Urlaubsreise nach Riga/Lettland

I. Urlaubsvorbereitungen

Studien- und Informationsreisen zu Stätten der Verfolgung und Gedenkorten vertiefen und aktualisieren immer wieder das Wissen um die Verbrechen des Nationalsozialismus und halten auch die Erinnerung an die Opfer wach. Der authentische Ort schafft Betroffenheit und macht Geschichte in gewisser Weise erfahrbar. Mit einer guten Organisation und sachkundiger Leitung sind solche Reisen sehr oft unkompliziert und ein Gewinn. Aber nicht immer hat man die Zeit und die Möglichkeit, mit speziellen Reisen solche Orte zu besichtigen.

Aber auch dann muss man nicht auf einen Besuch ganz verzichten. Eine Alternative bietet eine „normale“ Urlaubsreise, mit der man den Besuch von Gedenkstätten verbindet. Eine solche Reise zu Stätten der Verfolgung erfordert mehr Aufwand, und das Gelingen ist nicht so selbstverständlich wie bei einer „professionellen“ Studien- und Informationsreise. Aber sie lohnt sich schon. Denn einen mehr oder minder intensiven Eindruck von den Gedenkstätten erhält man dabei doch und überdies ist eine solche Reise ein guter Anlass, sich näher mit der Geschichte der Stätten der Verfolgung und den Opfern zu beschäftigen.

So machten sich im Sommer 2017 der stellvertretende Vorsitzende unseres Fördervereins Joachim Hennig und seine Frau auf zu einer Urlaubsreise der besonderen Art. Ihr Reiseziel war das Seebad Jurmala, etwa 20 Kilometer von Riga, der Hauptstadt Lettlands, entfernt.

Karte von den baltischen Staaten heute

Riga – da war doch etwas. Den beiden ging es wie wohl vielen, die sich für die Gedenkarbeit interessieren. Man hat von diesem entfernten, im Osten – und Norden (die Letten lassen sich lieber zum Norden rechnen) – Europas gelegenen Ort und seiner jüngsten Geschichte nur eine schemenhafte Vorstellung. Es ist nicht allein die Entfernung, die die Erinnerung an die Verfolgungsgeschichte in der Zeit des Nationalsozialismus undeutlich erscheinen lässt. Da „wir Deutschen“ uns einfacher und intensiver mit der NS-Zeit bei uns vor Ort und im damaligen Deutschen Reich beschäftigen (können), haben wir die Stätten der Verfolgung und die Verfolgten außerhalb „unseres“ Landes gar nicht oder nur unscharf im Blick. Sie sind uns fremder, weil uns bisweilen der geschichtliche Zusammenhang und die Kultur des Landes und die Menschen unbekannt und wir insgesamt keine Berührungspunkte zu dem Geschehen dort und damals haben. Oft kommt hinzu, dass das Gedenken an die NS-Zeit im Ausland längst nicht die Bedeutung, den Umfang und die Tiefe hat wie bei uns. Unsere Erinnerungskultur ist schon hoch entwickelt, ziemlich einmalig – vor dem Hintergrund unserer Geschichte allerdings auch bitter nötig.

Zu Riga und Lettland insgesamt ist es anders, könnte es anders sein. Denn dort wurden in den Jahren 1941 bis 1945 fast ausschließlich Menschen jüdischer Herkunft verfolgt, und dies waren einheimische Juden und zu einem beträchtlichen Teil auch Juden aus dem damaligen Deutschen Reich. Immerhin erfuhren sie hier bei uns im letzten Jahr (2016) und  gegenwärtig (2017) eine gewisse Aufmerksamkeit bei der Erinnerung an die ersten Deportationen von Juden aus dem Westen vor 75 Jahren. Denn die Transporte gingen schon sehr bald nach Riga. Während Juden aus dem Westen (u.a. aus Luxemburg, Trier und Umgebung, Frankfurt am Main und Berlin) mit den ersten Deportationen Mitte Oktober bis Anfang November 1941  in das Ghetto von Lodz/Litzmannstadt im „Reichsgau Wartheland“ verschleppt wurden, begann die zweite Deportationswelle Anfang November 1941 mit Transporten nach Minsk in Weißrussland und setzte sich dann Ende November 1941 mit Deportationszügen nach Riga fort. Aufmerksamkeit in der historischen Forschung erfuhren diese Deportationen auch deshalb, weil die Verschleppten sofort vor Ort ermordet wurden. Sie gehörten – nach den nach Minsk Deportierten – zu den ersten deutschen (und österreichischen) Juden (sog. Reichsjuden), die massenhaft ermordet wurden. Zwar waren schon sehr bald nach dem Überfall auf Polen und dann auf die Sowjetunion Juden ermordet worden, doch waren das Einheimische – und eben nicht „Reichsjuden“. Das ist insoweit aus historischer Sicht sehr bemerkenswert, weil diese Massenmorde in Riga acht Wochen vor der „Wannseekonferenz“ am 20. Januar 1942 stattfanden.

Karte von Lettland mit den einzelnen historischen Regionen  (Quelle: Wikipedia)


Wenn auch keine Juden aus Koblenz und Umgebung nach Riga verschleppt wurden, so bestand aus den genannten Gründen doch genügend Anlass, sich mit diesen Deportationen und der (Verfolgungs-)Geschichte der Juden in Lettland näher zu beschäftigen. Die Gelegenheit bot – wie gesagt – die Urlaubsreise in das Seebad Jurmala bei Riga.

Natürlich musste sie besonders vorbereitet werden. Über die übliche Reiseliteratur hinaus beschäftigten sich die beiden mit der sehr wechselvollen Geschichte Lettlands und der Menschen dort im 20. Jahrhundert. Hilfreich für die Entdeckungstour auf eigene Faust waren die Beiträge von Franziska Jahn in der Reihe „Der Ort des Terrors“ und die umfangreiche Darstellung des deutsch-lettischen Arztes und Zeitzeugen Bernhard Press. Eine gute Ergänzung brachte dann noch der Sammelband „Die Vernichtung der Juden in Lettland 1941 – 1945“, der in der Gedenkstätte für das Rigaer Ghetto vor Ort erworben werden konnte. Für die Darstellung der einzelnen Deportationszüge war dann noch das Buch von Gottwaldt/Schulle über die „Judendeportationen“ sehr hilfreich. Auf die Literatur wird am Ende dieses Beitrages noch einmal exakt verwiesen.

