Norbert Widok

„Die Erniedrigungen, die Folter,
die unmenschliche Behandlung -
es war die Tragödie meines Lebens.“

 

 

Norbert Widok wird 1921 oder 1922 in Gniezno (früher Gnesen in der damaligen preußischen Provinz Posen, heute in der Wojwodschaft Wielkopolskie) geboren. Seine Eltern haben dort einen Bauernhof. Norbert besucht ein Handelsgymnasium in Gnesen.

Nach dem 1. September 1939 Nach dem Überfall Hitler-Deutschlands auf die Republik Polen und deren Besetzung kommen SS-Männer auf den Bauernhof der Eltern. Der Vater wird erschossen, die Mutter und Schwester werden zur Zwangsarbeit verschleppt. Der 17-jährige Norbert wird verhaftet.

Außer Norbert werden nach und nach noch 200 weitere Schüler verhaftet. Man wirft ihnen vor, einen Aufstand geplant zu haben. Ein Prozess vor einem Sondergericht endet mit Freispruch, weil man ihnen nichts nachweisen kann.

Man lässt ihn nicht frei. Die Geheime Staatspolizei (Gestapo) nimmt ihn in „Schutzhaft“.

Ende 1940 In Bassenheim bei Koblenz ist inzwischen in der Gemarkung „Eiserne Hand“ ein Gefangenenarbeitslager mit mehreren Baracken eingerichtet. Es gehört organisatorisch zum Gefängnis Koblenz. Wie andere Lager in der Umgebung auch, wird es zusammen mit dem „Unternehmen Reichsautobahn“ betrieben. Bis zu 300 Gefangene, vor allem polnische,
sind dort zum Bau der Reichsautobahn Koblenz – Trier (heute Autobahn A 48) eingesetzt.

Norbert wird einer von ihnen. Im Güterwaggon verschleppt man ihn nach Bassenheim.

11. Januar 1941 Zusammen mit anderen polnischen „Zivilgefangenen“ kommt er auf dem Bahnhof in Bassenheim an. Von dort werden sie einige Kilometer weit bis zum Lager getrieben.
Später sagt er: „Am schlimmsten waren die mit Knüppeln bewehrten SS-Leute und ihre Hunde, die darüber wachten, dass niemand davonlief.“

Frühjahr 1942 Der Reichsautobahnbau wird eingestellt und das Lager „Eiserne Hand“ aufgelöst.

Widok kommt nach Siegburg in eine Zellstofffabrik, die Arbeitsbedingungen sind lebensgefährlich. Ein Fluchtversuch durch die Kanalisation misslingt. Er wird festgenommen.

Man bringt ihn in das Strafgefangenenlager Neusustrum bei Papenburg im Emsland.

Weiter verschleppt man ihn ins Konzentrationslager Groß-Rosen in Schlesien. Dort verübt der KZ-Arzt Josef Mengele medizinische Versuche an ihm. Später sagt Widok: „Ich bekam eine Spritze, die mich für zwei Tage bewusstlos machte, danach drei Wochen lang Medikamente. Ich war völlig geschwächt und wurde täglich untersucht.“

Letzte Station ist das Lager Theresienstadt, er ist dem Kommando Flossenbürg zugeteilt.

März 1945 Widok gelingt mit Hilfe eines russischen Offiziers die nächtliche Flucht aus dem Lager.

Mai 1945 Norbert Widok gelangt bis nach Prag. Dort wird er von der Roten Armee befreit.

Nach dem Krieg besucht er die Handelsakademie, arbeitet als Finanzbeamter, heiratet, wird Vater von vier Kindern und hat neun Enkel und sieben Urenkel.

Im Jahr 2001 besucht Norbert Widok als 79-Jähriger erstmals wieder die „Eiserne Hand“ bei Bassenheim, den Ort seiner Verfolgung.