Informationen 2017

Koblenz bleibt bunt! Ein Bericht zur Veranstaltung

Ja, Koblenz ist und  bleibt bunt und setzt ein deutliches Zeichen gegen die Rechten jeglicher Couleur - gegen Rechtspopulisten, gegen Ewiggestrige, gegen Nationalisten und gegen Neonazis. Anlass zu der sehr friedlichen und machtvollen Demonstration war am Samstag der Kongress "Freiheit für Europa" der ENF-Fraktion im Europäischen Parlament, zu dem die Führer des rechtsnationalen Spektrums - Marine Le Pen (Frankreich), Geert Wilders (Niederlande) und Frauke Petry (Deutschland) ausgerechnet in Koblenz zusammenkamen, hier  den Schulterschluss für die anstehenden Wahlen im Jahr 2017 suchten, ihr Netzwerk weiter aufbauten und Reden hielten. Von Inhalten dieses Kongresses ist nichts bekannt (zumal viele ihnen "unliebsame" Medien ausgeschlossen waren), es war ein Organsiationstreffen. Es fand wohl nur zufällig statt am Tage nach der 75. Wiederkehr der Wannsee-Konferenz am 20. Januar 1942, auf dem 15 hohe Beamte des Deutschen Reiches unter dem Chef des Reichssicherheitsamtes Reinhard Heydrich (Protokollführung: Adolf Eichmann) in einer Villa am Großen Wannsee in Berlin die Organsiation der "Endlösung der Judenfrage" besprachen.

 
5000 Koblenzer und Menschen aus dem Umland wollten das Feld nicht diesen Scharfmachern und Organisatoren des rechten Spektrums überlassen. Unter dem Motto "Koblenz bleibt bunt" fanden sie alle zusammen in einem breiten gesellschaftlichen Bündnis aus vielen Parteien, Gruppierungen und Einzelpersonen unter Leitung des Deutschen Gewerkschaftsbundes - Region Koblenz. Und sie waren nicht allein. Sie hatten am Straßenrand weitere Sympathisanten und viel  Politprominenz aus dem In- und Ausland an ihrer Seite für ihr bürgerschaftliches Engagement.
 
Bei herrlichem sonnigen und kalten Winterwetter begann die Veranstaltung um 11.00 Uhr auf dem Bahnhofsvorplatz.

Wir dokumentieren sie hier in einer Bilderschau:
 

Die Kundgebung auf dem Bahnhofsvorplatz beginnt. Das Motto ist klar: "Koblenz bleibt bunt" - und die Warnung auch: "Wer in der Demokratie schläft, kann in der Diktatur auf wachen."
 
 
Blick von der Tribüne auf die vielen, vielen Teilnehmer an der Kundgebung
 

Oberbürgermeister Prof. Dr. Joachim Hofmann-Göttig begrüßt die vielen Koblenzer und Gäste. Und der Vorsitzende des DGB Rheinland-Pfalz Dietmar Muscheid weitet den Blick sogleich auf das Weltgeschehen und ergänzt: "Anstatt 'Make America great again' muss die Parole der Weltgemeinschaft heißen 'Make the world better'." - Und: "Vor 1933 haben viel zu viele viel zu lange geschwiegen. Wir wollen nicht, das sich das wiederholt."
 

Ministerpräsidentin Malu Dreyer dankt mit Freude "ihren" Rheinland-Pfälzern: "Ich freue mich, dass Ihr so zahlreich gekommen seid. Aus meiner Sicht ist das die beste Antwort, die man geben kann." - Und kämpferisch: "Und wenn die Rechtspopulisten sagen: 'Wir sind das Volk', dann sage ich: Nein! Sie missbrauchen das Volk!"
 

Großer und langanhaltender Beifall für die Redner, hier für Ministerpräsidentin Malu Dreyer
 

Der rechten Fraktion im Europäischen Parlament bietet die Vizepräsidentin des Europäischen Parlaments Ulrike Lunacek Paroli: "Wir lassen uns die erkämpften Freiheiten in Europa nicht nehmen!"
 

Der luxemburgische Außenminister Jean Asselborn erinnert die Demonstranten an die abermillionen Toten des Zweiten Weltkrieges und daran, dass nationalistische Parolen und Bewegungen dem europäischen Kontinent noch nie etwas Gutes gebracht haben.
 


