Frauen als „Opfer des Nationalsozialismus aus Koblenz und Umgebung“

Kurze Einführung in die Ausstellung
Diese Ausstellung wurde im Jahr 2003 zu der Ausstellung „Frauen im Konzentrationslager 1933 – 1945. Moringen – Lichtenburg – Ravensbrück“ des Studienkreises deutscher Widerstand erarbeitet. Die Namen Moringen, Lichtenburg und Ravensbrück stehen beispielhaft für die Verfolgung von Frauen im Nationalsozialismus. Es sind die Namen von Frauen-Konzentrationslager.
Die Ausstellung des Studienkreises war für Joachim Hennig Anstoß, über im KZ verfolgte Frauen aus und Koblenz und Umgebung einen regionalen Teil zu erarbeiten. Er hat 12 Lebensbilder von Frauen aus Koblenz und Umgebung erstellt, die in Moringen, Lichtenburg und Ravensbrück inhaftiert waren. Diese Frauen, die zum Teil in Koblenz lebten, wurden zum ganz überwiegenden Teil in Koblenz durch Gestapo und Gerichte verfolgt und von Koblenz aus in die Konzentrationslager verschleppt. Der Anlass für die Nazis, sie zu verfolgen, war vielfältig: Teils war es ihre politische Gesinnung oder ihr christlicher Glaube, teils ihre andere „Rasse“, manchmal ihre Nonkonformität, ihr widerständisches Verhalten, ihre Arbeitsverweigerung oder ganz generell ihr Anderssein.
Dieser Ausstellungsteil ist inzwischen durch weitere Biografien von Frauen aus Koblenz und Umgebung, die Opfer des Nationalsozialismus wurden, ergänzt worden.

Biografiert werden:


Anneliese Hoevel

Geboren wurde sie als Anneliese Fiedler 1898 in Köln-Nippes als Tochter eines sozialdemokratischen Buchdruckers. Ende der 20er Jahre lernte sie Andreas (André) Hoevel in Berlin kennen. Nach ihrer Heirat und einem Umzug nach Wiesbaden waren beide bald als Kommunisten bei Opel-Rüsselsheim und in Wiesbaden aktiv. Als ihr Ehemann nach dem Reichstagsbrand am 28. Februar 1933 für die Nazis unauffindbar war, wurde sie im September 1933 in „Schutzhaft“ genommen, um dessen Aufenthaltsort preiszugeben. Anneliese Hoevel wurde daraufhin zum ersten Mal ins KZ Moringen verschleppt. Als sie im Februar 1934 wieder frei kam, war ihr Mann festgenommen worden. Frau Hoevel war weiterhin für die KPD aktiv, indem sie Kontakte zu anderen Kommunisten hielt bzw. herstellte und Kurierdienste leistete. Sie wurde bald erneut festgenommen und zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt. Nach der Strafverbüßung ließ man sie nicht frei, sondern überführte sie wiederum ins KZ Moringen. Am 15. Dezember 1937 ging sie von Moringen mit anderen Häftlingen zum Aufbau des KZ Lichtenburg „auf Transport“. Am 20. April 1939 (an „Führers Geburtstag“) wurde sie aus der „Schutzhaft“ entlassen. Sie ging an Berlin zu ihrem Ehemann André, der inzwischen nach Strafhaft und KZ- Aufenthalt frei gekommen war. Wenig später starb Andrés Schwager Heep, der hier in Koblenz-Metternich einen Obst- und Gemüsehandel betrieben hatte. Beide, André und Anneliese, zogen nach Koblenz um. Der Handel florierte und beide knüpften Kontakte zu Gleichgesinnten, zu alten Freunden und zu ehemaligen Mithäftlingen. Der Kreis hörte ausländische Sender, tauschte Meinungen aus und machte in der Wehrmacht Antikriegspropaganda. Die Gruppe wurde entdeckt und Anneliese Hoevel und ihr Ehemann wurden in Koblenz verhaftet. Sie wurden wegen Hochverrats und Rundfunkverbrechens zum Tode verurteilt und am 28. August 1942 im Gefängnis Frankfurt-Preungesheim innerhalb von fünf Minuten mit dem Fallbeil hingerichtet. An beide Widerständler erinnert hier in Koblenz die Hoevelstraße.

