
Nachlese DGB-Veranstaltung 2. Mai 1933: Zerschlagung der Gewerkschaften
Die Veranstaltung am 2. Mai 2013 in Mainz erinnerte an Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter auf dem Gebiet des heutigen Rheinland-Pfalz, die Verfolgung, Inhaftierung und Folter in Folge der Zerschlagung der Gewerkschaften vor 80 Jahren erleben mussten.
Einige von ihnen waren später aktiv am Widerstand gegen das NS-Regime beteiligt. Es sind eindrucksvolle Lebensbilder mutiger und couragierter Frauen und Männer entstanden, die auch ... HIER weiterlesen
Anschließend noch eine Bilderstrecke von der Veranstaltung
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Lebensbilder von GewerkschafterInnen aus dem nördlichen Rheinland-Pfalz
Vortrag am 2. Mai 2013 in Mainz von Joachim Hennig
Sehr geehrter Herr Muscheid,
sehr geehrter Herr Dr. Schiffmann,
sehr geehrte Damen und Herren,
Haben Sie, Herr Muscheid, herzlichen Dank für die freundliche Begrüßung, und Sie, Herr Dr. Schiffmann, für die einführenden Grußworte und Sie alle für den aufmunternden Beifall.
Ich möchte Ihnen anhand einiger Lebensbilder von Gewerkschaftern und einer Gewerkschafterin aus dem nördlichen Rheinland-Pfalz die Zerschlagung der Gewerkschaften vor 80 Jahren und ihre Vor- und Nachgeschichte etwas näher bringen. Das ist ein ambitioniertes Programm. Da bin ich sehr froh, dass mich Frau Julianna Salzmann mit einer kleinen Ausstellung von Skulpturen unterstützt, die ihr 1979 verstorbener Vater Hugo Salzmann aus Bad Kreuznach vor 50, 60 Jahren geschaffen hat. Salzmann war seit 1918 Gewerkschafter und nach dem Zweiten Weltkrieg Gewerkschaftssekretär. Das Schnitzen hat er sich im südfranzösischen Konzentrationslager Le Vernet, um mit dieser Verfolgung und seinem Schicksal fertig zu werden, selbst beigebracht. Ich komme noch darauf zurück.
Bekanntlich wurde der 1. Mai im Jahr 1889 als Kampftag der Arbeiterbewegung ausgerufen und im Jahr 1890 zum ersten Mal mit Massenstreiks und Massendemonstrationen begangen. In diesen Jahren wurden in der Nähe von Koblenz zwei Gewerkschafter und (Lokal-)Politiker geboren: 1890 Johann Dötsch in Metternich (heute: Koblenz-Metternich) und 1889 Jakob Newinger in St. Sebastian (später auch in Metternich wohnhaft). Beide machten eine Lehre und wurden Soldat: Newinger vor dem Ersten Weltkrieg und unfreiwillig. Er kam bis nach Kiautschou, der damaligen deutschen „Musterkolonie“. Ebenso unfreiwillig nahm er am Ersten Weltkrieg teil. Dötsch war auch Soldat im Ersten Weltkrieg. Er hatte sich freiwillig gemeldet und war Berufssoldat geworden.
Nach dem Ersten Weltkrieg waren beide Gewerkschafter. Newinger sorgte dafür, dass bei seiner Arbeitsstelle, der Köln-Düsseldorfer-Dampfschiffahrtsgesellschaft erstmals ein Betriebsrat gebildet und er dort hineingewählt wurde. Auch organisierte er manche – auch wilde - Streiks. 1925 trat er in die KPD ein und zog nach Koblenz-Metternich.
Dort war bereits Johann Dötsch aktiv. Er war inzwischen Beamter und SPD-Mitglied. Bald machte er eine kleine Karriere und arbeitete sich über den Ortsverein Metternich zum Parteisekretär und zum Vorsitzenden des SPD-Unterbezirks Koblenz hoch.
Die Goldenen Zwanziger Jahre waren für die arbeitende Bevölkerung längst nicht so golden wie man glauben machen wollte. Später erinnerte sich Jakob Newinger:
Die Arbeitslosigkeit nahm immer größere Formen an, so dass es für einen aktiven Gewerkschafter immer schwerer wurde, eine Arbeit zu finden. Man lief von einem Unternehmer zum anderen. Man hatte schon mal Glück, wenn eine fremde Firma auftauchte, bei der man noch unbekannt war, eingestellt zu werden. Als man die unsozialen Verhältnisse zu ändern versuchte, lag man wieder auf der Straße. Ab und zu wurde man zu Notstandsarbeiten herangezogen. Die Löhne waren gering und nicht von langer Dauer. Mit Unterstützung der kapitalistischen Gesellschaft als Geldgeber formierte sich der Faschismus unter Führung Hitlers. Nun galt es für die Arbeiterklasse, den Kampf gegen den Faschismus zu führen, welcher unter dem Schutz der Polizei stand. Die Arbeiter bekamen den Gummiknüppel oft zu spüren. Leider wurde der Abwehrkampf von der SPD-Führung nicht unterstützt.
Die Weltwirtschaftskrise führte auch im politischen Bereich zu einer Polarisierung. Die hier erwähnten Arbeitervertreter waren ja nicht nur Gewerkschafter, sondern auch - und vielfach in erster Linie - Parteipolitiker. Nicht wenige Gewerkschafter und Politiker verdankten dieser Zuspitzung ein politisches Mandat. So wurde der Vater von Frau Salzmann Hugo Salzmann 1929 Mitglied des Stadtrates von Bad Kreuznach und Gewerkschaftsfunktionär im Orts- und Kreiskartell. Jakob Newinger kam in den Metternicher Gemeinderat. Dort war auch Johann Dötsch - inzwischen Vorsitzender der SPD-Fraktion und Mitglied des Provinziallandtages der preußischen Rheinprovinz.
An eine Zusammenarbeit oder gar Einheitsfront von Sozialdemokraten und Kommunisten war – trotz vereinzelter Aufrufe – nicht zu denken. Verheerend war vor allem die von Stalin verkündete und von den deutschen Kommunisten übernommene Parole, Faschismus und Sozialdemokratie seien keine Antipoden, sondern Zwillingsbrüder. Damit diffamierten sie die Sozialdemokraten als „Sozialfaschisten“.
Die Konfrontation zwischen den Arbeiterparteien spitzte sich in der Weltwirtschaftskrise und infolge der unterschiedlichen Haltung gegenüber der Brüningschen Deflationspolitik zu. Während die SPD diese Politik im Reichstag duldete, machte die KPD auf allen Ebenen dagegen Front. Darüber gerieten auch die beiden Metternicher Dötsch und Newinger aneinander. Newinger erinnerte sich später:
Als die Notverordnung zur Debatte stand, war es für uns sehr wichtig, auch im Gemeinderat dagegen Stellung zu nehmen. Zu dieser Aufgabe bestimmte man mich. Ich wandte mich an alle Parteien, insbesondere an die SPD (…) Ich legte unseren Antrag zur Abstimmung vor, wobei es zu einer scharfen Auseinandersetzung kam. Der Vorsitzende der SPD, Dötsch, der die Brüningsche Notverordnung verteidigte, ging so weit, dass er mich persönlich beleidigte, worauf ich ihm eine Rüge vom Bürgermeister erteilen (lassen wollte). Als der Bürgermeister unsere Forderung ablehnte, gab ich dem SPD-Dötsch eine schallende Ohrfeige, was von den Zuhörern mit Beifall aufgenommen wurde. Nach dem Handgemenge wurde die Sitzung geschlossen. Das Überfallkommando traf ein, als alles vorbei war. Ich stand noch mit einem Kollegen am Ausgang des Lokals, als mich ein Polizeioffizier fragte, was denn los sei. Daraufhin sagte ich ihm, hier sei überhaupt nichts los gewesen. Die SPD stellte beim Gericht eine Anzeige wegen Körperverletzung. Ich erhielt 50 Mark Geldstrafe, die dann unter die Hindenburgamnestie fiel. Ich wurde aus dem Gemeinderat ausgeschlossen.
Trotz aller Kontroversen und Anfeindungen waren diese Arbeitervertreter in denselben Gewerkschaften. Bekanntlich gab es damals noch keine Einheitsgewerkschaft wie heute, sondern Richtungsgewerkschaften – also Gewerkschaften, die sich einer weltanschaulichen oder politischen Richtung verpflichtet führten. Am stärkten waren damals die Freien Gewerkschaften, in denen die sozialistischen Arbeiter und zwar sowohl die sozialdemokratischen als auch die kommunistischen organisiert waren. Daneben gab es die christlichen Gewerkschaften und die liberalen Hirsch-Dunckerschen Gewerkvereine. Es leuchtet ein, dass bei diesen Anfeindungen die Zusammenarbeit der Sozialdemokraten und der Kommunisten in denselben Gewerkschaften sehr schwierig war. Daraus zogen die Kommunisten gegen Ende der Weimarer Republik die Konsequenz und gründeten eine eigene kommunistische Gewerkschaft, die Revolutionäre Gewerkschafts-Opposition (RGO). Vertreter dieser neuen Gruppierung waren der Kommunist und „kleine“ Manager bei Opel in Rüsselsheim, Andreas Hoevel und seine Frau Anneliese Hoevel. Andreas Hoevel war dann in Wiesbaden örtlicher Funktionär der RGO. Alle anderen hier erwähnten Gewerkschaften waren und blieben Mitglieder der Freien Gewerkschaften.
Demgegenüber nahm die Zusammenarbeit der SPD und der Gewerkschaften zu – etwa durch gemeinsame Aktionen des republiktreuen Kampfbundes „Schwarz-Rot-Gold“ oder der Ende 1931 gegründeten „Eisernen Front“, in der sich SPD, Allgemeiner Deutscher Gewerkschaftsbund, das Reichsbanner-Schwarz-Rot-Gold u.a. zusammengeschlossen, um – unter Ausklammerung der KPD – ein einheitliches Vorgehen gegen die Rechte und die NSDAP erreichen.
Dieses und anderes Engagement konnte aber nicht die Machtübernahme durch Hitler und seine Leute am 30. Januar 1933 verhindern. Es gab Aufrufe zu einem Generalstreik – mehr aber auch nicht. Stattdessen gab Hitler für die Wahlen im März 1933 die Parole aus: „Kampf gegen den Marxismus!“ Da war der Brand des Reichstags am Abend des 27. Februar 1933, den die Nazis den Kommunisten in die Schuhe schoben, für sie ein „gefundenes Fressen“. Später erinnerte sich der Metternicher Kommunist Jakob Newinger an diese Tage und Wochen Anfang 1933:
Die Arbeiter waren zur Stelle. Die Arbeiter, die noch an einen Generalstreik glaubten und auch dazu bereit waren, wurden von der SPD und der Gewerkschaftsführung sehr enttäuscht, da diese den Generalstreik ablehnten und damit Hitler den Weg freimachten zur Machtübernahme. Ich kann mich noch gut erinnern, wie der SPD-Abgeordnete Wels im Reichstag sagte, lieber 10 Mal mit den Nazis als einmal mit den Kommunisten. Der Reichstagsbrand von den Faschisten selbst angelegt, war das Signal zur Verhaftung aller Antifaschisten. In erster Linie ging es gegen die KPD, die auch fälschlicherweise beschuldigt wurde, den Reichstag in Brand gesetzt zu haben. Ich selbst wurde am 28. Februar 1933 als erster verhaftet und in Schutzhaft genommen. (In den) darauf folgenden Tagen kamen noch viele Genossen dazu. (…) Die Straße war sehr belebt durch den Karneval. Die Menschen protestierten gegen meine Verhaftung und verlangten meine sofortige Freilassung. Als die Ansammlung immer größer wurde, rief der Naziwirt das Überfallkommando an, was auch bald erschien und mich unter Protest der Massen in das Auto zerrte und ins Polizeigefängnis brachte. Andern Tags kamen noch mehr bekannte Genossen dazu.
Was in Koblenz dramatisch war, durch den Bezug zum Karneval aber noch einen gewissen Einschlag hatte, war anderswo, etwa in Bad Kreuznach eine richtiggehende Menschenjagd. Nach dem Kommunisten Hugo Salzmann fahndeten SA und andere mit Plakaten, auf denen stand: „Tot oder lebendig“ und für dessen Ergreifung man 800 Reichsmark auslobte. Salzmann konnte sich verstecken und dann über das Saargebiet nach Frankreich fliehen. Das unter dem Mandat des Völkerbundes stehende Saargebiet war für viele Kommunisten aus dem Südwesten das Ziel. Dorthin flohen auch der erwähnte RGO-Funktionär Andreas Hoevel und der in Vallendar lebende kommunistische Reichstagsabgeordnete Klaus Thielen.
Die Verhaftungen unmittelbar nach dem Reichstagsbrand gingen weiter. Ein Beispiel dafür ist der Gewerkschafter und Kommunist Alfred Knieper. Er wurde am 10. März 1933 in sog. Schutzhaft genommen und blieb dort fast zwei Monate.
