Foto: Holger Weinandt (Koblenz, Germany) 12.07.2011  Lizenz cc-by-sa-3.0-de

Neue Biografie über Hitlers Innenminister Frick (1877 - 1946)
 
Unser stellvertretender Vorsitzender Joachim Hennig hat eine umfangreiche Biografie  über den in Alsenz/Nordpfalz geborenen Reichsinnenminister De. Wilhelm Frick geschrieben. Sie ist jetzt im Band 2 (Beiträge) des "Eisernen Buches der Stadt Bad Kreuznach 1917 - 2017" erschienen.

Der Anstoß zu diesem auch regionalgeschichtlich  interessanten Lebensbild war die Mitwirkung Hennigs als Experte in der von Julia Melan erarbeiteten SWR-Dokumentation über Frick in der Reihe "Bekannt im Land". Die Sendung wurde am 16. Oktober 2016 ausgestrahlt - an der 70. Wiederkehr des Tages, an dem Frick aufgrund des Todesurteils im Hauptkriegsverbrecherprozess in Nürnberg hingerichtet wurde. Aus der Beschäftigung mit Fricks Biografie entstand dann dieser Beitrag im Begleitband zum Eisernen Buch der Stadt Bad Kreuznach.

Das Eiserne Buch wurde im Jahr 1917 in Bad Kreuznach angelegt, als im Ersten Weltkrieg dort das Große Hauptquartier eingerichtet wurde. Jahre später und bis 2017 führte man es dann als "Goldenes Buch" der Stadt weiter. Darin eingetragen hatte sich auch der aus Alsenz in der Nordpfalz stammende Wilhelm Frick. Das war im Jahr 1936, als er nach Bad Kreuznach und in seine alte Heimat kam, dort zum Ehrenbürger der Stadt ernannt wurde und eine Siedlung (die heutige Märsch-Siedlung an der Bosenheimer Straße) nach ihm benannt wurde.

Im Jahr 2017 war das Eiserne Buch der Stadt Bad Kreuznach und wurde geschlossen. Als ein wichtiges Stück Stadtgeschichte brachte die Stadt jetzt als Band 1 das Faksimile dieses Eisernen Buches und als Band 2 Aufsätze zu den Eintragungen darin heraus. Einer dieser Beiträge ist die Biografie unseres stellvertetenden Vorsitzenden Joachim Hennig über Wilhelm Frick.

Lesen Sie HIER dazu den Artikel in der Allgemeinen Zeitung vom 3. November 2017
 
Lesen Sie weiterhin die Pressemitteilung der Stadt Bad Kreuznach zum Eisernen Buch


Lesen Sie als kleine Probe die ersten Seiten von Hennigs Aufsatz über Hitlers Innenminister Frick (Nur-Text)

 

Einleitung:

Die Nationalsozialisten lobten Wilhelm Frick als »größten Sohn der Nordpfalz« und als »engsten Mitarbeiter des Führers«. Otto Strasser, ein »links abweichelnder« Nazi, verspottete ihn als »typischen Durchschnittsverwaltungsbeamten«, das Urteil des Internationalen Militärgerichtshofs von Nürnberg nannte ihn einen »führenden Nazi-Spezialisten und Bürokraten« und die örtliche Presse begrüßte ihn bei seinem Besuch in Bad Kreuznach als »Sohn unseres Nahelandes«. Wer war dieser Dr. Wilhelm Frick, der bei seinem Besuch des Nahelandes Ende Mai 1936 im Zenit seiner Macht war und einige Wochen später als Innenminister und damit als Sportminister an der Seite Adolf Hitlers bei den Olympischen Spielen in Berlin im Rampenlicht stand?

Verfolgen wir die 69 Jahre seines Lebens- und Berufsweges vom nordpfälzischen Alsenz bis zum Galgen in Nürnberg.

Kindheit, Jugend, Ausbildung und erste Berufsjahre in der Pfalz.

Wilhelm Frick wurde am 12. März 1877 in Alsenz, einem »Dorf im Norden der bayerischen Rheinpfalz« (Bezirksamt Rockenhausen/Bezirk Kirchheimbolanden), als jüngstes von vier Kindern des evangelischen Bezirksoberlehrers Wilhelm Frick und seiner Ehefrau Henriette, geb. Schmidt, geboren. Kurz vor der Geburt des Sohnes wurde der Vater Lehrer in Alsenz. Die Familie väterlicherseits stammte aus Duchroth, einem Dorf zwischen Bad Kreuznach und Idar-Oberstein, unweit der Mündung des Glan in die Nahe gelegen. Die Vorfahren waren meist Bauern und Winzer – sehr bodenständig und »arisch«. Die Bodenverwurzelung und die »Reinheit der Geschlechterfolge« waren Frick sehr wichtig – für seine eigene Biografie und dann auch für die Blut-und-Boden- und Rassenideologie der Nationalsozialisten.