 

Beim Abschluss der Kundgebung auf dem Bahnhofsvorplatz machen sich die Gewerkschaftsjugend und andere Jugend stark für eine solidarische, friedfertige Gesellschaft als Ziel für die Jugend Europas.

 

Am Rande der Kundgebung: Der luxemburgische Außenminister Jean Asselborn im Gespräch mit dem rheinland-pfälzischen Europaabgeordneten Norbert Neuser
 

Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer ist eine vielgefragte Rednerin der Kundgebung, im Hintergrund der luxemburgische Außenminister Jean Asselborn
 

Nach der Kundgebung auf dem Bahnhofsvorplatz ziehen die Teilnehmer vor die Rhein-Mosel-Halle. Dort ruft der Rgeionalbeauftragte des BUND Egbert Bialk zu einem bunten, toleranten und ökologischen Europa auf.
 

Vor der Rhein-Mosel-Halle spielen Mitglieder der Rheinischen Philharmonie mit einem bunten Blechbläser-Ensemble aus der Stadt die offizielle Hymne der Europäischen Union "Ode an die Freude" von Ludwig van Beethoven - und viele Tausend Menschen singen mit.
 

Von der Rhein-Mosel-Halle bewegt sich der Zug zum Clemensplatz. Dort in unmittelbarer Nähe des Manhmals für die Opfer des Nationalsozialismus in Koblenz findet die Abschlusskundgebung statt. Noch immer sind es Tausende, die für ein buntes Koblenz auf der Straße sind. Sie werden mit dem Motto begrüßt: "Koblenz steht für Zusammenhalt und Frieden in Europa."
 

Die Abschlusskundgebung wird von einer Gruppe Koblenzer Musiker verschiedener Nationen und Kulturen umrahmt. Sie musizieren unter dem Motto: "Für ein solidarisches Europa, gegen Nationalismus und Populismus!"
Es sprechen u.a. die Bundesministerin für Arbeit und Soziales Andrea Nahles, die Bundesvorsitzende von Bündnis 90/Die GRÜNEN Simone Peter und die Stellvertrende Bundesvorsitzende der Partei Die Linke Janine Wissler. .

 

Von Anfang an dabei für Koblenz: Oberbürgermeister Prof. Dr. Joachim Hofmann-Göttig und Staatssekretär David Langner, Kandidat für das Amt des Oberbürgermeisters 2017.
 

Bis zuletzt demonstrieren tausende Bürger für ein demokratisches, weltoffenes, tolerantes und buntes Koblenz in einem ebensolchen Europa.


Zu der Demonstration am 21. Januar 2017 einen Bericht von "Blick aktuell" (Ausgabe Koblenz - Nr. 4/2017 vom 26. Januar 2017)HIER lesen


 

























 









































Veranstaltungen zum Gedenktag an die Opfer des Nationalsozialismus am 27. Januar 2017 ( -2- )


Die Veranstaltungen zum diesjährigen internationalen Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus am 27. Januar 2017 in Koblenz erinnern an jüdische NS-Opfer aus Koblenz und Umgebung, die wegen ihrer Herkunft „nach dem Osten“ deportiert und dort in den Vernichtungslagern ermordet wurden. Anlass ist die 75. Wiederkehr des Beginns der Deportationen am 22. März 1942 vom Güterbahnhof Koblenz-Lützel aus in das Durchgangsghetto Izbica bei Lublin. Das Motto der Ausstellung ist der „Todesfuge“, einem Gedicht des deutschsprachigen Lyrikers Paul Celan, entnommen.

Damals, am 22. März 1942, lagen bereits mehr als neun Jahre der systematischen Ausgrenzung und Vertreibung hinter diesen in Deutschland lebenden Menschen. Aus Nachbarn waren Juden geworden und aus Juden dann keine Menschen, sondern - wie der oberste Parteirichter der NSDAP bereits 1938 sagte – eine „Fäulniserscheinung“. Wer irgendwie konnte, hatte Deutschland verlassen, legal oder illegal, mit oder ohne Besitz. Zurück geblieben waren die Alten, Verarmten und Kranken und alle die, die an Deutschland hingen und den Deutschen einen solchen Zivilisationsbruch nicht zutrauten. Die allermeisten mussten diese Liebe und dieses Vertrauen mit ihrem Leben bezahlen.