Damit waren schon kurz nach der Machtübernahme der Nazis viele ihrer aktiven politischen Gegner verhaftet, geflohen, eingeschüchtert oder mundtot gemacht. Unterdessen hielten die Führungen der SPD und der Freien Gewerkschaften an ihrem Kurs fest und vermieden generell eine Konfrontation mit den Nazis.
Als die Hitler-Regierung den traditionellen Kampftag der Arbeiterbewegung, den 1. Mai, mit Demonstrationen und Aufmärschen in ihrem Sinne organisierten und erstmals in der deutschen Geschichte zum Feiertag, zum „Feiertag der nationalen Arbeit“ erklärten, waren die Gewerkschaften mit ihrem Anpassungskurs dabei und riefen ihre Mitglieder zur Teilnahme auf. Ziel der Nazis war es, die Gewerkschaften in Sicherheit zu wiegen und den Arbeiter für sich und die deutsche Volksgemeinschaft zu gewinnen.
Auch in Koblenz und Umgebung wurde der 1. Mai nach Art der Nazis gefeiert. Die nachfolgenden Schlagzeilen aus dem „Koblenzer Nationalblatt“ vermitteln einen gewissen Eindruck:
Die Schlagzeile vom 2. Mai lautete:
Der Tag des deutschen Sozialismus – Gewaltige Massenkundgebungen im Südrheinland.
Und im regionalen Teil von Koblenz hieß es:
Koblenz feiert den 1. Mai – und Feuer grüßen über den Rhein – Gewaltiger Lichterzug zum Oberehrenbreitstein – Der Gruß der 10.000 an den Führer.
Das war das Vorspiel nur und am folgenden Tag kam das, was die Nazis schon längst geplant hatten: die Zerschlagung der Gewerkschaften. Überall im Deutschen Reich stürmte die SA die Gewerkschaftsbüros, verhaftete Funktionäre und beschlagnahmte das Eigentum. Die Regierung erklärte die Freien Gewerkschaften für aufgelöst und bildete die Deutsche Arbeitsfront (DAF) unter Robert Ley als Zwangsvereinigung für Arbeitnehmer und Arbeitgeber.
Diese Zerschlagung ging rasend schnell und ohne Widerstand. Die Nazis verbrämten diesen Totalangriff auf die größten Gewerkschaften der Welt wieder einmal sehr geschickt.
Die Schlagzeile des „Koblenzer Nationalblatt“ am nächsten Tag lautete:
Aktion zum Schutz der deutschen Arbeit – Ein Aufruf des Aktionskomitees.
Und im regionalen Teil wurde getitelt:
Die Aktion gegen die sozialdemokratischen Gewerkschaften – Das Eberthaus in Koblenz besetzt.
Im Text war zu lesen:
Die Aktion wurde nicht durchgeführt, um die Gewerkschaften zu zerschlagen, sondern um sie dem neuen Staate gleichzuschalten und die Gelder besser zu verwalten, wie es früher geschehen ist. Denn es ist festgestellt worden, dass Gewerkschaftsgelder in reichem Maße für andere Zwecke als die der Arbeiter verwandt wurden. Es wurde also mit den gestrigen Maßnahmen vollkommen im Sinne der Arbeiterschaft und nicht gegen sie gehandelt. (…) Die selbstverständliche Berechtigung der Aktion leitet sich auch aus dem Verlauf des 1. Mai her, der gezeigt hat, dass der Arbeiter in seiner übergroßen Mehrheit vom Marxismus abgerückt ist.
Und am folgenden Tag hieß es:
Das Ende der Gewerkschaftsbonzen – Reichsleiter der NSBO Pg. Schuhmann, MdR. Führer sämtlicher Gewerkschaften – Das Begräbnis der Gewerkschaftsbonzokratie – der Aufbau der deutschen Arbeitsfront – Unterstellung der Gewerkschaften unter Adolf Hitler.
Betroffen von diesen Verhaftungen war der spätere Rheinland-Pfälzer Carl Vollmerhaus. Er wurde im Berliner Gewerkschaftshaus verhaftet und in das Gefängnis Plötzensee gebracht. Meines Wissens wurden in Koblenz in diesem Zusammenhang keine Gewerkschafter in „Schutzhaft“ genommen. In Betracht gekommen wäre vor allem Johann Dötsch. Aber auch er blieb hier noch verschont. Möglicherweise war er als Gewerkschafter nicht so sehr in Erscheinung getreten. Die Nazis nahmen ihn eher als SPD-Mann, als Funktionär und Politiker sowie als Mann der „Eisernen Front“ wahr. Denn verschont blieb er auch nicht. Er wurde aber erst Ende Juni 1933 im Zuge des Verbots der SPD am 22. Juni 1933 als „staats- und volksfeindlich“ in „Schutzhaft“ genommen.
Diese frühen „Schutzhaftnahmen“ waren generell nicht von unbegrenzter Dauer wie die späteren. Dötsch kam bald wieder frei, wurde aber noch einmal vorübergehend in „Schutzhaft“ genommen. Vollmerhaus entließ man im August 1933“. Knieper kam – wie gesagt – nach zwei Monaten frei. Er wurde aber am 1. September 1933 erneut festgenommen und ins Konzentrationslager Esterwegen verschleppt. Dort war er 1 ½ Jahre inhaftiert. Newinger blieb in Koblenz in „Schutzhaft“ und kam nach einem Jahr wieder frei.
In einer zweiten Welle bedienten sich die Nazis und ihre Helfer nicht der Polizei und der Schutzhaft, sondern der Justiz und der Strafhaft. Als André Hoevel im September 1933 aus dem Saargebiet nach Deutschland zurückkehrte, verurteilte ihn das Oberlandesgericht Frankfurt/Main wegen Hochverrats zu 1 ½ Jahren Zuchthaus. Seine Frau Anneliese wurde als „gefährliche und hartnäckige Förderin der illegalen KPD“ mit drei Jahren Zuchthaus bestraft. Der 1934 aus dem Saargebiet zurückkehrende Klaus Thielen, der den Auftrag der KPD hatte, sie neu zu organisieren, wurde beim ersten Kontakt verhaftet und vom Volksgerichtshof zu 15 Jahren Zuchthaus verurteilt. Der Bendorfer ehemalige Schulleiter und Sozialdemokrat Hans Bauer und zwei Gewerkschafter namens Gelhard wurden wegen ihres Kontaktes zu einem ins Saargebiet geflohenen Gewerkschaftssekretär und zu einem Grenzsekretariat der Exil-SPD (SOPADE) ebenfalls wegen Hochverrats mit jeweils 2 Jahren und sechs Monaten bzw. zwei Jahren und vier Monaten Zuchthaus bestraft. Den zuvor erwähnten Jakob Newinger verurteilte man wegen des Besitzes illegaler Zeitungen zu 2 Jahren und drei Monaten Zuchthaus.
Viele Verurteilte kamen nach Verbüßung der Strafhaft nicht frei, sondern wurden unmittelbar anschließend oder kurz danach wie es hieß „in Schutzhaft überführt“. Bauer verschleppte man wie seine beiden Kameraden Gelhard ins Konzentrationslager Buchenwald. Hoevel kam auch nach Buchenwald – nachdem er zuvor in den Konzentrationslagern Esterwegen und Sachsenhausen gewesen war. Seine Frau Anneliese brachte man nacheinander in die KZ Moringen, Lichtenburg und Ravensbrück.
Damit waren sehr viele Kommunisten, Sozialdemokraten und Gewerkschafter „in die Flucht geschlagen“, hinter Zuchthaus- und KZ-Mauern verschwunden und auch mundtot gemacht worden. Typisch für viele in Freiheit lebenden Sozialdemokraten war Johann Dötsch. Er lebte in Koblenz unauffällig als Handlungsreisender für Seifenartikel und als Obstbauer. Ähnlich ergangen sein könnte es auch den Eheleuten Hoevel, als sie 1939, nach bald 5 Jahren verschiedenster Haft, aus dem Konzentrationslager entlassen wurden und dann in Koblenz-Metternich den Obst- und Gemüsegroßhandel eines plötzlich verstorbenen Angehörigen von Andreas Hoevel übernahmen.
Mit der Entfesselung des Zweiten Weltkrieges ergab sich für die politischen Gegner des Nationalsozialismus eine neue, noch gefährlichere Situation. Sie auch hatte einen Namen:„A-Kartei-Aktion“. Die Gestapo hatte für den Fall eines Krieges schon länger eine Kartei mit insgesamt etwa 850 Kommunisten, Sozialdemokraten und Gewerkschaftern angelegt. Diese sollten bei Ausbruch des Krieges festgenommen, in „Schutzhaft“ gebracht und in ein Konzentrationslager überführt werden. Damit wollte man sicher gehen, dass diese – früheren – Gegner keine wie auch immer geartete Sabotage bei Kriegsbeginn und danach begehen konnten. Aufgrund dieser Aktion wurden der Metternicher Johann Dötsch und der Höhr-Grenzhausener Alfred Knieper festgenommen und nach Sachsenhausen bzw. Buchenwald verschleppt. Carl Vollmerhaus brachte man im September 1939 mit ca. 100 Berliner Gewerkschaftern ins KZ Sachsenhausen.
Mit Kriegsbeginn schufen die Nazis und ihre juristischen Helfer neu Straftatbestände, Strafschärfungen bestehender Gesetze – oft die Todesstrafe - und neue Strafvollzugsregelungen.
Unter Strafe stand etwa das Abhören ausländischer Sender. Das wurde den Eheleuten Hoevel zum Verhängnis. Sie hatten in Koblenz um sich einen kleinen Kreis Gleichgesinnter geschart. Zu ihnen gehörte auch der bereits erwähnte Jakob Newinger. Wegen des Radiohörens und der Verbreitung dieser Nachrichten auch in die Wehrmacht hinein wurden André und Anneliese Hoevel zum Tode verurteilt und im Zuchthaus Frankfurt-Preungesheim hingerichtet. Jakob Newinger entging nur knapp dem Fallbeil. Sein ehemaliger Kompaniechef in China setzte sich für ihn ein und erreichte eine Zuchthausstrafe von „nur“ 10 Jahren. Der zu 15 Jahren verurteilte Klaus Thielen wurde aus dem Zuchthaus in das KZ Mauthausen in Niederösterreich verschleppt. Man wollte solche Häftlinge – wie es hieß – nicht weiter konservieren. Die Parole hieß: „Vernichtung durch Arbeit“. Thielen erhielt den „R.u.-Vermerk“ – „Rückkehr unerwünscht“ und wurde in Mauthausen, das die Häftlinge „Mordhausen“ nannten, Anfang 1944 ermordet.
Selbst die rechtzeitig ins Ausland geflohenen und dort gebliebenen politischen Gegner waren ihres Lebens nicht sicher. Hugo Salzmann, dessen Frau und Sohn ihm alsbald folgten, lebte illegal in Paris und musste hart um seine Existenz kämpfen. Immerhin gelang es ihm nach einiger Zeit, Literatur-Obmann der KPD-Emigrantenleitung in Paris zu werden. Wie viele andere deutsche Emigranten auch, wurde er bei Kriegsbeginn interniert und in das südfranzösische Konzentrationslager Le Vernet verschleppt. Um in dieser bedrückenden Situation eine sinnvolle Beschäftigung und Abwechslung zu haben, begann er mit einem ihm belassenen Taschenmesser und Suppenknochen kleine Kunstwerke zu schnitzen, bekannt wurde er für seine Knochenringe.
Währenddessen wurde seine illegal lebende Frau Julianna von den Franzosen gezwungen, sich zu stellen. Das tat sie auch und wurde an die Gestapo ausgeliefert. Ein Jahr lang war sie in „Schutzhaft“ in Koblenz. Da man ihr nichts nachweisen konnte, legte man eine Gestapo-Spitzelin in die Zelle. Diese brachte sie zum Sprechen und sorgte dafür, dass sie in das Frauen-KZ Ravensbrück kam. Dort starb Julianna Salzmann im Dezember 1944 an Entkräftung. Ihr Mann Hugo wurde ein Jahr später von den Franzosen ebenfalls an die Gestapo ausgeliefert und war ein Jahr im Koblenzer Gefängnis inhaftiert. Wegen seiner exilpolitischen Tätigkeit verurteilte ihn der Volksgerichtshof „nur“ zu 8 Jahren Zuchthaus.
Die Befreiung kam für die den NS-Terror-Überlebenden zu verschiedenen Zeiten und unter unterschiedlichen Umständen. Johann Dötsch etwa wurde im April 1945 vom KZ Sachsenhausen auf den „Todesmarsch“ in Richtung Ostsee getrieben. Wer schwach war und nicht mithalten konnte, wurde von der SS-Wachmannschaft erbarmungslos getötet und am Straßenrand liegen gelassen. Dötsch überlebte und wurde – schwerkrank – in der Nähe von Schwerin befreit.
Er kehrte nach Koblenz zurück und wurde in der Anfang 1946 gebildeten Provinz Rheinland-Hessen-Nassau Präsidialdirektor, also ein kleiner „Minister“. Vom Tod gezeichnet, ging für ihn doch noch ein Wunsch in Erfüllung. Wie später sein Pflegesohn Fritz Görgen und sein Patenkind Günther Pauli (der spätere SPD-Bundestagsabgeordnete) berichteten, ließ er sich Mitte September 1946 auf einer Bahre zum Wahllokal tragen, um an den ersten freien Wahlen nach dem NS-Regime teilnehmen zu können. Drei Wochen später starb Johann Dötsch an den Folgen der KZ-Haft.