II. Juden in Lettland

Die Juden in Lettland, die urkundlich zum ersten Mal im Jahre 1536 erwähnt wurden, hatten fast immer einen schweren Stand. Ihr Schicksal war Jahrhunderte lang von Russland geprägt. Als das Gebiet des heutigen Lettland im 18. Jahrhundert zum Zarenreich kam, übertrugen die russischen Machthaber ihre traditionell feindselige Haltung gegenüber den Juden und ihre diskriminierende Rechtsordnung auf die dortige Bevölkerung. So durften die Juden nur in einem bestimmten Gebiet, dem so genannten Ansiedlungsrayon, wohnen und dort Land erwerben. Trotz dieser Benachteiligungen und auch Pogrome brachten es zahlreiche Juden in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts zu Wohlstand. Sie gehörten zur rasch anwachsenden Oberschicht, waren reiche Fabrikanten und Unternehmer. Jüdische Domänen waren auch Handwerke wie Hutmacher, Juwelier oder Schuhmacher. Der Wohlstand förderte ein lebhaftes kulturelles Leben mit eigenen Schulen, Krankenhäusern und Gesellschaften. Die meisten Juden lebten in den Städten, vor allem in Riga. Wie bei vielen Einwohnern Rigas und der Städte der Region Kurland war auch bei den Juden die Muttersprache deutsch. Zudem kultivierten die Gebildeten und Reichen unter ihnen das Deutsche wegen der geschäftlichen Beziehungen zum Deutschen Reich und der Teilhabe an der deutschen Kultur.

Um 1900 lebten etwa 140.000 Juden in Lettland, etwas mehr als 6 Prozent der Gesamtbevölkerung. Bis zum Ersten Weltkrieg stieg ihre Zahl durch Zuwanderer, die vor Pogrome in Russland im Baltikum Zuflucht suchten. Kaum hatten die jüdischen Gemeinden diese Flüchtlinge integriert,  waren sie selbst von Deportationen betroffen. Unter dem Vorwurf der Deutschfreundlichkeit und der Spionage für die Deutschen verschleppten die Russen ca. 40.000 kurländische und litauische Juden in das Innere Russlands. Nur ca. 12.000 Juden überlebten und kehrten später nach Lettland zurück.

III. Erste Republik Lettland (1918 – 1940)

Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges, also vor 100 Jahren, wurde die erste Republik Lettlands gegründet. Zu dieser Zeit hatte das Deutsche Reich den Krieg verloren und auch den Waffenstillstand geschlossen. Deutsche Soldaten standen aber noch in Lettland. Auf Druck der Alliierten arbeiteten sie zusammen mit der Armee der lettischen Übergangsregierung gegen die Bolschewiken. Der lettischen Armee gelang es, - zunächst noch zusammen mit den deutschen Truppen - die Bolschewiken zu schlagen. In weiteren Kämpfen konnten die Letten auch noch die  Deutschen, die ihr Land zu einem Deutschland untertänigen Herzogtum machen wollten, besiegen. Der Unabhängigkeitskrieg endete im Sommer 1920 mit einem Friedensvertrag zwischen Lettland und Russland, mit dem Russland jegliche Ansprüche gegen Lettland „bis in alle Ewigkeit“ aufgab. Deutsch-baltische Großgrundbesitzer wurden rigoros enteignet, Tausende von ihnen verließen daraufhin Lettland.

Die junge lettische Republik brachte für die knapp 100.000 Juden (fast 5 Prozent der Gesamtbevölkerung) eine gewisse Blüte. Riga, in dem fast die Hälfte der Juden Lettlands lebte, wurde ihr politisches, kulturelles und soziales Zentrum. In dem durch den Ersten Weltkrieg verwüsteten Land sorgten jüdische Unternehmer und Bankiers für den raschen Aufbau von Industrie und Handel. Durch ihre Vermittlung floss viel – vorwiegend jüdisches – Kapital aus den USA, Deutschland, Großbritannien, Schweden u.a. in die lettische Industrie. Sehr viele Ärzte, fast alle Zahnärzte und auch zahlreiche Wissenschaftler und Künstler, vor allem Musiker, waren jüdischer Herkunft. Die Verfassung garantierte allen Minderheiten vollkommene Gleichberechtigung, kulturelle Autonomie und Religionsfreiheit. Allerdings war den Juden eine Beschäftigung im Staatsdienst und in staatlichen Unternehmen fast vollständig verschlossen. Im Jahre 1925 gab es unter 5.921 Beamten nur 21 Juden. Von 4.316 Polizisten in Riga war ein einziger Jude, dem – wie erzählt wurde -, wenn er durch die Straßen ging, die Leute nachliefen, um ihn zu bestaunen.

Auch trübte der bald verhüllte, bald offene Antisemitismus das soziale Klima des Landes. Viele Studenten waren nationalistisch, Minderheiten gegenüber feindlich und antisemitisch eingestellt. Die Universität in Riga wurde eine Hochburg des Antisemitismus. 1932 fanden sich chauvinistisch-antisemitische Kräfte in der Organisation Ugunskrusts („Feuerkreuz“) zusammen. An ihrer Spitze stand ein gewisser Gustavs Celmins. Er hatte schon Jahre zuvor den Lettischen Nationalklub (LNK) gegründet und den Antisemitismus in Lettland organisiert. Die Aktionen des Klubs reichten vom Boykott gegen jüdische Geschäfte bis zu Anschlägen und Terrorakten gegen Juden. Nach dem Verbot des LNK und dann auch des Ugrunskrusts gründete Celmins die Organisation Perkonkrusts („Donnerkreuz“). Als Pendant zu Hitlers NSDAP war ihr Emblem ebenfalls ein Hakenkreuz. In ihrem Parteiprogramm stand der Antisemitismus an vorderster Stelle. So rief der Perkonkrusts etwa dazu auf, „die Juden zu verprügeln“, um sie so zu zwingen, Lettland zu verlassen. Der Antisemitismus war inzwischen gesellschaftsfähig geworden. Auch die Deutsch-Balten übernahmen vermehrt den Antisemitismus aus Hitler-Deutschland.


Verschärft wurde die Situation noch durch den Staatsstreich des langjährigen Ministerpräsidenten Karlis Ulmanis. Dieser war 1934 mit Hilfe der Armee und der Aizsargi – einer paramilitärischen Organisation – Staatsoberhaupt Lettlands geworden, hatte alle politischen Parteien aufgelöst und verboten. Wenn auch er selbst und seine Regierung keine (dezidierten) Antisemiten waren, so erklärten sie doch Lettland zum Land der Letten und diskriminierten die Juden und Angehörige anderer Minderheiten. Dabei war Lettland auch noch Mitte der 1930er Jahre ein Mehrvölkerstaat. Von knapp 2 Millionen Einwohnern waren ihrer ethnischen Herkunft her 75 Prozent Letten, 10 Prozent Russen, 5 Prozent Juden, 3 Prozent Deutsche, außerdem lebten in Lettland Polen, Litauer und Esten. Nicht unerwähnt bleiben soll aber auch, dass Lettland wiederholt jüdische Flüchtlinge aus dem Deutschen Reich und aus den von Deutschland besetzten Nachbarländern aufnahm.

Bei diesem Bevölkerungsgemisch und angesichts der autoritär-chauvinistischen Politik der lettischen Regierung war die Stimmung in der Bevölkerung bei Ausbruch des Zweiten Weltkriegs am 1. September 1939 sehr unterschiedlich. Ein Teil der Juden bereitete sich auf die Auswanderung, insbesondere nach Palästina, vor. Andere sahen den Überfall Hitler-Deutschlands auf Polen mit großer Sorge und erhofften sich Schutz durch die Sowjetunion. Anlass hierfür war auch das am 5. Oktober 1939 zwischen Lettland und der UdSSR (allerdings auf deren starken Druck hin) geschlossene „Beistands- und Stützpunktabkommen“. Wieder andere waren gleichgültig bis sorglos. Hitler-Deutschland, das seit langem auf einen Krieg gegen die Sowjetunion hingearbeitet hatte, siedelte übrigens noch etwa 50.000 Deutsch-Balten in den inzwischen nach dem Polenfeldzug annektierten „Reichsgau Wartheland“ um.