Ab Herbst 1941 war eine Auswanderung auch offiziell nicht mehr möglich. Im Oktober 1941 begannen im Westen die ersten Deportationen. Sie galten u.a. Juden aus Luxemburg und aus Trier und aus Frankfurt/Main. Zur gleichen Zeit gab der Reichsführer-SS Heinrich Himmler den führenden SS-Führern im von Deutschland besetzten Polen („Generalgouvernement“) die Anweisung, die „Germanisierung“ dort vorzubereiten, dafür die Juden aus diesem Gebiet zu entfernen und wahrscheinlich auch zur Errichtung von Vernichtungszentren. Anfang November 1941 begann man mit der Errichtung des ersten Vernichtungslagers Belzec in Ostpolen,.

Auf Einladung des Chefs des Reichssicherheitshauptamtes Reinhard Heydrich fand am 20. Januar 1942  die sog. Wannsee-Konferenz in Berlin statt. 15 hohe Behördenvertreter u.a. besprachen die Zusammenarbeit ihrer Behörden bei der Ermordung aller europäischen Juden in den eroberten Gebieten in Mittelost- und Ost-Europa. Der Vertreter des „Generalgouvernements“ war mit den Plänen zum Völkermord an 11 Millionen Menschen einverstanden und begrüßte es, „wenn mit der Endlösung dieser Frage im Generalgouvernement begonnen würde“.

Mitte März 1942 begann eine weitere Deportationswelle aus dem Westen. Betroffen hiervon waren auch die jüdischen Bürger von Koblenz und Umgebung. Sie waren bereits wirtschaftlich, sozial und kulturell ausgegrenzt, in sog. Judenhäusern konzentriert und mit dem „Judenstern“ stigmatisiert. Sie wurden in Listen aufgeführt und kurz vorher über ihre – wie es hieß - „Evakuierung nach dem Osten“ benachrichtigt.


337 heute namentlich bekannte Juden (und ein 3 – 4 Monate altes Baby) aus der Stadt und dem damaligen Kreis Koblenz mussten sich in der Turnhalle in der Steinstraße einfinden. Um 14.00 Uhr – zur besten Spaziergehzeit – trieb die Gestapo die jüdischen Nachbarn vor den Augen aller, die es sehen wollten, durch die Steinstraße, dann die Mosel entlang, am jüdischen Friedhof vorbei, über die Balduinbrücke zum Güterbahnhof Lützel zum damaligen Eingang Mayener Straße.

Die Menschen, Männer, Frauen und Kinder pferchte man in Personenwagen 4. Klasse. Drei oder vier Tage später erreichten diejenigen von ihnen, die die Strapazen des Transportes überlebten, den Zielort: das polnische Dorf Izbica bei Lublin im besetzten „Generalgouvernement“ an der Bahnlinie Warschau-Lublin-Lemberg (heute: Lwiw in der Ukraine). Es war zum ganz überwiegenden Teil von polnischen Juden bewohnt. Kurz zuvor hatten Gestapo- und SS-Männer bei einer großen Razzia über 2.200 von ihnen zusammen getrieben, auf dem Bahnhof in Güterwaggons verladen und zum Tod mit Motorabgasen in das erst kurz zuvor in Betrieb genommene Vernichtungslager Belzec verschleppt. Sie mussten den aus dem Westen eintreffenden Juden Platz machen. Bis Anfang April 1942 kamen ungefähr 4.000 „Reichsjuden“ nach Izbica.

Für die aus dem Westen verschleppten Menschen war nicht nur der Transport, sondern auch das Ankommen in dem sehr provinziellen, armen und von überkommenen Traditionen geprägten ostpolnischen Dorf ein Schock. Sie waren zum ganz überwiegenden Teil – wie gerade auch die aus Koblenz und Umgebung Deportierten – voll assimiliert und teilweise zum Christentum übergetreten. In Ostpolen kamen sie in eine ihnen völlig fremde Umgebung, in der sie auf engstem Raum mit den ihnen in vielerlei Hinsicht fremden Menschen überleben mussten.  

Ihr weiteres Schicksal ist im Einzelnen nicht bekannt. Soweit sie überhaupt die katastrophalen Lebensumstände in dem „Durchgangsghetto“ aushalten konnten, von den SS-Leuten im Ort nicht willkürlich erschossen und bei der Typhusepidemie im Sommer nicht starben, wurden sie am 19. Oktober und Anfang November 1942 nach Belzec und in das weitere inzwischen errichtete Vernichtungslager Sobibor verschleppt und dort mit Gas ermordet.