Ein ähnliches Schicksal hatte der im KZ Buchenwald befreite Hans Bauer. Auch er kehrte krank und geschwächt nach Bendorf zurück, wurde noch Oberstudiendirektor eines Gymnasiums in Traben-Trarbach, verunglückte 1947 aber auf dem Weg zur Schule tödlich.
Johann Dötsch hatte sich im KZ Sachsenhausen mit dem Berliner Gewerkschafter Carl Vollmerhaus angefreundet und war mit ihm auf dem „Todesmarsch“ gewesen. Als entschiedener Gegner der Zwangsvereinigung von KPD und SPD in der Sowjetischen Besatzungszone nahm Vollmerhaus die Einladung seines Freundes Dötsch nach Koblenz an. Hier beteiligte er sich sogleich am Aufbau der Gewerkschaften, wurde Aufsichtsratsvorsitzender der Konsumgenossenschaft Mittelrhein, Vorsitzender des Arbeitsgerichts Koblenz und lange Jahre 2. Vorsitzender der ÖTV Koblenz. Carl Vollmerhaus starb 1979 im Alter von 95 Jahren in Koblenz.
Alfred Knieper kehrte nach seiner Befreiung aus dem KZ Buchen-wald nach Höhr-Grenzhausen zurück und machte eine Karriere als Verwaltungsbeamter. Im Jahr 1950 war er Regierungsvizepräsident der damaligen Bezirksregierung Montabaur. Dabei vergaß er nicht seine politische Heimat. Er half mit, die KPD wieder aufzubauen, war Mitglied des Landesvorstandes der KPD und Landes-vorsitzender der VVN. Als es im Jahr 1950 zu den ersten Berufsverboten für Kommunisten im öffentlichen Dienst kam, stellte das Knieper vor eine schwere Entscheidung: Beruf oder Partei. Er entschied sich für den Beruf, legte seine Ämter in der KPD und der VVN nieder und trat aus beiden aus. Aber nur mit großer Mühe gelang es ihm, Beamter zu bleiben, zuletzt Regierungsdirektor. Alfred Knieper starb im Jahr 1973.
Jakob Newinger war nach der Befreiung im Zuchthaus Siegburg bald wieder in Koblenz aktiv. Er wurde Hallenmeister des Schlachthofs und Betriebsratsvorsitzender. Auch war er beim Wiederaufbau der KPD aktiv, Mitglied des Bürgerrats und bemühte sich – vergebens – um eine Einheitsfront von KPD und SPD. Als Arbeiter hatte er Glück und war von den Berufsverboten nicht betroffen. Jakob Newinger trat 1954 in den Ruhestand und starb 1972.
Hugo Salzmann kehrte nach seiner Befreiung aus dem Zuchthaus Butzbach nach Bad Kreuznach zurück. Er machte da weiter, wo er bei seiner Flucht vor den Nazis hatte aufhören müssen: Er war aktiv beim Wiederaufbau der Gewerkschaften und wurde sehr bald Gewerkschaftssekretär für Arbeits- und Sozialrecht. Auch baute er die KPD wieder auf, war Kommunalpolitiker im Stadtrat von Bad Kreuznach und im Kreistag. Außerdem engagierte er sich für die Opfer des Nationalsozialismus, war aktiv bei der VVN und setzte sich sehr stark für die sozialen Belange der arbeitenden und sozial schwachen Bevölkerung von Bad Kreuznach ein.
Eine seiner letzten „Amtshandlungen“ als Stadtrat von Bad Kreuznach war die feierliche Einweihung der Alten Nahebrücke im Juni 1956. Zwei Monate später verbot das Bundesverfassungsgericht die KPD und alle ihre Nebenorganisationen. Damit verlor auch er sein Stadtratsmandat. Nach vielen Jahren der Verfolgung und dem Tod seiner Frau Julianna war er seiner politischen Heimat und Betätigung beraubt und stürzte in eine schwere weitere Lebenskrise. Er blieb aber Gewerkschaftssekretär, bis er 1968 in den Ruhestand ging. Auch danach hielt er guten Kontakt zu Weggefährten wie etwa Karl Thorwirth. Zahlreiche Ehrungen wurden ihm zuteil, gerade auch zu seinem 75. Geburtstag am 4. Februar 1978. Aus der Hand des Landesvorsitzenden des DGB Julius Lehlbach erhielt er den Ehrenteller des DGB und wenig später die Ehrung für 60 Jahre Mitgliedschaft in der Gewerkschaft. Der Öffentliche Anzeiger von Bad Kreuznach berichtete über ihn mit der Überschrift: „Gewerkschafter mit Charakter und ein guter Mensch.“
Seine Lebenskrise hatte er schon längst überwunden. Eine entschei-dende Hilfe dabei war ihm das Wiederentdecken der Schnitzkunst, die ihm seinerzeit das Überleben im KZ Le Vernet erleichtert hatte. Jetzt waren es aber keine Suppenknochen mehr, sondern das Material war im Wesentlichen. Holz. Auf zahlreichen Ausstellungen – gerade auch des DGB-Landesbezirks Rheinland-Pfalz zeigte er immer wieder gern sein künstlerisches Werk, etwa in Mainz oder auch in der Bundesschule des DGB in Bad Kreuznach DGB.
Seine Tochter, Frau Julianna Salzmann, hat nach seinem Tod im Jahr 1979 die meisten seiner Arbeiten in ihrem Besitz. Sie hat heute einige Schnitzereien mitgebracht und wird Ihnen nach dem zweiten Vortrag mit Lebensbildern aus der Pfalz von Herrn Dr. Becker diese Exponate gern zeigen und Rede und Antwort stehen.
Vielen Dank.
Update: Vor 80 Jahren - Ausstellung im Neuen Justizzentrum Koblenz
Vor 80 Jahren, am 1. April 1933, fanden die ersten reichsweiten antisemitischen Repressalien gegen jüdische Bürger, vor allem gegen Geschäftsleute, Ärzte und Rechtsanwälte, statt. Aus diesem Anlass zeigt die Justiz in Koblenz ab dem 16. April 2013 im Neuen Justizzentrum Koblenz eine kleine Ausstellung mit dem Thema: "Dr. Georg Krämer (1872 - 1942) und andere jüdische Koblenzer Juristen". Auf Einladung des Präsidenten des Oberverwaltungsgerichts und des Verfassungsgerichtshofs Rheinland-Pfalz Dr. Lars Brocker, des Genereralstaatsanwalts Koblenz Erich Jung und des Leitenden Oberstaatsanwalts Koblenz Harald Kruse wird der stellvertretende Vorsitzende des Fördervereins Mahnmal Koblenz Joachim Hennig einen einführenden Vortrag zur Ausstellung halten. Die Ausstellung zeigt neun Porträts jüdischer Koblenzer Juristen, die zum Teil speziell für die Ausstellung vom Förderverein Mahnmal Koblenz erarbeitet wurden. Ergänzend zu dieser Erinnerung an das historische Judentum in Koblenz stellt der Geostratege und Autor Dr. Hubertus Hoffmann seine Biografie über den Sohn Dr. Georg Krämers Dr. Fritz Kraemer vor: "True Keeper of the Holy Flame". Anders als sein Vater konnte Fritz Krämer vor dem Holocaust aus Deutschland fliehen. Er war bald nach dem Krieg bis 1978 der einflussreichste Deutsche im US-amerikanischen Verteidigungsministerium, dem Pentagon. Er war dann auch Mentor von Dr. Hoffmann, der den vor einigen Jahren verstorbenen Dr. Fritz Kraemer einschließlich seiner bisher verborgenen jüdischen Wurzeln in Koblenz und Umgebung einer breiten Öffentlichkeit vorstellt.
Der Eintritt zur Ausstellung, die bis zum 7. Mai 2013 im Neuen Justizzentrum Koblenz, Deinhardpassage 1, in der Zeit von 8.00 Uhr bis 17.00 Uhr zu sehen ist, ist frei.
Eine Pressebericht von Blick Aktuell HIER lesen
Einen, doch recht grossen Artikel der Rhein-Zeitung vom 24.04.2013 (2 Zeitungsseiten), haben wir für Sie etwas
"kleiner" gemancht.
Hier zum Lesen: Teil 1 Teil 2 Teil 3 Teil 4 Teil 5
Einen Rundfunkmittschnitt können Sie hier hören:
Im Folgenden eine Bilderstrecke von der Eröffnungsveranstaltung
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Bilderstrecke des Besuchs von Dr. H. Hoffmann in Diethardt, vom 16. April 2013
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Generalstaatsanwalt
Begrüßungsworte zur Veranstaltung Dr. Georg Krämer (1872 - 1942) und andere jüdische Koblenzer Juristen am 16.04.2013
Meine sehr geehrten Damen und Herren,
ich darf Sie - auch im Namen von Herrn Präsidenten des Oberverwaltungsgerichts Dr. Brocker und Herrn Leitenden Oberstaatsanwalt Kruse zu der gemeinsamen Veranstaltung von Oberverwaltungsgericht, Staatsanwaltschaft und Generalstaatsanwaltschaft „Dr. Georg Krämer und andere jüdische Koblenzer Juristen“ im Neuen Justizzentrum - sehr herzlich willkommen heißen. Sie ist dem Andenken und der Erinnerung an das Schicksal jüdischer Koblenzer Juristen gewidmet, unter ihnen Dr. Georg Krämer, ehemals - bis zu seiner Entlassung im Jahr 1935 - Erster Staatsanwalt bei der Staatsanwaltschaft Koblenz.
Die Überlegungen dazu, diese Veranstaltung durchzuführen sind entstanden vor dem Hintergrund des von den Nationalsozialisten im April 1933, also vor 80 Jahren, inszenierten Judenboykotts und der im selben Monat ergangenen ersten nationalsozialistischen Rassengesetze mit ihren schwerwiegenden Folgen für die Betroffenen. Sie sind
maßgeblich befördert worden durch den Kontakt zwischen Herrn Dr. Hubertus Hoffmann, dem Verfasser eines biografischen Werks über Dr. Fritz Krämer, einen der Söhne von Dr. Georg Krämer, das er heute vorstellen wird, und Herrn Richter am Oberverwaltungsgericht Joachim Hennig, der sich seit vielen Jahren um die Gedenkarbeit im Koblenzer Raum und darüber hinaus verdient gemacht hat. Nach den ersten Kontakten sind wir schnell übereingekommen, mit dieser Veranstaltung der jüdischen Juristen, die in Koblenz und Umgebung gewirkt haben und der Verfolgung durch das Naziregime ausgesetzt waren, zu gedenken.
Wir freuen uns, meine Damen und Herren, dass Sie unserer Einladung so zahlreich gefolgt sind.
Als Vertreter der 1. Gewalt darf ich unter uns den Vorsitzenden des Rechtsausschusses des Landtags Rheinland-Pfalz, Herrn Abgeordneten Schneiders, begrüßen. Seien Sie herzlich willkommen.
Es liegt in der Natur der Sache, dass die Justiz selbst heute besonders zahlreich vertreten ist.
Ich begrüße sehr herzlich den Präsidenten des Oberlandesgerichts Koblenz, Herrn Graefen, die Präsidentinnen der Landgerichte Koblenz und Mainz, Frau Dicke und Frau Blettner, sowie den Direktor des Amtsgerichts Koblenz, Herrn Fischer.
Es freut mich sehr, dass der Präsident des Landessozialgerichts, Herr Merz, der Präsident des Sozialgerichts Koblenz, Herr Binz, sowie der Direktor des Arbeitsgerichts Koblenz, Herr Gans, zu uns gekommen sind.
Aus der Verwaltungsgerichtsbarkeit begrüße ich die Präsidentinnen der Verwaltungsgerichte Mainz und Neustadt an der Weinstraße, Frau Dr. Freimund-Holler und Frau Faber-Kleinknecht, sowie den Präsidenten des Verwaltungsgerichts Koblenz, Herrn Geis.
Aus den Reihen der Staatsanwaltschaften darf ich Herrn Leitenden Oberstaatsanwalt Dr. Brauer aus Trier willkommen heißen.
Ich freue mich als Vertreter der Religionsgemeinschaften den Vorsteher der jüdischen Kultusgemeinde Herrn Dr. Kahn und Herrn Superintendenten Stahl begrüßen zu können.
Willkommen heißen darf ich sehr herzlich den Präsidenten der Rechtsanwaltskammer Koblenz, Herrn Justizrat Jansen und die Vorsitzende des Vereins der Koblenzer Rechtsanwälte, Frau Theobald-Frick sowie - nicht zuletzt - Herrn Polizeipräsidenten Eckhardt und den Leiter der Justizvollzugsanstalt Koblenz, Herrn Maldena.
