Chronologietafel 1933 - 1945

   


1933

30. Januar


Ernennung Hitlers zum Reichskanzler.

01. Februar


Auflösung des Reichstages.

27. Februar


Am Abend brennt der Reichstag in Berlin.

28. Februar


Der greise Reispräsident von Hindenburg erlässt die "Reichstagsbrandverordnung". Diese ermöglicht die "Schutzhaft" gegen politische Gegner der Nazis. Sofort danach werden im ganzen Deutschen Reich tausende Kommunisten verhaftet (vgl. Jakob Newinger). Andere könne fliehen, vor allem ins nahe gelegene Saargebiet (vgl. Familie Hugo Salzmann und Klaus Thielen).

05. März


Reichstagswahlen (NSDAP: 43,9 %).

20. März


Wegen Überfüllung der Gefängnisse wird das erste KZ in Dachau errichtet.

23. März


"„Ermächtigungsgesetz“ –Der Reichstag entmachtet sich selbst

01. April


Reichsweiter Boykott jüdischer geschäfte. Jüdische Juristen werden aus ihren Ämtern verjagt (vgl. Georg Krämer).

07. April


„"Nichtarier“ und „politisch Unzuverlässige” werden vom Beamtenberuf ausgeschlossen; viele junge jüdische Rechtsanwälte verlieren ihre Zulassung. (vgl. Juristenfamilie Brasch, Dr. Walter Brasch).

02. Mai


Zerschlagung der Gewerkschaften.

22. Juni


Verbot der SPD und daraufhin Selbstauflösung der übrigen Parteien.

24. Juni


Die preußische Staatspolizei verbietet die Zeugen Jehovas.

14. Juli


“Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses” – es ermöglicht Zwangssterilisationen. (vgl. Maria K.)

20. Juli


Reichskonkordat – Staatsvertrag zwischen dem Deutschen Reich und dem Heiligen Stuhl.

August


Erste Verschleppung Koblenzer Kommunisten in die Konzentrationslager im Emsland. (vgl. Richard Christ und auch Alfred Knieper).

September


Erste Verhaftungen und Prozesse gegen Kommunisten wegen Hochverrat u.a. (vgl. Klaus Thielen).

11.September


Gründung des "„Pfarrernotbundes“ –Beginn des evangelischen Kirchenkampfes. (vgl. Pfarrer Paul Schneider).


1934

Ende Mai


Entstehen der „"Bekennenden Kirche“.

30. Juni


"„Röhm-Putsch“: Hitler lässt Rivalen in der NSDAP und frühere Gegner ermorden.

02. August


Nach dem Tod des greisen Reichspräsidenten Paul von Hindenburg ist Hitler "„Führer, Reichskanzler und Reichspräsident“; Soldaten und Beamte müssen den Eid auf Hitler persönlich leisten.


1935

01. März


Rückgliederung des Saargebiets an das Reich – Widerständler müssen aus dem Saargebiet weiter fliehen (vgl. Familie Hugo Salzmann).

September


Bericht der Gestapo zur Schönstatt-Bewegung.

15. September


Erlass der "„Nürnberger Gesetze“: das "„Reichsbürgergesetz“ unterscheidet zwischen "deutschblütigen“ Reichsbürgern und rechtlich nicht vollwertigen Staatsbürgern (vor allem Juden); das „Blutschutzgesetz“ verbietet Eheschließungen mit Juden
(vgl. Maria Terwiel) In Ausführung der "Nürnberger Gesetze" werden die letzten jüdischen Beamten aus dem öffentlichen Dienst entfernt (vgl. Georg Krämer).


1936

07. März


Die deutsche Wehrmacht besetzt unter Bruch des Versailler Vertrages das entmilitarisierte Rheinland.

29. März


"Reichstags„wahl“; Zustimmung zu Hitlers Politik mit 99 % Ja-Stimmen.

Mai


Beginn der Sittlichkeitsprozesse gegen katholische Ordensbrüder und Priester wegen Homosexualität. Massive antikirchliche Propaganda. Frühere politische Gegner werden wegen angeblicher Unkorrektheiten in der Amtsführung kriminalisiert, eingeschüchtert und mundtot gemacht (vgl. Wilhelm Guske).

06. Juni


Runderlass des Reichs- und Preußischen Ministers des Innern zur Bekämpfung der "Zigeunerplage“.

Mitte Juli


Beginn des Bürgerkrieges in Spanien; ca. 5.000 deutsche Emigranten kämpfen in den Internationalen Brigaden für die Republik (vgl. Hermann Geisen).

01. August


Hitler eröffnet die Olympischen Spiele in Berlin.

28. August


Massenverhaftungen von Zeugen Jehovas; es folgen u.a. Prozesse vor den Sondergerichten (vgl. Familie Michaelis).

