Informationen 2016

Zur Erinnerung an die Novemberpogrome 1938
 
Immer wieder sind es die Gedenktage, die uns innehalten lassen und die uns gerade auch an die Geschehnisse, die Verbrechen und die Opfer des Nationalsozialismus vor 70/80 Jahren erinnern lassen. Dabei gibt es Tage in unserer Geschichte, die in ganz besonderem Maße zum Gedenken und zur Mahnung Anlass geben. Ein solcher denkwürdiger Tag ist der 9. November. An diesem Tag im November gab es immer wieder Ereignisse, die einen Wendepunkt in unserer jüngsten Geschichte darstellten:

Am 9. November 1918 – nachdem der Erste Weltkrieg erkennbar verloren war, deutsche Matrosen gegen das Auslaufen der Hochseeflotte meuterten und dies einen allgemeinen Aufstand auslöste – verkündete Reichskanzler Max von Baden eigenmächtig die Abdankung des letzten deutschen Kaisers Wilhelm II. Am Nachmittag rief der Sozialdemokrat Philipp Scheidemann vom Gebäude des Reichstags in Berlin die „deutsche Republik“ aus. Es war der Beginn der ersten deutschen Demokratie. Sie sollte nur bis 1933, bis zur Machteroberung durch Hitler und seine Nationalsozialisten, existieren.

 
Philipp Scheidemann ruft auf dem Westbalkon (2. Fenster nördlich des Portikus) des Reichstages die Republik aus
Quelle:(3) Deutsche Postkarte ca. 1918/19. Sammlung Superikonoskop. (= Scanvorlage für aktuelle Version).
Lizenz Gemeinfrei/Wikimedia

 

Am 9. November 1923 – nachdem Hitler im Bürgerbräukeller in München am Vorabend die „nationale Revolution“ ausgerufen und vergeblich Reaktionäre zum Mitmachen zwingen wollte – marschierte er mit dem Weltkriegsgeneral Ludendorff und 2.000 anderen Putschisten durch München. Der Putsch misslang kläglich und brachte 20 Menschen den Tod. Das juristische Nachspiel – der Hitler-Prozess in München – war eine Farce. Er machte für Hitler gar noch Propaganda und seine beschämend milde Verurteilung und halbjährige Festungshaft ermöglichten ihm, sein Buch „Mein Kampf“ zu schreiben. Neun Jahre später war dieser „Kampf“ beendet und der Hochverräter Hitler an der Macht.


Stoßtrupp Hitlers (mit Hakenkreuz-Armbinden) mit verhafteten sozialistischen Stadträten (H-Putsch)
Quelle: Bundesarchiv, Bild 146-2007-0003 / CC-BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0 de,
https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=5420055



Am 9. November 1938 – nachdem schon am 1. April 1933 die Boykotthetze gegen Juden begonnen hatte, am 15. September 1935 die „Nürnberger Rassengesetze“ erlassen und die in Deutschland lebenden jüdischen Menschen diskriminiert, entrechtet, kriminalisiert  und auch verfolgt worden waren – lösten die Nationalsozialisten beim Treffen zur Erinnerung an den Putsch im Jahr 1923 im Bürgerbräukeller in München die Novemberpogrome aus. Auf Befehl aus München begannen schlagartig „Aktionen“ gegen Juden im gesamten Deutschen Reich. Jüdische Geschäfte und Wohnungen wurden zerstört, Synagogen in Brand gesteckt oder geschändet, Juden misshandelt und ca. 30.000 jüdische Männer in Konzentrationslager verschleppt. Polizei und Feuerwehr hatten Weisung, nur nichtjüdisches Eigentum zu schützen. Mit diesen Pogromen ging die Diskriminierung der jüdischen Bürger über in die systematische Verfolgung, die drei Jahre später zum Holocaust führte.