Bei manchen verloren die Sowjets an Sympathie durch den finnisch-russischen Krieg (auch Winterkrieg genannt) 1939/40 und die Misserfolge der Roten Armee dabei. Die UdSSR hatte für sie den Ruf eines „Riesen auf tönernen Füßen“. Andererseits bemühte sich die sowjetische Regierung, den Eindruck eines Aggressors zu vermeiden. So hatten die Außenminister von UdSSR und dem Deutschen Reich Molotow und Ribbentrop am 23. August 1939 einen Nichtangriffspakt („Hitler-Stalin-Pakt“) geschlossen. Noch im Mai 1940 erklärte Molotow im Obersten Sowjet, von Seiten der UdSSR drohe der politischen Unabhängigkeit der baltischen Staaten keine Gefahr.

IV. Okkupation durch die UdSSR (1940 – 1941)

Tatsächlich enthielt der „Hitler-Stalin-Pakt“ aber ein geheimes Zusatzprotokoll. Das gestattete der Sowjetunion „für den Fall einer territorial-politischen Umgestaltung“, die im Ersten Weltkrieg verlorenen Territorien des Russischen Kaiserreichs wiederzugewinnen. Das Protokoll erklärte Ostpolen, Finnland, Estland und Lettland zur sowjetischen Interessensphäre, Westpolen und Litauen zur deutschen. Als dann im Mai 1940 die Deutsche Wehrmacht im sog. Westfeldzug Luxemburg, Belgien und Holland überfiel, marschierte die Rote Armee einen Monat später in Lettland ein. Einen weiteren Monat später wurde das Land völkerrechtswidrig in die Sowjetunion eingegliedert.

Manche Juden begrüßten die Okkupation, denn die Jahre, ja Jahrzehnte lange Diskriminierung hatte für sie persönlich ein Ende. Insbesondere konnten die jungen Juden jetzt Stellen im öffentlichen Dienst einnehmen, die für sie bisher unerreichbar waren. Diese Entwicklung sorgte dafür, dass sich bei vielen Letten das Bild vom Sowjetregime mit dem des Juden verband. Das Bild vom verhassten Sowjetregime verschmolz mit dem Bild des Juden in bevorzugter Stellung zu einer einzigen Vorstellung: zu der des jüdischen Kommunisten.    

Wer dieses Bild verinnerlicht hatte, nahm die Realität um sich herum nicht mehr wahr. Dazu gehörte, dass jüdische Parteien und Studentenvereine sowie zionistische Organisationen verboten und jüdische Schulen, das jüdische Theater sowie jüdische Bibliotheken geschlossen wurden. Das religiöse Leben wurde erschwert und die wirtschaftliche Lage der Juden verschlechterte sich. Die Fabriken, Banken, Druckereien und sonstige privaten Betriebe jüdischer Inhaber wurden - wie alle Privatunternehmen - verstaatlicht. Auch machten die Russen bei der Deportation keinen Unterschied. Bei dem Massentransport der lettischen Bevölkerung in der Nacht zum 14. Juni 1941 wurden 14.476 Menschen, davon 9.926 in entlegene Gebiete der UdSSR verschleppt. Unter ihnen waren schätzungsweise 5.000 Juden (in den erhaltenen Archivakten sind 1.771 Juden erwähnt, es waren aber mit Sicherheit mehr.). Viele männliche Deportierte kamen in „Arbeitsbesserungslager“.  Gegen sie alle strengten die Sowjets als „sozial gefährliche Elemente“ Prozesse an. Den früheren Eigentümern von Fabriken, Banken, Geschäften, Sägewerken u.a. machte man eben diesen Besitz zum Vorwurf. Andere wurden als Mitglieder zionistischer Organisationen und jüdischer Parteien wegen „konterrevolutionärer Tätigkeit“ verurteilt. Allen drohte lange Lagerhaft. Sie wurden dann nach dem Zweiten Weltkrieg „amnestiert“ und nach Lettland zurückgeschickt.

V. Besetzung durch das Deutsche Reich (1941 – 1945)

1. Erste Übergriffe und Morde

Nur wenige Tage nach der Massendeportation in der Nacht zum 14. Juni 1941 begann der Überfall Hitler-Deutschlands am 22. Juni 1941 auf die Sowjetunion („Unternehmen Barbarossa“). Sofort räumte die Rote Armee Lettland. Unter den Flüchtenden waren auch viele Letten. Der Grund für sie war ganz überwiegend ihre Zusammenarbeit mit den Sowjets während deren einjähriger Okkupation. Auch schätzungsweise 15.000 Juden verließen Lettland, bei ihnen kam noch die Angst vor dem Antisemitismus der Nationalsozialisten dazu.

Noch ehe die deutschen Besatzer die Macht in Lettland insgesamt übernahmen und ehe sie lettische Freiwillige und Organisationen für ihre Verbrechen an den Juden gewinnen konnten, begannen diese von sich aus mit Jagden auf ihre jüdischen Mitbürger. Bei diesen Organisationen handelte es sich um mehrere Verbände/Einheiten, die sich auf freiwilliger Basis zusammengefunden hatten, bewaffnet und die da und dort auch in wechselnder Besetzung aktiv waren.

Eine frühe und wichtige dieser Organisationen waren die lettischen Selbstschutzkräfte (lett.: pasaizsardzibas speki). Sie hatten sich schon vor dem Überfall Hitler-Deutschlands auf Lettland und die UdSSR gebildet. Geleitet wurden sie vorwiegend von ehemaligen Offizieren der lettischen Armee und den Anführern der paramilitärischen nationalistischen Aizsarge-Organisation. In ihnen waren alle Schichten der lettischen Bevölkerung vertreten: Bauern, Arbeiter, Studenten, Intellektuelle und Berufsoffiziere. Nach dem Rückzug der Roten Armee im Juni 1941 drangen sie in größeren und kleineren Städten und auch auf dem Land in jüdische Häuser ein, raubten sie aus, vergewaltigten und verprügelten die Bewohner.  

In Riga begannen die massiven Übergriffe am 1. Juli 1941, am Tag, als die deutschen Soldaten in Riga einmarschierten. In der anschließenden Nacht hatte ein Hausmeister das Polizeirevier benachrichtigt, dass in „seinem“ Haus Juden lebten. Daraufhin fuhren bewaffnete Studenten in Couleur mit Taxis vor, jagten 36 Bewohner auf die Straße und erschossen sie an Ort und Stelle. Dann fuhren sie mit den Taxis wieder weg. Es war der Beginn eines entfesselten, hemmungslosen Mordens, das drei Jahre lang anhielt und dem der ganz überwiegende Teil der lettischen Juden zum Opfer fiel. Die Zahlen dazu – wie auch andere Zahlen über die Morde – werden in der Literatur zum Teil sehr unterschiedlich angegeben. Sie beruhen zum überwiegenden Teil nur auf Schätzungen und werden hier mit allem Vorbehalt genannt, um die Größenordnungen zu verdeutlichen. Danach wurden zwischen 70.000 bis 80.000/85.000 lettische Juden ermordet.  