01. Dezember


Die Hitlerjugend (HJ) wird zur Staatsjugend erklärt.


1937

14. März


Die päpstliche Enzyklika „Mit "brennender Sorge“ verurteilt die NS-Kirchenpolitik; Verhaftungswelle unter katholischen Geistlichen.

November


Auflösung der katholischen Jugendverbände (vgl. Hans Renner und Alfons Brands).

14. Dezember


„"Asozialenerlass“ Himmlers: Jeder, der durch sein „"asoziales Verhalten die Allgemeinheit gefährdet“, kann in "„Vorbeugehaft“ genommen und ins KZ verschleppt werden (vgl. Maria K.).


1938

13. März


„"Anschluss Österreichs“: Nach einem Ultimatum marschieren deutsche Truppen unter Jubel in Österreich ein.

Mitte Juni


Die Gestapo nimmt schlagartig Tausende von angeblich „"Asozialen“ fest, die in Konzentrationslager verbracht werden.

05. August


„"Zigeunerschub von der Westgrenze“. Erste Verschleppung von Sinti und Schaustellern aus Koblenz nach Mitteldeutschland; da die Aktion unkoordiniert ist, kehren die Verschleppten bald wieder zurück. (vgl. Daweli Reinhardt und Michael Böhmer).

September


"„Sudetenkrise“. Sie wird beendet mit dem "„Münchner Abkommen“. (Abtretung des Sudetengebietes an Deutschland).

01. Oktober


Deutsche Truppen besetzen das Sudetenland.

07. November


Attentat Herschel Grynszpans auf den deutschen Botschaftsangehörigen vom Rath in Paris.

9./10.November


„"Reichskristallnacht“ der Nazis. Gelenkte Aktion zur Zerstörung von Synagogen und jüdischen Geschäften; bei diesem Pogrom (deshalb heutige Bezeichnung "„Reichspogromnacht“) werden ca. 100 Menschen ermordet, In Koblenz - wie auch in vielen Orten der Umgebung - wird das Innere der Synagoge verwüstet und Geschäfte und Wohnungen jüdischer Mitbürger demoliert (vgl. Eheleute Isidor und Erna Treidel und Juristenfamilie Brasch). Ca. 35.000 jüdische Männer werden verhaftet und die meisten von ihnen in Konzentrationslager verschleppt. (vgl. Familie Arthur Salomon).

15. November


Alle jüdischen Kinder werden von öffentlichen Schulen verwiesen.(vgl. Hannelore Hermann).

08. Dezember


Runderlass Himmlers zur „Bekämpfung der "Zigeunerplage“; er ordnet u.a. die systematische Erfassung und erkennungsdienstliche Behandlung aller „"Zigeuner“ im Reichsgebiet an.


1939

30. Januar


Vor dem „"Großdeutschen Reichstag“ „prophezeit Hitler die Vernichtung der "„jüdischen Rasse“ für den Fall eines künftigen „Weltkrieges.

Mitte März


Nach dem Einmarsch deutscher Truppen in die "„Rest-Tschechei“ entsteht das „Reichsprotektorat Böhmen und Mähren.

23. März


Einmarsch deutscher Truppen ins Memelgebiet.

25. März


Verpflichtung aller Jugendlichen zwischen 10 und 18 Jahren zum Dienst in der HJ.

23. August


Nichtangriffpakt zwischen Deutschland und der Sowjetunion ("„Hitler-Stalin-Pakt“) – mit Geheimprotokollen über die Aufteilung Osteuropas in Interessensphären.

26. August


In-Kraft-Treten der Kriegssonderstrafrechtsverordnung; sie enthält den mit Todesstrafe bewehrten Tatbestand der "„Wehrkraftzersetzung“ (vgl. Pater Franz Reinisch)

01. September


Überfall Deutschlands auf Polen: Beginn des von Deutschland angezettelten II. Weltkrieges; In-Kraft-Treten der Verordnung über außerordentliche Rundfunkmaßnahmen; sie sieht die Todesstrafe vor (vgl. Anneliese Hoevel, Andreas Hoevel, Jakob Newinger) Beginn der "„A-Kartei-Aktion“, in der frühere Gewerkschafter, Sozialdemokraten, Kommunisten u.a. festgenommen und in Konzentrationslager verschleppt werden. (vgl. Alfred Knieper, Johann Dötsch und Carl Vollmerhaus)
Nach Frankreich emigrierte NS-Gegner werden von den Franzosen interniert. (vgl. Friedrich Wolf, Alphonse Kahn und Familie Hugo Salzmann).
Viele von ihnen - wie auch die aus Spanien zurückkehrenden Interbrigadisten - kommen in französische Konzentrationslager (vgl. Hermann Geisen und Ernst Buschmann). Zahlreiche von ihnen werden der deutschen Gestapo ausgeliefert. Sie werden ins Reich verschleppt. Man macht ihnen den Prozess wegen Hochverrats bzw. bringt sie in Konzentrationslager.(vgl. beispielhaft die Familie Hugo Salzmann).