Der 1. Deportation am 22. März 1942 von Koblenz aus folgten weitere: die 2. am 30. April 1942 mit 105 Menschen fast ausschließlich aus der Israelitischen Heil- und Pflegeanstalt Bendorf-Sayn in einen Nachbarort von Izbica, Krasniczyn, die 3. am 15. Juni 1942 mit 342 Personen, ebenfalls vor allem Patienten aus Bendorf-Sayn, unmittelbar in das Vernichtungs- lager Sobibor und die 4. am 27. Juli 1942 mit 79 meist alten Menschen in das Konzentrationslager Theresienstadt.

Danach wurden noch einzelne jüdische Koblenzer von hier aus oder aus anderen Orten, in die sie ausgewichen oder geflohen waren, „nach dem Osten“ deportiert und ermordet.

Mit einer Ausstellung, die am Montag, dem 23. Januar 2017 um 19.00 Uhr in der Citykirche in Koblenz eröffnet wird, erinnert der Förderverein Mahnmal Koblenz mit 14 Lebensbildern an diese ehemaligen jüdischen Nachbarn. Ergänzt werden ihre Biografien durch Informationstafeln zu den Stätten der Verfolgung „im Osten“ - zu den Durchgangsghettos Izbica und Krasniczyn und die Vernichtungslager Belzec, Sobibor und Treblinka sowie einer Tafel zur „Aktion Reinhard(t)“. Damit wird erstmalig für Koblenz und Umgebung die Verbindung zwischen diesen Schicksalen sowie den Deportationsereignissen hier und dem Geschehen an den weit entfernten Ankunftsorten in den damals deutsch besetzten Gebieten Ostpolens herzustellen versucht.

Am 27. Januar 2017 selbst findet die Gedenkstunde für die NS-Opfer statt. Sie beginnt dieses Jahr schon um 15.00 Uhr mit einer Statio am Mahnmal für die Opfer des Nationalsozialismus in Koblenz auf dem Reichensperger Platz mit Oberbürgermeister Prof. Dr. Hofmann-Göttig und Schülern der Diesterweg- und Hans-Zulliger-Schule. Gegen 15.30 Uhr wird sie fortgesetzt in der Citykirche mit Ansprachen des Oberbürgermeisters und des Vorsitzenden des Fördervereins Mahnmal Koblenz Dr. Jürgen Schumacher und dem Christlich-Jüdischen Gebet; begleitet wird die Veranstaltung musikalisch von Mitgliedern einer christlichen und der jüdischen Gemeinde. Anschließend ist Gelegenheit, die Ausstellung in der Citykirche zu besichtigen.


Fotos von oben nach unten:

1)Umrandung des Schlackefeldes mit den Herkunftsorten der nach Belzec Deportierten (Foto: privat)

2)Die Bahnstation des ehemaligen Vernichtungslagers Sobibor, heute (Foto: gemeinfrei)

3)Familie Leo und Johanna Hermann mit ihrer Tochter Hannelore (Opfer der 1. Deportation) und den beiden Söhnen
(Foto: privat)


4)Die Reste des Vernichtungslagers Belzec, um 1945 (Foto: gemeinfrei)

Hier alle Veranstaltungen auf einen Blick:

23. Januar 2017 um 19.00 Uhr in der Citykirche: Eröffnung der Ausstellung: „’Der Tod ist ein Meister aus Deutschland’ – Vor 75 Jahren: Die ersten Deportationen von Juden aus Koblenz“. Die Ausstellung ist dort dann bis zum Freitag, dem 10. Februar 2017 zu sehen.

27. Januar 2017 um 15.00 Uhr am Mahnmal auf dem Reichensperger Platz: Statio am Mahnmal

27. Januar 2017 um 15.30 Uhr in der Citykirche: Gedenkstunde mit christlich-jüdischem Gebet

10. Februar 2017  in der Citykirche: Ende der Ausstellung

Zu allen Veranstaltungen, deren Besuch kostenlos ist, sind alle Interessierten herzlich eingeladen.

Führungen sind in Absprache mit dem Förderverein Mahnmal Koblenz möglich.

Presse:

Lesen Sie HIER bitte auch in Blick Aktuell, Ausgabe Koblenz vom 19. Januar 2017  

und HIER ein Bericht des Koblenzer "Schängel" vom 25. Januar 2017

"Blick aktuell" in der Bendorfer Ausgabe vom 26. Januar 2017 HIER lesen








Seite 9 von 11

Zum Seitenanfang