Einleitung zu: Antijüdische Stereotype in den Artikeln der Wochenzeitung „Der Stürmer“

Durch unsere Homepage haben wir einen weiteren Kontakt zu einem jungen Historiker erhalten, der sich schon intensiv mit dem Thema „Nationalsozialismus“ – auch und gerade im heutigen Rheinland-Pfalz - beschäftigt hat. Sein Name ist Peter Hammerschmidt. Seine Arbeiten haben uns überzeugt und wir sind der Auffassung, dass wir sie einem größeren Publikum präsentieren sollten. Die Themen sind so interessant und die Ergebnisse sind so markant, dass wir diese Arbeiten einem Publikum wie unseren Besuchern nicht vorenthalten wollen.

Wer ist Peter Hammerschmidt (Bild links) ? Seine Biografie ist sehr viel schneller erzählt als die „Geschichte(n)“, die er uns als Geschichtsstudent in Mainz näher bringen will. Hammerschmidt ist Rheinland-Pfälzer, wobei die Betonung angesichts seiner Jugend (noch?) auf „Pfälzer“ liegt. Geboren wurde er 1986 in Landstuhl/Pfalz. Seine Schulausbildung absolvierte er am Gymnasium in Ramstein-Miesenbach. Schon bald entdeckte er sein besonderes Interesse an der Geschichte und gerade auch an der Geschichte des Nationalsozialismus. Bereits seine Facharbeit im Fach Geschichte mit dem Thema „Die Nationalpolitischen Erziehungsanstalten (NAPOLA)“ dokumentierte sein spezielles Interesse.

So war es nur konsequent, dass sich Peter Hammerschmidt nach seinem Abitur im April 2006 als Student für die Fächer Geschichte und Deutsch an der Johannes-Gutenberg-Universität in Mainz einschrieb. Im Fach Geschichte hat er wiederholt Hausarbeiten erarbeitet, die es verdienen, hier einem breiteren Publikum vorgestellt zu werden. Bereits im zweiten Fachsemester hat er eine Hausarbeit mit dem Thema „Antijüdische Stereotype in den Artikeln der Wochenzeitung ‚Der Stürmer’“ geschrieben. Diese wird als erste seiner Arbeiten hier veröffentlicht. Weitere Arbeiten folgten im Laufe des Studiums. So zum einen: „Die ‚Vernichtung lebensunwerten Lebens’: Die nationalsozialistische ‚Euthanasie’-Politik auf dem Boden des heutigen Rheinland-Pfalz – am Beispiel der Heil- und Pflegeanstalt Klingenmünster“ und zum anderen: „Die ‚Flucht vor Nürnberg’ nach Lateinamerika – die sog. Rattenlinien: Wege, Formen und Akteure einer geheimen und geheimnisvollen ‚Migration’“ Damit hat Peter Hammerschmidt schon früh die regionale NS-Forschung und die NS-Täterforschung zu seinen Arbeitsschwerpunkten im Fach Geschichte gemacht.

Trotz dieses Forschungsschwerpunktes ist Hammerschmidt aber auch in anderen Bereichen engagiert. So ist er seit Sommersemester 2009 wissenschaftliche Hilfskraft am Fachbereich 05 (Deutsches Institut) und als Tutor für den Teilbereich „Literatur des Mittelalters“ tätig Von November 2009 bis März 2010 war er Vertretungskraft (PES) am Burggymnasium in Kaiserslautern.

Mit dem Thema seiner Staatsexamensarbeit hat Hammerschmidt wieder zu seinem Forschungsschwerpunkt in Geschichte zurückgefunden. Angestoßen durch seine Arbeit zur Flucht führender Nazis über die „Rattenlinie“ nach Südamerika beschäftigt er sich mit dem in Trier groß gewordenen Klaus Barbie mit dem Thema: „’Der Schlächter von Lyon’ im Sold der USA – Über die Beziehungen zwischen Klaus Barbie und dem amerikanischen Geheimdienst.“

 


 

Antijüdische Stereotype in den Artikeln der Wochenzeitung „Der Stürmer“

von Peter Hammerschmidt*


* Diese Arbeit ist im Proseminar: „Die Verfolgung und Vernichtung der europäischen Juden von 1933 – 1945“ im Wintersemester 2006/07 an der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz im Historischen Seminar, Abteilung IV, Neueste Geschichte, entstanden. Mit Erlaubnis des Autors hat der Förderverein Mahnmal Koblenz für die Veröffentlichung der Arbeit einige Titelblätter u.a. des „Stürmers“ beigefügt. Sie sollen die menschenverachtende, rassistische Hetze des „Stürmers“ bildlich dokumentieren. Damit soll keineswegs verfassungswidrige Propaganda betrieben werden. – Im Gegenteil: Der Nationalsozialismus muss bekämpft und als das dargestellt werden, was er war: Er war keine Ideologie, sondern ein Verbrechen.

Inhaltsverzeichnis


  • 01 Einleitung
  • 02 Der „Stereotyp“
  • 03 Die Wochenzeitung „Der Stürmer“
  • 3.1 Biographie des „Stürmers“ (1923-1930)
  • 3.2 Die antijüdischen Stereotype im „Stürmer“
  • 3.2.1: Die jüdische Weltverschwörung
  • 3.2.2: Die jüdischen Sexualverbrechen
  • 3.2.3: Die jüdische Berufsmoral
  • 3.2.4: Weitere antijüdische Stereotype im „Stürmer“
  • 04 Zum Einfluss des „Stürmers“ auf die öffentliche Meinungsbildung
  • 05 Fazit
  • 06 Bibliographie
  • 6.1 Quellenverzeichnis
  • 6.2 Literaturverzeichnis
  • 07 Fußnoten [ ]


01 Einleitung


Vor dem Internationalen Militärtribunal wurde Julius Streicher, als Herausgeber der nationalsozialistischen Wochenzeitung „Der Stürmer“, am 30. September 1946 in Nürnberg wegen „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ zum Tode verurteilt.
Als Beweismaterial dienten der Anklage Auszüge aus den Artikeln der Wochenzeitung, in denen Streicher und seine Schreiber offensiv einen antijüdischen Stereotyp propagierten und zu dessen Verfolgung und Vernichtung aufriefen.
In der vorliegenden Hausarbeit soll dieser im „Stürmer“ propagierte antijüdische Stereotyp herausgearbeitet werden. Es soll gezeigt werden, dass der „Stürmer“ durch die Propagierung eines stereotypen jüdischen Feindbildes, aktiv dazu beitrug, dass die breite Masse der deutschen Bevölkerung dem Holocaust in Deutschland indifferent gegenüberstand.
Mein besonderes Erkenntnisinteresse richtet sich dabei auf die jeher vorhandenen und sich wiederholenden stereotypen Feindbilder über das Judentum, die im „Stürmer“ aufgegriffen und in konzentrierter Weise wiedergegeben wurden. Dabei soll anhand von Beispielen konkretisiert werden, welches Judenbild der „Stürmer“ konstruierte.
Fred Hahn schreibt in seiner Monographie, dass der „Stürmer“ durch die Verbreitung solcher Feindbilder „Angstpsychosen“ schaffen wollte, um im Volk „fanatische Brutalität und Hass“ zu erzeugen. Dieser These soll im weiteren Verlauf der Hausarbeit nachgegangen werden, um schließlich die Wirkung des „Stürmers“ auf die öffentliche Meinungsbildung deutlich zu machen.[1]
Der Schwerpunkt der Forschung liegt dabei auf den Artikeln des „Stürmers“. Die von Philipp Rupprecht gezeichnet Karikaturen werden zwar bei meinen Analysen unterstützend herangezogen, können jedoch im Rahmen dieser Hausarbeit nicht ausführlich behandelt werden.
Aufgrund der Tatsache, dass die „Stürmer“ - Ausgaben nicht an der Universität Mainz vorhanden sind, war es eine Herausforderung an Quellen zum Thema zu gelangen.
Insgesamt dienten mir 51 Ausgaben des „Stürmers“ aus den Jahren 1923 bis 1944 zur Bearbeitung der Hausarbeit, wobei sich das Material häufig lediglich auf das Titelblatt der jeweiligen Ausgabe beschränkt.

