Gern informieren wir die Besucher unserer Homepage über eine interessante Lesung von Avi Primor am 3. Dezember 2014 um 18 Uhr im Forum Confluentes. Es ist sicherlich ein besonderes Ereignis für Koblenz, dass ein so weit gereister und welterfahrener Diplomat wie Avi Primor, der in den 1990er Jahren u.a. Botschafter des Staates Israel in Deutschland war und Deutschland weiterhin eng verbunden ist, hier seinen neuen Roman vorstellt, der einen gewissen "Schlusspunkt" zu den Veranstaltungen zum Thema "Vor 100 Jahren: Beginn des Ersten Weltkrieges" setzt.

Pressemeldung

Lesung am 03.12.2014, 18:00 Uhr  Stadtbibliothek Koblenz - Forum Confluentes

 

Gemeinsam mit dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V., lädt die Stadtbibliothek Koblenz zur Lesung mit Herrn Avi Primor ein.

Der Eintritt ist kostenfrei, über eine Spende für die Arbeit des Volksbundes würden wir uns freuen.


Avi Primor liest aus seinem neuen Roman, Süß und ehrenvoll

 

Frankfurt am Main, 1914. Bürgersohn Ludwig kann nach Kriegsausbruch seine Einberufung kaum erwarten, obwohl der Dienst an der Front die Trennung von seiner geliebten Karoline bedeutet. Als deutscher Soldat fühlt er sich endlich voll akzeptiert und will sich für sein Vaterland auszeichnen. Bordeaux, ebenfalls 1914.

Der Bäckerssohn Louis wird mit der deutschen Kriegserklärung aus einer unbeschwerten Rekrutenzeit gerissen. Trotz aller Ängste schreibt er stolz seinem Vater, an der Front könne er dem französischen Volk endlich zurückzahlen, was es für ihn getan habe.

Inmitten der Grauen des Ersten Weltkriegs werden die beiden jüdischen Protagonisten einander zum Schicksal werden. Auf der Grundlage zahlreicher historischer Dokumente hat Avi Primor einen Roman geschrieben, der unter die Haut geht - über die erste Liebe, über die Absurdität des Krieges, über die Suche nach Zugehörigkeit.

Eine ergreifende, große Geschichte, wie sie in Deutschland noch niemand zu schreiben gewagt hat.

Avi Primor wurde 1935 in Israel geboren. Er studierte von 1952 bis 1955 Politologie und Internationale Beziehungen an der Hebräische Universität in Jerusalem. Nach dem Militärdienst war er zunächst Botschaftssekretär in Abidjan (Elfenbeinküste), im Anschluss von 1963 bis 1965 Botschafter in Dahomey (heute Republik Benin) sowie von 1965 bis 1969 Direktor für Skandinavische Angelegenheiten im Außenministerium Jerusalem. Von 1969 bis 1975 war Primor Gesandter der Botschaft des Staates Israel in Frankreich und gleichzeitig Sprecher der Israelischen Delegation bei der Friedenskonferenz in Genf (1973).
Er bekleidete danach weitere Ämter und Funktionen, darunter als Sprecher des Außenministeriums und Direktor der Presseabteilung, als Direktor der Abteilung internationale Organisationen, Direktor der Afrika-Abteilung und Stellvertreter des Staatssekretärs des Außenministeriums. Von 1987 bis 1991 war Primor Botschafter, akkreditiert bei der Europäischen Gemeinschaft sowie gleichzeitig beim Belgischen König und beim Luxemburgischen Großherzog und von 1993 bis 1999 Botschafter des Staates Israel in der Bundesrepublik Deutschland. Seit 2008 ist er Mitglied des Hochschulrats der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf und seit März 2010 Präsident der Israelischen Gesellschaft für Außenpolitik.

Bettina Hörter - Bezirksgeschäftsführerin

Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V.

Bezirksverband Koblenz-Trier

Kurfürstenstraße 46

56068 Koblenz

Tel. 0261-1336890

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100. Stolperstein in Koblenz – Verlegung am 13. November 2014

 

Wie wir von Herrn Hans-Peter Kreutz von der Christlich-Jüdischen Gesellschaft für Brüderlichkeit Koblenz erfahren haben, werden am Donnerstag, dem 13. November 2014, wieder „Stolpersteine“ in Koblenz verlegt. Es ist die 9. Aktion des Kölner Gunter Demnig in Koblenz. Demnig hat für den 13. ein umfangreiches Programm vorgesehen, dessen Höhepunkt am Mittag die Verlegung des 100. Stolpersteins in Koblenz auf dem Zentralplatz ist.