Schließlich gilt mein Willkommensgruß den Vertretern der Presse, die heute anwesend sind, Frau Samary von der Rhein-Zeitung, den Vertretern des SWR und von Blick aktuell und natürlich Ihnen allen meine Damen und Herren, die ich nicht namentlich erwähnt habe, die aber ebenso herzlich willkommen sind.
Unsere Veranstaltung meine Damen und Herren hat nicht die der Rolle der Justiz im 3. Reich im allgemeinen zum Gegenstand, ihre Beteiligung am Abbau der Bürgerrechte, am Verlust der Rechtsstaatlichkeit, ihre Teilhabe an der Entwicklung sogenannten „nationalsozialistischen Rechtsdenkens“, ihre Verantwortung gegenüber vielen, die Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft geworden sind. Sie will das Schicksal jüdischer Koblenzer Juristen in den Mittelpunkt stellen, die selbst Opfer dieser Gewaltherrschaft geworden sind, Richter, Staatsanwälte, Rechtsanwälte, in der Ausbildung befindliche Juristen. Wir sehen es als unsere Verpflichtung als Vertreter einer rechtsstaatlichen Justiz an, das Andenken an diese Menschen, an ihr Schicksal zu bewahren und öffentlich zu machen.
Sie alle waren der Diskriminierung und Verfolgung durch den nationalsozialistischen Terror ausgesetzt, hatten den Verlust ihrer Lebensgrundlagen zu ertragen, für viele endete dieser Weg im Tod.
Sie waren der menschenverachtenden Ideologie des Nationalsozialismus ausgesetzt, die nach 1933 schnell in Gesetze und Vorschriften umgesetzt wurde, welche ebenso schnell und kompromisslos vollzogen wurden.
Gut 60 Jahre nach dem Gleichberechtigungsgesetz von 1869/1871, mit dem „alle aus der Verschiedenheit des religiösen Bekenntnisses hergeleiteten Beschränkungen der bürgerlichen und staatsbürgerlichen Rechte aufgehoben und die Befähigung zur Bekleidung öffentlicher Ämter vom religiösen Bekenntnis unabhängig gestellt worden waren“, machten die Nationalsozialisten die damit verbundenen Errungenschaften in kürzester Zeit zunichte.
Einhergehend mit Forderungen nach „der Säuberung der Gerichte, der Notariate und der Anwaltschaft von Angehörigen fremder Rasse“ und Aufrufen zum Boykott jüdischer Geschäfte, jüdischer Waren, jüdischer Ärzte und jüdischer Rechtsanwälte wurde am 07.04.1933 das Gesetz mit dem irreführenden Titel „Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“ erlassen, das die Vertreibung politischer Gegner des NS-Regimes und von Menschen nicht arischer Abstammung aus dem Staatsdienst zum Gegenstand und zum Ziel hatte. Dem entsprach das Gesetz über die Zulassung zur Rechtsanwaltschaft, das nur noch Juristen arischer Abstammung die Zulassung zur Anwaltschaft ermöglichte. Es folgten eine Reihe weiterer Gesetze u.a. „das Gesetz zur Verhütung von Missbräuchen auf dem Gebiet der Rechtsberatung“, das auch die außergerichtliche juristische Tätigkeit von einer Erlaubnis abhängig machte, die Juden nicht erteilt wurde.
Damit war jüdischen Juristen jede Möglichkeit zur Betätigung in ihrem erlernten Beruf genommen.
Die Auswirkungen dieser Gesetzgebung werden am Schicksal, das die jüdischen Koblenzer Juristen erlitten haben, mehr als deutlich. Sie zeigen sich beispielhaft am Lebensweg des Koblenzer Ersten Staatsanwalts Dr. Krämer, den ich hier nur kurz skizzieren will.
1872 in Berlin geboren, studiert er Rechtswissenschaften in Berlin, Heidelberg und München, legt das 1. und 2. juristische Staatsexamen ab und promoviert. Er tritt in den staatsanwaltschaftlichen Dienst ein und ist als Staatsanwalt tätig in Frankfurt/Oder, Memel und Essen. Er nimmt als Freiwilliger am 1. Weltkrieg teil. Nach seiner Entlassung ist er als Staatsanwalt in Hagen tätig, wird zum Ersten Staatsanwalt befördert und seinem Wunsch entsprechend 1931 aus familiären Gründen an die Staatsanwaltschaft Koblenz versetzt.
Im April 1933 wird er vom Dienst beurlaubt und - nach kurzfristiger Wiederbeschäftigung aufgrund des im „Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“ enthaltenen Frontkämpferprivilegs - im Dezember 1935, nach Abschaffung dieses Privilegs - endgültig aus dem Staatsdienst entlassen. Damit ist er beruflich und wohl auch wirtschaftlich seiner Lebensgrundlage beraubt. 1942 wird er wegen Nichttragens des Judensterns von der Gestapo in Haft genommen, nach seiner Freilassung muss er seine Wohnung aufgeben und in das sogenannte „Judenhaus“ in der Hohenzollernstraße ziehen. Am 27.07.1942 wird er in das KZ Theresienstadt deportiert, sein verbliebenes Vermögen wird eingezogen. Am 01.11.1942 kommt er im KZ Theresienstadt um.
Ich will dem nichts hinzufügen, ich denke die Daten stehen für sich. Der Lebensweg von Dr. Georg Krämer macht deutlich, wie der nationalsozialistische Terror jüdische Mitmenschen, Juristen, die neben allem anderen auch Kollegen, Mitarbeiter, Nachbarn und vieles mehr waren, in den Abgrund geführt hat.
Ich darf mich an dieser Stelle ganz herzlich bei Ihnen sehr geehrter Herr Hennig, bedanken für die Bereitschaft uns im Folgenden einen Einblick in diese Lebensschicksale zu geben und verbinde das mit dem Dank für die Arbeit und das Engagement mit dem Sie die Ausstellung zusammengestellt haben, mit der ihre Schicksale dokumentiert werden und die wir heute eröffnen wollen.
Ich denke, es ist nicht notwendig, Sie dem Auditorium hier in Koblenz weitergehend vorzustellen. Sie sind neben Ihrer Tätigkeit als Richter am Oberverwaltungsgericht seit vielen Jahren in der Gedenkarbeit engagiert, Ihre Arbeit ist bekannt und anerkannt. Wir sehen Ihren Ausführungen mit großem Interesse entgegen.
Mein Dank gilt auch Ihnen Herr Dr. Hoffmann für die Bereitschaft, an der heutigen Veranstaltung mitzuwirken. Sie sind Autor, Verfasser, Herausgeber - wie immer man es bezeichnen mag - des biografischen Werks über Dr. Fritz Krämer, einen der Söhne Dr. Georg Krämers, mit dem Titel „True Keeper of the Holy Flame“.
Dr. Fritz Krämer, der wie sein Vater Rechtswissenschaften studiert, sein Studium in Frankfurt abgeschlossen und promoviert hatte, gelang es 1939 über Italien in die USA zu emigrieren. Er trat in die amerikanische Armee ein, wurde amerikanischer Staatsbürger und kehrte als amerikanischer Soldat nach Deutschland zurück. Dabei kam er in engen Kontakt zu Henry Kissinger, dem späteren amerikanischen Außenminister, dessen Denken er - nach allem was wir Ihrem Buch entnehmen können - entscheidend mitgeprägt hat. Er war von 1952 bis 1978 einflussreicher Berater im Pentagon, dem amerikanischen Verteidigungsministerium, Mentor und Förderer des späteren amerikanischen Außenministers Alexander Haig.
Ohne Ihnen vorgreifen zu wollen, sehr geehrter Herr Hoffmann, meine ich nach Lektüre des Buches sagen zu können, sein Denken und Handeln war bestimmt vom Ideal der Freiheit, vom Gedanken des „Friedens durch Stärke“ und vom Ideal einer Verantwortungselite. So kennzeichnen ihn in Ihrem Buch neben Ihnen Henry Kissinger, Alexander Haig und viele andere.
Es mag sein, dass dieses Denken in seinen konkreten Ausprägungen, in seiner politischen Umsetzung im Einzelnen nicht immer nur ungeteilte Zustimmung gefunden hat, ich denke aber es hat seine Grundlage und ist geprägt von den Erfahrungen im 3. Reich, den Erfahrungen mit der nationalsozialistischen Willkürherrschaft und den daraus gewonnenen Erkenntnissen.
Sehr geehrter Herr Hoffmann, Ihre eigene Vita in Kurzform darzustellen erscheint mir schwer möglich. Neben einer Vielzahl von Tätigkeiten in und für nationale und internationale Organisationen und Institutionen, für eine Vielzahl politisch Verantwortlicher waren Sie als Journalist und Medienmanager u.a. mit Schwerpunkt im außenpolitischen Bereich tätig und haben über viele Jahre eng mit Dr. Fritz Krämer zusammengearbeitet. Wer, wenn nicht Sie, wäre dazu berufen uns seinen Lebensweg zu vermitteln und in seine Gedankenwelt einzuführen.
Sehr geehrter Herr Hennig, sehr geehrter Herr Hoffmann, das Podium gehört Ihnen.
Der Vortrag von Joachim Hennig, Förderverein Mahnmal:
„Dr. Georg Krämer (1872 - 1942) und andere jüdische Koblenzer Juristen“ - von Joachim Hennig
Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Kolleginnen und Kollegen!
Gern möchte ich Sie einführen in die kleine Ausstellung „Dr. Georg Krämer (1872 - 1942) und andere jüdische Koblenzer Juristen“. Damit präsentieren wir insgesamt neun Personentafeln. Da wir mit der Tafel der Juristenfamilie Brasch drei und mit der Tafel Dr. Georg Krämers zwei Juristen darstellen, können Sie hier die Lebensbilder von insgesamt 12 jüdischen Juristen aus Koblenz und Umgebung sehen. Diese haben zur Zeit des Nationalsozialismus gelebt und damals zum Teil auch noch als Juristen gearbeitet. Ab 1933 wurden sie diskriminiert, schikaniert, verfolgt und manche von ihnen wurden auch ermordet. Was wir Ihnen hier vorstellen, sind anrührende, bewegende und erschütternde Biografien von Menschen wie Sie und ich, die voller Lebensfreude hier lebten und arbeiteten, sich zu Juristen ausbilden ließen, der Gerechtigkeit dienen wollten, anerkannt und geschätzt wurden – dann von der Vernichtung durch Giftgas und dem Fallbeil bedroht waren und noch rechtzeitig fliehen konnten oder tatsächlich vernichtet wurden.
Mit diesen 12 Biografien wird Ihnen wissenschaftlich ausgedrückt ein Sample, eine Stichprobe, präsentiert. Beim Landgericht Koblenz waren im April 1933 7 jüdische Rechtsanwälte zugelassen. Sie machten das Gros der jüdischen Juristen aus. Des Weiteren gab es noch einen einzigen jüdischen Staatsanwalt bei der Staatsanwaltschaft Koblenz – eben Dr. Georg Krämer. Beim Landgericht Koblenz war ein einziger Gerichtsassessor beschäftigt, Dr. Fritz Dreyfuss; des Weiteren waren dem Landgericht Koblenz Gerichtsreferendare zugewiesen, ich weiß namentlich von 5, einer von ihnen war Jakob Schönewald. Außerdem gab es mehrere ehemalige Richter, die 1933 entweder schon verstorben waren oder sich - wie der Amtsgerichtsrat Dr. Edwin Landau - im Ruhestand befanden. Schließlich gab es eine unbekannte Zahl jüdischer Studenten, wie die in Boppard am Rhein geborene Maria Terwiel und Dr. Fritz Krämer.
Im Laufe meiner Gedenkarbeit bin ich auf mehrere jüdische Juristen und ihre Angehörige gestoßen oder habe nach ihnen gezielt gesucht. Entstanden sind daraus diese 12 Lebensbilder. Sie sind - wissenschaftlich gesehen - eine willkürliche Auswahl. Als ein solches Sample erheben sie keinen Anspruch auf eine repräsentative Auswahl mit allen sich daraus ergebenden Folgerungen. Aber gleichwohl stehen diese 12 Lebensbilder jüdischer Koblenzer für typische Schicksale jüdischer Juristen in der NS-Zeit.
Porträtiert werden drei Generationen jüdischer Juristen, fast ausschließlich Männer, nur eine Juristin ist unter ihnen. Die Mehrzahl von ihnen war promoviert. Vor allem waren es wie gesagt Rechtsanwälte. Die meisten arbeiteten in Koblenz. Kein einziger von ihnen hat nach 1945 in seinem erlernten Beruf gearbeitet. Keiner von ihnen ist nach Koblenz zurückgekehrt. Auch sonst gibt es in Koblenz meines Wissens keinen Juristen jüdischer Herkunft. Mit diesen vom Nazi-Terror vertriebenen und ermordeten Menschen ist zugleich eine jahrzehntelange deutsch-jüdische Rechtskultur an Rhein und Mosel zerstört und vernichtet worden.