 

 

 

 

Typisch für die Hetze des „Stürmers“: Kurz nach den Novemberpogromen 1938 werden „die“ Juden als „Mörder“ diffamiert und nach dem (ersten) Höhepunkt ihrer Verfolgung wird provozierend gefragt: „Ist die Judenfrage gelöst?“

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Sekundärliteratur zur Wochenzeitung „Der Stürmer“ steht nur in geringem Umfang zur Verfügung. Abgesehen von der Monographie „Lieber Stürmer – Leserbriefe an das NS- Kampfblatt“ von Fred Hahn, die eine Sammlung von Leserbriefen darstellt und einer Dissertation von Nira Feldman, die 1966 mit dem Titel „Motive des Stürmer. Anatomie einer Zeitung“ abgelegt wurde, findet sich keine spezifische Literatur über die Wochenzeitung. Über die Etablierung antisemitischer Stereotype in der Gesellschaft, deren Geschichte und deren Wirkung ist ausreichend Literatur vorhanden. Insbesondere stütze ich meine Argumentation dabei auf den Aufsatz von Hans Michael Bernhardt mit dem Titel „Die Juden sind unser Unglück! – Strukturen eines Feindbildes im deutschen Kaiserreich“. Bernhardt erläutert die Wirkung eines stereotypisierten Feindbildes sehr detailliert und beschreibt zudem den historischen Verlauf der Judenfeindschaft in Deutschland zur Zeit des Kaiserreichs und seine Auswirkungen auf den modernen Antisemitismus. Es ist zudem festzuhalten, dass keine Forschungskontroversen zum Thema feststellbar sind.
Die Arbeit geht zunächst auf den Begriff des „Stereotyps“ ein, ehe die Wirkung einer Stereotypisierung in den Kontext des Antisemitismus im Deutschland der 1920er Jahre gesetzt wird. In einem kurzen Überblick über die Anfangsjahre (1923-1930) des „Stürmers“ sollen insbesondere die Feindbilder der ersten Jahre herausgearbeitet werden, welche zugleich Anlass der Gründung der Zeitung darstellen. Anschließend wird dann konkret auf drei häufig aufgegriffene Stereotype eingegangen: Die „jüdische Weltverschwörung“, die „jüdischen Sexualverbrechen“ sowie die „jüdische Berufsmoral“ stehen im Blickpunkt der Analysen. Eine kurze Zusammenfassung über weitere im „Stürmer“ aufgegriffene antijüdische Stereotype, ergänzt die aufgegriffenen Beispiele zu einer Gesamtdarstellung des jüdischen Feindbildes. Eine Auseinandersetzung über die Bedeutung des „Stürmers“ für die öffentliche Meinungsbildung und ein Fazit sollen die Hausarbeit abschließen.

02 Der „Stereotyp“

Bevor es möglich ist, konkret auf einzelne im „Stürmer“ verwendete Stereotypen einzugehen, ist es notwendig, den Begriff des „Stereotyps“ genauer zu definieren und anschließend die Bedeutung von stereotypen Feindbildern in den Kontext des Antisemitismus zu setzen.
Die lexikalische Definition dieses Begriffs streicht heraus, dass ein „Stereotyp“ ein „auf relativ wenige Orientierungspunkte reduzierte und langfristig wenig variable, sowie trotz neuer oder sogar gegenteiliger Erfahrungen starre, verfestigte Vorstellung über spezifische Wesens- und Verhaltensmerkmale anderer Menschen oder Menschengruppen“[2] darstellt.
„In sozialen Situationen großer Komplexität und Unüberschaubarkeit, unberechenbaren Risikos und entsprechender Unsicherheit sowie in verschiedenen, als Bedrohung empfundenen Konfliktsituationen erfüllt der Stereotyp als anschauliche und einprägsame Beurteilungshilfe eine Funktion psychischer Entlastung.“ [3]
Stereotype dienen also der menschlichen Psyche zur Reduktion komplexer Realitäten, von Breitenfellner auch als „physiognomisierende – Welt – Perspektivierung“[4] bezeichnet. Sie bieten demnach Überschaubarkeit und erreichen, durch die Methode der Kategorisierung, Ordnung und Vorhersehbarkeit der sozialen Umwelt.
Am Beispiel des Antisemitismus veranschaulicht, ermöglichte also das Feindbild des Juden vielen Deutschen einen „bequemen Rückzug aus der unüberschaubaren Komplexität der Moderne in eine harmonische, übersichtliche und berechenbare Scheinwelt.“[5] Der Stereotyp erreicht jedoch noch mehr: Er dient zudem als ein Instrument der Selbstidentifikation und Selbstmoralisierung. Durch die Abgrenzung gegenüber einem selbst geschaffenen „unmoralischen“ und „tugendlosen“ Feindbild, wird eine Aufwertung der eigenen Moral und Tugendhaftigkeit erzielt. Bernhardt spricht in diesem Zusammenhang von einer „integrativen Wirkung“ [6]. Die „Ausgrenzung und der Ausschluss negativer, feindlicher Prinzipien“[7] konstituieren nach Bernhardt zugleich die „neuen positiven Prinzipien der eigenen Welt.“[8] Der liberale jüdische Politiker Ludwig Bamberger kam aufgrund dieses Phänomens, welches er bei den Deutschen mehr als bei anderen Völkern ausgeprägt sah, bereits 1880 zu der Konsequenz: „Je mehr Hass, desto mehr Tugend.“[9] Nira Feldman fasst die Bedingungen zusammen, die die Voraussetzung darstellen, um eine Gruppe innerhalb einer Gesellschaft zu einem Feindbild zu stilisieren und diese schließlich über eine einheitliche stereotype Vorstellung zu definieren.
Eine solche Gruppe muss nach Feldman „deutlich unterscheidbar und äußerlich an bestimmten gemeinsamen Merkmalen erkennbar“[10] und zudem „unabhängig von Zeit und Ort“[11] sein. Um die Gültigkeit dieser Merkmale aufrecht zu erhalten, muss der Stereotyp „alle diese Merkmale unter einen gewissen Nenner bringen.“[12] Dieser Nenner richtet sich, so Feldman, vor allem nach den „gesellschaftlichen Normen“[13] und garantiert dadurch „maximalen Anklang bei den Manipulierten.“[14] Dieser Annahme folgend, befindet sich der Stereotyp also in einem ständigen Wandlungsprozess. Der Prozess ist bedingt durch die jeweiligen gesellschaftlichen Normen einerseits und die Veränderungen, die der „Feind“ selbst vollzieht. Somit werden „die gleichen Merkmale […] von neuem begründet.“[15] Die angesprochenen äußeren Merkmale, an denen man die „Andersartigkeit“ einer Person oder einen Personengruppe erkennt, zeichnen sich insbesondere dadurch aus, dass sie sich nicht widerlegen lassen. Dadurch, dass sie Ausnahmen zulassen, erreichen sie gegenüber Kritik von wissenschaftlicher oder alltäglicher Erfahrung eine „Immunisierung.“[16] Hinzu kommt noch die Besonderheit des Nationalsozialismus, den „Anpassungs-, Tarn- und Verkriechinstinkt“[17] der Juden zu thematisieren und somit vor einer möglichen Assimilation an die gesellschaftlichen Strukturen zu warnen und zugleich eine solche Anpassung zu verurteilen. Zu Beginn der 1920er Jahre machte sich der Antisemitismus die Stereotypisierung zu Nutzen, um in den Zeiten besonderer Extremsituation, die geprägt war von Kriegsniederlage, Wirtschaftskrise und Werteverfall, die Welt erfassbarer zu machen. Aus solchen Situationen resultiert eine extrem verzerrende, durch widersprüchliche Erfahrungen nicht mehr korrigierbare Wahrnehmungsstruktur. Die Wirkung von Stereotypen ermöglichte eine Stabilisierung und Aufwertung der eigenen Person bzw. der eigenen Gruppe (Partei, Angehörige einer gesellschaftlichen Schicht etc.). Somit bot der antijüdische Stereotyp folglich die Antwort bzw. die Erklärung des Antisemitismus auf die Kriegsniederlage, den Vertrag von Versailles, die ökonomische Krise, kurz gesagt: die gegenwärtigen Probleme der Weimarer Republik.
Die weit verbreitete Arbeitslosigkeit und die damit einhergehende Unzufriedenheit, die Konfrontation mit der Moderne und die Suche nach Identifikation und Identität machten den im „Stürmer“ publizierten, bereits vertrauten antijüdischen Stereotypen schnell zum gesellschaftlichen Feindbild neuen Ausmaßes und den „Stürmer“ zum Sprachrohr eines modernen radikalen Antisemitismus in Deutschland

03 Die Wochenzeitung „Der Stürmer“

3.1 Biographie des „Stürmers“ (1923-1930)

Die Wochenzeitung „Der Stürmer“ wurde am 20. April 1923 von Julius Streicher gegründet und bereits am 21. April 1923 zum ersten Mal im Wilhelm Härdel Verlag in Nürnberg herausgegeben.[18 ] Es ist festzuhalten, dass „Der Stürmer“ zwar „offiziell anerkannt“ war und von Hitler gefördert wurde, er jedoch kein Parteiorgan, sondern das Privateigentum Julius Streichers darstellte.[19] Die von Hitler erfahrene Unterstützung war zudem keiner finanziellen Natur, sondern hatte ihren Kern im schützenden Verhältnis, welches Hitler zu Streicher und insbesondere auch für den „Stürmer“ pflegte.[20]
Auch Feldman unterstützt diese These und beruft sich auf die Aussage von Rauschning, dem damaligen Präsident des Danziger Senats, der behauptete, dass Hitler „auf jede neue Nummer des ‚Stürmer’ geradezu gespannt“ gewesen sei und es das „einzige Blatt sei, das er gerne von der ersten bis zur letzten Seite läse“.[21]
Geprägt waren die ersten Ausgaben von dem persönlichen „Kampf“ Streichers gegen die Vorwürfe politischer Gegner in Nürnberg.

 

 

 

Die „Nr. 1“ des „Stürmers“ 1923. Schon das Titelblatt zeigt den persönlichen „Kampf“ Streichers gegen seine politischen Gegner in Nürnberg.

