Informationen 2009

Neuer Film.

Als vierten Film hat sich der Förderverein Mahnmal Koblenz einen Bericht über den und mit dem Zeitzeugen Werner Appel vorgenommen. Der in Koblenz als Kind jüdischer Eltern geborene Appel hat schon wiederholt in Schulen und in anderen Zusammenhängen über sein Leben und Überleben als Kind und Jugendlicher in Koblenz berichtet. Zuletzt war er Gast in der Klasse BF 208a der Berufsfachschule II in der Julius-Wegeler-Schule in Koblenz-Moselweiß. Nach diesem sehr anregenden Kontakt entschloss sich der Förderverein, diesen durch einen Film zu vertiefen und zu dokumentieren. Dazu lud er den in Frankfurt/Main lebenden Zeitzeugen Werner Appel mit seiner Frau Christel zu einem Besuch in Koblenz ein. Vor Ort begleiteten ihn zwei Tage lang die Schülerinnen Jessica Nietulski, Ann-Kristin Baitzel, Charlotte Kubaneli, Kristina Weisner, Julia Schreeven und Nadine Bode auf seiner Zeitreise in die NS-Zeit in Koblenz. Mit dabei waren auch Koblenzer Freunde der Appels, die Eheleute Bodo und Gertrud Zielinski, sowie der alte Schulfreund Werner Appels Werner Gottwald. Es waren zwei sehr interessante, aber bei einem engen Zeitplan und in sommerlicher Hitze auch anstrengende Tage. Am Ende waren alle Beteiligten sehr froh, dass sie gemeinsam mitgeholfen hatten, dieses sehr bewegende Lebensschicksal eines damals jungen Koblenzers jüdischen Glaubens im Film festgehalten zu haben. In den nächsten Wochen und auch Monaten gehen der Filmer Herbert Bartas und der stellvertretende Vorsitzende des Fördervereins Mahnmal Koblenz Joachim Hennig daran, aus dem 30-stündigen Material einen Dokumentarfilm von maximal einer Stunde Dauer zu erarbeiten. Der Film soll dann Anfang November 2009 in Koblenz uraufgeführt werden. 
( Fotos: Bodo
Zielinski )
 
 
 
 
 

 

Gedenktafel für Maria Terwiel.

Maria Terwiel, Widerstandskämpferin und gebürtige Bopparderin starb am 5. August 1943 durch das Fallbeil in Berlin-Plötzensee. Jetzt erinnert eine Gedenktafel am Geburtshaus in der Mainzerstrasse 17 an das Schicksal der Lehrerstochter.

Joachim Hennig vom Förderverein Mahnmal Koblenz skizzierte das Schicksal von Maria Terwiel.

Einen Pressebericht der Rhein-Zeitung können Sie HIER lesen (PDF) und nachfolgend lesen Sie die Ansprache von Joachim Hennig


Ansprache an der Gedenktafel für die Widerstandskämpferin Maria Terwiel an ihrem Geburtshaus Boppard,
Mainzer Straße 17 am 10. Juni 2009 - von Joachim Hennig


Sehr geehrter Herr Bürgermeister Dr. Bersch,
sehr geehrter Herr Maurer,
meine sehr geehrten Damen und Herren,

es ist mir eine große Freude, heute an der Einweihung der Gedenktafel für Maria Terwiel beteiligt zu sein. Damit findet das Gedenken an diese tapfere Widerstandskämpferin aus Boppard einen – zumindest vorläufigen – Höhepunkt. Die Geschichte nach der Geschichte, also die Geschichte des Gedenkens an sie, ist ein sehr gutes und Mut machendes Beispiel bürgerschaftlichen Engagements, das es verdient, hier noch einmal hervorgehoben zu werden.

