Fritz Dreyfuss

„Ich bin gestern aus meinem Amt, in dem ich bis zum letzten Augenblick verharrt habe, entfernt und verhaftet worden.“

 

Fritz Dreyfuss wird am 1. Dezember 1897 in Köln als Sohn des Kaufmanns Wilhelm Dreyfuss und seiner Frau Fanny, geb. Hirsch geboren. Von Anfang 1916 bis Kriegsende ist er Soldat, meist in vorderster Front. Trotz drei schwerer Erkrankungen meldet er sich dreimal als Freiwilliger wieder an die Front und wird wegen Tapferkeit vor dem Feind besonders ausgezeichnet. Wegen der Kriegsbeschädigung ist er jahrelang in ärztlicher Behandlung und muss sich fünf schweren Operationen unterziehen.
Nach dem I. Weltkrieg studiert er Rechtswissenschaft und finanziert sein Studium als Werkstudent. Auch ist er Mitglied in zahlreichen vaterländischen Vereinigungen.
Dreyfuss tritt der Deutschen Demokratischen Partei (später der SPD) und dem republiktreuen „Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold“ bei.
1923 besteht er vor dem Oberlandesgericht Köln die erste juristische Staatsprüfung und wird er als Gerichtsreferendar eingestellt. Anfang 1930 geht er die Ehe mit Elisabeth Holz, einer Nichtjüdin, ein. Im selben Jahr wird der Sohn Hermann Wilfried geboren.
1930 besteht Dreyfuss die zweite juristische Staatsprüfung und wird Gerichtsassessor. Das Nazi-Hetzblatt „Westdeutscher Beobachter“ diffamiert ihn als aufrechten Demokraten.
Am 1. April 1931 wird er dem Amtsgericht Koblenz zur Dienstleistung überwiesen. Seit Oktober 1932 ist er am Landgericht Koblenz tätig. Seine dienstliche Beurteilung Anfang 1933 bescheinigt ihm seine Eignung zum Amts- oder Landgerichtsrat.

Anfang 1933 Dreyfuss hat einen Dienstleistungsauftrag beim Amtsgericht Köln.

31. März 1933 Er wird mit körperlicher Gewalt aus seinem Amt entfernt und verhaftet.

1. April 1933 Auf Anweisung des preußischen Justizministers vom Vortag wird Dreyfuss „aus staatspolitischen Gründen“ mit sofortiger Wirkung von seinen Aufgaben entbunden. Er beschwert sich (Ich bin gestern aus meinem Amt, in dem ich bis zum letzten Augenblick verharrt habe, entfernt und verhaftet worden.) und weist auf seine Verdienste im Krieg hin.

7. April 1933 Das „Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“ regelt die Entlassung von Juden und wegen „politischer Unzuverlässigkeit“ aus dem öffentlichen Dienst, sieht aber für jüdische „Frontkämpfer“ ein Belassen im Amt vor.

8. April 1933 Dreyfuss wird vom Präsidenten des Landgerichts Koblenz bis auf weiteres beurlaubt. Mai 1933 Dreyfuss verlässt mit Frau und Sohn Koblenz und emigriert nach Straßburg im Elsaß.

14. Juli 1933 Notgedrungen bittet er um Entlassung aus dem Staatsdienst und erklärt, auf Gehalt, Ruhegehalt und Hinterbliebenenbezüge zu verzichten.

31. August 1933 Er wird vom Preußischen Justizminister mit sofortiger Wirkung aus dem Justizdienst entlassen.
Die Entlassung erfolgt – da er als „Frontkämpfer“ nicht wegen seines Judeseins entfernt werden kann – als SPD-Mitglied wegen „politischer Unzuverlässigkeit“.
Dreyfuss findet keine seiner Ausbildung entsprechende Betätigung. Ohne Arbeitserlaubnis schlägt er sich mit Gelegenheitsarbeiten als Rechtsberater von Flüchtlingen, Hausierer und landwirtschaftlicher Arbeiter durch. Neujahr 1939 wird die Tochter Erika Sylvia geboren.

2. September 1939 Beim Überfall Hitler-Deutschlands auf Polen wird Dreyfuss – wie andere deutsche politische Flüchtlinge auch – in ein Lager bei Langres (Fort Bonnel) verschleppt.

1. November 1939 Er kann fliehen und schlägt sich mit Gelegenheitsarbeiten durch.

Juni 1940 Nach der Besetzung Frankreichs durch Deutschland lebt Dreyfuss mit seiner Familie unter primitivsten Verhältnissen versteckt und arbeitet auf einer Straßenbaustelle.

April 1943 Dreyfuss flieht in die Schweiz. Dort wird er in verschiedenen Lagern festgehalten.

April 1944 Er kommt frei und studiert an der Universität in Basel.

Nach dem Krieg lebt die Familie in Genf. Fritz Dreyfuss fasst beruflich nicht mehr Tritt. Seine Frau stirbt 1956. Der Sohn und die Tochter studieren und leben später in Straßburg.