapo Koblenz nimmt ihn in „Schutzhaft“.

7. April 1937 Das Amtsgericht Koblenz erlässt gegen ihn Haftbefehl.

20. Juli 1937 Das in Koblenz tagende Sondergericht Köln verurteilt sechs Zeugen Jehovas vom Hunsrück und der Nahe „wegen Betätigung für die Internationale Bibelforscher-Vereinigung“. Einer von ihnen ist Jakob Stiehl. Er wird mit einem Jahr Gefängnis bestraft. Die Strafe verbüßt er im Gefängnis in Wittlich.

25. März 1938 Die Gefängnisstrafe hat Stiehl – unter Anrechung der Schutz- und Untersuchungshaft – verbüßt. Er wird aber nicht entlassen, sondern vielmehr vom Gefängnis der Gestapo „zur Verfügung gestellt“. Aufgrund eines „Schutzhaftbefehls“ des Geheimen Staatspolizeiamtes (Gestapa) in Berlin nimmt die Gestapo Koblenz ihn erneut in „Schutzhaft“.

31. März 1938 Jakob Stiehl wird aus der „Schutzhaft“ in Koblenz in das Konzentrationslager Buchenwald bei Weimar überstellt.

Frühjahr 1941 Nach drei Jahren Haft im KZ gibt es Ereignisse, die für ihn günstig sind.

14. Juni 1941 Stiehl wird „versuchsweise“ aus dem KZ entlassen. Er kehrt nach Hause nach Manubach zu seiner Familie zurück. Die Gestapo Koblenz stellt ihn unter Überwachung.

20. Januar 1942 Der gegen ihn ergangene „Schutzhaftbefehl“ wird aufgehoben.

Jakob Stiehl überlebt den Naziterror in Manubach. Nach einer Wiedereinstellung bei der Reichsbahn wird er 1946 pensioniert. Er ist dann weiterhin als Landwirt und Winzer tätig.