Die orthodoxe Synagoge Ohel Jakob in der Münchner Herzog-Rudolf-Straße nach dem Brandanschlag am 9. November 1938
Quelle: Bundesarchiv, Bild 146-1970-041-46 / Unbekannt / CC-BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0 de,
https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=5418827

 

Am 9. November 1989 – nachdem die infolge des verlorenen Zweiten Weltkrieges und der Teilung Deutschlands gebildete Deutsche Demokratische Republik (DDR) immer mehr in wirtschaftliche und politische Schwierigkeiten geraten war – kam es zum Fall der am 13. August 1961 errichteten Berliner Mauer. Tausende DDR-Bürger eilten - nach einer Hoffnung machenden Nachricht im Fernsehen - in Ost-Berlin an die Grenze nach West-Berlin und überwanden sie friedlich und ohne Einschreiten der Grenzsoldaten. Gleiches geschah am nächsten Tag in anderen Teilen der innerdeutschen Grenze. Dies war der Anfang vom Ende der deutschen Teilung und der Beginn der Vereinigung der beiden Teile Deutschlands.

 

 

Menschenmengen auf der Berliner Mauer Ende 1989 nach dem historischen Mauerfall
Quelle: Von Lear 21 in der Wikipedia auf Englisch, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=3692038

 
Für uns vom Förderverein Mahnmal Koblenz steht selbstverständlich das Gedenken an die Novemberpogrome vom 9./10. November 1938 und an ihre Opfer im Vordergrund. Deshalb dokumentieren wir hier auch die Jüdisch-Christliche Feier anlässlich des 78. Jahrestages der Pogrome, die am Sonntag, dem 13. November 2016, im Gemeindesaal der Jüdischen Kultusgemeinde in Koblenz gehalten wurde.
 
Zur Feierstunde, die unter dem Motto: "Um Gottes Willen - keine Gewalt im Namen Gottes" stand, begrüßte der Vorsitzende der Jüdischen Kultusgemeinde Avi Avadiev die zahlreichen Gäste.
 


 
Für die Christlich-Jüdische Gesellschaft für Brüderlichkeit Koblenz sprach P. Prof. Dr. Alban Rüttenauer ein Grußwort.

 


 
Ein weiteres Grußwort sprach Oberbürgermeister Prof. Dr. Joachim Hofmann-Göttig.

 

 
Die Ansprache hielt Pastoralreferentin Jutta Lehnert.

 

 
Theologisch begleitet wurde die Feierstunde von Rabbiner Efraim Yehood-Desel
 

 
(Fotos : Christlich-Jüdische Gesellschaft für Brüderlichkeit Koblenz )
 
Die Feierstunde schloss mit dem Auszug zum Friedhof, der Kranzniederlegung für die Stadt Koblenz durch Oberbürgermeister Prof. Dr. Joachim Hofmann-Göttig und mit einem Gebet am Mahnmal von Rabbiner Efraim Yehood-Desel.





(Fotos: Förderverein Mahnmal Koblenz )

 
Einen Presseartikel  HIER lesen ( Blick aktuell Nr. 46 vom 17. November 2016 Seite 40)





70 Jahre Land Rheinland-Pfalz - Die ersten Schritte zur Demokratie
 
In einer der letzten Informationen auf dieser Homepage berichteten wir über die Gründung des Landes Rheinland-Pfalz am 30. August 1946 - vor nunmehr 70 Jahren. Dabei schilderten wir, wie die maßgebliche Ordannance No. 57 (Verfügung Nr. 57) des französischen Oberbefehlshabers General Pierre-Marie Koenig zugleich auch das weitere Verfahren für den Neuaufbau des Landes festlegte. Diese Geschichte wollen wir jetzt nachzeichnen. In einem Folgebeitrag schildert unser stellvertretender Vorsitzender Joachim Hennig die vor 70 Jahren - im September und Oktober 1946 - unternommenen ersten Schritte auf dem Weg zur Demokratie. In diesem Rahmen wird auch an den SPD-Unterbezirksvorsitzenden der SPD zu Zeiten der Weimarer Republik Johann Dötsch aus Koblenz-Metternich erinnert. Dötsch kam in der Zeit des "Dritten Reiches" wiederholt wegen seiner politischen Gesinnung und Betätigung in "Schutzhaft", zuletzt zu Beginn des Zweiten Weltkrieges in das Konzentrationslager Sachsenhausen bei Berlin. Nach der Befreiung vom Faschismus und fast sechs Jahren Haft war er Wiederbegründer der SPD in Koblenz. Seine Kurzbiografie finden Sie   HIER , dann Tafel 18 anwählen 


Lesen Sie HIER dazu den Artikel von Joachim Hennig, der in der Heimatzeitung "Blick aktuell - Ausgabe Koblenz - Nr. 43 vom 27. Oktober 2016 auf Seite 20 erschienen ist.

 

 


 

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