Gegen 10.00 Uhr beginnt das Programm Demnigs mit der Verlegung des 1. Stolpersteins in Braubach. In Anwesenheit des dortigen Stadtbürgermeisters und Angehörigen des NS-Opfers wird ein Stolperstein für einen Behinderten und nicht an das NS-Unrechtsregime „Angepassten“ verlegt. Ihm war es gelungen, vor der auch ihm drohenden Verschleppung in eine NS-Tötungsanstalt aus dem „Pflege“heim zu fliehen. Alsbald wurde er aber aufgegriffen und in ein Konzentrationslager verschleppt. Dort kam er – wie man so sagt – um. Angehörige von ihm, der ledig gestorben ist, haben in der letzten Zeit sein Schicksal recherchiert und die Verlegung des 1. Stolpersteins in Braubach organisiert. Sie werden bei der Verlegung auch anwesend sein.

Anschließend kommt Gunter Demnig nach Koblenz und verlegt einen Stolperstein in Metternich, Trierer Straße 248. Als Beginn ist 11.15 – 11.30 Uhr vorgesehen. Dieser Stolperstein erinnert an den jüdischen Arzt Dr. med. Johann (Hans) Reiner. Reiner hat für Juden eine ungewöhnliche Verfolgungsgeschichte und stammt auch nicht aus einer Koblenzer Familie. Geboren wird er im Jahr 1886 in Teplitz/Österreich. Er durchläuft die Ausbildung als Mediziner und kommt als Medizinal- und Regierungsrat nach Koblenz.

Am 29. Juli 1927 eröffnet er seine Arztpraxis in dem damals noch selbständigen Metternich in der Trierer Straße 248. Der jüdischen Kultusgemeinde in Koblenz schließt er sich nicht an. Offenbar steht er der Religion recht fern. Dafür spricht auch, dass er mit der im Jahr 1897 in Sarrebourg/Lothringen geborenen französischen Staatsangehörigen Madeleine, geb. Schmitt, verheiratet ist, sie ist Katholikin. Dieser persönliche und familiäre Hintergrund ist dann offensichtlich Anlass für die Feststellung der Koblenzer Gestapo, „Reiner hat am 21. November 1935 anlässlich seiner 25-jährigen Praxis in der katholischen Kirche in Metternich ein feierliches Amt lesen lassen. Er ist wohl katholisch getauft, aber jüdischer Abstammung.“

Lange bleibt Reiner nicht in Metternich. Er ahnt wohl, was ihm bevorsteht. Denn er wird von der Gestapo überwacht und steht ausweislich eines Vermerks vom 31. Oktober 1935 unter Spionageverdacht. Im Juli 1937 weiß die Koblenzer Gestapo, dass er nach Prag geflohen und Emigrant ist. Diese Flucht hat für ihn noch ein Nachspiel. Denn hierbei soll er ein Devisenvergehen begangen haben. Jedenfalls verurteilt ihn die Strafkammer des Landgerichts Koblenz in Abwesenheit zu einem Jahr und drei Monaten Gefängnis.  

Während der „Sudetenkrise“ – am 4. August 1938 - erwirbt Reiner die tschechische Staatsangehörigkeit. Nach dem „Münchner Abkommen“ (30. September 1938) und der „Zerschlagung der Rest-Tschechei durch Hitler (15. März 1939) arbeitet Reiner in Prag, in dem von Hitler-Deutschland besetzten Tschechien (dem Protektorat Böhmen und Mähren) als leitender Kinderarzt. Aber wohl bald gerät er wieder in das Blickfeld der Gestapo.  Er wird wegen angeblichen „Schleichhandels“ von der Gestapo verhaftet. Diese hält ihn zunächst in ihrem eigenen Gefängnis, dem berüchtigten Prager Gestapogefängnis Pankrác gefangen.