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Der Historiker Randall Bytwerk unterstreicht allerdings, dass ebenso die Juden und deren Religion bereits in der ersten Ausgabe des „Stürmers“ als Feindbild ausgemacht wurden:
„Solange der Jude im deutschen Haus ist, werden wir die Sklaven des Juden sein. Deshalb muss er gehen! Wer? Der Jude!“ So hieß die erste Schlagzeile, des bis zu diesem Zeitpunkt vier Seiten starken „Stürmers“, die sich explizit gegen Juden richtete.[22]
Das Blatt, welches zu Beginn unregelmäßig erschien und ohne jegliche Illustrationen und mit nur wenig Werbung auskam, hatte in der Anfangszeit bereits eine Auflagenzahl von einigen tausend Exemplaren. Im Mai 1923 kostete ein Exemplar 250 Reichsmark, im November desselben Jahres inflationsbedingt 1.500,.000.000 Reichsmark.[23]
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der „Stürmer“ mit der Intention gegründet wurde, eine Plattform der politischen Agitation Streichers darzustellen. Sein persönlicher Kampf gegen die Juden war zwar seit der ersten Ausgabe Bestandteil des „Stürmers“, jedoch lag das Hauptaugenmerk des Kampfes zunächst auf politischen Gegnern, die es galt, auszuschalten und öffentlich zu denunzieren.
Ab Juli 1923 erschien der „Stürmer“ regelmäßig einmal pro Woche. Streicher kündigte in der 6. Ausgabe an, dass er den „Stürmer“ aufgrund des Erfolges solange weiter publizieren wolle, bis „Gerechtigkeit und Ordnung in der Stadt Nürnberg hergestellt seien.“[24]
Aus diesem Grund wurde der „Stürmer“ ab der folgenden 7. Ausgabe im Juli 1923 mit dem Untertitel „Nürnberger Wochenzeitung zum Kampfe um die Wahrheit“ versehen. Aktuelle Nachrichten fand man im „Stürmer“ nicht, daher verfügte man auch über keine Nachrichtenagentur.[25] Um dennoch genügend Inhalt zu bieten forderte der „Stürmer“ am Ende der 7. Ausgabe zur aktiven „Mitarbeit“ auf.
Diese „Chance“ der aktiven „Mitarbeit“ wurde, wie die Sammlung von Fred Hahn beweist, in den folgenden Jahren gerne angenommen und bestand in ihrem Kern aus Denunziationsschreiben gegen jüdische Mitbürger.[26] Eigens zum Zweck der öffentlichen Denunziation wurde die Kolumne „An den Pranger“ eingerichtet, in der bestehende Beziehungen zwischen Juden und Nichtjuden namentlich aufgeführt wurden.
Bytwerk betont, dass die Autoren dieser Briefe nicht für ihre Tätigkeit bezahlt wurden und das Blatt daher seine Kosten gering hielt.[27]
Im März 1924 erschien der „Stürmer“ in neuer Aufmachung: Das vorher zweispaltige Blatt wurde dreispaltig, hatte größeres Format und reservierte die gesamte letzte Seite für Werbung. Der „Stürmer“ wich jedoch auch 1924 nicht davon ab, auf lokaler Ebene zu berichten. Bevorzugtes Angriffsziel der Attacken des „Stürmers“ war auch weiterhin noch die Kommunalregierung unter der Führung Luppes.
Mit Schlagzeilen wie „Streicher gegen OB Luppe“[28] oder „Luppe im Trommelfeuer“[29], ging Streicher in Form des „Stürmer“ in die Offensive. Mit Warnungen wie „Weh diesem Judengesindel vor dem Erwachen“[30 ] versuchte der „Stürmer“ ebenso auf die Gefahr, die angeblich vom Judentum ausginge, immer häufiger aufmerksam zu machen.
Lagen die Verkaufszahlen der Zeitung 1923/24 noch bei einigen Tausend, stiegen sie 1927 auf 14.000 an. 1933 sollten sie 25.000 betragen, ehe sie 1935 sogar auf 486.000 anstiegen.[31] Ab 1930 verschwand Luppe aus dem Fokus der Zeitung.
Um den Erfolg der Anfangsjahre auch über die Grenzen Nürnbergs hinauszutragen, war es notwendig, den Konflikt der lokalen Ebene durch Problemstellungen und Themen zu ersetzen, die das gesamte Reich betraf. Insbesondere Berichte über Vergewaltigungen und Verbrechen von Juden gegen die deutsche Bevölkerung dienten dabei als bevorzugtes Mittel. Zahlreiche Abnehmer machten den „Stürmer“ schnell im gesamten Reich zu einer berüchtigten, populären Zeitung.[32] Die Änderung des Untertitels im Jahre 1932 in „Deutsches Wochenblatt zum Kampfe um die Wahrheit“ zeigt deutlich, dass sich die Menge der Leser vergrößert hatte.[33] Ab 1927 wurde das Zitat „Die Juden sind unser Unglück!“ fester Bestandteil einer jeden „Stürmer“–Ausgabe.
Dieses Zitat des ehemaligen Reichstagsmitglieds und Historikers Heinrich von Treitschke stand fortan in jeder Fußzeile des „Stürmers“ und unterstrich die aggressive Judenfeindlichkeit der Zeitung. Die Berichterstattung reduzierte sich im Wesentlichen darauf, die Verbrechen von Juden inklusive der darauf folgenden Gerichtsprozesse zu schildern, die Juden als Rasse zu denunzieren und anhand dieser Vorwürfen so viele Stereotype wie möglich abzuarbeiten.
Vorwürfe wie „Die Juden und die Wanzen sind einander sehr ähnlich. Sie ernähren sich beide vom Blutsaugen“ ziehen Aufforderungen wie „man muss diese Plage ausbrennen“ mit sich und rufen somit bereits ab März 1925 offensiv zum „Kampf“ gegen das Judentum auf, an dessen Ende nur ein „Ausbrennen“, also eine Vernichtung stehen kann.[34] Dieser „Kampf“ des „Stürmers“ ab 1925 gegen den „Rassefeind“ schlug sich in entsprechenden Schlagzeilen der folgenden Jahre nieder:
„Wir werden in unserer Aufklärungsarbeit nicht nachlassen, bis alle Deutschblütigen den Juden als das erkannt haben, was er ist: Der Pestträger im deutschen Volke.“[35]
Die Vernichtung des Judentums als Ziel des „Rassekampfes“ wurde vom „Stürmer“ stets deutlich vordiktiert und als alternativlose Konsequenz propagiert:
„Wir vom Stürmer aber werden nicht ruhen und rasten, bis der Deutsche endlich sein Totengräber erkennt und ihm den Garaus macht.“[36]

 

 

 

 

 

Hetzartikel über angebliche Vergewaltigungen und Verbrechen waren ein bevorzugtes Mittel im „Rassekampf“ des „Stürmers“.

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3.2 Die antijüdischen Stereotype im „Stürmer“

3.2.1: Die jüdische Weltverschwörung
Ein im "Stürmer" kontinuierlich wiederholter Stereotyp ist die Vorstellung einer „jüdischen Weltverschwörung“.
Wenn im weiteren Verlauf dieses Kapitel von „dem Juden“ gesprochen wird, so ist damit die gesamte jüdische Minderheit im damaligen Deutschen Reich gemeint.
Trotz der Hinweise des „Stürmers“ auf „den“ einzelnen Juden, ist es dennoch unumgänglich, die einzelne Person in den Zusammenhang einer gesellschaftlichen Totalität zu bringen, um gesellschaftliche Merkmale, wie beispielsweise die Umgangsform von Juden zu vermitteln. Die Basis der „Stürmer“-Argumentation in Bezug auf eine „jüdische Weltverschwörung“ bildeten insbesondere die "Protokolle der Weisen von Zion", wonach der Hohe Rat der Juden auf einer Konferenz die Ergreifung der Weltherrschaft geplant hätte. In der Rede des Vorsitzenden dieser Konferenz geht dabei das Ziel und der Zweck des jüdischen Strebens deutlich hervor: „Wenn alles Geld der Erde unser ist, ist alle Macht unser.“[37] Um dieses Ziel zu erreichen seien die Juden angeblich bestrebt die Wirtschaft, die Politik sowie die Finanz- und Medienwelt aller Länder zu unterwandern und das jeweilige sog. "Wirtsvolk" zu unterwerfen. Diese „Protokolle" folgten einer Tradition von antijüdischen Verschwörungstheorien des 19. Jahrhunderts.[38]
Die Tatsache, dass die „Protokolle“ eine Fälschung des in Paris stationierten Auslandschefs der russischen Geheimpolizei namens Pjotr Ratschkowski darstellen und diese Fälschung bereits in den 20er Jahren des 19. Jahrhunderts entlarvt wurde, störte die Schreiber des "Stürmers" nicht, immer wieder diese Behauptung zu wiederholen.[39]