Am 2. Juli begannen Freiwillige unter Leitung des Rigaer Polizeipräsidenten mit der Suche nach Juden, der Durchsuchung ihrer Wohnungen, dem Verprügeln deren Bewohner und der Wegnahme ihrer Wertsachen. An diesen Aktionen waren maßgeblich Mitglieder des Kommandos Arajs beteiligt. Sie verschleppten die Festgenommenen in den Keller eines ehemals jüdischen Hauses. Dies hatte die Organisation Perkonkrusts zu ihrem Hauptquartier gemacht und es war es dann auch für das Kommando Arajs.

Benannt war das Kommando nach ihrem Anführer Viktors Arajs. Arajs war Jurist und hatte zunächst vor allem junge Leute um sich geschart. Die ersten einhundert waren Schüler, Studenten, auch Berufspolizisten und Berufssoldaten. Arajs sah seine Aufgabe darin, den deutschen Besatzern bei der Vernichtung der Juden und sonstiger „unerwünschter Personen“, wie Anhängern der Sowjetunion, Linken usw. zu helfen. Arajs späterer Darstellung zufolge rückte er am 1. Juli 1941 mit 500 Mann in Riga ein und erstattete dem SS-Führer Walter Stahlecker im Polizeipräsidium einen Lagebericht. Daraufhin antwortete Stahlecker: „Weitermachen im selben Geist.“ In einer Anzeige in einer Zeitung vom 4. Juli 1941 suchte das Kommando Freiwillige. In ihr hieß es:

„Alle national denkenden Letten, Mitglieder des Perkonkrusts (der bereits erwähnten faschistischen Organisation), Studenten, Offiziere, Aizsargi (…..) u.a., die sich aktiv an der Säuberung unseres Landes von schädlichen Elementen beteiligen möchten, können sich zwischen 9 Uhr und 11 Uhr und von 17 Uhr bis 19 Uhr bei der Leitung des Sicherheitskommandos in der Valdemara Straße 19 melden.“  

Anfangs hatte das Kommando ca. 300 Mitglieder, später mehr als 1.000. Es nahm an vielen Massenmordaktionen teil. Man schätzt, dass seine Mitglieder 26.000 Morde in Lettland zu verantworten hatten. Später weitete es seinen Aktionsradius noch aus und war vor allem in Russland und Weißrussland aktiv.

In der Nacht des 1. oder 2. Juli 1941 begannen mit der Ermordung von etwa 100 Juden im Wald von Bikernieki die Massenmordaktionen in den Vororten von Riga. Die Opfer, ausschließlich jüdische Männer, hatte man zuvor in das Zentralgefängnis von Riga (RCC) verschleppt und dort festgehalten. Dann „verlud“ man sie auf Lkws. Dabei wurden schon die ersten im Gefängnishof erschossen. Die anderen brachte man in den Wald von Bikernieki. Dort hatten bereits sowjetische Kriegsgefangene Gruben ausgehoben. An den Morden waren vor allem Arajs-Leute beteiligt. Sie achteten sehr genau darauf, dass ihre Opfer an der Kante zu den Gruben Aufstellung nahmen und dann nach den Schüssen auch in die Gruben fielen. Noch während einer solchen Aktion oder danach gab es für die Todesschützen Wodka und einen kleinen Imbiss. Manchmal waren sie so betrunken, dass sie die Juden „nur“ verletzten. Dann verlängerte sich ihr Leiden qualvoll bis sie aus nächster Nähe und gezielt getötet wurden.

Es folgten weitere dieser Aktionen, bei denen jeweils 200 bis 400 Menschen nachts aus dem Zentralgefängnis mit Lkws oder Bussen in den Wald verschleppt und dort ermordet wurden. In den ersten beiden Wochen des Monats Juli kamen auf diese Weise etwa 2.300 Juden um. Im gesamten Monat Juli gab es etwa 10 solcher Mordaktionen, also etwa zwei Aktionen pro Woche. Ende August 1941 waren etwa 6.000 Männer erschossen.

 



Heute sind die Mordstätten im Wald von Bikernieki noch vorhanden und als eine Gedenkstätte ausgewiesen. Sie ist von der Straße „Bikernieki iela“ erreichbar. Allerdings muss man schon aufpassen. Denn der Weg zur Gedenkstätte ist nicht ausgeschildert, auch fehlt ein Parkplatz. Die Gedenkstätte kann auch mit dem Bus Nr. 16 oder wohl auch mit den Trolley-Bussen Nr. 14 und 18 erreicht werden. Haltestelle is „Bikernieki“. Am Eingang eines Stichweges von der Straße zur Gedenkstätte befindet sich in Form eines Grabsteins ein Hinweis auf die Mordstätte. Der Stein trägt eine Inschrift auf  Lettisch und Englisch sowie teilweise auf Deutsch. Der Weg führt dann einige hundert Meter gerade in den Wald und endet auf einer kleinen Anhöhe in einer Senke. An diesem Eingang und an anderen Stellen, in denen Wege auf die Senke führen, markieren schmale Steinsäulen (Stelen) diese Stelle. Auf diesen Stelen sind ein Davidstern und die Jahreszahlen 1941 – 1944 eingemeißelt. Schon auf dem Weg zu dieser Senke und dann auch von ihr weg sind an Bäumen rote Pfeile auf weißem Grund angebracht. Sie markieren Pfade durch den Wald und sollen offenbar zu den dort entdeckten Massengräbern führen.

Wie erst nachträglich festgestellt und bei dem Besuch der Gedenkstätte nicht gefunden wurde, gibt es an dieser Gedenkstätte auch einen zentralen Gedenkplatz. Die Anlage besteht aus einem torähnlichen Monument. In seinem Innern steht ein Gedenkstein, auf dessen Seiten es auf Hebräisch, Russisch, Lettisch und Deutsch heißt:
„ACH ERDE, BEDECKE MEIN BLUT NICHT, UND MEIN SCHREIEN FINDE KEINE RUHESTATT!“
– (Ijob 16,18 LUT)
Umgeben ist die torähnliche Anlage mit Gedenkstein von etwa 5.000 Stelen aus ukrainischem Granit in grober Struktur und unterschiedlicher Größe und Farbe. Fotos dieses zentralen Gedenkplatzes findet man HIER

 