Am 20. März 1945 bringt man ihn in die Kleine Festung Theresienstadt/Terezín, die unter der Bezeichnung „Geheime Staatspolizei, Staatspolizeileitstelle Prag, Polizeigefängnis Theresienstadt“ als Filiale des Prager Gestapogefängnisses firmiert. Die Kleine Festung ist vor allem Haftort für Angehörige des tschechischen Widerstandes gegen die nationalsozialistische Besatzung. Inhaftiert sind dort auch tschechische Politiker und Künstler, Geistliche und Journalisten. Seit 1943 ist die Kleine Festung schließlich Hinrichtungsort für ca. 250 Menschen. Einer von diesen ist Dr. Johannes Reiner. Fünf Wochen nach seiner Einlieferung wird er am 26. April 1945 um 6.00 Uhr morgens hingerichtet. Aller Voraussicht nach wird Reiner als tschechischer Widerstandskämpfer ermordet. Die letzte Exekution in der Kleinen Festung Theresienstadt findet eine Woche später, am 2. Mai 1945, statt. An diesem Tag sind 49 Männer und drei Frauen aus dem tschechischen Widerstand die Opfer.

Die Initiative für die Verlegung dieses Stolpersteins geht von einer Enkelin Dr. Reiners, Frau Christine Müller, aus. Frau Müller hat – soweit das möglich war – das Schicksal ihres Großvaters recherchiert. Sie wird mit ihrer Familie bei der Verlegung des Stolpersteins in Metternich, Trierer Straße 248, anwesend sein und sicherlich einige Worte an die Anwesenden richten.

Von Metternich aus wird die Aktion fortgesetzt auf dem Zentralplatz in der Innenstadt. Dort findet gegen 12.30 Uhr die Verlegung des 97., 98., 99. und 100. Stolpersteins vor dem Forum Confluentes - an der Kreuzung Clemensstraße/ Viktoriastraße – in Anwesenheit des Oberbürgermeisters Prof. Dr. Joachim Hofmann-Göttig und SchülerInnen und LehrerInnen  der Diesterweg- und der Hans-Zulliger-Schule statt.

Die vier Steine erinnern an die Familie Kaufmann, die in der früheren Balduinstraße 37 lebte. Die fünfköpfige Familie lebte seit 1920 in Koblenz und seit 1936 in der Balduinstraße. Der Vater Hermann Kaufmann war gebürtig aus Boppard. Er zog bald in die Schweiz nach Zürich, kehrte aber zu Beginn des Ersten Weltkrieges nach Deutschland zurück, um dafür zu kämpfen. Während des Krieges war er Soldat und wurde mit dem Eisernen Kreuz 1. Klasse ausgezeichnet. Er und seine Frau Hedwig, geb. Abraham, hatten drei Söhne. Die ganze Familie wurde mit der 1. Deportation am 22. März 1942 nach Izbica in das von den Deutschen besetzte „Generalgouvernement“, verschleppt: die Eltern und die beiden jüngeren Söhne Hans Jakob und Ernst, die noch Schüler waren, vom Koblenzer Güterbahnhof in Lützel aus. Der älteste Sohn Alfred (geb. 1922), war ebenfalls in dieser Deportation, die für ihn allerdings seinen Ausgangspunkt in Bendorf-Sayn hatte, wo er Hilfspfleger in der Israelitischen Heil- und Pflegeanstalt war. Der für Koblenz 100. Stolperstein wird für den jüngsten Sohn, den bei der Deportation 11jährigen Ernst, verlegt.

Weitere Informationen finden Sie auf unserem Sub-Portal Stolperstein Aktionen: bitte HIER lesen

 


 

 

 

 

Vortrag unseres stellvertretenden Vorsitzenden Joachim Hennig über Verfolgung und Widerstand im heutigen nördlichen Rheinland-Pfalz.
 
Auf Einladung der Jungen Union Maifeld hält Joachim Hennig am 21. November 2014 um 19 Uhr im Hotel Arosa in Ochtendung einen Vortrag mit Powerpoint-Präsentation zum Thema "Verfolgung und Widerstand 1933 - 1945 im heutigen nördlichen Rheinland-Pfalz". Dabei schildert Hennig eindrücklich zahlreiche Verfolgungsschicksale, gerade auch aus dem Maifeld und Umgebung.

Gäste sind herzlich willkommen

Das Nähere entnehmen Sie bitte dem nachfolgenden Flyer( HIER herunterladen).

 


 

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