Zeitlich erster der hier porträtierten jüdischen Koblenzer Juristen war Isidor Brasch. Er war im Jahr 1864 weit weg von Koblenz geboren – in der damals noch preußischen Provinz Posen. Er begab sich auf einen Weg nach Westen. Er studierte in Berlin und absolvierte seine Referendarzeit beim Oberlandesgericht Frankfurt am Main. 1890 ließ er sich als Rechtsanwalt in Mayen nieder. Einige Jahre später wurde er auch beim Landgericht Koblenz zugelassen und verlegte seine Praxis und seinen Wohnsitz nach Koblenz. Sein beruflicher Einstieg als Rechtsanwalt ist typisch für diese Generation jüdischer Juristen. Bis zum Jahr 1878 war ihnen auch weitgehend der Beruf des Rechtsanwalts verschlossen. Dieser war in Preußen ein staatsabhängiger Beruf und für Glaubensjuden kaum erreichbar. Das änderte sich erst mit der Rechtsanwalts-ordnung von 1878. Diese schuf die freie Advokatur – wie wir sie heute als selbstverständlich kennen. Dadurch konnten verstärkt auch Glaubensjuden Rechtsanwälte werden. Das nutzten sie auch. In den 1890er Jahren – als sich Isidor Brasch in Mayen als Rechtsanwalt niederließ - war fast jeder vierte Rechtsanwalt in Preußen jüdischer Herkunft. Dieser Prozentsatz blieb in Preußen bis 1933 unverändert. Und das bei einem Anteil der Juden von etwa einem Prozent an der Gesamtbevölkerung.
War es für Juden vor mehr als 100 Jahren schon schwer, als Rechtsanwalt zugelassen zu werden, so war es für Glaubensjuden fast unmöglich, in den Staatsdienst zu kommen. Eine Änderung brachte erst 1869 das „Gesetz, betreffend die Gleichberechtigung der Konfessionen in bürgerlicher und staatsbürgerlicher Beziehung“. Dieses Gesetz hob mit einem Schlag alle früher gegen die Juden erlassenen Ausnahmeregelungen auf, stellte sie in allen Beziehungen und Rechtsverhältnissen den Christen gleich und verordnete endlich die Gleichberechtigung der Konfessionen in bürgerlicher und staatsbürgerlicher Beziehung rechtsförmlich in einem einzigen Artikel.
Frühe Beispiele für Juden in Staatsämtern sind Dr. Georg Krämer und Dr. Edwin Landau. Der eine wurde 1899 Staatsanwalt, der andere wohl 1895 Amtsgerichtsrat. Typisch für die damalige Situation ist, dass beide bevor sie in den Staatsdienst eintraten zum Christentum konvertierten. Damit war die Anstellung im Staats-dienst und Beförderung leichter zu erreichen. Wie schwer es für Glaubensjuden war, Staatsanwalt oder Richter oder gar befördert zu werden, zeigt der Umstand, dass im Jahr 1890 der erste Glaubensjude ein Beförderungsamt erreichte und Oberlandes-gerichtsrat wurde. Wegen dieser schlechten Berufsaussichten erstrebten viele qualifizierte jüdische Juristen keine Stelle im Justizdienst – jedenfalls nicht auf lange Sicht -, sondern sie ließen sich als Rechtsanwälte nieder.
An dem Lebensweg der 11 männlichen Juristen erkennt man die damals hoch im Kurs stehende Kaiser- und Vaterlandstreue. Durchweg waren sie Patrioten. Das zeigte sich gerade auch im Ersten Weltkrieg. Alle wehrfähigen Juristen wurden Soldaten - und meldeten sich ganz überwiegend als Freiwillige. Die meisten von ihnen waren Frontkämpfer, wurden verwundet und zeichneten sich im Krieg aus. Dr. Georg Krämer war Major und Rittmeister. Walter Brasch wurde verwundet und kam in ein Kriegslazarett, Ernst Brasch wurde das Eiserne Kreuz III. Klasse verliehen. Arthur Salomon war Frontkämpfer und musste sogar von den Nazis als solcher anerkannt werden. Später war er letzter Vorsitzender der Bezirksgruppe Koblenz des Reichsbundes jüdischer Frontkämpfer. Auch Dr. Isidor Treidel war Frontkämpfer, er heirate sogar in Unform. Ganz ungewöhnlich war der Einsatz von Dr. Fritz Dreyfuss. Als 19-Jähriger wurde er Soldat und war meist in vorderster Front bei einer Maschinengewehrabteilung. Trotz drei schwerer Erkrankungen meldete er sich dreimal als Freiwilliger wieder an die Front und wurde wegen Tapferkeit vor dem Feind besonders ausgezeichnet. Nach dem Krieg war er wegen seiner Verwundungen jahrelang in ärztlicher Behandlung und musste sich fünf schweren Operationen unterziehen.
Nach dem Ersten Weltkrieg und zurzeit der ersten deutschen Demokratie etablierte sich die ältere Generation jüdischer Juristen. Dr. Georg Krämer wurde zum Ersten Staatsanwalt befördert und Dr. Isidor Brasch erhielt den Ehrentitel eines Justizrats sowie die weitere Zulassung auch noch beim Amtsgericht Koblenz. Dr. Edwin Landau war der erste der Porträtierten, der nach Erreichen der Altersgrenze im Jahr 1927 in den Ruhestand trat.
Die nächste, die Mittelgeneration, schloss die durch den Weltkrieg begonnene Ausbildung bzw. das Studien ab oder begann damit. Das galt für die Brüder Brasch ebenso wie für Fritz Dreyfuss und Albert Trum. Sie machten meist keine herausragenden Examina, promovierten aber zum Teil und standen dann meist als Rechtsanwälte ihren Mann.
Die jüngere Generation, repräsentiert durch Fritz Krämer, Jakob Schönewald und Maria Terwiel war 1933 im Referendariat oder noch im Studium. Dabei ist es auch typisch, dass mit Maria Terwiel nur eine einzige und zudem junge Juristin unter den Porträtierten ist. Denn Frauen konnten erst mit dem Gesetz über die Zulassung von Frauen zu den Ämtern und Berufen der Rechtspflege vom 11. Juli 1922 diese Berufe ergreifen. Auch danach gab es noch nicht viele junge Studentinnen. Schuld daran war vor allem auch das frauenfeindliche Klima an den Universitäten der Weimarer Zeit.
Die Welt dieser 12 jüdischen Koblenzer Juristen war nicht heil. Auch damals gab es berufliche Sorgen und Nöte, man stand in einem Konkurrenzkampf – jedenfalls die Rechtsanwälte unter ihnen. Auch im Studium und Referendariat ging es darum, sich gute Startchancen für das Erwerbsleben zu schaffen. Und wie die Bevölkerung ganz allgemein drückte auch die jüdischen Koblenzer Juristen die Ende der 1920er Jahre ausbrechende Weltwirtschafts-krise. Aber es war eine Welt, der man ganz gut leben und arbeiten konnte, in der man sein Auskommen hatte und in der der Tüchtige sein Glück finden konnte. Das galt auch für andere Bereiche. Beispielhaft sei erwähnt, dass Dr. Fritz Dreyfuss politisch aktiv zunächst in der linksliberalen Deutschen Demokratischen Partei und dann in der SPD sowie im republiktreuen Kampfbund Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold war. 1930 heiratete er und im selben Jahr kam ein Sohn zur Welt. Auch Dr. Walther Brasch heiratete – und begab sich mit seiner Frau Irma im Jahr 1931 auf Hochzeitsreise nach Marienbad in Tschechien.
In dieser Situation brach nun der Nationalsozialismus mit seinem Rassenwahn hinein. Zwei Generationen nach dem Gleichberechtigungsgesetz von 1869/1871 zerstörten die Nazis die Emanzipation der Juden innerhalb weniger Wochen, ja Tage.
Das erste Opfer war Ernst Brasch. Er war inzwischen Regierungsrat beim Finanzamt Frankfurt am Main geworden. Als er Anfang 1933 einige Minuten zu spät zum Dienst kam, weil er eine Verwandte zum Zug gebracht hatte, stellte ihn sein Chef mit den Worten zur Rede: „Sie als Jude können froh sein, dass Sie hier überhaupt noch arbeiten dürfen.“ Das kränkte ihn so, dass er um seine sofortige Entlassung aus dem Beamtenverhältnis nachsuchte.
Ab Mitte März 1933 kamen die jüdischen Juristen reichsweit ins Fadenkreuz der Nazis. Am 12. März 1933 besetzten SA-Leute das Landgericht Breslau und unterbrachen Verhandlungen, in denen jüdische Richter, Staatsanwälte und Rechtsanwälte tätig waren. Nur zwei Tage später verlangte der „Bund nationalsozialistischer Deutscher Juristen“, kein Jude dürfe im Dritten Reich als Richter, Notar oder Rechtsanwalt tätig sein. Alle deutschen Gerichte bis hinauf zum Reichsgericht müssten von Richtern und Beamten „fremder Rasse“ unverzüglich gesäubert werden und sofort müsste eine Zulassungssperre für Rechtsanwälte „fremder Rasse“ an deutschen Gerichten in Kraft treten und anderes mehr.
Von diesen antisemitischen Ausschreitungen war auch Dr. Fritz Dreyfuss betroffen, der kurz zuvor von Koblenz nach Köln abgeordnet worden war. In Köln wurden am 31. März 1933 mehrere jüdische Richter von SA-Leuten mit Gewalt aus ihren Büros gezerrt. Das widerfuhr auch Dreyfuss, er wurde anschließend noch festgenommen. In Koblenz wurde Dr. Georg Krämer aus dem Dienst „weggeschickt“ und bis auf weiteres beurlaubt – die Folge war ein Nervenzusammenbruch.
Für den folgenden Tag, den 1. April 1933, hatten die Nazis den Boykott „jüdischer Geschäfte, jüdischer Waren, jüdischer Ärzte und jüdischer Rechtsanwälte“ propagiert. Dieser „Judenboykott“ war die erste öffentliche Aktion zur Demonstration des Antisemitismus in Deutschland.
Schon wenige Tage später setzte sich die Entrechtung der Juden durch Gesetze und Verordnungen fort. Grundlegend war das Gesetz mit dem zynischen Titel „Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“ vom 7. April 1933. Mit ihm ging es nicht etwa um die Wiederherstellung des Berufsbeamtentums, sondern genau um das Gegenteil: um die Vertreibung den Nazis missliebiger Staatsdiener aus ihrem Beruf. Das Gesetz richtete sich zum einen in § 4 gegen politische Gegner des NS-Regimes, das traf vor allem Sozialdemokraten und exponierte Anhänger der parlamentarisch-demokratischen Reichsverfassung. Und zum anderen bestimmte es in § 3, dass Beamte „nicht-arischer Abstammung“ in den Ruhestand zu versetzen sind.
Dieses Gesetz und sein Vollzug machte die weitere berufliche Laufbahn von Dr. Fritz Dreyfuss zunichte. Als Frontkämpfer konnte er zwar nicht wegen seines Judeseins entlassen werden, als Sozialdemokrat und Mann des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold wohl aber wegen „politischer Unzuverlässigkeit“. Im April 1933 lebte er noch in Koblenz von der kärglichen Wohlfahrtsunter-stützung, im Mai 1933 emigrierte er mit seiner Frau und seinem Sohn über das Saargebiet nach Frankreich ins Elsaß.
Am selben Tag, dem 7. April 1933, erging das „Gesetz über die Zulassung zur Rechtsanwaltschaft“. Das übernahm den im „Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“ enthaltenen „Arier-paragrafen“ und gestattete nur Juristen „arischer“ Abstammung eine Zulassung zur Anwaltschaft. Durch dieses Gesetz verloren die Rechtsanwälte Albert Trum und Dr. Walter Brasch ihre Zulassung und wurden in der Anwaltsliste gelöscht. Anderen verbaute es die Chance, sich als Rechtsanwalt niederzulassen – etwa Ernst Brasch, nachdem er aus dem Beamtenverhältnis ausgeschieden war. Wie verheerend die Wirkung war, zeigt der Umstand, dass seine Schwiegermutter am folgenden Tag Selbstmord beging.
Albert Trum folgte seiner jüdischen Verlobten nach Amsterdam. Dort scheiterte er bald aber sowohl beruflich als auch privat. Nach 10 Monaten waren seine finanziellen Reserven aufgebraucht. Er kehrte zu seiner verwitweten Mutter nach Boppard am Rhein zurück und schlug sich als Versicherungsagent durch. Dr. Walther Brasch blieb in Koblenz und konnte wenigstens außergerichtlich und zu niedrigeren Gebühren noch rechtsberatend tätig werden.
Die Nazis wandten das Gesetz vom 7. April 1933 konsequent weiter an. Aufgrund einer Rundverfügung des preußischen Justizministeriums galt es auch für jüdische Referendare. Daraufhin wurde Jakob Schönewald aus dem Referendardienst entlassen. Er emigrierte nach Amsterdam/Holland. Fritz Krämer, der inzwischen sein juristisches Studium in Frankfurt am Main beendet hatte und dort promoviert wurde, ging nach Italien, dann in die USA und kehrte erst 10 Jahre später als amerikanischer Soldat nach Deutschland zurück.