Die Erinnerung an die am 7. Juni 1910, also vor 99 Jahren hier in diesem Haus geborene sog. Halbjüdin Maria Terwiel fiel nach der Befreiung vom Nationalsozialismus schwer. Probleme machte dabei nicht ihre unermüdliche und selbstlose Hilfe, mit der sie in Berlin zusammen mit ihrem Lebensgefährten Helmut Himpel Juden vor der Deportation und Vernichtung bewahrte. Vielmehr war es ihr Engagement für die Widerstandsorganisation Harnack/Schulze-Boysen. Denn diese Organisation wurde in der Nachkriegszeit genauso denunziert wie zuvor von der Gestapo, nämlich als ein von Moskau aus gesteuerter Spionagering, den man vor und nach 1945 die „Rote Kapelle“ nannte. Tatsächlich kamen die Mitglieder dieser mehr als 100 Personen umfassenden Widerstandsorganisation aus allen Schichten und Altersstufen, aus unterschiedlichen politischen Überzeugungen und religiösen Bekenntnissen. Maria Terwiel, die wie ihr Vater, der seine berufliche Laufbahn in Boppard als Seminarlehrer begann, katholischen Glaubens war und ihr evangelischer Lebensgefährte Helmut Himpel handelten dabei aus christlichem Glauben heraus. Die Harnack/Schulze-Boysen-Organisation war eine der größten und bedeutendsten deutschen Widerstandsgruppen überhaupt – der übrigens auffallend viele Frauen angehörten. Ein Schwerpunkt der Widerstandsarbeit bestand in Flugblattaktionen, mit denen die Gruppe die Bevölkerung über die Verbrechen des Nationalsozialismus und die Aussichtslosigkeit des von Hitler angezettelten Zweiten Weltkrieges aufzuklären versuchte. Wegen der Denunziation als kommunistischer Spionagering, als „Rote Kapelle“, wurde die Erinnerung verdrängt - obwohl Maria Terwiel es verdient hätte, mit anderen Widerständlern wie Sophie Scholl in einem Atemzug genannt zu werden.

Es war eine glückliche Fügung, dass Ende der 50er Jahre der frühere Leiter der Kreissparkasse C.M. Ternes auf Maria Terwiel aufmerksam wurde. Nach Recherchen veröffentlichte er im Jahr 1959 in „Rund um Boppard“ eine erste Biografie mit dem Titel: „Maria Terwiel - ein Bopparder Kind Opfer des Widerstandes“. Diesen Aufsatz schloss Ternes vor nunmehr 50 Jahren mit den Worten:
Die Stadt Boppard und ihre Bürgerschaft, vor allem aber ihre junge Generation, verneigen sich in Ehrfurcht vor dem großen Opfer, das Maria Terwiel mit ihrem jungen, unerfüllten Leben ihrem Glauben und ihrem Volke brachte. Aber auch vor der tapferen, in einem seltenen Idealismus und einem unerschütterlichen Willen fundierten Haltung, die selbst den Tod nicht fürchtete. Die Stadtverwaltung Boppard sollte sich angelegen sein lassen, die Erinnerung an Maria Terwiel in geeigneter Form lebendig zu erhalten. Als ernste Mahnung aus der Vergangenheit und eindringliche Warnung für die Zukunft, aber auch als leuchtendes Beispiel edler, lauterer Menschlichkeit. Und nicht zuletzt als Vorbild echter christlicher Nächstenliebe, das in der Stille wirkte und diente, opferte und litt.

Ternes’ Mahnung ging nicht ganz unter. Immerhin ließ die Stadt Boppard es sich angelegen sein, eine kleine Straße, die von der „Zeil“ abgeht und dann bald in einer Sackgasse endet, nach Maria Terwiel zu benennen. Auch im Berlin, im Stadtteil Charlottenburg und nicht weit von der Hinrichtungsstätte in Plötzensee, ist eine kleine Straße, der Terwiel-Steig, nach ihr benannt.