Charlotte Holubars

Sie wurde 1883 in Schlesien geboren.Lange Jahre war sie Volksschullehrerin in Heusweiler bei Saarbrücken und wurde nach der Begegnung mit Pater Josef Kentenich, dem Gründer der Schönstatt-Bewegung, Schönstätterin. Lotte Holubars gab 1937 wegen ihrer religiösen Überzeugung und aus Treue zu ihrer Kirche den Lehrerberuf aus, zog nach Vallendar und begab sich ganz in den Dienst von Schönstatt. Im November 1942 wurde sie in Vallendar von der Gestapo verhaftet. Sie war im Karmelitergefängnis in Koblenz in Haft und wurde dann zu drei Jahren Gefängnis verurteilt. Ohne diese Strafe zu verbüßen, kam sie von Koblenz aus ins Frauen-KZ Ravensbrück. Sie blieb in ihrer christlichen Haltung ungebrochen und starb dort am 9. November 1944.

Maria Hilfrich
Sie wurde 1889 in Niederselters/Taunus geboren. Seit 1910 war sie Lehrerin an der Volksschule in Siershahn. 1925 wurde sie Schönstätterin und arbeitete schon bald an verantwortlicher Stelle in der Schönstätter Frauenbewegung mit. Nach Denunziationen wegen ihres religiös gehaltenen Unterrichts wurde sie nach Ailertchen/Oberwesterwald versetzt. Dort kam es zur entscheidenden Konfrontation mit dem Schulleiter und seiner Frau, die Nazis waren. Im November 1942 wurde Maria Hilfrich wegen ihres Eintretens für die Schönstatt-Bewegung und ihres religiös geprägten Unterricht in „Schutzhaft“ genommen. Im März 1943 kam sie ohne Gerichtsverfahren „auf Transport“ ins KZ Ravensbrück. Wenige Tage vor der Befreiung – am 21. April 1945 – wurde sie aus dem KZ entlassen. Maria Hilfrich schlug sich dann nach Niederselters durch. Im Oktober 1945 wurde sie wieder Lehrerin in Siershahn und bald Rektorin. Ein Jahrzehnt war sie noch Lehrerin und auch für die Schönstatt-Bewegung aktiv. Sie starb am 1. Oktober 1965 in Siershahn.

Auguste Schneider

Sie wurde 1891 in Bad Kreuznach geboren . Nach dem Tod ihres Ehemannes Anfang der 30er Jahre wurde sie Ernste Bibelforscherin (Zeugin Jehovas). Wegen der Verbreitung ihres Glaubens und des Eintretens für ihn wurde sie wiederholt strafgerichtlich verurteilt. Die im Februar 1937 vom in Koblenz tagenden Sondergericht verhängte Gefängnisstrafe trat sie aber nicht an, sondern war an verantwortlicher Stelle als Zeugin Jehovas weiter aktiv. Im September 1937 nahm sie die Gestapo in Bingerbrück fest und brachte sie nach Koblenz in Haft. Das Urteil des Sondergerichts lautete diesmal auf zwei Jahre Gefängnis. Auch danach kam sie nicht frei, sondern wurde aus der Strafhaft ins Frauen-KZ Ravensbrück überführt. Später kam sie ins KZ Auschwitz. Dann musste sie eine wahre Odyssee durch mehrere KZ durchmachen, sie kam ins KZ Groß-Rosen, dann ins KZ Mauthausen, ins KZ Bergen-Belsen und schließlich ins KZ Mittelbau-Dora. Nach der Befreiung kehrte Auguste Schneider nach Bad Kreuznach zurück, war wieder eine engagierte Zeugin Jehovas und starb dort im Jahre 1975.

Johanna Müller

Sie stammte aus Belgien. 1914 heiratete sie ihren Ehemann Otto, der wie sie Ende der 20er Jahre Zeuge Jehovas wurde. In dieser Zeit lebten die beiden schon länger in Idar-Oberstein. Auch nach dem Verbot der Zeugen Jehovas durch die Nazis im Jahr 1933 blieben sie für ihren Glauben aktiv. Nach einer Denunziation eines „Blockwalters“ kam es im Jahr 1937 zu einem Strafverfahren gegen sie. Sie waren in Gestapohaft in Koblenz und wurden im selben Jahr vom in Koblenz tagenden Sondergericht zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt. Aus der Strafhaft kamen beide im November 1937 unmittelbar in Gestapohaft im Koblenzer Polizeigefängnis. Ende des Monats wurden beide ins KZ verschleppt. Johanna Müller kam ins KZ Moringen, von da aus nach dessen Schließung ins KZ Lichtenburg und nach dessen Auflösung schließlich ins Frauen-KZ Ravensbrück. Dort war sie bis zur Befreiung in Haft. Sie blieb Zeugin Jehovas, überlebte ihren Ehemann, der jahrelang im KZ Buchenwald inhaftiert war, und starb im Jahr 1976.