Bikernieki: Denkmal


Das war ein Phänomen, das die Besucher der Gedenkstätten in Riga immer wieder machten. Man „versteckte“ diese Gedenkstätten und die Stätten ihrer Verfolgung mitsamt ihrer Geschichte. Sie waren meist nur schwer auffindbar. Dann war die Information sehr dürftig, es fehlte jegliches Informationsmaterial zum Mitnehmen. Die gleichwohl spärlich gegebenen Hinweise waren unvollständig und meist desinformierend. Denn weder in der Gedenkstätte im Wald von Bikernieki noch an einer anderen, die besucht wurde, wird klar herausgestellt, dass die tausenden dort ermordeten Opfer ganz überwiegend jüdischer Herkunft waren. Es werden gar keine Opfergruppen erwähnt. Verschleiernd heißt es sinngemäß immer, es seien heldenhafte Sowjetbürger gewesen. So wird eine falsche Geschichte erzeugt und die Opfer werden  ein zweites Mal diskriminiert. Denn die dort Ermordeten waren zum Großteil keine Sowjetbürger. Es waren jüdische Letten und – wie noch darzustellen sein wird – (reichs)deutsche Juden. Sie hatten noch nicht einmal größere Sympathien für die vorherige Besatzungsmacht Sowjetunion, denn sonst wären sie mit der Roten Armee vor den deutschen Angreifern nach Russland geflüchtet. Sie waren in ihrer ganz großen Mehrzahl auch keine Helden. Denn sie hatten im guten Glauben an das Menschliche und an die Deutschen als dem Volk der Dichter und Denker ihrer Vernichtung keinen Widerstand entgegengesetzt und sich mehr oder minder in ihr „Schicksal ergeben“. Bewusst verschwiegen wird auch der hohe Anteil der lettischen Bevölkerung an diesen Verbrechen an den Juden. Denn ohne die einheimischen Hilfswilligen hätten die deutschen Besatzer nur sehr schwer die Massenmorde verüben können.

Keineswegs entlastet den lettischen Staat, der nach der Wiedergewinnung der Unabhängigkeit im Jahre 1991 sehr viel Zeit hatte, die Gedenkstätten angemessen zu präsentieren und über die Geschichte korrekt und eingehend zu informieren, dass das Gedenken an diesen Orten schwierig ist. Denn gerade an den Mordstätten wie im Wald von Bikernieki wurden keine baulichen Anlagen errichtet. Der einzige gegenständliche Hinweis auf Tötungen waren die Massengräber. Und diese wurden von der deutschen Besatzung noch kurz vor dem Ende ihrer Schreckensherrschaft in Lettland beseitigt. Dazu mussten jüdische Häftlinge des Konzentrationslagers Kaiserwald ab Mai 1944 die Massengräber wieder öffnen und die Leichen verbrennen. Diese weitgehende Beseitigung der Verbrechensspuren durfte und darf die für die Gedenkstätten Verantwortlichen in Lettland nicht davon abhalten, über diese Verbrechen aufzuklären und der Opfer zu gedenken. Im Gegenteil – alles andere, und damit auch die gegenwärtige Situation, ist eine „zweite Schuld“.
 


 
Dieser Exkurs zur Gedenkstätte im Wald von Bikernieki musste sein. Er zeigt, wie schnell und unvermittelt man auf Schritt und Tritt in Riga und auch in ganz Lettland auf Stätten der Verfolgung trifft und mit welcher Unbekümmertheit und Ignoranz die Geschichte vor Ort verschwiegen oder auch umgebogen und verfälscht wird. Diese Phänomene gibt es auch an vielen anderen Stellen. Darauf wird noch zurückzukommen sein.

Zunächst soll aber über die Anfänge der deutschen Besatzung in Lettland, und gerade in Riga, weiter berichtet werden.

Am 4. Juli 1941 brannten Arajs-Leute die große Choralsynagoge in der Gogolstraße nieder. In ihren Kellern hatten litauische Juden, die vor den deutschen Besatzern aus Kaunas und anderen Städten nach Riga geflüchtet waren, Unterschlupf gefunden. Zu diesen jagte die lettische Polizei noch Juden aus den umliegenden Häusern. Dann steckten sie die Synagoge in Brand. Leute an Maschinengewehren umringten die Synagoge und erschossen jeden, der zu entkommen versuchte. Auch wurden heilige Schriften zerrissen und in die Flammen geworfen.

Beteiligt an diesen Aktionen war auch die lettische Hilfspolizei. Ihre Aufstellung in Riga hatten die deutschen Besatzer schon am 1. September 1941 verkündet. Sie stand unter deutscher Aufsicht, rekrutierte sich aber aus Einheimischen. Ihr Leiter wurde V. Skailauks.

Heute stehen von der großen Choralsynagoge in der Rigaer Gogolstraße nur noch Mauerreste und eine Gedenkstätte


Große Choralsynagoge vor der NS-Zeit

 

 

 

Große Choralsynagoge: Mauerreste und Gedenkstätte


Außer der Choralsynagoge gingen fast alle Synagogen in Riga in Flammen auf. Mit ihnen verbrannten Menschen, Thorarollen und Inventar. Die einzige Synagoge, die der Einäscherung entging, war die Peitaus-Synagoge in der Altstadt. Sie anzuzünden wagte man nicht, weil sonst die umgebenden Gebäude, u.a. die Reformationskirche, hätten ebenfalls brennen können. Man schändete diese Synagoge aber, indem man sie als Pferdestall benutzte.

Heute ist die Peitaus-Synagoge die einzige in Riga. Sie liegt versteckt in der Altstadt

Peitaussynagoge

2. Deutsche Besatzungsverwaltung

Im Laufe des Monats Juli 1941 hatten die Deutschen die Besatzung in Lettland und in den anderen baltischen Staaten organisiert. Das war zunächst noch eine Militärverwaltung der Wehrmacht, dann wurde sie aber von einer zivilen Verwaltung abgelöst. Lettland, Litauen, Estland und ein Teil von Weißrussland wurden zum Reichskommissariat Ostland zusammengefasst.

Karte des Reichskommissariats Ostland (große PDF-Karte HIER)

Das war ein gänzlich neues Gebilde. Es unterstand mit dem Reichskommissariat Ukraine dem Reichsministerium für die besetzten Ostgebiete.

Leiter des Reichsministeriums für die besetzten Ostgebiete war Alfred Rosenberg. Rosenberg war ein Baltendeutscher aus Reval und Chefideologe der Nazis. Als Leiter des Reichsministeriums verfolgte er das Projekt der „Germanisierung“ der besetzten Ostgebiete bei gleichzeitiger systematischer Vernichtung der Juden. Nach dem Krieg wurde Rosenberg im Nürnberger Hauptkriegsverbrecherprozess in allen vier Anklagepunkten für schuldig befunden, zum Tode verurteilt und hingerichtet.

 
Alfred Rosenberg



Das Reichskommissariat Ostland wurde am 25. Juli 1941 gebildet. Sein Leiter war Reichskommissar Hinrich Lohse.

 

Hinrich Lohse


Sitz dieser neu geschaffenen zivilen Verwaltungseinheit war bald Riga. Das Kommissariat gliederte sich in vier Generalbezirke, die im Wesentlichen den früheren einheimischen Abgrenzungen entsprachen. Lettland gehörte zum gleichnamigen Generalbezirk. Ihm stand der Generalkommissar für Lettland Otto-Heinrich Drechsler vor, der seinen Sitz ebenfalls in Riga hatte.

Otto-Heinrich Drechsler


Der Generalbezirk wiederum bestand aus sechs Kreisen. Riga-Stadt, Riga-Land, Libau, Mitau, Wolmar und Dünaburg. Die Kreise wurden von  Gebietskommissaren geleitet.