Der Stereotyp vom reichen und mächtigen Juden trägt seine Wurzeln im Mittelalter. Aufgrund christlich definierter ständischer Ordnung waren Juden vom Wirtschaftsleben ausgeschlossen und auf den Geldhandel spezialisiert, was ihnen schnell den Ruf als habgierige „Wucherjuden“ einbrachte.[40] Der „Stürmer“ war im Verlauf seiner Berichterstattung darum bemüht, das jüdische Vorhaben einer Weltverschwörung durch Zitate aus dem Talmud zusätzlich zu untermauern. Das aufgegriffene Talmudzitat „Eine einzige israelitische Seele für sich, ist in den Augen Gottes mehr wert als alle Seelen eines (nichtjüdischen) Volkes“[41] nutzte der „Stürmer“ um diesen Vorwurf zu belegen und die Leserschaft von diesem Vorhaben zu überzeugen. Auch das verwendete Talmudzitat „Du sollst die Völker fressen und sie sollen dir dienen“ wurde mit der gleichen Intention veröffentlicht.[42]
1940 geht der „Stürmer“ mit der Verbreitung dieses Stereotyps in die Offensive. Es wird zunächst behauptet, dass die „jüdische Rasse“ im Gegensatz zu allen anderen „Völkern und Rassen“ nicht „in geschlossenen Siedlungen auf irgendeinem Erdteil“ wohnt, sondern „aufgeteilt in allen Völkern aller Kontinente“ lebt.[43] Wenige Ausgaben später wird dann versucht, dieses Verhalten des Juden zu begründen: Alle Juden würden, so die Aussage des „Stürmers“, das „gemeinsame Streben nach Erlangung der ihnen von ihrem Gott verheißenen Weltherrschaft“ verbinden.[44] Diese „Taktik“, so behauptet der „Stürmer“, ist schon „in den Protokollen der Weisen von Zion“ niedergelegt, die schon „hunderte, ja vielleicht schon tausende von Jahre alt sind“.[45] Zudem geht der „Stürmer“ davon aus, dass sich der Jude hinter einer „Maske“ verstecken würde, um sein Weltmachtsbestreben zu verbergen.[46] Eine Form dieser „Masken“ bestehe darin, sich als „religiöse Glaubensgemeinschaft“ zu bezeichnen, obwohl der Jude lediglich eine „menschliche Rasse“ sei, die sich durch ihre „Hässlichkeit“ von den anderen „Rassen“ unterscheidet. Deutlich wird hierbei, dass der Antijudaismus, der auf die Religion und Kultur des Judentums abzielt, durch antisemitische Ressentiments ersetzt wird, bei denen die Kritik an der „Rassezugehörigkeit“ der Juden in den Vordergrund rückt.[47]

 

 

 

 

 

Ein immer wiederkehrendes Thema im „Stürmer“: Die Protokolle der Weisen von Zion und die „jüdische Weltverschwörung“.

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In Anlehnung an die Theorie des Antijudaismus stellt der „Stürmer“ zunächst heraus, dass die Juden „Jahrhunderte lang“ als „ewige Fremdlinge“ lebten. Die erfahrene „Verachtung“ sei auf die „schlechten und hässlichen Sitten und Gebräuche“ zurückzuführen.[48] Der für den Antisemitismus charakteristische aufkeimende Rassegedanke, der das Judentum nicht mehr als Religionsgemeinschaft, sondern als „unterlegene Rasse“ begreift, gewinnt zunehmend auch im „Stürmer“ an Bedeutung. Es wird berichtet, dass sich der Jude der „Parole des Teufels“[49] bedient hätte, um eine Gleichberechtigung herzustellen und um die „Volkseinheit zu zersprengen“[50], jedoch wird eine Gleichberechtigung direkt ausgeschlossen und hervorgehoben, dass es „keine Gleichheit in der Schöpfung gibt.“[51] Bereits 1927 wird von der Zeitung betont, dass der Jude auch durch eine Konvertierung zum Christentum stets der „Rasse“ der Juden angehöre und somit auch weiterhin die „skrupellosen“ Eigenschaften dieser „Rasse“ in sich trage. In derselben Ausgabe wird dementsprechend mit Entschlossenheit vor diesen „heuchlerischen Feiglingen“ gewarnt. Eine weitere „Maske“ des Juden, vor welcher der „Stürmer“ mahnt, ist der „Missbrauch des deutschen Namens“[52] Der „Stürmer“ ging also davon aus, dass Juden Vornamen trugen, aus denen ihre jüdische Herkunft nicht erschlossen werden konnte.
Beispiele für eine solche „Tarnung“ werden jedoch nicht genannt. In späteren Ausgaben wird akzentuiert, dass der Staat mit diesem „Versteckspiel“ „aufgeräumt“ habe.[53]
Der „Krieg des Judentums gegen Deutschland“[54] versucht der „Stürmer“ anhand von folgenden Beispielen zu belegen: Die „Börsenrevolte“ vom 9. November 1918 und das gemeinsam mit den „Feinden“ Deutschlands entwickelte „Programm zur Vernichtung Deutschlands“[55] (gemeint ist der Vertrag von Versailles) deutete der „Stürmer“ als „Schlachtsieg“ des Judentums und ruft zum „Kampf“ auf, um das „Ziel Judas“, „die Vernichtung Deutschlands“ und den Wunsch nach „einem Weltkrieg“ abzuwenden.[56]
Bereits vor Beginn des Polenfeldzugs schreibt der „Stürmer“: „Die Juden in Amerika arbeiten ganz offen auf einen neuen Weltkrieg hin.“
Somit wird also der bevorstehende Krieg gegen Polen dazu benutzt, um die Juden als Provokateure des Krieges darzustellen, um somit wiederum die „Hetze“ gegen das Judentum voranzutreiben.[57]
Das „Täuschungsmanöver“ des Juden, als kriegstreibende Kraft die „pazifistische Seuche“[58] zu verkünden soll durch eine Definition dieses „heuchlerischen“ Juden entlarvt werden: „Der heuchlerische Jude spricht vom Frieden und macht den Krieg“,[59] wobei der „Friede“ für den Juden erst dann eingetreten ist, wenn, so der „Stürmer“, es ihm gelungen ist „sich die ganze Welt zum Sklaven gemacht zu haben.“ Demnach sei „Alljuda“ der „Drahtzieher des Völkermordens.“[60]
Die mahnenden Behauptungen, welche auf die Gefahr des jüdischen Bestrebens nach Weltherrschaft aufmerksam machen sollen, beschränkt der „Stürmer“ nicht nur auf das deutsche Volk, sondern sucht als Adressaten ebenso das Ausland: „Ohne die Lösung der Judenfrage“ sei „keine Erlösung der Menschheit“ möglich.[61]

3.2.2 Das jüdische Sexualverbrechen
Alexandra Przyrembel betont in ihrem Aufsatz, dass ein wesentliches Merkmal der antisemitischen Propaganda des „Stürmers“ die Konstruktion einer „authentischen, spezifisch jüdischen Sexualdelinquenz“ darstellt, die durch die „Nennung von Namen“ und einer „detaillierten Beschreibung der Tatumstände“ erreicht wurde.[62]
Die bereits erwähnte Kolumne „An den Pranger“ bot in diesem Zusammenhang den Lesern zudem genügend Platz zur privaten öffentlichen Denunziation von sexuell begründeten Beziehungen zwischen Juden und Nichtjuden, vom „Stürmer“ als „Judenknechte“ bezeichnet, sowie auch deren Geschäftsbeziehungen.[63]
Przyrembel hebt hervor, dass diese Form der Denunziation von „Rasseschändern“, in der Regel „für die Einleitung eines polizeilichen Ermittlungsverfahrens unbedeutend waren“, sie jedoch für den „von unten“ ausgeübten „Kriminalisierungsruck“ im Bereich von privaten Beziehungen zwischen Juden und Nichtjuden symptomatisch waren.[64]
Auffallend bei diesen Denunziationsschreiben ist, dass sie aus allen Teilen der Bevölkerung entsprangen, unabhängig vom Alter oder sozialen Milieu.[65]
Diese Schreiben, so weißt Przyrembel nach, waren vor allem „politisch motiviert“, wobei sich in den meisten Fällen eine unmittelbare Nähe zur NSDAP bzw. zur SA nachweisen ließ.[66]
Nach Przyrembel suggerierte der „Stürmer“ durch die Publikation von „spektakulären“ und „alltäglichen“ Sexualdelikten eine „Universalität der vom Judentum ausgehenden sexuellen Gefahr“.[67] Infolgedessen würde die von Juden ausgehende „Gefahr“ nicht nur auf bestimmte Teilbereiche des deutsch–jüdischen gesellschaftlichen Zusammenlebens beschränkt, wie beispielsweise den Wirtschaftssektor oder die Politik, sondern sie manifestierte ihre Bedrohung in der gesamten Gesellschaft, in jeder Beziehung zwischen Juden und Nichtjuden und trug so zu deren Formierung bei.[68] Diese Manifestation äußert sich im „Stürmer“ immer wieder durch eine Warnung an die deutschen Frauen: „Frauen und Mädchen, die Juden sind euer Verderben!“[69]
Es wird zudem behauptet, dass der Jude lediglich die jüdische Frau als Frau anerkennt, die nichtjüdische Frau jedoch nur als „Tier“.[70] Das Ziel dieser „Rasseschändung“ wird vom „Stürmer“ ebenfalls pointiert: Nach Auffassung des „Stürmers“ verfolge der Jude mit dem „Lockmittel Sexualität“[71], ein wichtigeres Ziel als „sexuelle Befriedigung“, nämlich den „Fluch der Rassenmischung.“[72]

 

 

 

 

Der „Stürmer“ feiert die „Nürnberger Gesetze“ als Sieg im „Kampf der Rassen“.