Viele, viele Jahre später, in den 90er Jahren, war es dann der Leiter der Gedenkstätte Deutscher Widerstand in Berlin, Dr. Johannes Tuchel, der über Maria Terwiel und Helmut Himpel einen Aufsatz unter dem Titel „Christen in der Roten Kapelle“ schrieb. Ende der 1990er Jahre ging es aber gleichsam Schlag auf Schlag. Zunächst porträtierte ich Maria Terwiel in einem Rhein-Zeitungs-Artikel, um damit für die Errichtung eines Mahnmals für Opfer des Nationalsozialismus aus Koblenz und Umgebung zu werben, Auf Einladung des inzwischen verstorbenen Vorsitzenden des Geschichtsvereins für Mittelrhein und Vorderhunsrück, Dr. Heinz Missling, hielt ich im Mai 2000 im Rheinhotel Bellevue einen Vortrag über Maria Terwiel. Zur gleichen Zeit erschien das im Auftrag der Deutschen Bischofskonferenz herausgegebene zweibändige Werk „Zeugen für Christus. Das deutsche Martyrologium des 20. Jahrhunderts“ mit einer Biografie von Maria Terwiel. Wenig später veröffentlichte ich meinen inzwischen überarbeiteten Vortrag als Aufsatz im Jahrbuch für westdeutsche Landesgeschichte. Außerdem wurde und wird Maria Terwiel in der Dauerausstellung des Fördervereins Mahnmal Koblenz mit einer eigenen Tafel porträtiert, Diese Tafel ist im Übrigen auch vom Förderverein Mahnmal Koblenz auf seiner Homepage ins Netz gestellt.

Schließlich meldete sich die Gedenkstätte Deutscher Widerstand. Auf die Zusendung meines Aufsatzes hin übersandte ihr Leiter Dr. Tuchel Herrn Bürgermeister Dr. Bersch einige Publikationen über die sog. Rote Kapelle und regte an, das schon sehr alte Schild der Maria-Terwiel-Straße zu erneuern und dabei mit einem erklärenden Zusatz zu versehen. Das geschah auch.

Es war wieder eine glückliche Fügung, dass Aloys Rump mit der Ausgestaltung des Treppenaufgangs in der neuen Bopparder Stadthalle beauftragt wurde und er beim der Auswahl der sieben dort porträtierten herausragenden Bopparder Persönlichkeiten auf die Widerstandskämpferin Maria Terwiel stieß. Es war dann auch das Thema „Maria Terwiel“, das Dich, lieber Aloys, und mich, nach mehr als 40 Jahren wieder zusammenbrachte – hatten wir doch in den 1960er Jahren in der alten „Penne“ – kaum einen Steinwurf von diesem Ort hier entfernt - die Schulbank gedrückt. Deine Arbeiten, lieber Aloys, haben so viel Furore gemacht, dass sie einen der Porträtierten, nämlich Herrn Dr. Heinz Maurer, für die ebenfalls porträtierte Maria Terwiel interessierten. Dr. Maurer, der Gründer der Firma Sebapharma, war es, der sich für die Erinnerung an Maria Terwiel einsetzte und diese Gedenktafel, vor der wir hier stehen, initiierte und auch finanzierte. Die Realisierung dieses Projektes war letztlich aber erst dadurch möglich, dass die Eigentümerin dieses prachtvollen Hauses aus der Gründerzeit, Frau Liesenfeld, das Anbringen der Gedenktafel hier erlaubte. Das ist keineswegs selbstverständlich und verdient ebenfalls Anerkennung. Ihnen, sehr geehrte Frau Liesenfeld, gebührt ebenfalls ein ganz herzliches Dankeschön.

Damit hat bürgerschaftliches Engagement nach 50 Jahren sehr gute Früchte getragen, wie wir hier und anderswo feststellen können. Dem Gedenken an Maria Terwiel wünsche ich, dass es nicht in Stein erstarrt, sondern dieser Stein ein Stein des Anstoßes ist.

