Informationen 2017

Presse - Nachlese zu  Gedenkgang am 22. März 2017

Einen Umfangreichen Artikel bei Blick - aktuell können Sie HIER lesen

Das im Artikel erwähnte Video können Sie HIER sehen

Einen Bericht vom Koblenzer Schängel lesen Sie HIER



Foto: Blick aktuell (STUKO)

Sehen Sie abschließend noch eine Bilderstrecke vom Gedenkgang mit Fotos von Chantal Dötsch


 



Gedenkgang am 22. März 2017


Einladung und Presseerklärung des Fördervereins zum Gedenkgang am 22. März 2017 - 75. Jahrestag der 1. Deportation von Koblenzer Juden "nach dem Osten"
Der Gedenkgang beginnt am Mittwoch, dem 22. März 2017, um 18.00 im Hof der Freiherr vom Stein-Schule in Koblenz, Steinstraße.

„Der Tod ist ein Meister aus Deutschland“ –

Koblenzer Gedenkgang am 22. März vom Rauental zum Bahnhof Lützel

Am 22. März 2017 jährt sich zum 75. Mal die 1. Deportation von Juden aus Koblenz und Umgebung. Am 22. März 1942 wurden 337 namentlich bekannte Menschen und ein namenloses Baby von Koblenz aus „nach dem Osten“ deportiert. Das war die 1. Deportation von insgesamt vier großen Deportationen, die alle bis Ende Juli 1942 stattfanden. Im folgenden Jahr – 1943 – sowie noch später wurden dann noch Einzelpersonen deportiert, zuletzt am 18. Februar 1945 auch Juden, die in „privilegierter Mischehe“ lebten.

Das Ereignis der 1. Deportation und die folgenden Deportationen sind Anlass, sich an diese ehemaligen jüdischen Bürger von Koblenz und Umgebung zu erinnern. Dies hat der Förderverein Mahnmal für die Opfer des Nationalsozialismus in Koblenz e.V. bei den Gedenkveranstaltungen zum 27. Januar 2017 bereits getan – mit einer Ausstellung in der Citykirche, einer Statio am Mahnmal und einer anschließenden Gedenkstunde mit christlich-jüdischem Gebet in der Citykirche. Zum Jahrestag der 1. Deportation von Koblenz aus organisieren jetzt der Förderverein Mahnmal Koblenz, die Christlich-Jüdische Gesellschaft für Brüderlichkeit, der Freundschaftskreis Koblenz Petah-Tikva und der DGB – Region Koblenz – einen Gedenkgang dazu.

Die Veranstaltung nimmt ihren Ausgangspunkt auf dem Hof der Freiherr vom Stein-Grundschule in der Steinstraße in Koblenz-Rauental. Dort – in der früheren Turnhalle – sammelte die Koblenzer Gestapo die Juden aus Koblenz und dem ehemaligen Landkreis Koblenz für den Abtransport – wie es hieß – „nach dem Osten“. Begonnen hatte die extreme Judenfeindschaft des Nationalsozialismus, der Antisemitismus, mit der Diskriminierung, Ausgrenzung und sozialen Isolation Deutscher jüdischer Herkunft. Es folgte deren schrittweise Entrechtung und Entzug ihrer Existenzgrundlage. Weiter ging es mit dem Novemberpogrom vom 9./10. November 1938 und der Flucht vieler ins Ausland.

Dann folgten die Deportationen „nach dem Osten“. Den Koblenzer Deportationen vorausgegangen war der Befehl zur Ermordung von 11 Millionen Juden in Europa - zur „Endlösung der Judenfrage“. Ein solcher, der nur von Hitler selbst erteilt worden sein konnte, wurde nie aufgefunden, er war aber die Grundlage zum Völkermord an den Juden, dem Holocaust, der Shoa. Organisiert wurde dieses Menschheitsverbrechen vor 75 Jahren auf der Wannsee-Konferenz, einer Besprechung von 15 hohen Behördenvertretern und hohen SS-Leuten am 20. Januar 1942 in einer Villa am Großen Wannsee in Berlin. Bei ihr ging es um die technische Realisierung des Völkermords. In dem vom „Judenreferenten“ des Reichssicherheitshauptamtes (RSHA) Adolf Eichmann erstatteten Protokoll heißt es u.a.: „Im Zuge dieser Endlösung der europäischen Juden kommen rund 11 Millionen Juden in Betracht. (…) Im Zuge der praktischen Durchführung der Endlösung wird Europa von Westen nach Osten durchkämmt. (…) Die evakuierten Juden werden zunächst Zug um Zug in so genannte Durchgangsghettos verbracht, um von dort weiter nach dem Osten transportiert zu werden.“