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Nach Auffassung des „Stürmer“ „vergiftet“ der Jude durch die „Rassenschande“, die er am deutschen Mädchen begeht, das Blut der deutschen Rasse und hofft damit, das deutsche Volk „zugrunde zu richten“.[73] Zu diesem Zweck, so der „Stürmer“, dienen auch die Verbreitung von Geschlechtskrankheiten und Abtreibung. Der „Judenarzt“ gerät in diesem Zusammenhang als „Rasseschänder“ in den Fokus dieses Stereotyps. „Jüdische Ärzte waren es ja, die an der Abtreibung Unsummen Geld verdienten“ und die „die deutsche Frau durch äußere Eingriffe unfruchtbar machten.“[74]
Der verbrecherische Charakter kennt in der Berichterstattung des „Stürmers“ keine Grenzen: Er bezichtigt die Juden ferner, sich an Kindern und Jungen zu vergreifen und erregt mit Schlagzeilen wie „Jude misshandelt Hitlerjungen“ öffentliches Aufsehen. Die jüdische Perversion obliege überdies der Sodomie, insbesondere der mit Schweinen.[75]
An dem propagierten „Kampf der Rassen“ bleibt, so der „Stürmer“, auch das „Judenweib“ nicht unbeteiligt. Wie der Jude, so „bringt“ auch die Jüdin „den Nichtjuden ins Unglück.“[76] Zu erkennen sei die Jüdin an der „Nase“ und an den „Augen“, wobei der „Stürmer“ keine bezeichnenden Adjektive voranstellt, um die Körperteile und mögliche Rassenunterschiede näher zu beschreiben.[77] Exemplarisch für die Artikel des „Stürmers“, in denen über den als „Rassenschande“ propagierte Vorwurf berichtet wird, ist der im Oktober 1931 auf Seite 3 der 42. Ausgabe erschienene Artikel über den „Jude[n] und die deutsche Frau.“:
Darin beschreibt der „Stürmer“, dass der Jude der „verbrecherische Auswurf“ aus den „verschiedensten Völkern“ sei, der sich durch jahrhundertlange „Inzucht“ zu einer „Köterrasse“ entwickelt hätte. Durch sein „Blut getrieben“, sei der Jude bemüht, alle anderen Völker, in deren Mitte er sich aufhalte, zu „verderben“ und zu „zersetzen“.
Zudem treibe ihn sein Blut zu „angeborener, abnormer Sinnengier“, die ihn dazu führe, nichtjüdische Frauen und Mädchen zu schänden. Der „Stürmer“ appelliert deshalb an das deutsche Volk, an dem „jüdischen Spaltpilz“, dem „jüdischen Rasseschänder“ nicht „blind“ vorüberzugehen und verspricht am Ende des Artikels, dass in einem nationalsozialistischen Deutschland „solches nicht mehr vorkomme.“ Der Jude, der sich an „Nichtjüdinnen zum Zwecke der Rasseschändungen heranmacht“, würde in einem nationalsozialistischen Deutschland im „Zuchthaus“ verschwinden.[78]
Zudem enthält dieser Artikel drei Fotos, die von einem Deutschen mit „offenen Augen“ fotografiert wurden und darstellen sollen, wie sich der Jude an die deutsche Frau „heranmacht.“ Das erste Foto zeigt eine Frau, die ein Postamt verlässt, hinter ihr ein Mann. Bild zwei zeigt die Frau im Gespräch mit diesem Mann, ehe sie ihm auf Bild drei die Hand schüttelt.
Der „Stürmer“ deutet das Verhalten des jüdischen Mannes (wobei keine Beweisführung vorliegt, dass es sich bei diesem Mann um einen Juden handelt) als „berechnende Selbstverständlichkeit“ eine „Sache mit der Frau auszumachen“,die als „Artvergessene“ die „Verabredung“ annimmt. Gerade aufgrund solcher Warnungen vor dem alltäglichen Umgang mit Juden kann man zu der Schlussfolgerung gelangen, dass es Ziel des „Stürmers“ war, durch Manifestation von beschriebenen, stereotypischen jüdischen Verhaltensweisen, den Juden aus dem gesellschaftlichen Leben auszuschließen und jeglichen Umgang mit dem „Fremdrassigen“ zu verurteilen.
Bleibt zu klären, welche Theorie Streicher und seine Schreiber immer wieder vor der „Gefahr“ der „Rasseschändung“ warnen ließ. Was waren für Streicher die konkreten Vorstellungen und biologischen Auswirkungen einer „Rassenschande“?
Bereits 1926 gab Streicher in seiner Rede "Der Jude und das deutsche Volk"[79] eine Antwort auf diese Frage: „Der männliche Same wird bei der Begattung ganz oder teilweise von dem von dem weiblichen Mutterboden aufgesaugt und geht so in das Blut über. Ein einziger Beischlaf eines Juden bei einer arischen Frau genügt, um deren Blut für immer zu vergiften. Sie hat mit dem artfremden Eiweiß auch die artfremde Seele in sich aufgenommen.“[80] Solche rassenideologischen Theorien bildeten die „wissenschaftliche“ Grundlage der zuvor genannten Stereotypisierung des Juden als Sexualverbrecher und „Rasseschänder“. Der Stereotyp des „jüdischen Rassenfeindes“ war dementsprechend der Ansatzpunkt zur Propagierung der Rassenlehre, die den Mittelpunkt der nationalsozialistischen Weltanschauung darstellte. Auf diese Weise konnten die absurd erscheinenden Ideen manipuliert und konkretisiert werden.
Die ständige Propaganda, insbesondere die des „Stürmers“, die für „Rassevergehen“ die Verhängung der Todesstrafe forderte, schuf demnach die psychologische Voraussetzung, dass ein großer, aber nicht genau benennbarer Teil der deutschen Bevölkerung aus einer Kombination von Gründen (persönlicher Hass, wirtschaftliche Gründe etc.), die Drohung vor einem Verlust des biologischen Niveaus ernst nahmen.[81] Somit gewann die Vorstellung einer „Rassenreinheit“ des deutschen Volkes zunehmend an Bedeutung.

3.2.3 Die jüdische Berufsmoral
Die Kernidee dieses Stereotyps trägt die Vorstellung in sich, dass der Jude „von Natur aus“ aufgrund seiner körperlichen Schwäche arbeitsunfähig ist.
Außerdem unterstellt dieser Stereotyp dem Juden eine „natürliche Abneigung“ gegenüber der Arbeit. Da der Jude dennoch über ein geregeltes Einkommen verfügen muss, um sich selbst zu erhalten, ist er darum bemüht, Berufe zu erlernen, die mit wenig Mühe viel Geld einbringen: „Die einzige Angelegenheit des Juden war von jeher das Handeln und das Geschäftemachen, das Streben nach Gewinn“[82]
Demnach zieht der „Stürmer“ die Schlussfolgerung, dass der Jude jegliche Berufe meidet, die körperlicher Anstrengung bedürfen. Die Wurzeln dieser stereotypen Vorstellung reichen ins Mittelalter zurück. Im Mittelalter war es den Juden nicht gestattet, Land zu erwerben oder Mitglied in Zünften und Gilden zu werden.[83] Somit war es für die Juden auch unmöglich, sich in der Landarbeit zu betätigen.
Aus diesem Grund waren sie, wie bereits erwähnt, dazu gezwungen Zinshandel zu betreiben und hatten nicht die Möglichkeit solche, vom „Stürmer“ als „echt“ und „anständig“ bezeichnete, Berufe wahrzunehmen. Für den „Stürmer“ existierten weder jüdische Bauern, noch Arbeiter. Jegliche Behauptungen, die dieser Vorstellung entgegenstehen, dienten, wie bereits bei vorangehenden Stereotypen erwähnt, einzig und alleine dem Zwecke der „Maskierung“ und wurden vom „Stürmer“ als „Judenschwindel“ abgetan.[84] Der „von Natur aus“ körperlichen Unterlegenheit und der allgemeinen Abneigung gegenüber körperlicher Arbeit setzt der „Stürmer“ im direkten Gegenzug die programmatische These entgegen, dass die Juden in einem nationalsozialistischen Deutschland lernen werden, „Baumaterial“ zu schleppen und lernen werden was es heißt zu arbeiten.[85] Der Argumentation des „Stürmers“ zur Folge sind ganze Wirtschaftsbereiche, in denen sich viel Geld verdienen lässt, „verjudet“: So ist z.B. die Rede von einer „verjudeten Presse“[86] oder einer „verjudeten Pinselindustrie“[87]. Auffallend bei diesem Stereotyp ist, dass der „Stürmer“ den Beruf eines Juden als dessen Attribut erkennt und ihn dementsprechend bezeichnet: So werden jüdische Metzger beispielsweise als „Wurstjuden“88, Zeitungsredakteure oder Austräger einer Zeitung als „Zeitungsjuden“[89] und jüdische Schuhmacher als „Schuhjuden“[90] bezeichnet.