05. September


In-Kraft-Treten der "„Volksschädlingsverordnung“; sie schafft neue Straftatbestände und Strafverschärfungen; die Sanktion ist vielfach die Todesstrafe.

17. Oktober


„Festsetzungserlass des Reichssicherheitshauptamtes: „"Zigeuner und Zigeunermischlinge“ dürfen ihre Wohnsitze nicht mehr ohne Erlaubnis verlassen.

Oktober


Hitler ordnet die „"Euthanasie-Aktion" („T 4-Aktion) an; bei ihr werden ca. 70.000 kranke und behinderte Menschen durch Giftgas ermordet.


1940

01. März


Mit der (ersten) Verhaftung P. Josef Fischers beginnt die Verfolgung von zahlreichen Mitgliedern der Schönstatt-Bewegung.(vgl. P. Josef Kentenich) Auch andere katholische Ordensgeistliche und Priester werden verhaftet und in Konzentrationslager verschleppt. (vgl. Pater Albert Maring).

10. Mai


Überfall Hitler-Deutschlands auf die Niederlande, Belgien und Luxemburg sowie später Frankreich.

16. Mai


"„Mai-Deportation“: Deportation u.a. von 78 oder 79 Sinti aus Koblenz in das von Deutschland besetzte Polen -"„Generalgouvernement“- (vgl. Michael Böhmer).


1941

Januar


Einrichtung der Tötungsanstalt Hadamar bei Limburg; allein dort werden im Rahmen der „"T 4-Aktion“ mehr als 10.000 kranke Menschen vergast.(vgl. Alois Gass und Edmund Zimmer).

März


Hitler erläutert vor hohen Offizieren die Prinzipien der Kriegsführung im Osten: der Russlandfeldzug sei als "„Vernichtungskrieg“ mit barbarischer Härte zu führen.

18. März


Erster Transport Kranker von der Anstalt Scheuern aus in die "„Vernichtung“.
Frühjahr: Bei der „Aktion "Sonderbehandlung 14 f 13“ werden ca. 20.000 keineswegs "„unheilbar kranke“ KZ-Häftlinge „"ausgemustert“ und vergast (vgl. Selma Grünewald).

22. Juni


Deutscher Überfall auf die Sowjetunion ("„Fall Barbarossa“); der Wehrmacht folgen „Einsatzgruppen der SS, die hinter der Front die Bevölkerung drangsalieren und massenhaft ermorden.

Sommer


Einrichtung des Arbeitslagers für Juden in Friedrichssegen bei Lahnstein (vgl. Hilde Emmel).

24. August


Nach einem Protest deutscher Bischöfe wird die "„T 4- Aktion“ eingestellt; später gehen die Morde in vielen Anstalten durch Medikamente oder "verhungern lassen“ weiter.
(vgl. Karl Heinz Spiegel und - für die Sonderproblematik der "Kindereuthanasie" - Willy und Horst Strauß).

15. September


Juden müssen den gelben Stern tragen.

01. Oktober


Juden dürfen nicht mehr aus dem Deutschen Reich auswandern.

11. Dezember


Hitler erklärt den USA den Krieg.


1942

20. Januar


"„Wannsee-Konferenz“ in Berlin: Unter Heydrichs Leitung koordinieren hohe NS-Beamte die "„Ausrottung“ der 11 Millionen europäischen Juden.

17. März


Beginn der Massentötungen von Juden in den Vernichtungslagern im Distrikt Lublin im "„Generalgouvernement” (in Belzec, Sobibor und Treblinka).

22. März


(1.) Deportation von 338 Juden aus Koblenz und Umgebung nach Izbica im Distrikt Lublin. (vgl. Hannelore Hermann und Familie Arthur Salomon).

26. April


Hitler erhält vom Reichstag die Vollmacht, sich bei Ahndung von „Pflichtverletzungen als „"Oberster Gerichtsherr“ über das „formale Recht hinwegzusetzen.

30. April


(2.) Deportation von 105 Juden aus Koblenz und Umgebung wahrscheinlich nach Izbica. (vgl. Jakob van Hoddis).

15. Juni


(3.) Deportation von 342 Juden aus Koblenz und Umgebung nach Izbica.

27. Juli


(4.) Deportation von 79 Juden ins KZ Theresienstadt. (vgl. Georg Krämer und Familie Isaak Hein).

