Jan Nowogrodzki und seine Brüder


„Es war schrecklich, doch in der schlimmen Situation
war es ein Glück, bei der Kirche zu arbeiten.“

 

 

Zu Hause sind sie drei Brüder: Boleslaw, Wladyslaw und Jan. Jan ist der Jüngste, 1926 geboren. Sie leben mit ihren Eltern Antoni und Rozalia im Dorf Wólka Zablocka Kolonia in der Nähe von Lublin. Damals gehörte der Ort fast noch zu Mittelpolen. Heute, nach der Westverschiebung Polens infolge des Zweiten Weltkrieges, liegt er an der Grenze zu Weißrussland.

 

Nach dem 1. September 1939 Nach dem Überfall Hitler-Deutschlands auf Polen und dessen Besetzung wird die Republik Polen zwischen Deutschland und der Sowjetunion aufgeteilt. Der östlichste Teil des deutschen Herrschaftsgebiets ist das „Generalgouvernement“. Das Heimatdorf von Jan und seinen Brüdern liegt in diesem Gebiet. Es ist ein Reservoir für Zwangsarbeiter, es wird Schauplatz der „Endlösung der Judenfrage“ in den dort errichteten Vernichtungslagern.

Vater Nowogrodzki wird von der deutschen Besatzung getötet.


Seine älteren Söhne Boleslaw und Wladyslaw werden schon bald zur Zwangsarbeit gepresst. Sie kommen nach Montabaur.

Frühjahr 1943 Als der jüngere Sohn Jan mit einem Freund durch den Ort läuft, wird er von der deutschen Gendarmerie aufgegriffen.

Man nimmt ihn fest und bringt ihn in die nächste Großstadt nach Lublin.

Alsbald setzt man ihn mit einem Sammeltransport in einen Zug nach Westen. Immer wieder hält der Zug, Menschen werden aus- und eingeladen.


13. April 1943 Der Zug hält in Montabaur. Ein Ordensbruder der „Barmherzigen Brüder von Montabaur“ sucht nach Angehörigen von in Montabaur lebenden Polen. Er kümmert sich um Jan, weil dessen älterer Bruder Boleslaw bereits bei dem Barmherzigen Brüdern ist. Sein Bruder Wladyslaw und ein Onkel von ihm arbeiten in der Umgebung von Montabaur.

Jan wird der Ordensgemeinschaft der Barmherzigen Brüder zugeteilt. Er lebt und arbeitet auf dem Bauernhof „Rossbergerhof“. Mit einem Fuhrwerk sammelt er Küchenabfälle für die Tiere der Barmherzigen Brüder ein. Er leidet keinen Hunger und friert nicht. An Sonn- und Feiertagen hat er frei. Nach und nach bekommt er Kontakt zu seinen beiden Brüdern
und dem Onkel. Später sagt Jan: „Es war schrecklich, doch in der schlimmen Situation war es ein Glück, bei der Kirche zu arbeiten.“

1945 und später Nach der Befreiung von Montabaur durch die Amerikaner kehrt Jan in sein Heimatdorf zurück. Es liegt nunmehr an der neu gezogenen Grenze zu Weißrussland. Jan wird ein stolzer Bauer. Er heiratet, wird Vater und Großvater.
Als das Bistum Limburg die Geschichte der Zwangsarbeiter in seinen Einrichtungen aufarbeitet, nimmt es im Jahr 2002 Kontakt zu Jan Nowogrodzki auf. Er ist inzwischen ein alter Mann, seine Frau ist bereits tot. Als Entschädigung erhält er 2.556 Euro. Seine 27-jährige Enkeltochter kommt im Sommer 2005 im Rahmen des „Enkelprojekts“ des Bistums Limburg zu einem dreimonatigen Praktikum nach Frankfurt.

 

 

 

 

 

 


 

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