Hilde Emmel
Sie wurde 1906 als Tochter eines jüdischen Kaufmanns in Niederlahnstein geboren. Nach Lehr- und Berufstätigkeit im Westerwald und in Koblenz kehrte sie nach Lahnstein zurück und heiratete einen Witwer evangelischen Glaubens. Während kurz nach der sog. Machtergreifung Hitlers eine Schwester und ein Bruder von ihr emigrierten, harrte sie mit einem anderen Bruder aus. Im Zuge der „Reichspogromnacht“ kam ihr Bruder vorübergehend ins KZ Dachau. Im Zweiten Weltkrieg waren beide Geschwister auf sich allein gestellt, Hilde Emmels Ehemann und der Sohn aus erster Ehe wurden Soldat. Die Geschwister Emmel kamen ins Arbeitslager Tagschacht bei Friedrichssegen. Den Bruder verschleppte man ins KZ Dachau, später ins KZ Auschwitz, wo er umkam. Als Frau Emmel 1943 zur Gestapo einbestellt wurde, unternahm sie einen Selbstmordversuch, der misslang. Im August 1943 brachte man sie „auf Transport“ ins Frauen-KZ Ravensbrück. Während der Haft musste sie Zwangsarbeit bei Siemens leisten. Kurz vor der Befreiung des KZ kam sie mit mehr als 20.000 anderen Häftlingen auf den „Todesmarsch“. Sie überlebte, kehrte nach Lahnstein zurück und starb dort 1996.

Selma Grünewald
Selma Grünewald wurde 1899 in Kobern/Mosel geboren. Noch im Jahr der sog. Machtergreifung, also 1933, starb ihr Vater, der lange Jahre Vorsteher der jüdischen Gemeinde in Kobern war. Der Ernährer der Familie, der Bruder Julius, wurde schon Mitte der 30er Jahre wirtschaftlich ruiniert. Er floh mit seiner Familie ins Ausland. Selma Grünewald und ihre Mutter blieben allein zurück und lebten von der Fürsorgeunterstützung. Ende 1938 wurde beiden die staatliche Unterstützung entzogen. Sie mussten nach Düsseldorf. Die Mutter kam in ein jüdisches Altenheim, die Tochter Selma wurde zur Arbeit dienstverpflichtet. Offenbar 1941 kam Selma ins Frauen-KZ Ravensbrück. Im Jahr 1942 wurde sie „selektiert“ und als „arbeitsunfähig“ vergast. Ihre Mutter verschleppte man kurz danach nach Theresienstadt, dort starb sie noch im selben Jahr.

Elisabeth Müller

Sie kam 1875 in Winningen als Tochter des damaligen Pfarres zur Welt. Sie war eine kulturell sehr gebildete und politisch interessierte, lebensfrohe Frau. Nach ihrer Ausbildung zur Lehrerin in Koblenz zog sie zu ihrer Patentante nach Köln. Als diese starb und ihr ein beträchtliches Vermögen hinterließ, unternahm Elisabeth Müller eine Weltreise. Danach war sie wieder Lehrerin. Bei einer Gebirgstour stürzte sie ab und verletzte sich schwer. In den 30er Jahren lebte sie wieder in Winningen. Von den örtlichen Nazis wurde sie misstrauisch beobachtet. Bei einer Postüberwachung durch die Gestapo fiel ihr reger Briefverkehr auf, in dem sie das NS-Regime immer wieder kritisierte. Im Oktober 1941 kam sie in Koblenz in „Schutzhaft“. Das Urteil des Sondergerichts Koblenz gegen sie mit acht Monaten Gefängnis war der Gestapo zu milde. Die Gestapo „korrigierte“ es, indem sie sie mit 67 Jahren aus der Strafhaft ins Frauen-KZ Ravensbrück verschleppte. Anfang 1944 kam sie als „Arbeitsuntaugliche“ ins KZ Lublin und einige Monate später ins KZ Auschwitz. Dort erlebte sie die Befreiung durch die russischen Truppen, starb aber 70jährig zwei Monate später an den Folgen der jahrelangen Haft.

Julianna Salzmann
in der Steiermark/Österreich 1905 geboren, heiratete sie Anfang der 30er Jahre den KPD- und Gewerkschaftsfunktionär Hugo Salzmann aus Bad Kreuznach. Als ihr Mann nach der sog. Machtergreifung floh, folgte sie ihm mit ihrem gemeinsamen Sohn. Sie lebten mehrere Jahre in Paris und waren in Emigrantengruppen aktiv. Mit Beginn des Zweiten Weltkrieges wurde ihr Mann interniert. Alsbald nahm man auch Julianna Salzmann fest und überstellte sie den Deutschen. Sie war ein Jahr lang in Koblenz in „Schutzhaft“. Als man ihr eine Spitzelin in die Zelle legte, kritisierte sie ihr gegenüber das NS-Regime. Dies ist für die Gestapo der Anlass, sie ins Frauen-KZ Ravensbrück zu verschleppen. Alle Versuche von Kameradinnen, ihr Leben zu retten, scheiterten. Anfang Dezember 1944 starb sie an Entkräftung.