Lassen Sie mich mit einem Zitat aus einem der letzten Briefe der zum Tode verurteilten Maria Terwiel schließen, den sie an ihre beiden jüngeren Geschwister Gerd und Ursula schrieb:
Seid tapfer im Leben und lasst Euch nicht immer an die Seite drücken wie bisher. Schade, dass ich nicht Euren Werdegang miterlebe, aber ich werde von oben aufpassen und versuchen, Euch zu helfen [...] Ich bedauere sehr, dass man mir nicht ein einziges Mal Sprecherlaubnis gegeben hat, so dass wir uns nicht ein einziges Mal mehr sehen konnten. Aber einmal sehen wir uns ja alle wieder. Und glaubt mir, Gerd und Urselchen, ich habe absolut keine Angst vor dem Tode und schon gar nicht vor der göttlichen Gerechtigkeit, denn die brauchen wir jedenfalls nicht zu fürchten. Bleibt Euren Grundsätzen treu und haltet immer und ewig zusammen.
 
 


Förderverein Mahnmal: Neuer Vorstand.

Am 8. Juni 2009 blickte der Förderverein Mahnmal Koblenz bei seiner Mitgliederversammlung auf ein sehr erfolgreiches Jahr zurück. Der Vorsitzende Kalle Grundmann begrüßte die recht zahlreichen erschienenen Mitglieder und wünschte der Versammlung einen guten Verlauf.

Zunächst erstattete er den Bericht des Vorstandes, der von weiteren Vorstandsmitgliedern noch ergänzt wurde. Insgesamt ergab sich für die Vereinsarbeit in der Zeit vom 12. Juni 2008 (letzte Mitgliederversammlung) bis zum 8. Juni 2009 (diesjährige Mitgliederversammlung) folgendes Bild:

Zunächst gelang es, den Kontakt zu Schulen zu verbessern. So zeigten wir im September 2008 aus Anlass des Einzuges der Julius-Wegeler-Schule in die sanierten Gebäude der ehemaligen Fachhochschule auf der Karthause Teile unserer Dauerausstellung.

Ein herausragendes Ereignis waren dann die Veranstaltungen zur 70-jährigen Wiederkehr der Novemberpogrome am 9. November 2008. Und zwar in zweierlei Hinsicht: Zum einen, weil es erstmals gelungen ist, die in der Gedenkarbeit in Koblenz zumindest sporadisch engagierten Initiativen unter dem Dach des Evangelischen Kirchenkreises Koblenz an einen Tisch und zu einem aufeinander abgestimmten und gemeinsam beworbenen Programm zusammen zu bringen. Und zum anderen, weil wir vom Förderverein ein sehr gutes Programm anbieten konnten, das auch in großem Umfang angenommen wurde.

Unter der Ägide des Präsidenten des Oberlandesgerichts Koblenz, Herrn Bartz, der auch Mitglied unseres Fördervereins ist, und mit tatkräftiger Unterstützung von Frau Richterin am Oberlandesgericht Darscheid, die ebenfalls Mitglied bei uns ist, trugen wir mit einer Ausstellung und mit Begleitveranstaltungen im Oberlandesgericht Koblenz maßgeblich zum Gelingen dieser Gedenkveranstaltungen bei. Dabei waren wir es, die die diese Veranstaltungsreihe eröffneten und dann auch beendeten. Die Ausstellung im Oberlandesgericht war eine Doppelausstellung, die übrigens unter der Schirmherrschaft von Justizminister Dr. Bamberger, der auch Mitglied unseres Fördervereins ist, stand. Unter dem Motto „Vergessen heißt Verbannung, Erinnern ist der Pfad der Erlösung“ wurden zum einen 16 Aquarelle von Teofila Reich-Ranicki, die sie im Warschauer Ghetto gemalt und dann dort hinausgeschmuggelt hatte, und zum anderen 16 Personentafeln mit jüdischen NS-Opfern aus Koblenz und Umgebung von unserer Dauerausstellung gezeigt – wobei der Förderverein für die Ausstellung noch einige Tafeln neu erarbeitet hatte. Sehr eindrucksvoll war die Ausstellungseröffnung am 30. Oktober 2008. Glanzpunkt waren die Anwesenheit von Teofila Reich-Ranicki und ihres Mannes Marcel Reich-Ranicki wie auch die Ansprache hierbei, die sich Marcel Reich-Ranicki nicht nehmen ließ. Der stellvertretende Vorsitzende unseres Vereins, Joachim Hennig, gab noch eine Einführung in die Doppelausstellung. Im Rahmenprogramm hielt Hennig außerdem noch einen Vortrag zum Thema „Die Diskriminierung, Ausschaltung und Ermordung jüdischer Juristen aus Koblenz und Umgebung“ und leitete ein Zeitzeugengespräch mit dem Koblenzer jüdischen Glaubens Werner Appel. Zu dieser Thematik veröffentlichte Hennig auch noch einen größeren Aufsatz, der unter dem Titel „Die jüdische Juristenfamilie Brasch“ Ende 2008 im Jahrbuch für westdeutsche Landesgeschichte erschienen ist.