Wer die Zeichen der Zeit erkannte und auswandern konnte, verließ Deutschland. Wer dazu zu alt war oder sich einen Zivilisations-bruch wie er folgen sollte, nicht vorstellen konnte, blieb in Deutschland. Viele resignierten. So auch Dr. Isidor Brasch. Am 13. September 1935 gab er seine Zulassung als Rechtsanwalt zurück und wurde in der Liste der zugelassenen Rechtsanwälte gelöscht.
Zwei Tage später erließen die Nazis die Nürnberger Rassengesetze. Das wichtigste Gesetz, das „Reichsbürgergesetz“, das fortan die Grundlage für die Rassenpolitik des NS-Regimes bildete, konstruierte einen Unterschied zwischen Staatsangehörigen und „Reichsbürgern“. Der entscheidende Satz lautete:
Reichsbürger ist nur der Staatsangehörige deutschen oder artverwandten Blutes, der durch sein Verhalten beweist, dass er gewillt und geeignet ist, in Treue dem deutschen Volk und Reich zu dienen.
Mit dieser Formel ließen sich Juden und andere Unerwünschte aus der Gemeinschaft der vollberechtigten Bürger auch juristisch ausgrenzen. Im Laufe der Jahre ergingen insgesamt 13 Verordnungen hierzu.
Die 1.Verordnung vom 14. November 1935 brachte für Dr. Georg Krämer das berufliche Ende als Erster Staatsanwalt. Denn damit wurde das sog. Frontkämpferprivileg abgeschafft. Mit ihm waren jüdische Juristen ausnahmsweise noch im öffentlichen Dienst belassen worden. Nach dessen Wegfall wurde er - wie die anderen Juristen im öffentlichen bereits im April 1933 – nun im Dezember 1935 entlassen. Zur gleichen Zeit verlor auch Dr. Walter Brasch seine berufliche Betätigung. Er hatte ja schon 1933 seine Zulassung als Rechtsanwalt verloren, aber immerhin eine Nische im Bereich der außergerichtlichen Rechtsberatung gefunden. Das unterbanden die Nazis nun mit dem „Gesetz zur Verhütung von Missbräuchen auf dem Gebiete der Rechtsberatung“ vom 13. Dezember 1935. Es machte die Besorgung fremder Rechtsangelegenheiten, die Erteilung von Rechtsrat und die Einziehung von Forderungen – also auch die außergerichtliche juristische Tätigkeit – abhängig von einer Erlaubnis. Die hierzu am gleichen Tag ergangene Ausführungsverordnung stellte in § 5 lapidar fest: „Juden wird die Erlaubnis nicht erteilt.“
Daraufhin emigrierte Dr. Walther Brasch mit seiner Frau und den beiden Kindern nach Amsterdam. Er versuchte sich als Buchhändler, hatte aber wenig Erfolg. Nach Deutschland kehrte er nicht mehr zurück, auch nicht, als sein Vater im Jahr 1936 starb.
Das „Reichsbürgergesetz“ zerstörte auch für Maria Terwiel die berufliche Perspektive. Sie hatte Rechtswissenschaft studiert und eine Promotion geschrieben, musste aber feststellen, dass sie nach den Nürnberger Gesetzen als sog. Halbjüdin nicht als Juristin werde arbeiten können. Sie zog dann mit ihrem Lebensgefährten, dem Zahnarzt Helmut Himpel nach Berlin. Heiraten konnten die beiden nicht, weil er „Arier“ war und das zweite Nürnberger Rassengesetz, das „Gesetz zum Schutze des deutschen Blutes und der deutschen Ehre“ eine Eheschließung zwischen den beiden verbot.
Dieses sog. Blutschutzgesetz untersagte auch den außerehelichen Geschlechtsverkehr zwischen Juden und sog. Arier. Es wurde Albert Trum zum Verhängnis. Er hatte eine Beziehung zu einer ehemaligen Hausangestellten seiner Eltern. Die Gestapo wurde darauf aufmerksam stellte die beiden „auf frischer Tat“ in einer Wohnung in der Schlossstraße. Es folgte vor dem Landgericht Koblenz ein Prozess gegen Albert Trum wegen Rassenschande und eine Verurteilung zu einem Jahr und 4 Monaten Gefängnis – ein „gefundenes Fressen“ für die Nazi-Presse.
Nach vollständiger Verbüßung der Strafe im Gefängnis von Wittlich kam Trum wieder frei. Ein Jahr später wurde er im Zuge der sog. Reichspogromnacht festgenommen und ins Konzentrationslager Dachau verschleppt. Das gleiche Schicksal widerfuhr auch Ernst Brasch. Er wurde von Frankfurt am Main aus ins KZ Buchenwald gebracht. Damit waren die beiden Koblenzer Juristen zwei von ca. 20 bis 30 Tausend anderen jüdischen Männern, die man zur Abschreckung, Einschüchterung und Demoralisierung vorübergehend in ein KZ steckte. Beide kamen nach einigen Wochen unter der Auflage frei, umgehend auszuwandern.
Die Mutter Ernst Braschs und Witwe Isidor Braschs, Emma Brasch lebte noch in Koblenz. Sie erlebte und erlitt die Reichspogromnacht in dem schönen Haus der Familie in der Rizzastraße. Eine ganze Horde Nazis fiel dort ein und demolierte es. Bereits im Eingangsbereich rissen die Männer die Kacheln von den Wänden und beschädigten das Treppenhaus. Ihre Verwüstung setzten sie in der Wohnung fort, in der sie die 71-jährige Emma Brasch allein antrafen. Die Nazis zerhackten einen großen Teil der Möbel, und plünderten den Inhalt von Schränken. Die entsetzte alte Dame zerrten sie aus der Wohnung, schleppten sie in den Garten, sperrten sie dort ein und machten von ihr, im Nachthemd, ein Foto – um es später im dem Hetzblatt „Der Stürmer“ zu veröffentlichen und damit die Juden insgesamt lächerlich zu machen.
Mit Hilfe seiner Familie schaffte Albert Trum einige Wochen später die Ausreise. Sein Fluchtziel war Shanghai, der einzige Ort, der für Juden aus Mitteleuropa damals noch ohne Visum erreicht werden konnte. Ernst Braschs Familie wollte auch auswandern. Er war nach dem KZ-Aufenthalt aber so mut- und kraftlos, dass er sich dazu nicht entschließen konnte. Seine beiden Kinder und seine Frau flohen sehr spät noch nach England. Er blieb zurück. Vor der unmittelbar bevorstehenden Deportation der Frankfurter Juden nach Minsk im Herbst 1941 nahm sich Ernst Brasch das Leben.
Dr. Edwin Landau und seine Frau Julie hatten Mitte der 1930er Jahre ihr Haus Neustadt 4 weit unter Wert verkauft und waren zu ihrer in Berlin mit einem jüdischen Landgerichtsrat verheirateten Tochter gezogen. Dort starb Dr. Edwin Landau Ende 1941 eines natürlichen Todes. Seine Frau nahm sich vor der ihr drohenden Deportation das Leben.
Unterdessen engagierten sich Maria Terwiel und ihr Lebensgefährte Helmut Himpel in Berlin für Juden und halfen ihnen bei ihrem Untertauchen vor der drohenden Verfolgung und Vernichtung. Auch schlossen sie sich der Harnack/Schulze-Boysen-Gruppe an - eine etwa 150 Nazigegner große Widerstandsgruppe, die die Bevölkerung über die Verbrechen der Nationalsozialisten mit zahlreichen und gefahrvollen Aktionen aufklären wollte. Die Gruppe ist besser bekannt unter der Bezeichnung der Nazis „Rote Kapelle“. Ihr gehörten ungewöhnlich viele Frauen an. Maria Terwiel schrieb auf ihrer Schreibmaschine vor allem Predigten des Münsteraner Bischofs von Galen gegen die sog. Euthanasie ab und verbreitete diese. Wie viele der „Roten Kapelle“ wurden auch Maria Terwiel und Helmut Himpel im September 1941 von der Gestapo verhaftet. Der ihnen vor dem Reichskriegsgericht in Berlin, dem höchsten Militärgericht, wegen Hochverrat, Feindbegünstigung, Spionage u.a. gemachte Prozess endete mit ihrem Todesurteil. Wie Helmut Himpel und viele andere der „Roten Kapelle“ wurde Maria Terwiel im Sommer 1942 im Hinrichtungsschuppen des Gefängnisses Berlin-Plötzensee mit dem Fallbeil enthauptet.
In Koblenz waren nur noch zwei Juristen tätig: die beiden „Frontkämpfer“ Arthur Salomon und Dr. Isidor Treidel. Ihnen hatten die Nazis zwar durch die 5. Verordnung zum Reichsbürgergesetz vom 27. September 1938 die Zulassung zur Rechtsanwaltschaft entzogen. Weil sie „Frontkämpfer“ waren, hatte man sie aber als „Rechtskonsulenten“ zugelassen. Sie konnten – zu niedrigeren Gebühren – nur noch für die Juden tätig werden. Vor allem sollten sie ihre Ausreise und die Arisierung des jüdischen Besitzes – sagen wir – juristisch begleiten. Die Nazis brauchten sie gewissermaßen für eine geordnete Liquidation. Für die Juden vor Ort waren sie trotz dieser Intention natürlich eine große Hilfe.
Nach der sog. Wannsee-Konferenz am 20. Januar 1942, auf der der Völkermord an den europäischen Juden organisatorisch auf den Weg gebracht wurde, begannen auch in Koblenz die Deportationen der Juden – wie es hieß – in den Osten. Die 1. Deportation war am 22. März 1942. Vom Güterbahnhof Lützel aus wurden 338 Juden mit Viehwaggons nach Izbica bei Lublin im besetzten Generalgouvernement verschleppt. Unter ihnen war der Rechtsanwalt Arthur Salomon mit seiner Frau Alma und der Tochter Ruth. Deportiert wurde auch die Mutter des Gerichtsreferendars Jakob Schönewald, Bertha Schönewald. Dort in Izbica – in einem Judenghetto – blieben sie einige Zeit. Um die noch in Koblenz verbliebenen Juden und die Angehörigen in Sicherheit zu wiegen, ließen die Bewacher zu, dass die Deportierten an ihre Familie und Freunde ein paar beruhigende Zeilen schreiben konnten. So existiert noch eine Kurzmitteilung von Bertha Schönewald an ihren Sohn Jakob, in der es heißt: „Bin gesund, hoffe, Zeit zu überwinden, habe große Sehnsucht…Euer Wohlergehen setze voraus.“
Die Koblenzer wie andere nach Izbica deportierte Juden auch wurden dann im Sommer und im Frühherbst, als die Eisenbahntransporte weiter in den Osten und die Vernichtung wieder möglich war, in die Vernichtungslager von Sobibor oder Belzec verschleppt. Das waren reine Vernichtungslager. Die Menschen wurden noch am selben Tag, an dem sie mit den Zügen dort ankamen, mit Giftgas ermordet.
Nur wenige Wochen später, am 27. Juli 1942 mit dem 4. Deportationszug, wurde Dr. Georg Krämer von Koblenz aus in das Konzentrationslager Theresienstadt, das die Nazis verharmlosend „Altersghetto“ nannten, verschleppt. Dort kam der 70-jährige Mann – wie man so sagt – „um“. Ebenso nach Theresienstadt deportiert wurde die Witwe Emma Brasch. Allein in Frankfurt geblieben, wurde die 74 Jahre alte Frau im August 1942 nach Theresienstadt verschleppt und von dort aus einen Monat später in das Vernichtungslager Treblinka deportiert und dort wohl am Tag ihrer Ankunft mit Giftgas ermordet.
Letzter Jurist in Koblenz war Dr. Isidor Treidel. Als die juristische Abwicklung der Deportation der Juden aus Koblenz so gut wie erledigt war, fielen auch er und seine Frau Erna dem Völkermord Nazi-Deutschlands zum Opfer. Mit der 6. Deportation am 16. Juni 1943 brachte man ihn und seine Frau nach Theresienstadt. Von dort aus wurden der Frontkämpfer und Rechtsanwalt Dr. Isidor Treidel und seine Frau als „Arbeiter“ und „Haushalt“ im Oktober 1944 nach Auschwitz-Birkenau verschleppt und in das Gas geschickt.
Auch für den früheren Rechtsanwalt Dr. Walther Brasch und seine Familie gab es kein Entrinnen. Sie wurden in ihrem Fluchtland Holland, nachdem es von Hitler-Deutschland überfallen worden war, festgenommen und in das Konzentrationslager Westerbork verbracht. Westerbork war ein Durchgangslager Hollands. Von dort aus wurden allein nach Auschwitz 60.000 Juden deportiert. Walter und Irma Brasch, ihr Sohn Jean-Pierre und ihre Tochter Ilse Erika mussten diesen Leidensweg auch gehen. Walter und die Kinder wurden am 3. Februar 1943 in das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau deportiert und dort bei ihrer Ankunft am 5. Februar 1943 ermordet. Irma Brasch folgte ihnen am 25. Januar 1944 und wurde dort am 28. Januar 1944 mit Giftgas getötet.
Von den 12 hier porträtierten jüdischen Koblenzer Juristen haben nur vier den Völkermord an den europäischen Juristen überlebt. Es waren die Jüngeren und meist Ledigen unter ihnen.
