Irene Futter, geb. Schönewald

 

„Bin gesund, hoffe, Zeit zu überwinden. Habe große Sehnsucht … Euer Wohlergehen setze voraus.“

(Mutter Berta Schönewald am 12. April 1942 nach ihrer Deportation nach Izbica an den Sohn Jakob)


 

Irene Schönewald ist das jüngste Kind der Eheleute Hermann und Bertha Schönewald, geb. Goldstein. Die Familie zieht um 1910 von Dortmund nach Koblenz. 1908 kommt der Sohn Jakob zur Welt, die ältere Tochter Charlotte wird 1910 in Koblenz geboren, die jüngere Irene 1926. Die Familie ist jüdisch. Vater Hermann stirbt schon 1927.

Die Witwe Schönewald lebt mit ihren drei Kindern in räumlich und finanziell sehr beengten Verhältnissen in Koblenz. Sie legt aber auf die Ausbildung ihrer Kinder großen Wert. Beim Tod des Vaters hat Sohn Jakob am Kaiser-Wilhelm-Realgymnasium (heute: Eichendorff-Gymnasium) sein Abitur abgelegt und beginnt mit dem Studium der Rechtswissenschaften in Bonn. Die Schwestern besuchen die Hildaschule (heute: Hilda-Gymnasium) in Koblenz.

 

April/Mai 1933 Jakob ist nach dem bestandenen 1. juristischen Staatsexamen Gerichtsreferendar. Am 7. April 1933 ergeht das „Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“. Es ordnet an, dass Beamte „nichtarischer Abstammung“ in den Ruhestand zu versetzen sind. Einen Monat später ergeht die Verfügung des preußischen Justizministers, dass das Gesetz auch für Referendare gilt.

 

Juni 1933 Jakob emigriert nach Holland.

 

Juni 1935 Jakob und seine jüdische Frau, die er in Amsterdam geheiratet hat, wandern nach Palästina aus und lassen sich in Tel Aviv nieder.

 

November 1936 Charlotte heiratet den kaufmännischen Angestellten und Versicherungsvertreter Max Hein. Aus der Ehe geht die 1937 geborene Tochter Doris hervor.

 

9./10. November 1938 Im Morgengrauen dringen mehrere uniformierte Männer in die kleine Wohnung der Schönewalds ein und verwüsten sie.

Am Tag darauf wird Irene als Jüdin der Schule verwiesen. Es ist ihr allerletzter Schultag. Charlotte bekommt eine Lungenentzündung und verliert ihre Sprache für über ein Jahr.

 

Mai 1939 Irene kann mit einem Kindertransport von Koblenz aus nach England auswandern.

 

August 1939 Auch Charlotte und ihrer Familie gelingt die Flucht nach England. Charlotte reist mit einem Visum aus, das sie schon vor ihrer Krankheit erhalten hat.

 

1940 Nach einem Sanatoriumsaufenthalt kann Charlotte weiter nach Chicago/USA emigrieren.

 

22. März 1942 Die allein in Koblenz verbliebene Mutter Bertha wird mit der 1. Deportation der Juden aus Koblenz mit 337 anderen in das Generalgouvernement nach Izbica bei Lublin verschleppt.

 

12. April 1942 Von Izbica aus schreibt sie noch eine Karte an ihren Sohn Jakob: „Bin gesund, hoffe, Zeit zu überwinden. Habe große Sehnsucht … Euer Wohlergehen setze voraus.“ Einige Wochen später wird sie mit anderen Juden in einem Vernichtungslager – Sobibor oder Belzec – mit Giftgas ermordet.


Alle drei Kinder überleben den Holocaust. Jakob ist Versicherungsagent und wohnt mit seiner Frau und ihrem gemeinsamen Sohn in Tel Aviv. Er stirbt Anfang der 1980er Jahre. Charlotte lebt in Chicago, Irene in London. Beide kommen während des „Heimatbesuchs“ des Öfteren nach Koblenz. Charlotte stirbt 1996. Für ihre Mutter Bertha ist in Koblenz ein „Stolperstein“ verlegt.

 


 

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