Im Herbst letzten Jahres setzte Hennig die vor acht Jahren von ihm begonnene Vortragsreihe bei der Volkshochschule Koblenz über Verfolgung und Widerstand in Koblenz fort und porträtierte diesmal drei Täter.

Zum nationalen Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus am 27. Januar, der traditionell im Zentrum unserer Gedenkarbeit steht, waren wir im Jahr 2009 gleich mehrfach aktiv. Das begann mit der Präsentation von Teilen unserer Dauerausstellung im Rathaus von Höhr-Grenzhausen unter dem Titel „Gegen das Vergessen – Nicht irgendwo, sondern hier bei uns!“. Zu dem Kontakt kam es durch einen großen Aufsatz, den Joachim Hennig über den Höhr-Grenzhausener Kommunisten und NS-Verfolgten Alfred Knieper geschrieben hatte. Das war eine gute Veranstaltung außerhalb von Koblenz, bei der auch Angehörige von Alfred Knieper – zwei sind übrigens Mitglieder unseres Vereins - anwesend waren.

Zum 27. Januar hier in Koblenz präsentierten wir unter dem Titel „Steine des Anstoßes – Biografien und Stolpersteine für NS-Opfer in Koblenz“ im Landeshauptarchiv Koblenz 16 Personentafeln von NS-Opfern, für die inzwischen in Koblenz „Stolpersteine“ verlegt wurden. In die Ausstellung führte Herr Kreutz von der Christlich-Jüdischen Gesellschaft für Brüderlichkeit in Koblenz ein. Im Beiprogramm zur Ausstellung wurden weitere sechs Stolpersteine in Koblenz verlegt – inzwischen haben wir 51 solcher Stolpersteine. Außerdem hielt unser Vorstandsmitglied Dr. Georg Lilienthal einen Vortrag zum Thema „Euthanasie-Opfer in Koblenz“ und Herr Kreutz führte einen Kreis Interessierter zu den einzelnen im Stadtgebiet verlegten Stolpersteinen.

Erwähnt werden muss auch, dass der Landtag von Rheinland-Pfalz seine inzwischen mehrjährige Tradition fortsetzte, zum 27. Januar eine Ausstellung zu präsentieren und eine Sondersitzung abzuhalten. Die Sondersitzung fand diesmal in der Pfalzklinik in Klingenmünster statt und unser Vorstandsmitglied Georg Lilienthal hielt die Festansprache vor dem Plenum des Landtages.

Unsere eigene Gedenkveranstaltung am 27. Januar 2009 verlief dabei wieder in den bewährten Bahnen. Sie begann mit einer Statio am Mahnmal am Reichensperger Platz, bei der Herr Oberbürgermeister die Namen der NS-Opfer verlas, denen die Ausstellung im Landeshauptarchiv gewidmet war. Bei der anschließenden Veranstaltung in der Christuskirche gedachten Herr Oberbürgermeister Dr. Schulte-Wissermann und unser Vorsitzender Kalle Grundmann in der bekannten eindringlichen Weise der NS-Opfer in Koblenz und darüber hinaus. Den Ausklang bildete wieder das christlich-jüdische Gebet.