 

 

 

Hetze des „Stürmers“ gegen den „Viehjuden“ Meyer, der angeblich mit seiner Frau, der „Viehjüdin“ Meyer, Bargeld von Trier in das unter der Verwaltung des Völkerbundes stehende Saargebiet bringen will.

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3.2.4: Weitere antijüdische Stereotype im „Stürmer“
Im Folgenden sollen die sonstigen im „Stürmer“ benutzten antijüdischen Stereotype aufgelistet werden um somit einen Gesamtüberblick zu erreichen.

* Juden werden als „Teufel“ bzw. als „Mörder Gottes“ bezeichnet. [91]

* Juden seien „Ausbeuter“ (die im Versailler Vertrag festgesetzten Reparationszahlungen dienten als Indikator für ein jüdisch-kapitalistisches Ausbeutungsstreben).[92]

* Juden als Ursache und Verbreiter von Krankheiten. [93]

* Juden werden in Gestalt von Tieren dargestellt. (Dabei wird insbesondere auf Tiere zurückgegriffen, die im Allgemeinen als abstoßend empfunden werden, wie z.B. Spinnen, Ratten, Würmer etc.).[94]

* Juden als „Ritualmörder“: (Dieser Stereotyp knüpft an die mittelalterliche Vorstellung an, nach der die Juden christliche Kinder für religiöse Rituale missbrauchten, um so das Leiden Jesus Christus zu verhöhnen. Zu diesem Zwecke würden die Kinder entführt und geschächtet, d.h. ihr gesamtes Blut aus dem Körper gelassen. Der moderne Antisemitismus veränderte den Stereotyp dahingehend, dass vor allem christliche Mädchen und Jungfrauen zu Opfern solcher Ritualmorde würden und die Ursachen hierfür Blutschande, Schächtmord und sexuelle Perversion von Juden seien.) [95]


 

 

Nichts wird ausgelassen: Einen Strafprozess gegen sich selbst wegen „Volksverhetzung“ nimmt der „Stürmer“ zur weiteren Grundlage für Hetze betr. Ritualmorde

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04 Zum Einfluss des „Stürmers“ auf die öffentliche Meinungsbildung

Im folgenden Abschnitt dieser Hausarbeit soll die vom „Stürmer“ adressierte Zielgruppe kurz charakterisiert werden. Außerdem soll es Ziel sein, die Wirkung dieser Zeitung in Bezug auf die öffentliche Meinungsbildung herauszuarbeiten.
Die Adressaten des „Stürmer“ waren, nach Hahn, eine „negative Auslese“, die eine „kleine Minderheit im Volke“ darstellten. Er behauptet, dass die meisten Deutschen, darunter auch überzeugte Nationalsozialisten, sowie „Führer der NSDAP“ vom „Stürmer“ abgeneigt waren. Wie groß diese „Auslese“ im Endeffekt war, wird nicht benannt.[96]
Nach Hahn war es Aufgabe des „Stürmer“ die „niedrigsten Instinkte“ des Lesers zu wecken. Dies geschah insbesondere durch die pornographische Darstellungsweise von Rasseschändungen, die insbesondere, so behauptet Hahn, das Interesse der „pubertierenden Jugend“ weckte.[97] Es bleibt die Frage, welcher Methode sich der „Stürmer“ bediente, um eine möglichst breite Basis der Bevölkerung anzusprechen. Bytwerk greift in diesem Zusammenhang eine Notiz von Heinz Preiss auf. Preiss, ein junger Student, der sich Streicher 1933 anschloss, beschrieb Streichers Absicht und die Methode des „Stürmer“ sehr genau: Er war der Ansicht, dass Streicher im „Stürmer“ eine Sprache verwendete, welche die Masse verstand. Nur so konnte die Masse erobert werden.
Nach Preiss war der Sprachstil einfach, leicht zu begreifen und von elementarem Vokabular. Dadurch würde der grösste Effekt bei den Massen erzielt werden.[98]
Der Inhalt dieser „einfachen“ Texte, die im „Stürmer“ publiziert wurden, wurde zudem, wie Bytwerk beschreibt, bis ins Unendliche wiederholt. Anschuldigungen und Thesen wieder und wieder aufgegriffen, ohne die Argumentationsbasis auszubauen.[99]
Diese ständigen Wiederholungen gründeten jedoch keinesfalls auf Unvermögen in der Berichterstattung oder mangelndem Material, welches zur Publikation genutzt hätteNein, nach Hahn gründeten diese Wiederholungen auf einer systematischen Methode, die Streicher während einer Rede im Januar 1939 wie folgt begründete:

„Wenn man es immer wieder dem Volk sagt, dann dringt es in die Gehirne ein. Das muss man immer wiederholen, dann sieht es die Gefahr.“[100] Diese Methode wurde von Streicher selbst als „Aufklärung“ bezeichnet und mit der häufig verwendeten Parole „Der Stürmer klärt dich auf“ in der Zeitung immer wieder unterstrichen.[101] Um dem Leser diese Inhalte noch einfacher zugänglich zu machen, wurden ab 1925, die von Philippe Rupprecht gezeichneten Karikaturen und ab 1930 Fotografien eingesetzt, deren Botschaft innerhalb weniger Sekunden aufgenommen werden konnte. Eine besondere Verbreitung erreichte "Der Stürmer" über die sog. "Stürmerkästen". Es handelte es sich um spezielle Schaukästen, die an belebten öffentlichen Plätzen aufgestellt und bewacht wurden. Darin wurde jeweils die aktuelle Ausgabe des „Stürmers“ veröffentlicht.[102]

 

 

 

 

 

 

Aus dem „Stürmer“, 1935.

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Bleibt festzuhalten, dass gerade aufgrund der „Primitivität“ und aufgrund des einfachen Schreibstils des Blattes, jeder Deutsche, unabhängig von Alter oder sozialer Stellung, Zugang zu den antisemitischen Parolen finden konnte und auch fand.[103]
Diese sich wiederholende „Hetz- und Angstpropaganda“ gegen ein antijüdisches stereotypes Feindbild - mit der einhergehenden Verschiebung einer gesellschaftlichen Moral- und Wertevorstellung - war demnach, wie Hahn es beschreibt, ein „maßgeblicher Schritt“ für die Judenverfolgung und letztendlich für den als „Endlösung“ bezeichneten internationalen Vernichtungsprozess.[104]
Der in der Einleitung dieser Hausarbeit vorgestellte These, dass der „Stürmer“ durch das Schaffen einer „Angstpsychose“ eine „fanatische Brutalität und Hass“ verursacht habe, muss somit zugestimmt werden. Die „identitätsstiftende Wirkung“ von stereotypen Feindbildern, die bereits im zweiten Kapitel dieser Hausarbeit erläutert wurde, erklärt zudem die große Resonanz gegenüber diesem antisemitischen Judenhass.
Im Zusammenhang mit diesem „Phänomen“ kommt Bernhardt deshalb zur Schlussfolgerung: „Je abstoßender der Feind, um so anziehender die Welt der man sich selbst zuordnet.“[105] Oder wie Feldman es beschreibt: „Erst wenn man sagen kann, der Jude ist der Gegenmensch, der Antimensch, kann man sich ganz als Mensch fühlen.“[106]

05 Fazit

An dieser Stelle sollen noch einmal die wichtigsten Erkenntnisse der Untersuchung zusammengefasst werden.
Mit der Herausgabe des "Stürmers" suchte Julius Streicher zunächst ein Medium, um sich gegenüber seiner politischen Gegnern zu behaupten. Bereits in der ersten Ausgabe im April 1923 finden sich nichtsdestoweniger erste antisemitische Ressentiments gegen deutsche Juden. Um die Zeitung auch über die Grenzen Nürnbergs hinaus populär zu machen, war Streicher darum bemüht, von der lokalen Ebene abzurücken und nationale „Probleme“ aufzugreifen. Diese Probleme waren gekennzeichnet durch einen inflationsbedingten Vermögensverlust, hohe Arbeitslosigkeit, ein geschwächtes Nationalgefühl und einer Konfrontation mit der Moderne. Streicher versuchte diese Problemstellungen durch eine Propaganda, die aus Anschuldigungen und Denunziationen gegen die jüdische Bevölkerung bestand, zu erklären. Das Merkmal dieser Propaganda war wiederum geprägt von stereotypen Vorstellungen über äußere und charakterliche Merkmale der Juden sowie deren Religion. Durch das gesellschaftliche Kollektiv des Judenhasses sollte eine verloren gegangene Identifikation zwischen der deutschen Bevölkerung und dem als „Judenrepublik“ verschrieenen deutschen Staat erreicht werden, wobei insbesondere die Identifikation mit einem nationalsozialistischen Deutschland, welches sich den modernen Antisemitismus auf die Fahnen geschrieben hatte, im Vordergrund stand.
Dem Fokus des Seminarthemas folgend, ist es möglich abschließend zu folgendem Ergebnis zu gelangen: Die antisemitische „Hetze“ des „Stürmers“ gegen einen antijüdischen Stereotyp, der als „Parasit“, als „Auswurf der Menschheit“ oder „absoluter Gegner Deutschlands“ beschrieben wurde, sowie die Verbreitung von „Angstpsychosen“, die sich in „Ritualmordlegenden“ oder „Rasseschändungen“ niederschlugen, waren demnach maßgeblich für die Ignoranz bzw. für die Indifferenz, mit der die deutsche Bevölkerung der Verfolgung der Juden in Deutschland und der anschließenden internationalen „Endlösung“ des Judentums, die stets von der Zeitung als „Endlösung“ propagiert wurde, gegenüber stand.