In der Zwischenzeit hatten die deutschen Besatzer erkannt, dass sie mit den Erschießungen wie bisher die „Judenfrage“ nicht, jedenfalls nicht so schnell lösen konnten. Die völlige „Ausrottung“ der Juden war in naher Zukunft nicht möglich, nicht „sinnvoll“. Ein wichtiger Grund dafür waren die Juden selbst. Mit ihren Fähigkeiten und Betrieben ließen sie sich nicht so schnell durch „arische“ Arbeitskräfte ersetzen. In manchen Berufen, wie Glaser, Installateure, Ofensetzer, Schuster u.a., waren praktisch nur Juden tätig. Auf sie konnten die Besatzer nicht verzichten, ihre Arbeitskraft wurde (noch) gebraucht.

Selbst der Leiter der Einsatzgruppe A, der bereits erwähnte Stahlecker, dem Arajs am 1. Juli 1941 im Polizeipräsidium in Riga den Lagebericht erstattet und der ihm geantwortet hatte: „Weitermachen im selben Geist“, schätzte die Situation genauso ein.

Walter Stahlecker

Und dabei war der SS-Brigadeführer und Generalmajor der Polizei Stahlecker mit seiner etwa 1.000 Mann großen Einsatzgruppe A der Heeresgruppe Nord beim Überfall auf die Sowjetunion gefolgt, um im rückwärtigen Frontgebiet Massenexekutionen durchzuführen. Aber auch Stahlecker musste feststellen, dass die NS-Rassenideologie beim „Vernichtungskrieg“ im Osten nicht so schnell umgesetzt werden konnte. Dementsprechend meldete er nach Berlin, „dass eine restlose Beseitigung der Juden nicht durchführbar ist, zumindest nicht zum jetzigen Zeitpunkt, da das Handwerk in Litauen und Lettland zum großen Teil in jüdischen Händen liegt. (…) manche Berufe werden ausschließlich von Juden ausgeübt, und die jüdischen Arbeitskräfte durch litauische und lettische zu ersetzen, ist nicht möglich.“   

Deshalb musste für eine „Übergangszeit“ das Nebeneinander mit den Juden geregelt werden. Das geschah im August 1941 mit den von Lohse erlassenen „Vorläufigen Richtlinien für die Behandlung der Judenfrage“. Mit diesen wurden den Juden und „Mischlingen“ die Kennzeichnung mit dem Davidstern (auf dem Rücken und auf der Brust) und einige Verbote erteilt wie das Benutzen der Bürgersteige und öffentlicher Verkehrsmittel sowie jeglicher Schulbesuch untersagt. Mit Verfügung vom 1. September 1941 bestätigte und verfeinerte der Generalkommissar für Lettland Drechsler noch die Regeln für den Umgang mit Juden. Danach war den Juden so gut wie alles verboten – nur arbeiten durften bzw. mussten sie.

3. Das „Große Ghetto“ und seine Auflösung

Zur gleichen Zeit entwickelte man den Plan eines Ghettos in Riga. Die Initiative ging wohl von führenden Rigaer Juden aus. Sie sahen in ihm eine gewisse Schutzzone vor Übergriffen. An einem Ghetto waren auch die deutschen Besatzer interessiert – allerdings aus ganz anderen Gründen. Ihnen ging es darum, die jüdische Bevölkerung besser zu kontrollieren und zu schikanieren, sie ihres Besitzes zu berauben, sie zu selektieren und zu ermorden.

Die Maßnahmen begannen Ende Juli 1941 damit, dass sich alle Juden registrieren lassen mussten. In ihren Ausweis wurde das Wort Zids (die herabsetzende Bezeichnung für Jude) eingestempelt. Ohne den Davidstern durften sie sich nicht mehr in der Öffentlichkeit zeigen.

Als Ghetto hatten die deutschen Besatzer einige Straßenzüge (letztlich waren es 12 Häuserblocks) auf dem rechten Ufer des Flusses Daugava vorgesehen. Dieser Bezirk hieß seit der Zarenzeit „Moskauer Vorstadt“ und war einer der ärmsten und unhygienischsten Stadtteile von Riga. Er bestand überwiegend aus ein- und zweistöckigen Holzhäusern, von denen viele keine Kanalisation und kein WC hatten. Hier lebten zahlreiche Juden und vor allem ca. 7.000 zumeist russische und polnische Arbeiterfamilien. Sie sollten umgesiedelt werden und etwa 30.000 Juden Platz machen.

 


Lageplan des Ghettos


Ab August 1941 begann der Umzug der Juden in dieses Viertel. Obwohl sie nur wenig von ihrem Hab und Gut mitnehmen konnten, war er sehr beschwerlich, denn sie durften auch dafür nicht die Bürgersteige und auch keine öffentlichen Transportmittel wie Eisenbahn, Bus oder Taxi benutzen. Anfangs standen die endgültigen Grenzen des Ghettos noch nicht fest. So konnte es passieren, dass mancher, der sich beizeiten eine Wohnung besorgt hatte, nochmals umziehen musste, weil diese schließlich doch außerhalb des Ghettos lag. Im Ghetto wurde es sehr eng. Bestenfalls stand für jeden Ghettobewohner eine Wohnfläche von 3 – 4 Quadratmetern zur Verfügung; eine mehrköpfige Familie hatte in der Regel nur ein einziges Zimmer zur Verfügung.

Das Rigaer Ghetto – oder wie man später zu sagen pflegte das „Große Ghetto“ (denn es gab bald noch das „Kleine Ghetto“) -  war eine kleine Stadt in der Stadt. Da die Rigaer Stadtverwaltung jegliche Betreuung des Ghettos ablehnte, mussten die dort lebenden Juden alles selbst organisieren. Dazu hatte sich das so genannte jüdische Komitee gebildet, das die Leitung der jüdischen Angelegenheiten, und damit die Stadtverwaltung für das Ghetto, übernahm.

Im Alltag mussten die Ghettobewohner sehr bald erfahren, dass die Hoffnung, dort vor Übergriffen geschützt zu sein, eine Illusion war. Als die Grenzen des Ghettos festgelegt waren, wurde es mit einem hohen Zaun umgeben. Als Eingang diente ein Ghettotor. Über ihm war eine Tafel angebracht, deren Text ungefähr so lautete: „Juden werden gegen Entgelt abgegeben. Das gilt auch für Wehrmachtsstellen.“ Verlassen durften die Juden das Ghetto praktisch nur zur Arbeit. Bei ihrer Rückkehr wurden sie streng kontrolliert, vor allem nach Lebensmitteln. Dieser Schmuggel wurde immer wieder versucht, weil die den Juden zugeteilten Lebensmittel, gerade auch für die arbeitenden Menschen und die Babys und Kleinkinder, völlig unzureichend waren. Bei den Kontrollen hagelte es dann Prügel von der lettischen Sonderpolizei. Das waren Wachleute mit abgelegten Uniformen der Aizsargs-Truppen oder der alten lettischen Armee mit einer grünen Armbinde mit der Aufschrift „Schutzmannschaften“. Sie waren es auch, die an den Ghettozäunen patroullierten und Ghettobewohner, die dem Zaun nahe kamen, mit vorgehaltenem Gewehr zwangen, ihnen ihre Wertsachen, Uhren usw., herauszugeben. Immer wieder durchkämmte deutsche, lettische und auch jüdische Polizei das Ghetto nach nicht arbeitenden Männern und Frauen. Traf man solche an, wurden sie schwer geprügelt. Bei den Razzien ließen Deutsche und Letten auch manches Eigentum der Juden, das sie in das Ghetto gerettet hatten, mitgehen.

