Marian Abramski

„Die allgemeine Erregung der Bevölkerung
hauptsächlich in Briedel war sehr groß.“
(„Stimmungsbericht“ des Landrats in Zell/Mosel)

 

 

 

Marian Abramski stammt aus Las, einem Dorf in Masowien. Diese nordwestlich von Warschau gelegene Region war damals als Königreich Polen Teil des Zarenreichs (heute: Wojwodschaft Mazowieckie). Dort wird er am 15. Januar 1905 geboren, verlebt er auch seine Kindheit und Jugend. Später heiratet er und hat einen Sohn.

Anfang der 1940er Jahre Nach dem Überfall Hitler-Deutschlands auf Polen und der Besetzung Polens wird Marian – ohne dass Näheres bekannt ist – in das „Altreich“ gebracht und arbeitet als Zwangsarbeiter auf verschiedenen Stellen.

1941 Alsbald bringt man ihn auf einen Bauernhof in Briedel/Mosel zu einer allein stehenden Bäuerin. Marian Abramski hat im Ort einen guten Leumund. Er gilt als ruhiger und besonnener Mensch und sehr tüchtiger Arbeiter.
Seine Arbeitgeberin ist demgegenüber ins Gerede gekommen – gerade auch in Bezug auf ihr Verhältnis zu polnischen Zwangsarbeitern im Allgemeinen und Marian Abramski im Besonderen. Übel vermerkt wird etwa eine Frühstückspause bei der Feldarbeit; hierbei hatte sie sich zu Marian gesetzt und ihn mit anzüglichen Redensarten „angemacht“.

Mitte November 1941 Die Bauersfrau zeigt ihn an, weil er wiederholt versucht habe, sie zu „notzüchtigen“.

22. November 1941 Abramski wird von der Geheimen Staatspolizei (Gestapo) in Koblenz wegen des „Verdachts versuchter Notzucht, Arbeitsverweigerung und anderer Vergehen“ festgenommen.
Die Gestapo Koblenz beantragt beim Reichssicherheitshauptamt (RSHA) in Berlin gegen Marian Abramski die „Sonderbehandlung“.

15. April 1942 Das RSHA ordnet die „Sonderbehandlung“ an, d.h. seine Exekution.

3. Juli 1942 Die Gestapo Koblenz bringt Marian Abramski und einen fahrbaren Galgen an einen Ort etwa drei Kilometer südöstlich von Briedel. Außer Gestapobeamten von Koblenz sind gezwungenermaßen auch polnische Zwangsarbeiter aus Briedel und Umgebung an der Richtstätte. Als Scharfrichter hat die Gestapo polnische Gefangene aus dem Gefängnis Koblenz ausgesucht, die sich des Öfteren wohl freiwillig zur Verfügung stellen.
Um 11.00 Uhr wird Marian Abramski erhängt.
Anschließend pflegt es für die Akteure ein kleines Gelage zu geben – mit Kognak und belegten Brötchen. Danach bringt man Marian Abramskis Leiche in das Anatomische Institut der Universität Bonn.
Der Mord an Marian Abramski hat dann noch ein Nachspiel:
Die Briedeler Bevölkerung ist über die Hinrichtung und deren Umstände entsetzt und erregt. Das nimmt Ausmaße an, dass sogar die Gestapo in Koblenz davon erfährt. Diese fordert deshalb vom Landrat einen „Stimmungsbericht“ an. Darin heißt es u.a.:
„Die allgemeine Erregung der Bevölkerung hauptsächlich in Briedel war sehr groß. (…)
Die gesamte Stimmung richtet sich gegen die Frau, verschiedentlich wurde geäußert, man hätte die Frau ebenfalls aufhängen sollen. Andere stellen die Anzeige als einen Racheakt der Frau dar, da sie erst ungefähr ein halbes Jahr nach dem Versuch des Polen angezeigt habe, nachdem er wegen der Zurückweisung ihrer sexuellen Wünsche in der Arbeitsleistung nachlässig geworden sein soll.“