Schon 1879 – der kleine Wilhelm war gerade einmal zwei Jahre alt – zog die Familie nach Kaiserslautern. Sein Vater machte weiter Karriere und wurde dort Bezirksoberlehrer (Schulrat). Wilhelm ging in Kaiserslautern zur Volksschule und dann zum Gymnasium. Schon früh, als er 16 Jahre alt war, starb seine Mutter. Sehr viel mehr wissen wir aus dieser frühen Zeit über Frick und seine Situation aber nicht. Es gibt auch keine persönlichen Aufzeichnungen von ihm – aus der späteren Zeit existieren auch nur wenige. Einer, der ihn aus der Jugend kannte, sagte über den Lehrersohn, er sei sehr verschlossen und ehrgeizig gewesen. Er habe sich sehr für Disziplin und Gerichtswesen interessiert und schnell andere beurteilt und verurteilt.

Nach seinem Abitur in Kaiserslautern begann Wilhelm Frick – was damals auch für einen Lehrersohn nicht selbstverständlich war – mit einem Studium. Er belegte an der Universität in München das Fach Philologie, sattelte aber schon nach einem Semester um und studierte Rechtswissenschaften. Sein Jurastudium setzte er in Göttingen und Berlin fort und legte im Jahr 1900 die 1. juristische Staatsprüfung ab. Anschließend war er bayerischer Rechtspraktikant (Rechtsreferendar) in Kaiserslautern. Gleichzeitig promovierte Frick an der Universität in Heidelberg zum Dr. jur. Später – als er schon Minister war – kam der Verdacht auf, dass er den Doktortitel zu Unrecht führe, weil man keine Dissertationsschrift von ihm fand. Der Vorwurf war aber unberechtigt. Wie die Juristische Fakultät der Universität mitteilte, konnte damals (bis 1904) die juristische Doktorprüfung wahlweise auch durch die Bearbeitung zweier vom Dekan zu bestimmender Textstellen bestanden werden. Von dieser, nicht unüblichen, Möglichkeit hatte Frick Gebrauch gemacht.

1903 legte er die Staatsprüfung für den höheren Justiz- und Verwaltungsdienst die 2. juristische Staatsprüfung ab und war dann von 1904 bis 1907 Regierungsakzessist bei der Kreisregierung Oberbayern und Amtsanwalt bei der Polizeidirektion München.

Aus dieser Zeit ist eine dienstliche Beurteilung überliefert, in der Fricks Vorgesetzter ihn mit einer »Neigung zur Widerspenstigkeit« und als »verschlossen und hinterhältig« beschrieb.

Anschließend kehrte Frick in die Pfalz zurück. Bis 1917 war er Bezirksamtsassessor beim Bayerischen Bezirksamt (»Kreisverwaltung«) in Pirmasens. Nach dem äußeren Erscheinungsbild zu urteilen, durchlief er die juristische Ausbildung und seinen Berufseinstieg ohne Besonderheiten. Dabei waren seine Berufsaussichten nicht schlecht. Schließlich war er in seiner Heimatregion tätig – als »Urpfälzer« in der Pfalz. Schädlich war es auch nicht, evangelisch zu sein. Die Pfalz war damals mehrheitlich evangelisch, das übrige Bayern zwar ganz überwiegend katholisch, aber das schadete dem Fortkommen eines Protestanten nicht. Sie waren traditionell national orientiert und das passte schon in das Bild eines »modernen« Bayern mit einer effizienten, zentralistischen Beamtenschaft.

So im Beruf situiert, heiratete Frick Elisabetha Emilie Nagel (1890–1978), die Tochter eines Schuhgroßhändlers aus Pirmasens, und gründete eine Familie. Aus der Ehe – es sollte nicht die letzte sein – gingen drei Kinder hervor, zwei Söhne und eine Tochter.

Für den Militärdienst wurde Frick als untauglich gemustert. Er nahm auch nicht als Soldat am Ersten Weltkrieg teil. Das war in den Augen der Nationalsozialisten später an sich ein großes Manko, es sollte Frick persönlich aber nicht schaden......

(Nach Ablauf der 1-jährigen Wartefrist werden wir den kompletten Aufsatz auf dieser Seite zur Verfügung stellen)

 


 

 

nach oben