Anna Speckhahn, geb. Blank, verw. Seibel

„Die Jugend sollte wieder mehr im Sinne der Kirche und des christlichen Glaubens erzogen werden.“

Geboren wird Anna am 13. Dezember 1883 in (Dornburg-) Langendernbach/Westerwald. Mit ihrem ersten Ehemann zieht sie nach Koblenz. Später übernehmen sie die Gaststätte „Fort Montalambert“ in der Moselweißer Straße 32 in Koblenz-Rauental. Nach dem frühen Tod ihres ersten Ehemannes heiratet Anna zum zweiten Mal. Die Gaststätte „Fort Montalambert“ wird später verpachtet, Anna bleibt dort aber weiterhin tätig

1933 Bei der Kreisleitung der NSDAP und der Gestapo Koblenz gilt Anna als „politisch unzuverlässig“. Über sie heißt es in den Akten sinngemäß:
Sie ist nicht nur kein Mitglied der Partei und der Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt (NSV), sondern hat sich auch durch Ausreden vor einer Mitgliedschaft in sonstigen Nebenorganisationen gedrückt. Vor der Machtübernahme hat sie der NSDAP ablehnend gegenüber gestanden. Sie besucht keine Veranstaltungen der NSDAP und lehnt die Partei und die Regierung immer noch ab. Sie hat sich wiederholt in staatsfeindlichem Sinne geäußert. Anstoß erregt auch ihr Umgang. Wie Hausbewohner gemeldet haben, ist sie mit einer Jüdin gut bekannt, und diese verkehrt auch bei ihr. Gerichtsverwendbares Beweismaterial konnte jedoch nicht erbracht werden.

Mai 1941
Als Anna in einem Brief ihrer in New York lebenden Schwester ihr Leid über die schlechte Lebensmittel- versorgung während des Krieges klagt, wird dieser von deutschen Stellen abgefangen und ein Ermittlungsverfahren wegen Landesverrats gegen sie und ihren Ehemann eingeleitet. Eine erwogene Anklage vor dem Volksgerichtshof unterbleibt, stattdessen werden beide von der Staatsanwaltschaft Koblenz vorgeladen und verwarnt.

Oktober 1943
Bei einem Schwatz im Milchladen äußert sich Anna kritisch zu dem lockeren Umgang der HJ-Jungen und BDM-Mädel untereinander. Darin sieht sie einen von Staat und Partei geförderten Sitten- und Werteverfall. Diesem stellt sie christliche Werte gegenüber. Sie mahnt, die Jugend wieder mehr im Sinne der Kirche und des christlichen Glaubens zu erziehen. Ein „Naziweibchen“ aus der Nachbarschaft hat mitgehört und verrät sie an die Gestapo.
Eine Freundin schildert ihre Verhaftung:
Ich war bei Frau Speckhahn, als die Gestapo kam. Wir hörten einen ausländischen Sender, als Frau Speckhahn in die Gaststätte gerufen wurde. Sie blieb dort so lange, dass ich wegging. Abends kam ich aber nochmals ins Haus. Auf meine Frage, wer da gewesen sei, sagte sie mir: „Feine Herren, ich soll morgen ins Amt kommen.“ Nichtsahnend ging sie hin. Ich sah Frau Speckhahn noch am Saarplatz. Dann kam sie nicht mehr zurück. Ich erfuhr, dass sie im Karmelitergefängnis war. Ihr Mann erzählte, er hätte ihr die Brille bringen wollen, darauf habe er zur Antwort bekommen: „Sie braucht keine Brille mehr, sie muss jetzt arbeiten.“

10. Dezember 1943 Anna geht von Koblenz aus „auf Transport“ ins KZ Ravensbrück. Dort wird sie am

22. Dezember 1943
eingeliefert. Sie erhält die Nummer 25747 und die Kategorie „politisch“.

4. Februar 1944
Nach einer Mitteilung des Lagers an ihren Ehemann soll Anna dort angeblich an „Altersschwäche“ gestorben sein.

13. März 1944
Für die alsbald übersandte Urne wird in St. Elisabeth das Begräbnisamt gehalten. Danach nimmt der Pfarrer die Urne in seine Hände und sagt leise: Ob das die Frau Speckhahn ist? Nie im Leben!.
Die Urne wird dann in Koblenz auf dem Karthäuser Friedhof beigesetzt.

Das Schicksal von Anna Speckhahn war Anlass für den Pfarrgemeinderat von St. Elisabeth, den „Förderverein Mahnmal für die Opfer des Nationalsozialismus in Koblenz e.V.“ zu initiieren. Auf dessen Initiative hin erinnert seit dem Jahre 2001 ein Mahnmal auf dem Reichensperger Platz an die Opfer des Nationalsozialismus in Koblenz.

 

 

 

 

 

 


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