 

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Die meisten Männer und Frauen gingen Tag für Tag zur Arbeit. Am frühen Morgen stellten sich tausende am Ghettotor zu Marschkolonnen auf, wurden von ihren deutschen oder lettischen Aufsehern in Empfang genommen und zogen zur Arbeit. Diese Kolonnen, selbst die einige hundert Mann starken, wurden von nur ganz wenigen Wächtern beaufsichtigt. Die Möglichkeit zur Flucht war gering, denn die Juden wussten nicht, wohin sie in dieser feindlichen Umgebung hätten fliehen sollen.

Wie vorher angekündigt, wurde das Ghetto offiziell  am 23. Oktober 1941 eingerichtet/“eröffnet“ und dies am folgenden Tag bekannt gemacht. Es bestand dann nur noch etwas mehr als einen Monat. Am 30. November 1941 wurde es von dem höchsten Repräsentanten der SS und der Polizei, dem SS-Obergruppenführer, General der Waffen-SS und der Polizei Friedrich Jeckeln „liquidiert“.

Friedrich Jeckeln

Kurz zuvor war Jeckeln von dem Reichsführer SS und Chef der Deutschen Polizei Heinrich Himmler zum Höheren SS- und Polizeiführer (HSSPS) von Russland-Nord und Ostland ernannt und nach Riga versetzt worden. (Zwei Wochen zuvor hatte Jeckeln entscheidenden Anteil an einem Massenmord in der Nähe von Kiew. In nur zwei Tagen hatten dort Einsatzgruppen am 29. und 30. September 1941 in der Schlucht Babyn Jar  33.771 Juden ermordet.). Jeckeln hatte offensichtlich von Himmler persönlich den Befehl erhalten, das Rigaer Ghetto zu „liquidieren“.

Das begann damit, dass um den 27. November 1941 im nördlichen Teil des Ghettos vier Häuserblocks mit Stacheldraht zum „Kleinen Ghetto“ eingezäunt wurden. Für dieses „Kleine Ghetto“ wurden insgesamt ca. 4.400 Männer als arbeitsfähig selektiert. Das war das zukünftige Arbeitslager, dort mussten diejenigen hausen, die bei den Deutschen Zwangsarbeit leisteten. Die anderen Juden blieben im restlichen Teil des „Großen Ghettos“. Von ihnen wurden nochmals etwa 300 Frauen mit Fertigkeiten im Nähen selektiert und dann wenig später in das sog. Frauenghetto gebracht.

Am frühen Morgen des 30. November 1941 trieb man die im nicht selektierten, im „Großen Ghetto“ verbliebenen Juden aus ihren Häusern. Sie mussten sich in Kolonnen zu je eintausend Menschen aufstellen und dann unter strenger Bewachung aus der Stadt herausmarschieren. Kranke, Gebrechliche und Alte wurden in Bussen und Lkws aus der Stadt gefahren. Als Ziel all dieser Menschen hatten die deutschen Besatzer den Wald von Rumbula vorgesehen. Dort sollten alle erschossen und in sechs Massengräbern, die wenige Tage zuvor ca. 300 sowjetische Kriegsgefangene ausgehoben hatten, verscharrt werden.


 
Heute ist das ehemalige Rigaer Ghetto als identifizierbarer Bezirk vorhanden. Die baulichen Anlagen dort geben die authentische Situation von damals aber (zum ganz großen Teil?) nicht mehr wieder. Aus diesem Grunde oder weil man in der Wohnlage kein Ghettomuseum haben wollte, befindet sich das Museum nicht mehr an diesem historischen Ort, sondern vielmehr hinter dem Hauptbahnhof. Dort, ganz in der Nähe des Zentralmarktes, ist es in der „Moskauer Vorstadt“ in der Maskavas 14a (Eingang: Krasta iela) seit dem Jahr 2010 eingerichtet. Bewacht wird das Ghetto-Museum übrigens von „Koblenz“. „Koblenz“ ist ein führender Sicherheitsdienst in Riga und ist Lettisch und heißt so viel wie: „Was glotzst du?“
Im Freien sind dort Informationswände mit Karten, Plänen, Fotos und textlichen Informationen zum Rigaer Ghetto und zur Geschichte der lettischen Juden zu sehen. Ein Blickfang ist ein restaurierter Güterwagen, wie ihn seinerzeit die Deutschen für die Deportation der Juden benutzt hatten. Zu sehen ist auch ein wieder aufgebautes  Holzhaus aus dem Rigaer Ghetto. Dort und in weiteren Räumlichkeiten sind Ausstellungen zu sehen, eine Dauerausstellung und wechselnde Sonderausstellungen. Abgerundet wird die Museumsanlage von einem kleinen Informationsgebäude. Das Ghetto-Museum hat eine Website: http://www.rgm.lv


4. Die Massenmorde von Rumbula

Der Massenmord an den Bewohnern des Rigaer Ghettos verzögerte sich aber. Der Grund dafür war das Eintreffen des ersten Transports deutscher Juden, sog. Reichsjuden, in Riga. Wie eingangs erwähnt, war Riga im Rahmen der zweiten Deportationswelle Zielort zahlreicher Transporte aus dem „Altreich“ u.a. nach Riga.

Für Riga war ursprünglich ein „Kontingent“ von 25.000 „Reichsjuden“ vorgesehen. Die Transporte sollten mit einem Deportationszug am 17. November 1941 von Berlin aus beginnen. Der Transport fand auch statt, er führte aber nicht nach Riga. Auf Wunsch des Reichsssicherheitshauptamtes (RSHA) in Berlin wurde er in das litauische Kaunas (Kauen) umgeleitet. Hintergrund dafür war, dass das „Große Ghetto“ in Riga – wie dargestellt – zu dieser Zeit noch nicht „geräumt“ war und  deshalb die hierher deportierten „Reichsjuden“ nicht im Rigaer Ghetto untergebracht werden konnten. Ebenso war es mit den vier weiteren für Riga vorgesehenen Transporten. Diese Deportationen – aus München vom 20. November 1941, aus Frankfurt/Main vom 22. November 1941, aus Wien am 23. November 1941 und aus Breslau am 25. November 1941 – wurden ebenfalls nach Kaunas (Kauen) umgeleitet und die Menschen dann im Fort IX der historischen Stadtbefestigung von Kaunas erschossen.

Schließlich wurde der sechste für Riga vorgesehene Transport tatsächlich dorthin „verfrachtet“. Das war der am 27. November 1941 von Berlin abgehende Sonderzug mit deutschen Juden (der 7. Osttransport“ von Berlin). Wie alle späteren, insgesamt 20 Transporte, war für ihn Endstation auf dem Rangierbahn von Skirotava, im Südwesten Rigas etwa 12 Kilometer von Stadtzentrum entfernt. Dort traf der Zug in der Nacht vom 29./30. November 1941 ein.