Das waren für unseren kleinen Verein und seine wenigen aktiven Mitglieder schon ganz erhebliche Aktivitäten, die bewältigt werden mussten. Aber das war nicht alles, es sollte noch eine Steigerung geben. Veranlasst war das durch den „Zug der Erinnerung“. Ohne unser Zutun kam dieser Zug vom 6. bis 8. März 2009 nach Koblenz. Das ergab sich für den „Zug“ so aus seiner Fahrt von Bonn nach Mainz und weiter nach Ludwigshafen, an den Bodensee und schließlich bis nach Auschwitz. Der Aufenthalt des „Zugs“ hier war ein Geschenk für unsere Gedenkarbeit, aber auch eine große Herausforderung. Aufgrund unserer Außenkontakte wurden wir von den Initiatoren um die Finanzierung und die Organisation des Aufenthalts in Koblenz gebeten. Unser Förderverein konnte nur seine Unterstützung beim Herstellen von Kontakten hier vor Ort und die Programmgestaltung anbieten. Die finanzielle Beteiligung vor Ort war schwierig, konnte aber letztlich dann doch gut sichergestellt werden. Wesentlich dazu beigetragen haben dazu auch die sehr reichlichen Spenden der Besucher. – Ich hätte mir gewünscht, wir vom Förderverein hätten nur ein Zehntel der Spenden bekommen, den die Initiatoren des Zuges der Erinnerung hier eingestrichen haben. Nun ja. Für die Organisation des Aufenthaltes konnte der Deutsche Gewerkschaftsbund – Region Koblenz –, der Mitglied unseres Vereins ist, gewonnen werden.

Vor allem für die inhaltliche Seite des „Zuges der Erinnerung“ in Koblenz war wie gesagt unser Förderverein verantwortlich. Dafür haben wir mit 16 Personentafeln unserer Dauerausstellung die Ausstellung im Zug um einen regionalen Teil ergänzt. Zu dem regionalen Teil haben wir an den drei Tagen Führungen angeboten. Engagiert haben sich dabei unsere Mitglieder Rudolf Grimm, Elmar Ries, der Vorsitzende der Christlich-Jüdischen Gesellschaft für Brüderlichkeit Hans-Werner Schlenzig und vor allem die Eheleute Bodo und Gertrud Zielinski. Eine Hilfe hierbei - wie auch bei den anderen Ausstellungen - war ebenfalls Herr Heinz Rinck, der bei solchen Aktivitäten immer ansprechbar ist. Wer wie sie den „Zug“ hier in Koblenz an mehreren Tagen begleitet hat, stimmt sicherlich der Feststellung zu, dass dies ein sehr großer „Event“ und eine sehr gute Werbung für die Gedenkarbeit waren. An diesen drei Tagen haben mehr als 6.000 Besucher die Ausstellung gesehen – und das waren vor allem Leute, die man sonst nicht so sieht, junge Leute, junge Familien. Dabei wurde gerade auch der von uns gestaltete regionale Teil sehr gut angenommen.