Eingehend und sehr bürokratisch regelte Adolf Eichmann die Deportation zehntausender Menschen jüdischer Herkunft aus dem Westen. Danach hatte die Gestapo in Koblenz die jüdische Kultusgemeinde über den bevorstehenden Transport zu informieren. Sie musste eine Liste mit zu Deportierenden erstellen (aus denen die Gestapo dann eine Auswahl traf) und Anweisungen der Gestapo an die ausgewählten Menschen weitergeben. Dazu gehörte u.a. ein von ihnen auszufüllendes 16-seitiges Vermögensverzeichnis. Ihr Vermögen wurde dann rückwirkend zum 1. März 1942 zugunsten des Deutschen Reiches beschlagnahmt. Die Erklärung wie auch Versicherungskarten, Lohnsteuerkarten, Bezugsscheine, Personaldokumente und die Wohnungsschlüssel mussten die Juden abgeben,

Am Nachmittag vor der Deportation, am Samstag dem 21. März 1942, trafen in der Steinschule nach und nach 338 Menschen, Männer, Frauen und Kinder, ein. Sie wurden registriert und listenmäßig erfasst. Ihr Gepäck wurde kontrolliert und sie selbst wurden körperlich durchsucht. Für die Gestapo Koblenz war das eine große Aufgabe – nicht nur hinsichtlich der Planung und Organisation der Deportation, sondern auch hinsichtlich deren praktischer Durchführung.

Für die in der Steinschule eingesperrten Menschen begann die letzte Nacht vor dem Transport. Die Unterbringung in der Turnhalle war armselig, die Gestapo hatte gerade einmal Stroh besorgt, damit sie nicht auf dem blanken Steinboden nächtigen mussten.

Am nächsten Tag, es war ein Sonntag, wurden die Juden von den Gestapo- und SS-Leuten zum Abmarsch angetrieben. Sie nahmen die ihnen gelassenen Habseligkeiten und marschierten familienweise in Richtung Bahnhof Lützel.

Diese damalige Situation greift der Gedenkgang am 22. März 75 Jahre später auf. An dem authentischen Ort, auf dem Hof der Steinschule, begrüßt Kulturdezernentin Dr. Margit Theis-Scholz mit einer kurzen Ansprache. Dann beginnen die Teilnehmer mit den vorbereiteten Lichtern und Sternen („Judensterne“) den Gedenkgang. Sie gehen den Weg nach, den die Menschen vor 75 Jahren – am helllichten Nachmittag – gehen mussten.

Der Zug geht über die Stein- und Schlachthofstraße zur Synagoge und hält in dem Vorhof dort inne zu einem Totengebet. Anschließend setzen die Teilnehmer ihren Weg entlang der Mosel am Peter-Altmeier-Ufer fort. Durch die Unterführung an der Balduinbrücke gelangen sie auf die Brücke und verlassen diese über die Radzuwegung zum Schüllerplatz. Dann ist es nur noch ein kurzer Weg bis zum Güterbahnhof in Lützel.

Dort endet der Gedenkgang und dort wurden vor 75 Jahren die 338 Juden aus Koblenz und Umgebung in Personenwagen der 4. Klasse „verladen“. Zur Erinnerung an diese Koblenzer jüdischer Herkunft verlesen Schülerinnen und Schüler die Namen der mit der 1. Deportation Verschleppten.

Währenddessen bleibt Zeit, sich an den einen oder anderen Namen, das eine oder andere Gesicht und auch an die eine oder andere Biografie zu erinnern. Etwa an die Familie Salomon, an Vater Dr. Arthur Salomon, an Mutter Alma, geb. Cohen, und an ihre Tochter Ruth. Oder an die 13-jährige Hannelore Hermann, die zusammen mit ihren Eltern Leopold und Johanna Hermann diesen Weg gehen musste. Oder an den expressionistischen Dichter Jakob van Hoddis, einen der sehr vielen Patienten der Israelitischen Heil- und Pflegeanstalt Bendorf-Sayn, der mit der 2. Deportation am 30. April 1942 „nach dem Osten“ verschleppt wurde. Diese Menschen bekommen ihren Namen zurück, ihr Gesicht und ihre Lebensgeschichte.
Am authentischen Ort kann man sich auch die Bilder jenes Geschehens und seiner Folgen vorstellen: Denn auch der Deportationszug war nicht anonym. Er hatte einen Namen und eine Besatzung. Diese Sonderzüge der Reichsbahn bildeten eine eigene Kategorie - „Da“ – das stand für „David“. Sie hatten eigene Fahrpläne und waren meist „Russenzüge“, mit denen Russen, Ukrainer u.a. zur Zwangsarbeit in den Westen verschleppt worden waren. Mit den Juden fuhren sie dann wieder zurück „nach dem Osten“. Der Sonderzug vom Ausgangsbahnhof Koblenz-Lützel hatte die Bezeichnung „DA 17“. „Normales“ Reichsbahnpersonal hielt ihn in Betrieb und 16 Mann von der Koblenzer Ordnungspolizei (1 Offizier und 15 Mannschaftsdienstgrade) bewachten die Deportierten.