Anna Speckhahn
die 1883 in Langendernbach/Westerwald geborene Anna Speckhahn lebte seit etwa 1910 in Koblenz. Zusammen mit ihrem Ehemann betrieb sie ein Hotel und eine Gaststätte. Später übernahmen sie die Gaststätte „Fort Montalambert“ in der Moselweißer Straße 32 im Rauental. Als ihr erster Mann früh starb, heiratete sie erneut. Anna Speckhahn blieb in der Gaststätte „Fort Montalambert“ weiterhin tätig. Sie galt der Gestapo als „politisch unzuverlässig“, man konnte ihr aber nichts Konkretes nachweisen. Als sie im Oktober 1943 wieder einmal in der Nachbarschaft das Naziregime kritisierte und äußerte, die Jugend sollte mehr im Sinne der Kirche und des christlichen Glaubens erzogen werden, wurde sie von einem „Naziweibchen“ aus der Nachbarschaft denunziert. Sie kam ins Koblenzer Gefängnis in der Karmeliterstraße und ging im Dezember 1943 „auf Transport“ ins Frauen-KZ Ravensbrück. Dort kam sie wenige Wochen später, angeblich am 4. Februar 1944, ums Leben.

Maria K.
Maria K. ist 1922 in der Gegend von Ahrweiler geboren. Nach dem Schulbesuch mit offenbar mäßigem Erfolg stellte das Gesundheitsamt 1936 beim Erbgesundheitsgericht Koblenz den Antrag auf Zwangssterilisation. Dazu kam es aber zunächst nicht, weil ihr Bürgermeister und Lehrer ihr viel Fleiß und Geschick in der neu aufgenommenen Arbeit attestierten. Sie könne als „geistig und charakterlich vollwertiger Volksgenosse betrachtet werden“. Im April 1943 erhielt das Verfahren eine Wende. Das Gesundheitsamt vermutete, Maria K. pflege offenbar wechselnden Geschlechtsverkehr. Im Sommer des desselben Jahres verfügte das Koblenzer Erbgesundheitsgericht dann ihre Zwangssterilisation. Sie unterblieb aber zunächst, weil Maria K. schwanger war. Unterdessen saß sie wegen „Arbeitsverweigerung“ im Gefängnis in Koblenz ein und wurde im Oktober 1943 ins Frauen-KZ Ravensbrück deportiert. Dort wurde auch der Fötus abgetrieben. Im März 1944 wurde sie ins Elisabeth-Krankenhaus in Koblenz überführt und hier sterilisiert. Anschließend kam sie wieder ins KZ. Maria K. hat überlebt, in den letzten Jahren hat sich ihre Spur verloren.

Gertrud Roos
Obwohl sie währrend des zweiten Weltkrieges noch jung war- sie wurde1925 in Bendorf/Rhein geboren-, nahm sie ihre Umwelt und das Weltgeschehen interessiert und kritisch wahr. Sie hörte ausländische Radiosender ab, das war verboten. Deshalb wurde sie im September 1944 von einer Nachbarin denunziert. Die Gestapo verhörte sie, sie leugnete aber, „Feindsender“ abgehört zu haben. Schließlich kam sie nach Koblenz in das Arbeitslager bei den „Vereinigten Weingutsbesitzer“. Einige Wochen später ging sie von Koblenz aus „auf Transport“ ins Frauen-KZ Ravensbrück. Dort musste sie im Rüstungsbetrieb „Faserstoff“ zwangsweise Granaten herstellen. Ende April 1945 blieb sie mit ca. 3.000 Häftlingen im KZ zurück und wurde von den Russen befreit. Ein Schuss ins Bein verletzte sie schwer. Nach einer gewissen Genesung schlug sie sich nach Bendorf durch. Hier heiratete sie ihren Ehemann Johann. Er war als KPD-Mitglied emigriert, hatte am Spanischen Bürgerkrieg in den Internationalen Brigaden gekämpft, war nach Frankreich zurückgekehrt, dort interniert, der Gestapo überstellt und dann jahrelang im KZ Dachau inhaftiert gewesen. Frau Roos hat ihren Mann, der vor einigen Jahren gestorben ist, überlebt und wohnt heute in Bendorf.

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