Sommer


Sowjetische Zwangsarbeiter kommen nach Koblenz und Umgebung. (vgl. Warwara T. und Lydia Gritzenko)

Ende August/September


Nach und nach werden die Mitglieder der großen Widerstandsorganisation "„Rote Kapelle“ entdeckt und inhaftiert; es folgen ca. 100 Todesurteile und Hinrichtungen in Berlin- Plötzensee (vgl. Maria Terwiel).

03. September


Die Burg Stahleck bei Bacharach wird "„Umerziehungslager” für fast 200 luxemburgische Schüler. Später werden auch junge deutsche Widerständler auf die Burg Stahleck verschleppt und anschließend in das Jugend-Konzentartionslager Moringen bei Göttingen gebracht. (vgl. Willi Lohner).

16. Dezember


„"Auschwitz-Erlass“: Himmler ordnet die Deportation der „Zigeuner Europas ins KZ Auschwitz-Birkenau an.


1943

31. Januar


Kapitulation der 6. Armee der deutschen Wehrmacht in Stalingrad.

18. Februar


Goebbels verkündet im Sportpalast in Berlin den "„totalen Krieg“.

28. Februar


(5.) Deportation der jüdischen Eheleute Bernd und Hermann ins Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau.

10. März


Deportation von 149 „"Zigeunern“ aus Koblenz und Umgebung ins KZ Auschwitz-Birkenau. (vgl. Familie Karl Reinhardt und Daweli Reinhardt).

16. Juni


(6.) Deportation des jüdischen Rechtsanwalts Dr. Isidor Treidel und seiner Ehefrau Erna ins KZ Theresienstadt. (vgl. Eheleute Isidor und Erna Treidel).

01. Juli


Erlass der 13. (und letzten) Verordnung zum Reichsbürgergesetz: Die deutschen Juden verlieren den Rechtsschutz durch die Justiz und unterstehen nur noch der Polizei; nach ihrem Tod verfällt ihr Vermögen dem Reich.

03. November


"„Erntedankfest“: Ermordung der Juden im „"Generalgouvernement“; allein an diesem Tag werden ca. 40.000 getötet.


1944

März


Einrichtung des KZ-Außenlagers in Cochem.

25. April


(2.) Deportation von „Zigeunerkindern und Jugendlichen“ aus Koblenz und Umgebung ins KZ Auschwitz-Birkenau. (vgl. Familie Hugo W.).

Mai


Festnahmen von Mitgliedern des „"Solf-Kreises“ (vgl. Friedrich Erxleben).

06. Juni


Beginn der alliierten Invasion an der Atlantikküste.

4./5. Juli


Festnahme von Mitgliedern des "„Kreisauer Kreises“ beim Versuch, Kontakt zum kommunistischen Widerstand zu bekommen (vgl. Adolf Reichwein).

20. Juli


Attentatsversuch von Claus Schenk Graf von Stauffenberg.

Ende Juli


Maßnahmen der Gestapo gegen Familienangehörige von Verschwörern des 20. Juli („"Sippenhaft“, vgl. Lina Lindemann).

August


Im Deutschen Reich befinden sich mehr als 7,6 Millionen Zwangsarbeiter, davon sind 1,9 Mill. Kriegsgefangene und 5,7 Mill. „Zivilarbeiter“, allein 2,8 Mill. Sowjetbürger.

2./3. August


„Liquidation des „"Zigeunerlagers“ im Konzentrations- und Venichtungslager Auschwitz- Birkenau.

17. August


Befehl Himmlers zur "„Aktion Gewitter“, einer großen Verhaftungswelle früherer Abgeordneter.(vgl. Helene Rothländer, Maria Detzel und Heinrich Roth).

Ende August


Einrichtung des KZ-Außenlagers "„Rebstock“ bei Dernau an der Ahr. (vgl. Roger Detournay).


1945

27. Januar


Befreiung des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz durch die Rote Armee. (vgl. Elisabeth Müller)

07. März


US-Truppen gelangen über die unzerstörte Rheinbrücke bei Remagen auf die rechte Rheinseite.

Mitte März


Kriegsende und Befreiung vom Nationalsozialismus in Koblenz und Umgebung.

19. März


Hitlers "„Nero-Befehl“ verlangt, alle für die Alliierten nutzbaren Industrie- und Versorgungsanlagen beim Zurückgehen zu zerstören.

21. April


Die Todesmärsche aus den Konzentrationslagern beginnen. (vgl. Johann Dötsch und Daweli Reinhardt).

30. April


Selbstmord Hitlers im Bunker der Reichskanzlei in Berlin.

2. Mai


Die Rote Armee erreicht Berlin.

7./9. Mai


Kapitulation der Deutschen Wehrmacht im US-Hauptquartier in Reims; Wiederholung der Zeremonie im sowjetischen Hauptquartier in Berlin-Karlshorst.