Der Sonderzug Da 17 fuhr vor 75 Jahren nach Köln, Düsseldorf und dann durch das Ruhrgebiet. Zielort war das Durchgangsghetto Izbica bei Lublin. Dort trafen die Juden aus Koblenz und aus anderen Städten, insgesamt etwa 1.000 Menschen, drei bis vier Tage später ein. Zuvor hatten Gestapo- und SS-Leute in Izbica Platz geschaffen, indem sie 2.200 einheimische Juden in das neu errichtete Vernichtungslager Belzec verschleppten und dort mit Gas ermordeten. In die zum Teil so geräumten Häuser quartierte man die dazukommenden Juden ein.

Für alle war es ein Schock, für die Einheimischen, weil sie Platz machen mussten, und für die „Reichsjuden“, weil sie in eine völlig fremde Welt und ungewisse Zukunft kamen. Sofern sie überhaupt die katastrophalen Verhältnisse in Izbica überlebten, wurden auch die Koblenzer Juden in ein Vernichtungslager verschleppt und mit Gas ermordet. Sehr wahrscheinlich war es das neu errichtete Vernichtungslager Sobibor. Von ihnen kam keiner zurück. Bis zum Herbst 1943 starben in Belzec zwischen 440.000 und 453.000, in Sobibor etwa 180.000 und in dem weiteren Vernichtungslager Treblinka zwischen 800.000 und 900.000 Menschen. Das waren zum weit überwiegenden Teil polnische Juden, aber auch Juden aus dem Deutschen Reich und aus anderen von Hitler-Deutschland besetzten Ländern.



Bildunterschriften von oben nach unten:

Hannelore Hermann (Quelle: privat)
Dr. Arthur Salomon und Tochter Ruth (Quelle: privat)
Jakob van Hoddis (Quelle unbekannt)
"Stolpersteine" für Dr. Arthur, Alma und Ruth Salomon (Friedrich-Ebert-Ring 8 - Quelle: privat)

Lesen Sie HIER dazu auch einen Artikel aus der Rhein-Zeitung vom 18. März 2017




Gedenkstunde für die Opfer des Nationalsozialismus
in Koblenz am 27. Januar 2017

Am 27. Januar 2017, dem internationalen Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus, fanden in Koblenz die traditionellen Veranstaltungen statt: die Statio am Mahnmal für die Opfer des Nationalsozialismus auf dem Reichensperger Platz und die Gedenkstunde mit christlich-jüdischem Gebet in der Citykirche.

Früher als sonst, schon um 15.00 Uhr, begannen die Veranstaltungen mit der Statio am Mahnmal. In ihrem Mittelpunkt standen diesmal jüdische Menschen aus Koblenz und Umgebung, die vor 75 Jahren „nach dem Osten“ deportiert wurden. Während Oberbürgermeister Prof. Dr. Joachim Hofmann-Göttig die Namen von 14 dieser Opfer verlas, brachten Schülerinnen und Schüler der Diesterweg-Schule und der Hans-Zulliger-Schule die Biografien von ihnen, die auch in der Ausstellung des Fördervereins Mahnmal Koblenz in der Citykirche gezeigt werden, zusammen mit einer weißen Rose am Mahnmal an.

Anschließend begrüßte der Oberbürgermeister zur Gedenkstunde die in die Citykirche Gekommenen. Er stellte das Gedenken an die NS-Opfer vor 75 Jahren in den Zusammenhang der heutigen weltpolitischen Veränderungen – wie sie sich durch die nationalen Egoismen, den Rechtspopulismus, die Erschütterungen innerhalb der Europäischen Union und die Präsidentenwahl in den USA ergeben hätten. Dies seien große Herausforderungen unserer Gegenwart, die kaum ohne den Blick auf die Vergangenheit und die Lehren aus der verbrecherischen Politik der NS-Herrschaft bewältigt werden könnten. Schon einmal habe uns und die Völker Europas übersteigerter Nationalismus, Fremdenfeindlichkeit, Antisemitismus, Inhumanität und ein Kult der Gewalt  in das millionenfache Verderben geführt. Das müsse für uns alle eine Mahnung und Verpflichtung zur Humanität, Achtung der Menschenwürde und Toleranz sein. Das seien – so der Oberbürgermeister weiter - grundlegende Werte für das Zusammenleben der Einzelnen und der Gruppen in unserer Gesellschaft.

