Ignacy Gmerek

 

Als Zwangsarbeiter im
Reichsbahnbauzug Nr. 3608

 

 

Geboren wird Ignacy (Ignatz) Gmerek am 27. Juli 1918, also während des Ersten Weltkrieges. Damals hieß sein Geburtsort noch Faldorf im Kreis Grätz. Diese Region war bis 1793 Großpolen (Wielkopolska), seitdem gehörte sie zur preußischen Provinz Posen. Heutzutage liegt der Ort in der Republik Polen, er heißt Usciecice im Kreis Grodzisk Wielkopolski in der Wojwodschaft Wielkopolski. Seinen Vater Wojciech, der während des großpolnischen Aufstandes nach dem Ersten Weltkrieg getötet wird, verliert er schon sehr früh.

Frühjahr 1939 Am 28. April kündigt Hitler den Nichtangriffspakt mit der Republik Polen und am 23. Mai erläutert er der Generalität seine Angriffspläne gegen Polen.

Ende August 1939 Bei der Mobilmachung Polens wird Ignacy Gmerek zur polnischen Armee eingezogen.

September 1939 Der Überfall Hitler-Deutschlands auf Polen am 1. September 1939 kommt so überraschend, dass Gmerek seinen Wehrdienst nicht antreten kann. Stattdessen wird er von den Deutschen zur Zwangsarbeit gepresst – bei einem deutschen Bauern, irgendwo im Raum Posen. An seinem Arbeitsplatz selbst hat er keine Probleme.

Anfang 1940er Jahre Einige Zeit später ändern sich seine Verhältnisse als Zwangsarbeiter. Er wird ins „Altreich“ verschleppt und kommt zum Reichsbahnbauzug Nr. 3608 in Koblenz. Mit anderen Zwangsarbeitern lebt er in Arbeitswagen der Deutschen Reichsbahn. In Koblenz und Umgebung wird er eingesetzt, um nach den Bombenangriffen der Alliierten die Gleise wieder zu reparieren. Bei den Arbeiten zerquetscht ihm eine Bahnschwelle seinen Unterschenkel. Zurück bleibt eine offene Wunde, an der sich ein Geschwür bildet. Als „sein“ Bauwagen zerstört wird, ist er ohne Dokumente und Kleidung. Mit Kameraden irrt er umher, um zu überleben.

18. Oktober 1944 Ignacy Gmerek wird von der Polizei festgenommen. Man wirft ihm Plünderung vor. Er kommt in den Gewahrsam der Geheimen Staatspolizei (Gestapo) in Koblenz.

16. Februar 1945 Die Gestapo verschleppt ihn in das Konzentrationslager Buchenwald. Dort erlebt er, wie ein Kamerad zur Desinfektion in das „Schwimmbad“ gezwungen wird. Da dieser Angst vor dem Wasser hat, packt ihn ein Kapo und schleudert ihn gegen die Fliesen. Der Kamerad schlägt mit dem Kopf auf: sein Gehirn verspritzt in alle Richtungen.

11. April 1945 Gmerek wird mit 21.000 Häftlingen aus vielen Nationen im KZ Buchenwald befreit. Amerikanische Soldaten bringen ihn in ein Durchgangslager nach Cham im Bayerischen Wald. Dort wird er medizinisch betreut.

Am 17. August 1945 kehrt Ignacy Gmerek nach Polen zurück. Er lässt sich in Schlesien nieder, heiratet und gründet eine Familie. Jahrzehntelang lebt und arbeitet er in der Großstadt Rybnik in der Wojwodschaft Schlesien. Zeit seines Lebens quält ihn die Verletzung am Unterschenkel. Er ist Mitglied des Verbandes „Kämpfer für die Freiheit und Demokratie“ und hat noch viele Jahre Kontakt zu anderen KZ-Häftlingen.
Ignacy Gmerek stirbt im Jahr 2007 im Alter von 89 Jahren.