Auch das von uns gestaltete Beiprogramm fand große Aufmerksamkeit. Es begann schon am Vorabend, am Donnerstag, mit einem Zeitzeugenbericht von Herrn Dr. Heinz Kahn. Am Freitag folgte der preisgekrönte Spielfilm „Das Heimweh des Walerian Wrobel“. Am Samstag präsentierten wir wieder ein Zeitzeugengespräch mit Herrn Werner Appel. Der Höhepunkt war dann am Sonntag. Der Tag begann mit einer Matinee zum Thema Sinti in Koblenz. Zunächst berichtete Joachim Hennig über die Geschichte der Zigeuner in Deutschland, dann über die Verfolgung der Sinti in der NS-Zeit und las aus seinem Buch „100 Jahre Musik der Reinhardts – Daweli erzählt sein Leben“ vor. Anschließend schilderte unser Vereinsmitglied Django Reinhardt die Situation der Sinti nach dem Krieg. Umrahmt war die Veranstaltung von Musik der Zigeuner, die die Reinhardts, Mike und Django sowie Germaine und Taylor, darboten. Im Laufe des Tages zeigte unser Förderverein nochmals den Film „Das Heimweh des Walerian Wrobel“ sowie die beiden von uns selbst produzierten Filme über Dr. Heinz Kahn und über den französischen Widerstandskämpfer Roger Detournay und das KZ-Außenlager Rebstock. Auch diese Veranstaltungen waren sehr gut besucht. Bei der Morgenveranstaltung waren es 130 Besucher. Es war im Übrigen ein Glücksfall, dass wir für dieses Beiprogramm vom Landesfilmdienst Rheinland-Pfalz Räumlichkeiten im Kurt-Esser-Haus am Bahnhof zur Verfügung gestellt bekommen haben. Ohne sie wäre das nicht möglich gewesen.

Das große Interesse an dem überregionalen Event des „Zug der Erinnerung“ hat der Verein zum Anlass genommen, kurzfristig seine Homepage noch weiter zu aktualisieren und zu verbessern. Das ist auch gelungen. Unsere Homepage ist eine wirkliche Erfolgsstory. Ende Februar 2008 hatten wir 100.000 Besucher. Zurzeit, nach weiteren 15 Monaten, sind es mehr als 156.000 Besucher. An manchen Tagen hatten wir mehr als 250 Besucher täglich und im Durchschnitt 125 Besucher täglich. Zurzeit sind es ziemlich konstant 85 Besucher täglich! Zudem wissen wir aufgrund unserer Statistik, dass sich die Besucher generell zahlreiche Seiten der Homepage ansehen – in den letzten Wochen sind es 600 Seiten täglich - und auch viele Seiten herunterladen.

Sehr erfreulich war und ist es, dass der Kontakt zu Lehrern und Schülern intensiviert werden konnte. So konnten wir unsere Gedenkarbeit vor Lehramtsanwärtern des Studienseminars für Grund- und Hauptschulen. Die Präsentation war so erfolgreich, dass der Leiter, Herr Herz, eine solche Informationsveranstaltung zur Gedenkarbeit in Koblenz zu einem festen Bestandteil in der Lehrerausbildung machen will. Ebenso erfreulich ist, dass Herr Werner Appel wiederholt als Zeitzeuge in Schulen war, zuletzt in der Julius-Wegeler-Schule. Herr Bodo Zieleinski hat dabei sehr zum Gelingen beigetragen. Vor wenigen Tagen habe ich übrigens von einer Schülerin, die ich beim Geschichtswettbewerb um den Preis des Bundespräsidenten als Tutor bei einer Arbeit über Anneliese Hoevel betreut habe, gehört, dass sie eine der Landessieger von Rheinland-Pfalz ist und damit am Endentscheid um die Bundespreise teilnimmt. Gestern habe ich noch von einer anderen Schülerin, der ich zum Einstieg in die Gedenkarbeit für die Zeugen Jehovas verholfen habe, dass sie ebenfalls Landessiegerin geworden sind.

Nicht unerwähnt bleiben soll, dass die Gedenkarbeit des Fördervereins Mahnmal Koblenz Aufmerksamkeit und Anerkennung auch in persona erfahren hat. Hierzu gehört, dass mir für die Gedenkarbeit in Koblenz im letzten Jahr der Kulturpreis der Stadt Koblenz 2008 verliehen wurde. Außerdem bin ich seit einiger Zeit stellvertretender Vorsitzender der Landesarbeitsgemeinschaft der Gedenkstätten und Erinnerungsinitiativen zur NS-Zeit in Rheinland-Pfalz und Mitglied des wissenschaftlichen Beirats zur Gedenkarbeit in Rheinland-Pfalz.