6 Bibliographie

6.1 Quellenverzeichnis

Der Stürmer

1923
* Der Stürmer, Nr.1, 1923, S.1
* Der Stürmer, Nr.2, 1923, S.1
* Der Stürmer, Nr.3, 1923, S.1
* Der Stürmer, Nr.7, 1923, S. 1-3

1924
* Der Stürmer, Nr. 15, 1924, S. 2
* Der Stürmer, Nr. 11, 1924, S. 2

1925
* Der Stürmer, Nr.25, 1925, S.2
* Der Stürmer, Nr.50, 1925, S.1, S.2
* Der Stürmer, Nr.52, 1925, S.1

1926
* Der Stürmer, Nr.7, 1926, S.1
* Der Stürmer, Nr.22, 1926, S.1, S.2
* Der Stürmer, Nr.28, 1926, S.1, S.2
* Der Stürmer, Nr.39, 1926, S.1

1927
* Der Stürmer, Nr.10, 1927, S.1
* Der Stürmer, Nr.22, 1927, S.1, S.2, S.3
* Der Stürmer, Nr.39, 1927, S.1
* Der Stürmer, Nr.44, 1927, S.1
* Der Stürmer, Nr.48, 1927, S.1

1928
* Der Stürmer, Nr.19, 1928, S.1
* Der Stürmer, Nr.34, 1928, S.1
* Der Stürmer, Nr.39, 1928, S.1
* Der Stürmer, Nr.51, 1928, S.1

1929
* Der Stürmer, Nr. 1, 1929, S.2
* Der Stürmer, Nr.9, 1929, S.3
* Der Stürmer, Nr. 11, 1929, S.2
* Der Stürmer, Nr. 12, 1929, S.1
* Der Stürmer, Nr. 24, 1929, S.2, S.3
* Der Stürmer, Nr. 46, 1929, S.1
* Der Stürmer, Nr. 48, 1929, S.1

1930
* Der Stürmer, Nr. 8, 1930, S.1
* Der Stürmer, Nr. 34, 1930, S.1
* Der Stürmer, Nr. 37, 1930, S.1

1931
* Der Stürmer, Nr. 1, 1931, S.1
* Der Stürmer, Nr. 8, 1931, S.1
* Der Stürmer, Nr. 19, 1931, S.3
* Der Stürmer, Nr. 42, 1931, S.3
* Der Stürmer, Nr. 47, 1931, S.1

1937
* Der Stürmer, Nr. 32, 1937, S.1
* Der Stürmer, Nr. 35, 1937, S.1

1938
* Der Stürmer, Nr. 2, 1938, S.1
* Der Stürmer, Nr. 42, 1938, S.1

1939
* Der Stürmer, Nr.9, 1939, S.2
* Der Stürmer, Nr. 17, 1939, S.3
* Der Stürmer, Nr. 21, 1939, S.2
* Der Stürmer, Nr. 28, 1939, S.3
* Der Stürmer, Nr.42, 1939, S.1

1940
* Der Stürmer, Nr. 1, 1940, S.1, S.3
* Der Stürmer, Nr. 2, 1940, S.1, S.2
* Der Stürmer, Nr. 9, 1940, S.1, S.2
* Der Stürmer, Nr.10, 1940, S.21
* Der Stürmer, Nr. 21, 1940, S.2
* Der Stürmer, Nr.42, 1940, S.3

1942
* Der Stürmer, Nr.15, 1942, S.2
* Der Stürmer, Nr.34, 1942, S.2

1943
* Der Stürmer, Nr.31, 1943, S.3

1944
* Der Stürmer, Nr.52, 1944, S.2

6.2 Literaturverzeichnis


* Benz, Wolfgang: Bilder vom Juden. Studien zum alltäglichen Antisemitismus. München 2001.

* Bernhardt, Hans-Michael: "Die Juden sind unser Unglück!". Strukturen eines
Feindbildes im deutschen Kaiserreich, in: Jahr, Christian, Mai, Uwe u. Roller,
Kathrin (Hg.): Feindbilder in der deutschen Geschichte. Studien zur Vorurteilsgeschichte im 19. und 20. Jahrhundert, Berlin 1994, S. 25-54 (Reihe Dokumente, Texte, Materialien 10).

* Bytwerk, Randall: Julius Streicher. Nazi-Editor of the notorious anti-semitic newspaper „Der Stürmer“, New York 1983.

* Breitenfellner, Kirstin: Der „jüdische Fuß“ und die „jüdische Nase“. Zur Konstruktion des anderen in Rassismus und Antisemitismus. In: Kohn-Ley, Charlotte (Hg.): Wie ein Monster entsteht. Bodenheim 1998.

* Erb, Rainer: Drittes Bild: Der "Ritualmord", in: Schoeps, Julius H. u. Schlör, Joachim (Hg.): Bilder der Judenfeindschaft. Antisemitismus, Vorurteile und Mythen, Augsburg 1999.

* Feldman, Nira: Motive des „Stürmer“. Anatomie einer Zeitung. Wien 1967 (zugl. Diss.).

* Hahn, Fred: Lieber Stürmer. Leserbriefe an das NS-Kampfblatt 1924 - 1945, Stuttgart 1978 (Zeitpolitische Schriftenreihe 19).

* Kershaw, Ian: Antisemitismus und die NS-Bewegung vor 1933, in: Graml, Hermann, Königseder Angelika u. Juliane Wetzel (Hg.): Vorurteile und Rassenhass. Antisemitismus in den faschistischen Bewegungen Europas, Berlin 2001.

* Noack, Hannelore: Unbelehrbar? Antijüdische Agitation mit entstellten Talmudzitaten. Antisemitische Aufwiegelung durch Verteufelung der Juden. Paderborn 2001 (zugl. Diss.).

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Weißbecker, Manfred (Hg.): Stufen zum Galgen. Lebenswege vor den Nürnberger Urteilen, Leipzig 1999.

* Piper, Ernst: Achtes Bild: "Die jüdische Weltverschwörung", in: Schoeps, Julius H. u. Schlör, Joachim (Hg.): Bilder der Judenfeindschaft. Antisemitismus, Vorurteile und Mythen, Augsburg 1999.

* Pöggeler, Franz: Der Lehrer Julius Streicher. Zur Personalgeschichte des Nationalsozialismus, Frankfurt am Main 1991.

* Przyrembel, Alexandra: Rassenschande. Reinheitsmythos und Vernichtungslegitimation im Nationalsozialismus. Göttingen 2003.

Internetressourcen
* http://www.medpsych.uni-freiburg.de/OL/glossar/body_stereotyp.html ; Stand: 23.02.07
* http://www.geschichte-feuchtwangen.de/Band3/Band3037.htm#FN147; Stand: 13.03.07