Einer von ihnen war der frühere Gerichtsassessor Dr. Fritz Dreyfuss. Er hatte sich als dezidierter Gegner der Nationalsozialisten mit seiner Frau und seinem Sohn frühzeitig für die Emigration nach Frankreich entschieden. Dort lebten sie unter sehr harten Bedingungen und in ärmlichen Verhältnissen. Zunächst waren sie dort illegal und fanden allenfalls Gelegenheitsarbeiten. Die Situation besserte sich erst etwas, als die Volksfront mit dem Ministerpräsidenten Léon Blum die Regierung stellte. Mit der Entfesselung des Zweiten Weltkrieges durch Hitler-Deutschland kam Dreyfuss – wie andere deutsche politische Flüchtlinge auch – in ein Internierungslager. Von dort konnte er fliehen und lebte dann mit seiner Familie illegal. 1943 gelang ihm die Flucht in die Schweiz. Auch dort war er in Internierungslagern. Nach dem Krieg lebte er in Genf, konnte aber beruflich nicht mehr Fuß fassen.
Zur gleichen Zeit wie Dreyfuss emigrierte der ehemalige Gerichtsreferendar Jakob Schönewald nach Holland. Dort heiratete er noch im Jahr 1933 eine deutsche Jüdin und wanderte mit ihr weiter nach Tel Aviv im damaligen Palästina. Im Jahr 1943 kam der Sohn Uri zur Welt. Auch Schönewald gelang es zunächst nicht, beruflich wieder Fuß zu fassen. Immerhin promovierte er und war später Abschätzer für Versicherungen.
Später, nach der Reichspogromnacht und einer Haft im Konzentrationslager emigrierte Anfang 1939 der ehemalige Rechtsanwalt Albert Trum. Für ihn blieb nur die Flucht nach Shanghai. Dort kam er bald in das Judenghetto. Ohne geregelte Arbeit gelang es ihm dort, gerade so zu überleben. 1947 übersiedelte er in die USA. Nur mühsam konnte er sich als Packer durchgeschlagen. Ohne die ergänzende Unterstützung jüdischer Wohlfahrtsorganisationen hätte er nicht überlebt. Mitte der 1950er Jahre heiratete er eine aus Deutschland stammende Witwe und wurde Büroangestellter. Seine Lebensverhältnisse blieben bescheiden. Albert Trum starb 1988 in Denver.
Der einzige der hier porträtierten 12 jüdischen Koblenzer Juristen, der nach dem Zweiten Weltkrieg nicht nur beruflich Fuß fasste und auch sein privates Glück fand, war Dr. Fritz Kraemer. Sie, lieber Herr Dr. Hubertus Hoffmann, sein Biograf, werden gleich dazu Näheres berichten. Auf diese Lebensgeschichte Dr. Fritz Krämers dürfen wir uns alle jetzt freuen. Sie darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Terror des Nationalsozialismus praktisch alle jüdische Koblenzer Juristen schikaniert, diskriminiert, verfolgt, sie ihrer Lebensperspektive beraubt hat und viele von ihnen an den Rand des Abgrunds geführt und sie ermordet hat. Ich meine, wir als Koblenzer und als Juristen sollten uns vor diesen Menschen und ihrem Schicksal verneigen.
Ich danke Ihnen.
Im Folgenden präsentieren wir Ihnen noch die Rede von Dr. Hoffmann, Autor des Buches:
Dr. Fritz Kraemer: "True Keeper of the Holy Flame".
Dr. Fritz Kramer:
Jurist- Soldat –Geo-Stratege als Kämpfer für die Freiheit
Vortrag zur Veranstaltung
„Dr. Georg Kraemer und andere jüdische Koblenzer Juristen“
Koblenz Neues Justizzentrum
16. April 2013
Von
Dr. Hubertus Hoffmann*
Von Ihrem Engagement zur Erinnerung an ehemalige jüdische Juristen aus Koblenz bin ich gerührt und tief beeindruckt. Ich danke vor allem dem Initiator Joachim Hennig, Richter am Oberverwaltungsgericht für sein herausragendes und lobenswertes Engagement. Das ist Penaten-Creme für die offenen Wunden der Nazi-Zeit.
Ihnen, Lars Brocker als Präsidenten des Oberverwaltungsgerichts Rheinland-Pfalz,
Ihnen, Erich Jung als Generalstaatsanwalt sowie dem
Leitenden Staatsanwalt Harald Kruse sei Dank für diese wichtige Veranstaltung.
Sie alle erinnern uns an die Wurzeln von Recht und Gerechtigkeit.
Madeleine Kraemer-Bryant, die Enkeltochter des Koblenzer Juristen Dr. Georg Kraemer, sendet Ihnen allen aus den USA den Dank ihrer Familie und schreibt:
„Meine Gedanken sind mit allen, die heute in Koblenz diejenigen ehren, die ermordet wurden wie mein Großvater. Es bleibt ein tiefer Schock zu erfahren, dass dieser ältere honorige Gentleman, der seinem Land gedient hatte, unter denjenigen war, die so unwürdig starben.
Ich bin allen tief dankbar, die die Erinnerung an diese Helden wach halten und an den hasserfüllten und unglaublichen Missbrauch von Macht, der zum Völkermord führte.
Es ist entscheidend, dass wir das nicht vergessen, sondern aufrichtig aus der Vergangenheit lernen.“
Ich bin selber Jurist -mit Studium in Bonn ua. bei Fritz Ossenbühl und Staatsexamen bei Hans Hugo Klein- sowie der Politischen Wissenschaften bei Karl Dietrich Bracher - und fühle mich tief beschämt, wie ab 1933 die jüdischen Juristen misshandelt wurden.
Als ich viele Original-Dokumente zur Vorbereitung einer Vorlesung über das ‚Rechtsbewusstsein des Nationalsozialismus‘ durcharbeiten musste, ist mir regelrecht übel geworden. Mit einer unverfrorenen Kälte und Arroganz wurde aus Recht Unrecht und aus Unrecht Recht geschaffen. Eine Perversion des juristischen Denkens. Eiskalte Exekution von Unmenschlichkeit im Namen des formalen Rechts. Nihilismus statt Gerechtigkeit.
Das sollte uns auch heute eine Mahnung sein, nicht nur hier in Koblenz sondern in aller Welt:
Wir Juristen sind nicht so sehr dem formalen sondern vor allem den materiellen übergeordneten Grundrechten und den unveräußerlichen Menschenrechten der UN Charta verpflichtet. Sie finden sich auch in der Verfassung des Landes Rheinland-Pfalz von 1947.
Die dunkele Vergangenheit der Nazi-Juristen und ihrer banalen und brutalen Helfer im Justiz-Apparat sollten uns deutsche Juristen mahnen, stets mit dem Herzen an der Gerechtigkeit und dem Verstand am Grundgesetz für Justitia zu arbeiten. Und zwar lokal, in Deutschland, Europa und der Welt.
Das sind wir auch den jüdischen Juristen wie Dr. Georg Kraemer und den Opfern schuldig.
Das hohe Maß an Unrecht im Namen Deutschland verlangt nach einem außerordentlichen Engagement für die Menschenrechte.
Der Sohn des Koblenzer Juristen Dr. Georg Kraemer, auch ein Jurist, wurde ein ganz großer Kämpfer für Demokratie und Freiheit.
Fritz Kraemer wurde 1908 im Kaiserreich in Essen geboren. Er durch litt die Niederlage des Ersten Weltkrieges und den Zusammenbruch der alten Kaiser-Ordnung, die Unfähigkeit der Demokraten und die weiche naive Bourgeoise in der Weimarer Republik und den kometenhaften Aufstieg des Dämon Adolf Hitler.
1914 trennten sich seine Eltern und er zog mit seiner Mutter in das kleine Dorf Diethardt in der Gemeinde Nastätten im Taunus wo er bis zum Ende seines Studiums lebte.
Er promovierte an der Juristischen Fakultät in Frankfurt 1931 über „Das Verhältnis der französischen Bündnisverträge zum Völkerbundpakt und zum Pakt von Locarno.“
Danach arbeitet in den 1930er Jahren als Rechtsberater am Institut des Völkerbundes für internationales Recht mit Sitz in Rom.
Er war und blieb –wie seine Eltern- gläubiger Lutheraner, was nach den Rassegesetzen unerheblich. 1939 floh er in die USA. Das rettete sein Leben.
Seine Mutter Anna Johanna überlebte als eine der wenige deutschen Juden in Diethardt.
Als Intellektueller mit zwei Doktortiteln schlug sich Fritz Kraemer fünf Jahre lang als Farmarbeiter durch.
Er wurde 1943 zur US Armee eingezogen und damit amerikanischer Staatsbürger.
Kraemer wurde der Entdecker und eiserne Mentor von zwei US Außenministern:
Henry Kissinger und Alexander Haig.
Im Ausbildungslager lernte er den 19jährigen Soldaten Henry Kissinger kennen, der ebenfalls aus Deutschland emigriert war.
Er formte – als „Kissinger’s Kissinger“- dessen Denken und seine Weltsicht und kämpfte mit ihm in der 84. US Infanterie Division für die Befreiung Europas.
Sein Meisterschüler Henry Kissinger schreibt dazu meinem Buch „True Keeper of the Holy Flame“:
„Fritz Kraemer war der größte einzelne Einfluss in meinen prägenden Jahren. Ein außergewöhnlicher Mann der Teil meines Lebens sein wird, solange ich atme.“
Kraemer platzierte 1969 einen unbekannten jungen Oberstleutnant namens Alexander Haig beim neu ernannten Nationalen Sicherheitsberater Henry Kissinger im Weißen Haus. Er war ihm im Pentagon als Major aufgefallen, der seine eigene Meinung mutig aussprach, auch gegenüber Vorgesetzten.
Alexander Haig, der unter Ronald Reagan Außenminister wurde, schreibt im Buch:
„Für mich bestätigt das Wirken von Fritz Kraemer die Bedeutung einer nationalen Elite, welche die Werte einer freien Gesellschaft verfolgt und nach voran bringt. Ich kann mich an keine andere Person erinnern, welche durch geduldige Anleitung mehr für die Entwicklung meiner Weltsicht beigetragen hat.“
Fritz Kraemer verstand sich Zeit seines Lebens als glühender Missionar der Freiheit und als Mentor für unbekannte junge Menschen, die als neue Elite Verantwortung für ihr Land übernehmen sollen.
25 Jahre lang war er auch mein Mentor und Lehrer.
2001 habe ich mit ihm das World Security Network für junge Leute gegründet (www.worldsecuritynetwork.com).
Er war der Mitbegründer der amerikanischen Denkschule „Frieden durch Stärke“ („Keine provozierende Schwäche bitte!“ wurde ein oft zitiertes geflügeltes Wort von ihm) zur Verbesserung der Welt und Eindämmung des Totalitarismus, aber stets unter Berücksichtigung der Psychologie der Menschen und mit innerer Musikalität für eine Außenpolitik mit Seele.
Kraemer war ein vehementer Kritiker des moralischen Relativismus und einer angstvollen und weichen Bourgeoisie, die seiner Meinung nach die Bedrohung durch totalitäre Radikale nicht versteht und vor ihr meist zurückweicht.
Zeit seines 95jährigen Lebens blieb er im Herzen ein echter Preuße und den Idealen eines Kämpfers für die Freiheit treu.
Von den 1950er Jahren bis 1978 wurde er die graue Eminenz und der wahre „Dr. Strangelove“ im Pentagon.
Pulitzer-Preisträger Norman Mailer spricht von dem „Genie eines Mannes, der das Denken und Planen im Pentagon für mehrere Jahrzehnte beeinflusst hat, wahrscheinlich mehr als jeder vor ihm.“
Der amerikanische Verteidigungsminister Donald Rumsfeld: „Was für eine besondere Persönlichkeit war Fritz Kraemer. Sein Mut und seine brillante Karriere waren für uns alle ein Vorbild. Ich hatte großen Respekt vor ihm.“
Der Futurologe Herman Kahn vom Hudson Institute schrieb: „Wenn es einen gab, der für das Gute und die Wahrheit stand, dann war es Fritz Kraemer. Er weiß wofür er steht und sagt wofür er steht.“
Der frühere Generalinspekteur der Bundeswehr und höchste NATO General Dr. Klaus Naumann stellt fest:
„Fritz Kraemer ist aktueller denn je. Das Buch ist ein Monument für einen Mann für den Werte - ein moralisch-ethisches System von Koordinaten und Überzeugungen- das Kennzeichen seines Lebens waren, Werte die er unter keinen Umständen aufgeben würde. Menschen dieses Kalibers sind eine Ausnahme in allen Zeiten. In der heutigen oberflächlichen wertefreien Generation sollten sie unter Artenschutz gestellt werden. Es ist Zeit sich an Fritz Kraemer zu erinnern.“
Er verstarb 2003 und wurde auf dem Nationalen Ehrenfriedhof in Arlington beigesetzt
Was waren seine Kernaussagen?