In seiner Ansprache erinnerte der Vorsitzende des Fördervereins Mahnmal für die Opfer des Nationalsozialismus in Koblenz e.V. Dr. Jürgen Schumacher konkret an die Verbrechen vor mehr als 70 Jahren. Am 72. Jahrestag der Befreiung des Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz spannte er den Bogen zu der – höchstwahrscheinlich von Hitler selbst – beschlossenen „Endlösung der Judenfrage“. Der Völkermord an den 11 Millionen Juden, der Holocaust, die Shoa wurden – so Schumacher weiter -  fast auf den Tag genau vor 75 Jahren am 20. Januar 1942 auf der Wannseekonferenz in Berlin organisiert. Unmittelbar danach begannen im Reichssicherheitshauptamt in Berlin die Vorbereitungen für die großen Deportationen aus dem „Altreich“, auch aus Koblenz und Umgebung. Schumacher berichtete von vier großen Deportationen, beginnend mit der 1. Deportation am 22. März 1942 und dann der 4. Deportation am 27. Juli 1942. Den Opfern gab er ihren Namen und ihre Geschichte zurück und erinnerte exemplarisch an das Schicksal des 13-jährigen Mädchens Hannelore Hermann, das mit ihren Eltern Leopold und Johanna Hermann drei von 338 am 22. März 1942 Verschleppten war. Die Rohheit, Gewalt und Menschenverachtung schilderte er eindrucksvoll mit der Darstellung der jüdischen Ehefrau eines Polizeibeamten. Diese war zum „Verladen“ der alten Menschen bei der Deportation nach Theresienstadt zwangsverpflichtet worden. Dr. Schumacher schloss mit den Worten des früheren Präsidenten des Europäischen Parlaments Martin Schulz. Schulz hatte 2015 gesagt: „Die Erinnerung an die schwersten Stunden Europas bestimmt unsere Zukunft. Denn mit dem Gedenken erneuern wir unser Bekenntnis zu unseren demokratischen Werten, in deren Kern das Prinzip steht: Die Würde des Menschen ist unantastbar.“

Die Gedenkstunde schloss mit dem christlich-jüdischen Gebet.

Eindrucksvoll ergänzt wurden die Ansprachen von einem christlich-jüdischen Musizieren. Die Schülerinnen Ellen Paul (Geige)und Sara  Paul (Querflöte) von der Freikirche der Siebten Tags-Adventisten, die schon vor zwei Jahren mit ihrem Vater Biografien vorgetragen hatten, boten das Thema von „Schindlers Liste“ von J. Williams dar. Begleitet wurden sie am Klavier von Svitlana Orlik, Mitglied der Jüdischen Kultusgemeinde.   

Umrahmt wurde die Gedenkstunde mit Orgelmusik, gespielt von Johannes Lamprecht.

 

Lesen Sie HIER einen Pressebericht von der Rhein-Zeitung - Ausgabe Koblenz - vom 28. Janaur 2017

Lesen Sie HIER einen Pressebericht von "Blick aktuell" - Ausgabe Koblenz - Nr. 05 vom 2. Februar 2017 , Seite 11

In der v.gen Ausgabe von Blick aktuell kam es irrtümlich zu einer falschen Bildunterschrift :
Rabbiner Efraim Yehood-Desel im Gebet.
Zu sehen ist Alexander-Haim Kovtun und nicht der Rabbiner Efraim Yehood-Desel. Die Redaktion bittet, diesen Fehler zu entschuldigen (in Ausgabe Koblenz - Nr. 06 vom  9. Februar 2017, S. 11)

Fotos von Blick aktuell / HH. (Von oben nach unten):

Oberbürgermeister Prof. Dr. Hofmann-Göttig bei seiner Begrüßungsrede.
Schülerinnen und Schüler der Diesterweg- und Hans-Zulliger-Schule hefteten Portraits mit einer weißen Rose an das Mahnmal.
Mitglied der Jüdischen Kultusgemeinde Alexander-Haim Kovtun beim Gebet


 

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