Nach diesem Überblick über die wesentlichen Aktivitäten des Fördervereins und der Gedenkarbeit, wie sie von seinen Mitgliedern getragen wird, erstattete der Schatzmeister, Herr Alexander Wolff, den Kassenbericht. Er konnte von einer erfreulichen Zunahme der Einnahmen berichten. Sie ergaben sich einmal – bei weiterhin gleich bleibender Höhe der Mitgliedsbeiträge – aus der steigenden Zahl der Mitglieder und zum anderen aus einem Anstieg der Privatspenden nach Anzahl und Höhe – beides ein gutes Zeichen für die immer bessere Arbeit des Fördervereins und deren Darstellung in der breiten Öffentlichkeit.

Die Kassenprüferinnen Frau Birgit Gellert und Frau Helmi Jahnke stellten fest, dass die Kassenführung ordnungsgemäß und sehr transparent sei.

Daraufhin wurde der gesamte Vorstand entlastet.

Mit diesen Erfolgen ging nicht nur das abgelaufene Jahr zu Ende, sondern auch die Amtszeit von Kalle Grundmann als Vorsitzendem. Schon seit längerem hatte er erklärt, dass nach 11 Jahren an der Spitze des Fördervereins für ihn ein Wechsel zwingend sei. In einer kleinen Ansprache hob Kulturdezernent Detlev Knopp Herrn Grundmanns großes Engagement für die Gedenkarbeit in Koblenz und Umgebung hervor und dankte namens des ganzen Vereins für die geleistete Arbeit. Der Vorstand verabschiedete mit Dank für die langjährige erfolgreiche Arbeit auch Frau Margot Brink und Frau Birgit Gellert, beides Gründungsmitglieder, die ebenfalls nicht mehr kandidierten. Frau Brink war langjährige Schatzmeisterin und zuletzt Beisitzerin, Frau Gellert langjährige Kassenprüferin.

Als neuen Vorsitzenden konnte der Verein Herrn Dr. Frank Tiedemann gewinnen. Ihm zur Seite steht weiterhin ein bewährtes Team: Wieder gewählt wurden die Herren Heribert Heinrich, MdL, und Joachim Hennig als stellvertretende Vorsitzende, Herr Eberhard Pförtner als Schriftführer, Herr Alexander Wolff als Schatzmeister und Herr Dr. Georg Lilienthal als Beisitzer. Als weiterer Beisitzer wurde Herr Bodo Zielinski gewählt. Kassenprüferinnen wurden Frau Helmi Jahnke und Frau Monika Sauer. In einer kurzen Ansprache dankte Frank Tiedemann für das Vertrauen. Er kündigte an, sich verstärkt um die Werbung neuer Mitglieder zu bemühen und die gute Arbeit und die schon in Angriff genommenen weiteren Projekte des Vereins nach Kräften zu fördern. Herr Grundmann sagte dem neuen Vorsitzenden für einen gleitenden Übergang seine Unterstützung zu und die Versammlung wünschte dem neuen Vorsitzenden viel Erfolg.

Die Mitgliederversammlung schloss mit einem Ausblick auf die weitere Arbeit des Vereins. Im Vordergrund stehen dabei die Erarbeitung eines Dokumentarfilms über den Koblenzer Zeitzeugen Werner Appel sowie die Intensivierung der Zusammenarbeit mit den Schulen. Auch beginnen jetzt schon die Planungen für den 27. Januar 2010. Dabei will der Verein wiederum versuchen (wie bereits zum 27. Januar 2007), Teile seiner Dauerausstellung unter einer bestimmten Thematik im Landtag des Landes Rheinland-Pfalz präsentieren zu können.
Fotos: H. Rinck

Seite 3 von 7

Zum Seitenanfang