07 Fußnoten:

  • 1 Hahn, Fred: Lieber Stürmer. Leserbriefe an das NS-Kampfblatt1924 - 1945, Stuttgart 1978 (Zeitpolitische Schriftenreihe 19), S.114
  • 2 http://www.medpsych.uni-freiburg.de/OL/glossar/body_stereotyp.html ; Stand: 23.02.07
  • 3 http://www.medpsych.uni-freiburg.de/OL/glossar/body_stereotyp.html; Stand: 23.02.07
  • 4 Breitenfellner, Kirstin: Der „jüdische Fuß“ und die „jüdische Nase“. Zur Konstruktion des anderen in Rassismus und Antisemitismus, in: Kohn-Ley, Charlotte (Hg.): Wie ein Monster entsteht. Bodenheim 1998, S.105
  • 5 Bernhardt, Hans-Michael: "Die Juden sind unser Unglück!" Strukturen eines Feindbildes im deutschen Kaiserreich, in: Jahr, Christian, Mai, Uwe u. Roller, Kathrin (Hg.): Feindbilder in der deutschen Geschichte. Studien zur Vorurteilsgeschichte im 19. und 20. Jahrhundert, Berlin 1994, S. 25-54 (Reihe Dokumente, Texte, Materialien 10), S.53
  • 6 Bernhardt, S.53
  • 7 Bernhardt, S.53
  • 8 Bernhardt, S.53
  • 9 vgl. Bernhardt, S 53
  • 10 Feldman, Nira: Motive des „Stürmer“. Anatomie einer Zeitung. Wien 1967 (zugl. Diss.), S.3
  • 11 Feldman, S.3
  • 12 Feldman, S.4
  • 13 Feldman, S.4
  • 14 Feldman, S.4
  • 15 Feldman, S.4
  • 16 Breitenfellner, S.104
  • 17 Breitenfellner, S.106
  • 18 vgl. Hahn, S.114
  • 19 vgl. Hahn, S.114
  • 20 vgl. Hahn , S.105, S. 107
  • 21 vgl. Feldman, S. 21
  • 22 Bytwerk, Randall: Julius Streicher. Nazi-Editor of the notorious anti-semitic newspaper „Der Stürmer“, New York 1983, S.52
  • 23 vgl. Bytwerk, S. 17
  • 24 Hahn, S.114
  • 25 Hahn, S.134
  • 26 Hahn, S.232
  • 27 Bytwerk, S.55
  • 28 Der Stürmer, Nr.2, 1923, S.1
  • 29 Der Stürmer, Nr. 3, 1923, S. 1.
  • 30 Der Stürmer, Nr. 15, 1924, S. 2
  • 31 vgl. Bytwerk, S. 57
  • 32 vgl. Bytwerk, S.53
  • 33 vgl. Bytwerk, S.53
  • 34 Der Stürmer, Nr.25, 1925, S.2
  • 35 Der Stürmer, Nr.10, 1927, S.1
  • 36 Der Stürmer, Nr.9, 1929, S.3, siehe auch: Karikatur „Wenn das Ungeziefer tot ist, grünt die deutsche Eiche wieder“, in: Der Stürmer, Nr. 48, 1927, S.1
  • 37 Benz, Wolfgang: Bilder vom Juden. Studien zum alltäglichen Antisemitismus . München 2001,S.19
  • 38 vgl. Feldman, S.49
  • 39 Piper, Ernst: Achtes Bild: "Die jüdische Weltverschwörung", in: Schoeps, Julius H. u. Schlör, Joachim (Hg.): Bilder der Judenfeindschaft. Antisemitismus, Vorurteile und Mythen, Augsburg 1999, S. 130-132
  • 40 Benz, S.14
  • 41 Der Stürmer, Nr. 4, Mai 1927, S. 2, in: Talmud: Schefa-Tal, vgl. dazu: Noack, Hannelore: Unbelehrbar? Antijüdische Agitation mit entstellten Talmudzitaten. Antisemitische Aufwiegelung durch Verteufelung der Juden. Paderborn 2001 (zugl. Diss.), S.375
  • 42 Der Stürmer, Nr. 18, 1923, S.2; Zwar konnten im Rahmen der Recherchen zu dieser Hausarbeit die Zitate aus dem Talmud an der angegeben Stelle gefunden werden, doch verfüge ich nicht über die nötige Kompetenz, um diese Zitate in einen größeren Zusammenhang zu setzen, um somit eine mögliche Fehlinterpretation seitens des „Stürmers“ herauszuarbeiten.
  • 43Der Stürmer, Nr. 21, 1940, S.3
  • 44 Der Stürmer, Nr. 29, 1940, S.1
  • 45 Der Stürmer, Nr. 7, 1940, S.2
  • 46 Der Stürmer, Nr.16, 1940, S.3
  • 47 Der Stürmer, Nr. 16, 1940, S.3
  • 48 Der Stürmer, Nr. 29, 1940, S.2
  • 49 Der Stürmer, Nr.34, 1942, S.2; Mit der Parole des Teufels meint der „Stürmer“ die angeblich vom Judentum ausgegangene Parole der französischen Revolution: „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“, vgl. dazu: Der Stürmer, Nr. 29, 1940, S.1 und insb. Der Stürmer, Nr.31, 1944, S.1
  • 50 Der Stürmer, Nr.34, 1942, S.2
  • 51 Der Stürmer, Nr.34, 1942, S.2
  • 52 Der Stürmer, Nr. 2, 1938, S.1, Anm.: Im August 1938 wurde das Gesetz der Namensänderung deutscher Juden verabschiedet, wonach Frauen den Beinamen „Sara“, Männer den Beinamen „Israel“ tragen mussten. Es ist anzunehmen, dass der „Stürmer“ auf dieses Gesetz hindeutet. Zudem entspricht der zeitlichen Rahmen der Veröffentlichung dieser „Stürmer“ – Ausgabe dem Inkrafttreten des Gesetzes.
  • 53 Der Stürmer, Nr. 9, 1940, S.2
  • 54 Der Stürmer, Nr. 9, 1940, S.1
  • 55 Der Stürmer, Nr.17, 1939, S.3
  • 56 Der Stürmer, Nr. 41, 1939, S.1
  • 57 Der Stürmer, Nr. 9, 1939, S.2
  • 58 Der Stürmer, Nr.42, 1938, S.1
  • 59 Der Stürmer, Nr.10, 1940, S.2
  • 60 Der Stürmer, Nr.35, 1937, S.1; Anm.: Das Wort „Alljuda“ diente als Propagandathese, um die „internationale Verschwörung des Weltjudentums“ auszudrücken, vgl. dazu: Hahn, S.19
  • 61 Der Stürmer, Nr.31, 1943, S.3
  • 62 Przyrembel, Alexandra: Rassenschande. Reinheitsmythos und Vernichtungslegitimation im Nationalsozialismus. Göttingen 2003, S. 187
  • 63 Przyrembel, S.187
  • 64 Przyrembel, S.195
  • 65 vgl. Hahn, S.188
  • 66 vgl. Przyrembel, S.197
  • 67 Przyrembel, S.193
  • 68 vgl. Przyrembel, S.194
  • 69 Eine fettgedruckte Warnung des „Stürmers“ , die am Fuße der Innenseite stand.
  • 70 Der Stürmer, Nr.32, 1937, S.4
  • 71 Der Stürmer, Nr.15, 1942, S.2
  • 72 Der Stürmer, Nr. 11, 1929, S.2
  • 73 Der Stürmer, Nr. 1, 1940, S.3
  • 74 Der Stürmer, Nr.52, 1944, S.2
  • 75 vgl. „Der Jude im Saustall“, in: Der Stürmer, Nr.19, 1935, S.3
  • 76 Der Stürmer, Nr.21, 1939, S.2
  • 77 Der Stürmer, Nr.42, 1940, S.3, siehe Anhang (7.1)
  • 78 Der Stürmer, Nr. 42, 1931, S.3
  • 79 http://www.geschichte-feuchtwangen.de/Band3/Band3037.htm#FN147; Stand: 13.03.07
  • 80 vgl. Hahn, S. 81
  • 81 vgl. Hahn, S.14
  • 82 Der Stürmer, Nr. 19, 1931, S.3
  • 83 Benz, S.14
  • 84 Der Stürmer, Nr. 21, 1940, S.2
  • 85 Der Stürmer, Nr. 28, 1939, S.3
  • 86 Der Stürmer, Nr. 2, 1940, S.2
  • 87 Der Stürmer, Nr. 12, 1929, S.1
  • 88 Der Stürmer, Nr. 24, 1929, S.3
  • 89 Der Stürmer, Nr. 24, 1929, S.3
  • 90 Der Stürmer, Nr. 24, 1929, S.3
  • 91 Der Stürmer, Nr.1, 1931, S.1
  • 92 vgl.: „Die jüdischen Gaunereien in aller Welt“, in: Der Stürmer, Nr. 28, 1926, S.2
  • 93 vgl. „Maul und Klauenseuche – Juden schleppen sie ein und verbreiten sie.“, in: Der Stürmer, Nr.48, 1929, S.2
  • 94 vgl. Karikatur „die Ausgesaugten“, in: Der Stürmer, Nr.8, 1930, S.1 (Jude als Spinne), siehe auch: Karikatur „Der Wurm“, in: Der Stürmer, Nr.47, 1931, S.1 (Jude als Wurm)
  • 95 vgl. Der Stürmer, Sondernummer 1, 1934, S.1 und insb.: "Gescheiterter Ritualmord - Eingefangene Kinder als Schlachtopfer", in: Der Stürmer, Nr. 17, 1927, S. 1.
  • Zur Entwicklung dieses Stereotyps siehe: Erb, Rainer: Drittes Bild: Der "Ritualmord", in: Schoeps, Julius H. u. Schlör, Joachim (Hg.): Bilder der Judenfeindschaft. Antisemitismus, Vorurteile und Mythen, Augsburg 1999, S. 74.
  • 96 vgl. Hahn, S.8; Anm.: Julius Streicher wurde 1946 vor dem Militärtribunal in Nürnberg, insbesondere aufgrund der Publikation des „Stürmers“, zum Tode verurteilt. Die Anklage begründete ihr Urteil damit, dass die Vernichtung der Juden ohne deren jahrelange Propagierung nicht möglich gewesen sei. (vgl. Noack, S.357) Somit kann ich Hahn in Bezug auf seine Aussage, dass die Leser des „Stürmer“ eine „negative Auslese“ bzw. eine „Minderheit im Volk“ darstellen, nicht zustimmen. Meines Erachtens war die Voraussetzung eines solchen Urteilsspruchs, eine wesentlich größere Beachtung des „Stürmers“ in der deutschen Öffentlichkeit.
  • 97 vgl. Hahn, S. 114
  • 98 Bytwerk, S. 55
  • 99 Bytwerk, S. 56
  • 100 Hahn, S.150
  • 101 Hahn, S.150
  • 102 vgl. Przyrembel, S.193, siehe Anhang (7.2)
  • 103 vgl. Hahn, S.188
  • 104 vgl. Hahn, S.80
  • 105 Bernhardt, S. 26
  • 106 Feldman, S.2