Die Menschen dieser Transporte waren offenbar für Haftorte in Riga und Umgebung vorgesehen – für das „Große Ghetto“ von Riga, für das Konzentrationslager von Salaspils und für den „Gutshof Jungfernhof“ (Jumpravmuiza), dazu später. Doch jetzt, Ende November 1941, war das Ghetto noch nicht geräumt, geschweige denn in einem Zustand, in dem man die „Reichsjuden“ dort unterbringen konnte. Die Lager in Salaspils und Jungfernhof waren noch nicht fertig gestellt.

Daraufhin entschied Jeckeln – offenbar mehr oder minder spontan –  die nicht unterzubringenden „Reichsjuden“ zu ermorden. Um das möglich zu machen, wurde die Ermordung der Juden aus dem Rigaer Ghetto zurückgestellt. Statt ihrer sollten zunächst die „Reichsjuden“ aus dem Deportationszug von Berlin im Wald von Rumbula erschossen werden.

Und so geschah es dann auch. Gegen 8 Uhr des 30. November 1941 wurden 942 Reichsjuden im Wald von Rumbula erschossen. Die ersten Juden aus dem Ghetto Riga, die gegen 9 Uhr in Rumbula eintrafen, mussten deswegen warten.

Nach einiger Zeit wurden die Menschen nach und nach zu den Gruben geführt. Dort hatten sie sich auszuziehen und zuzusehen, wie ihre Angehörigen erschossen wurden. Einige von ihnen verloren dabei den Verstand. Dann mussten die Menschen über die schräg abfallende Seite in die Grube gehen und sich bäuchlings auf die dort schon Liegenden legen. Diese waren oft noch nicht tot, krümmten sich noch und versuchten, sich aus dem Brei von Blut und verspritzter Gehirnmasse zu erheben. Dann schossen Jeckelns Leibwächter sie aus einer kurzen Distanz in den Hinterkopf. Für jedes Opfer war eine Kugel vorgesehen. Kleine Kinder warf man lebend in die Grube. Diese von Jeckeln empfohlene Methode hieß „Sardinenbüchse“.

Die Mörder schossen bis zur einbrechenden Dunkelheit. Da konnte man schon nicht mehr richtig sehen und treffen – zumal die Treffsicherheit unter dem angebotenen und genossenen Wodka litt. So kam es, dass manche Menschen gar nicht oder nicht tödlich getroffen wurden. Aber auch für sie gab es kein Entkommen. Denn die Gruben wurden von lettischen Schutzleuten bewacht, die jeden Überlebenden sofort töteten. In zwölf Stunden dieses Tages ermordeten die SS und lettische Polizei über 15.000 Juden, vor allem lettische aus dem Rigaer Ghetto, aber auch deutsche aus Berlin.    

Mit diesem Massenmord an den Juden aus Riga am 30. November 1941 war das „Große Ghetto“ aber nicht geräumt. Dort befand sich noch etwa die Hälfte der Bewohner. Die etwa 11.000 noch verbliebenen Juden erlitten am 8. Dezember 1941 das gleiche Schicksal wie die anderen am 30. November 1941 zuvor. Auch sie wurden im Wald von Rumbula erschossen.

Bei den beiden Massenmordaktionen in Rumbula wurden etwa 26.000 Juden aus dem Rigaer Ghetto ermordet. Diese Zahl erhöhte sich noch um die etwa 1.000 „reichsdeutschen“ Juden, die am 30. November 1941 vor ihnen erschossen wurden und die ca. 300 russischen Kriegsgefangenen, die die Massengräber zuvor ausgehoben hatten und dann zur Verdeckung der Verbrechen ebenfalls ermordet wurden.

Für Jeckeln hatte dieses Massenmorden im Wald von Rumbula noch ein kleines Nachspiel. Die Ermordung der „reichsdeutschen“ Juden am 30. November 1941 geschah offensichtlich entgegen der von Himmler zuvor erlassenen „Richtlinien“ zur Behandlung der „in das Gebiet ausgesiedelten Juden“. Damals machte Himmler noch einen Unterschied zwischen der „Behandlung“ einheimischer und „reichsdeutscher“ Juden. Während einheimische Juden ohne weiteres zu ermorden waren – und wie es seit Beginn des „Vernichtungskrieges“ gegen die Sowjetunion auch geschah –, war damals die Tötung „reichsdeutscher“ Juden noch nicht „freigegeben“. Zu Massenmorden an „reichsdeutschen“ Juden war es aber schon vor dem 30. November 1941 gekommen, nämlich bei den bereits erwähnten fünf Transporten von Juden nach Kaunas (Kauen) im Fort IX. Die Morde in Kaunas einige Tage zuvor nahm Himmler dann am 30. November 1941 zum Anlass, die Erschießung der in der Nacht vom 29. November in Riga angekommenen Juden zu verbieten. Das Verbot kam indessen zu spät, da – wie erwähnt – die „reichsdeutschen“ Juden bereits am Morgen des 30. November 1941 erschossen worden waren. Deswegen wurde Jeckeln von Himmler nachdrücklich ermahnt, sich an die „geltenden Richtlinien“ zu halten.
 
Nicht unerwähnt bleiben soll in diesem Zusammenhang, dass am folgenden Tag, dem 9. Dezember 1941, noch 500 Juden erschossen wurden. Sie hatten sich bei den Aktionen vom 30. November und 8. Dezember 1941 im „Großen Ghetto“ versteckt, wurden dann aber doch aufgespürt. Sie wurden nicht in Rumbula, sondern auf dem alten jüdischen Friedhof in Riga erschossen.

Heute ist die Mordstätte im Wald von Rumbula ein Gedenkort. Er liegt etwa 15 Kilometer in südöstlicher Richtung vom Stadtzentrum in Riga entfernt. Gut erreichbar ist er mit dem Auto oder auch mit dem Bus. An der Haltestelle Rumbula hält der von Riga nach Salaspils fahrende Bus. Ganz in der Nähe befindet sich der Zuweg zur Gedenkstätte. Dieser ist nicht zu verfehlen, da auf seinem Anfang eine große Plastik errichtet ist, die in die nach Salaspils führende Straße hineinragt. (Bild unten)

 




Gut erreichbar ist die Gedenkstätte auch mit der Eisenbahn auf der Strecke nach Daugavpils. Der Ausstieg ist am Bahnhof Rumbula. Vom Ausstieg auf der rechten Seite geht man zurück in Richtung Riga, biegt dann nach links in ein Wäldchen ab. Nach etwa 300 Metern gelangt man zu einer kleinen Anhöhe und zur Gedenkstätte. Der Zugang über den Bahnhof Rumbula empfiehlt sich für denjenigen, der mit der Eisenbahn die Stätten der Verfolgung aufsucht. Denn die Bahnstation Rumbula liegt nur eine Station entfernt von der Bahnstation Darzini, von wo aus man die Gedenkstätte Salaspils gut erreichen kann.


 

 

 


 

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