Wir brauchen in unseren Demokratien eine frische Verantwortungselite. Sie muss Schlüsselfunktionen in unserer Gesellschaft übernehmen. Es geht nicht um Privilegien und maximales Geldverdienen, sondern um besondere Verantwortung.
Daher sollten wir immer wieder nach exzellenten Männern und Frauen Ausschau halten, sie als Mentoren dauerhaft unterstützen, anleiten und ermutigen.
Dieser Aufgabe widmen sich viel zu wenige Persönlichkeiten, die lieber Prominente um sich herum scharen als sich um den unbekannten jungen Nachwuchs zu kümmern.
In unseren egalitären Demokratien neigen wir nur allzu oft zum Mittelmaß, denn kaum einer liebt den, der über andere hinausragt. So besteht die Gefahr, dass auch unsere Außen- und Sicherheitspolitik mittelmäßig und dadurch stumpf wird.
Daher müssen wir unsere Politik ständig mit frischen Talenten und guten Ideen und Idealen bereichern.
Viele Politiker haben als „Weintraube begonnen und enden als Rosine“. Sie haben während ihrer langen Karriere einen Teil ihrer Seele auf jeder Stufe des Erfolges gelassen, sich angepasst und segeln nur noch mit dem Wind.
In der Welt warten auf uns große Aufgaben und Herausforderungen, aber kleinliche Interessen regieren.
Wir müssen die Welt aktiv zum Guten verändern, statt uns nur passiv der schlechten Realität anzupassen.
Unsere bourgeoise Gesellschaft ist im Innersten bequem und feige. Sie erkennt die Gefahren der wenigen entschlossenen Radikalen nicht oder fast immer zu spät.
Die Jugend sollte sich nicht in puren Materialismus verlieren, sondern sich selbst treu bleiben.
Ein erfülltes Leben bedarf des Idealismus und nicht des puren Materialismus.
Wir brauchen echten Individualismus, ein Gegen-den-Strom-Schwimmen, Mut und Selbstdisziplin.
Sei eine Person aus eigenem Recht und schwimme nicht nur als Opportunist wie ein Korken mit der Masse mit.
Entwickele Dich zu einer Person mit gutem Charakter, eisernem Willen, Mut und mit viel Energie.
Charakter zählt, nicht Positionen und Titel.
Denke immer wieder selbst über alles intensiv nach.
Mache dich zu einer unabhängigen starken Persönlichkeit und werde so wie ein Fels in der Brandung.
Arbeite nicht nur an deiner Karriere, sondern auch für eine gute Sache.
Stehe für deine Überzeugungen ein.
Sprich aus was du denkst und fühlst.
Glaube an absolute Werte und ein Heiliges Feuer.
Folge einem Ehrenkodex.
Sage was du denkst und nicht was man von dir hören will.
Sei auch etwas abenteuerlustig und mutig.
Denke immer an die Seele der anderen Menschen und sei freundlich.
Verändere die Wirklichkeit, statt dich ihr nur passiv anzupassen.
Kämpfe für das Gute und gegen die Bedrohung der menschlichen Würde und Freiheit.
Übernimm Verantwortung und frage nicht zuerst, was du davon hast.
Das war sein Credo- das ist der Kern seiner „Holy Flame“.
Danke Koblenz für diese Würdigung von Dr. Georg Kraemer und seinem Sohn Fritz!
Herzlichen Dank für den Stolperstein für ihn und das gelungene Mahnmal. Vergelt’s Gott!
*Dr. Hubertus Hoffmann hat auf Anregung seines Mentors Dr. Fritz Kraemer das World Security Network gegründet. Er ist Autor der vom Verlag Inspiration Un Limited (London/Berlin) verlegten Biographie „True Keeper of the Holy Flame“ in englischer Sprache mit vielen großzügigen Fotos und Illustrationen. Sie umfasst 384 Seiten. Es kann für Euro 24.90 direkt per Mail (
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) sowie unter www.worldsecuritynetwork.com/fritzkraemer und über den Buchhandel bezogen werden. (ISBN 978-9812110-5-4). Das Buch kann außerdem als e-Book für iPad und PC für Euro 19.90 bestellt werden (
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).
Mehr Infos unter:
http://www.worldsecuritynetwork.com/fritzkraemer
und auf Facebook unter Fritz Kraemer Pentagon Strategist Mentor Missionary; Media-Kontakt über
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Vor 80 Jahren:
Die Zerschlagung der Gewerkschaften im Mai 1933 -
dargestellt an rheinland-pfälzischen Lebensbildern
Donnerstag, 2. Mai 2013, 18 Uhr
Gerty-Spies-Saal,
Landeszentrale für politische Bildung Rheinland-Pfalz
Am Kronberger Hof 6
55116 Mainz
Am 2. Mai 2013 jährt sich die Zerschlagung der Gewerkschaften durch die Nationalsozialisten zum 80. Mal.
Gewerkschaftshäuser wurden besetzt, Gewerkschafterinnen und Gewerk-schafter eingekerkert, gefoltert und ermordet.
Wurde der 1. Mai vielerorts noch mit den neuen Machthabern als „Tag der nationalen Arbeit“ begangen, kam am 2. Mai für alle das böse Erwachen mit der Erstürmung der Gewerkschaftshäuser.
Die ehemals starke Gewerkschaftsorganisation wurde nur drei Monate, nachdem den Nationalsozialisten die Macht ausgeliefert worden war, brutal zerschlagen.
Die Auseinandersetzung mit dem 1. und dem 2. Mai 1933 bildet immer wieder den erschütternden Anlass für das Gedenken an die Frauen und Männer aus den Reihen der Arbeiterbewegung, die dem Zivilisationsbruch und der Barbarei des Nationalsozialismus zum Opfer fielen.
Die Veranstaltung erinnert an Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter auf dem Gebiet des heutigen Rheinland-Pfalz, die Verfolgung, Inhaftierung, Folterung in Folge des 2. Mai 1933 erleben mussten. Einige von ihnen waren später aktiv am Widerstand gegen das NS-Regime beteiligt. Es entstehen eindrucksvolle Lebensbilder mutiger und couragierter Frauen und Männer, die auch in Zeiten von Terror und Barbarei ihre Überzeugung behalten und sich für Menschlichkeit und Solidarität
eingesetzt haben.
Programm:
Begrüßung Dietmar Muscheid
Landesvorsitzender Deutscher Gewerkschaftsbund Rheinland-Pfalz
Grußworte Dr. Dieter Schiffmann
Direktor der Landeszentrale für politische Bildung Rheinland-Pfalz
Vorträge
„Lebensbilder aus dem nördlichen Rheinland-Pfalz“
Joachim Hennig
Stellvertretender Vorsitzender Förderverein für die Opfer des Nationalsozialismus in Koblenz e.V.
„Lebensbilder aus der Pfalz“
Dr. Klaus-Jürgen Becker
Stellvertretender Leiter des Stadtarchivs Ludwigshafen am Rhein
Porträtbilder von Gewerkschafterinnen und Gewerkschaftern
Brezeln, Getränke
Ende: 20 Uhr
Um Anmeldung für die Veranstaltung wird gebeten bis 30.4.2013 an
Benedikt Hummel/ DGB Rheinland-Pfalz
Mail:
Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
Tel.: 06131 2816 31
Der offizielle Flyer kann HIER herunter geladen werden
Einen Newsletter des DGB können Sie HIER lesen
Im Jahr 1993 hatte der Kölner Gunter Demnig die Idee zu dem Projekt „Stolpersteine“. Sie entstand aus der Erfahrung, dass Erinnerungstafeln für Opfer des Nationalsozialismus an Privathäusern oft an dem Widerstand der jetzigen Eigentümer scheiterten. Deshalb sollten solche Erinnerungen in den öffentlichen Verkehrsraum vor diesen Häusern stattfinden. Dazu bot es sich an, kleine Steine in die Bürgersteige einzulassen. Dabei ging Demnig davon aus, dass die Gemeinden und Städte im Allgemeinen gegen solche Steine keine Einwände hätten.
1997 verlegte er die ersten „Stolpersteine“: 10 x 10 cm große Steine, die mit einer Messingplatte überzogen sind. Die Plättchen tragen einheitlich die Aufschrift: „Hier wohnte…“ und dann den Namen, das Geburtsjahr, das Todesjahr, den Todesort und ggf. die Todesursache (z.B. „hingerichtet“). Sie sollen für Passanten zufällige Erinnerungen an NS-Opfer wachrufen.
Voraussetzung ist jeweils, dass der Betreffende durch die Verfolgung zu Tode gekommen oder alsbald in deren Folge gestorben ist. In Einzelfällen gibt es auch „Stolpersteine“ für Personen, die vor der drohenden Verfolgung den Freitod gewählt haben, oder auch für Angehörige von NS-Opfern. Inzwischen hat Gunter Demnig mehr als 32.000 dieser kleinen Gedenksteine für NS-Opfer in über 700 Städten und Gemeinden in Deutschland sowie dem benachbarten Ausland verlegt.
Seit dem 27. Januar 2007 – dem nationalen Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus – liegen solche „Stolpersteine“ auch in den Bürgersteigen von Koblenz. In einer ersten Aktion wurden an zehn Stellen insgesamt 19 Stolpersteine verlegt. Inzwischen gab es fünf weitere Aktionen mit insgesamt 79 personenbezogenen Stolpersteinen. Federführend für die Verlegung ist die Christlich-Jüdische Gesellschaft für Brüderlichkeit. Mit beteiligt ist der Förderverein Mahnmal Koblenz. Er sieht es als seine Aufgabe an, bei diesen Aktionen auch an nicht-jüdische NS-Opfer zu erinnern. Zudem hat der Förderverein diese Stolpersteine in seine Gedenkarbeit im Übrigen integriert. So sind die einzelnen Verlegeaktionen und die Verlegeorte mit den Namen der NS-Opfer und mit einem Stadtplan auf der sehr umfangreichen Homepage des Fördervereins dokumentiert. Außerdem hat der Verein für zahlreiche dieser Opfer Kurzbiografien erarbeitet. Auch diese können zur näheren Information über die Stolpersteinen und die NS-Opfer auf der Homepage des Vereins aufgerufen und herunter geladen werden. Die Adresse der Homepage lautet: www.mahnmalkoblenz.de
Für die nächste, die 7. Stolperstein-Aktion in Koblenz, die am Wochenende des 30./31 August 2013 stattfinden soll, regt der Förderverein Mahnmal Koblenz die Verlegung von „Stolpersteinen“ für folgende NS-Opfer an:
Dienstag, den 16. April 2013
Dr. Georg Krämer (1872 – 1942) und andere jüdische Koblenzer Juristen
Aus Anlass der 80. Wiederkehr des sog, Judenboykotts und der ersten Rassengesetze der Nazis vom 7. April 1933 laden der Präsident des Oberverwaltungsgerichts Rheinland-Pfalz Dr. Lars Brocker, der Generalstaatsanwalt Koblenz Erich Jung und der Leitende Oberstaatsanwalt der Staatsanwaltschaft Koblenz Harald Kruse zu einer Gedenkveranstaltung ein. Sie wollen an die damaligen jüdischen Koblenzer erinnern, als Juristen gerade an die jüdischen Kollegen. Hierzu werden insgesamt 12 Lebensschicksale in der vom Förderverein Mahnmal Koblenz zur Verfügung gestellten Ausstellung gezeigt. Der stellvertretende Vorsitzende des Fördervereins Mahnmal Koblenz Joachim Hennig hält dazu einen einführenden Vortrag. Ergänzt wird die Veranstaltung durch einen Vortrag von Dr. Hubertus Hoffmann, der seine vor kurzem erschienene Biografie über den Sohn des Ersten Staatsanwalts Dr. Georg Hoffmann Dr. Fritz Kraemer vorstellt.
Ort und Zeit Neues Justizzentrum Koblenz, Deinhardpassage 1, 56068 Koblenz, 17.00 Uhr.
Die Ausstellung ist bis zum 8. Mai 2013 von 8.00 bis 17.00 Uhr geöffnet.

Den Flyer mit der Einladung können Sie HIER herunterladen
Noch in Planung:
Rollendes Konzentrationslager – Der 12. SS-Eisenbahnbauzug
Angeregt durch ersten Recherchen Hugo Salzmanns Ende der 1940er Jahre arbeitet der stellvertretende Vorsitzende des Vereins Joachim Hennig die so gut wie unbekannte Geschichte des Bauzuges auf. Aufgestellt an Heilig Abend 1944 im KZ Sachsenhausen mit 500 Häftlingen war er ausersehen zur Reparatur von zerstörten Eisenbahngleisen und Brücken. Er wurde in Kamp am Rhein, Bad Kreuznach und in der Nähe von Gießen eingesetzt und hinterließ vor allem bei den Häftlingen eine Blutspur in unserer Region. Die Fahrt des Zuges ging dann über Eisenach, Dresden und Pilsen bis ins Konzentrationslager Ebensee bei Salzburg. Dort wurden die Überlebenden befreit. – Bis Herbst 2013 wird eine größere schriftliche Ausarbeitung hierüber vorliegen. Sie soll Anstoß für Initiativen vor Ort sein, sich mit dieser Geschichte und den vergessenen Opfern des Bauzuges zu beschäftigen.