Luise Thomas, geb. Boor und Töchter Anna und Ruth

 

„Unter allen Umständen – und wenn es das Leben koste – wollen wir Jehova Gott und seinem Sohn die Treue halten.“

 

 

Luise (geb. 1873) ist mit dem Eisenbahnbeamten Eduard Thomas verheiratet. Aus der Ehe gehen zwei Töchter hervor, die 1895 geborene Anna und die 1917 geborene Ruth. Die Familie lebt inzwischen in Kirn/Nahe. Seit Mitte der 1920er Jahre stehen Luise und Anna den Ernsten Bibelforschern (Zeugen Jehovas) nahe. Im Jahr 1931 lassen sie sich taufen. Die jüngere Tochter Ruth besucht ebenfalls die Versammlungen, wartet aber noch ab.

15. Juni 1933 Kurz nach dem Verbot der Zeugen Jehovas werden Luise und Anna denunziert, weil sie von Haus zu Haus gehen und biblische Schriften verteilen. Sie kommen in „Schutzhaft“.

28. Juli 1933 Mutter und Tochter Anna werden aus dem Gefängnis ohne Gerichtsverfahren entlassen.

2. März 1934 Beide werden erneut verhaftet. Es folgen Hausdurchsuchungen und Geldstrafen. Die Zeugen Jehovas treffen sich weiterhin im Haus Thomas.

1935/36 Ruth entscheidet sich, Zeugin Jehovas zu werden, und lässt sich taufen.

Anfang April 1936 Sie wird bei ihrem Predigtdienst beobachtet und für kurze Zeit in „Schutzhaft“ genommen.

17. April 1936 Das in Koblenz tagende Sondergericht Köln verurteilt Ruth zu zwei Monaten Gefängnis.

4. Mai 1936 Luise, Anna und Ruth werden festgenommen und kommen in „Schutzhaft“. Ruth wird nach einer Woche entlassen, Luise und Anna bleiben noch zwei Monate in Haft.

Anfang Juni 1936 Ruth verbüßt bis Anfang August die zweimonatige Gefängnisstrafe.

25. Juni 1936 Luise und Anna werden von dem in Trier tagenden Sondergericht Köln zu sechs Wochen bzw. neun Monaten Gefängnis verurteilt.

August 1936 Wegen ihrer Tätigkeit für die Zeugen Jehovas wird Ruth vom Amtsgericht Bad Kreuznach zu einer Geldstrafe in Höhe von 150.—RM verurteilt.

31. Dezember 1936 Ruth wird erneut verhaftet. Das in Koblenz tagende Sondergericht Köln verurteilt sie zu sechs Monaten Gefängnis.

26. März 1937 Anna wird aus dem Kölner Gefängnis Klingelpütz auf Bewährung entlassen.

Mai 1937 Anschließend wird sie als „unverbesserliche Bibelforscherin“ auf Anordnung des Geheimen Staatspolizeiamtes (Gestapa) erneut in „Schutzhaft“ genommen und in das Frauenkonzentrationslager Moringen bei Göttingen verschleppt.

22. Juni 1937 Ruth wird nach Strafverbüßung nicht entlassen, sondern in „Schutzhaft“ genommen und ebenfalls ins Frauen-KZ Moringen gebracht. Ruth und Anna werden von Moringen in das Frauen-KZ Lichtenburg überführt. Vom KZ Lichtenburg gehen sie „auf Transport“ in das neue Frauen-KZ Ravensbrück.

Frühjahr 1940 Als die Staatsanwaltschaft prüft, ob Anna die restliche Gefängnisstrafe erlassen werden kann, erfährt sie, dass Anna inzwischen im KZ in „Schutzhaft“ ist.

1942 Anna wird in das KZ Auschwitz verschleppt.

22. Oktober 1942 Dort stirbt Anna völlig entkräftet und von Ratten zerfressen.

1943 Ruth wird als Hilfe ins „Lebensborn“-Heim nach Steinhöring in Bayern verbracht.

Nach 1945. Nach der Befreiung setzt Ruth ihren Pionierdienst für die Zeugen Jehovas fort und wird Versammlungsdienerin. Auch Mutter Luise hält am Glauben fest; sie stirbt 1953.

Foto: Jehovas Zeugen in Deutschland