Foto: Holger Weinandt (Koblenz, Germany) 12.07.2011  Lizenz cc-by-sa-3.0-de

Informationen von 2018

4. Artikel in der "Schängel"-Serie "Erinnerung an NS-Opfer"
 
In der 4. Folge der Reihe des "Schängel" erzählt unser stellvertretender Vorsitzender Joachim Hennig die Geschichte des Hauses Landau in der Neustadt 4 am Deinhardplatz und seiner früheren Bewohner. Das Haus ist heute Teil des Neuen Justizzentrums (NJZ) Koblenz, das vor einigen Jahren auf dem Gelände der früheren Deinhard Sektkellerei errichtet wurde. Das NJZ ist gleichsam ein Anbau an das Haus Neustadt 4. Dies war seit ca. 1860 Wohnsitz der jüdischen Kaufmannsfamilie Heinrich Landau und dann seines Sohnes Dr. Edwin Landau und dessen Familie. Die Landaus lebten dort bis zur Machtübernahme der Nationalsozialisten im Jahr 1933 als sehr geachtete Koblenzer Bürger, engagierten sich im gesellschaftlichen Leben der Stadt und waren insbesondere Förderer der Musik. Mit der "Machtergreifung" der Nazis begann für sie eine Zeit der Diskriminierung und Verfolgung. Mitte der 1930er Jahre war die Situation für den Amtsgerichtsrat a.D. Dr. Edwin Landau und seine Frau Julie so unerträglich, dass sie das Haus weit unter Wert verkauften und nach Berlin zu ihrer dort schon lebenden Tochter zogen. Aber auch in der Anonymität der Metropole Berlin wurden die Landaus ihres Lebens nicht mehr froh. Sie resignierten, die jüngere Generation emigrierte, die ältere starb, Juli Landau wählte den Freitod.
 
Lesen Sie HIER den Artikel vom "Schängel" - LokalAnzeiger für Koblenz und Umgebung - vom 24. Januar 2018
 


 

Veranstaltungen zu Gedenktag an die NS-Opfer in Koblenz 2018
 
Auch dieses Jahr gedenkt unser Förderverein der Opfer des Nationalsozialismus und speziell derer, die in Koblenz und Umgebung Verfolgung erlitten. Hierzu hat unser Verein die nachfolgende Presseerklärung herausgegeben:
 

Presseerklärung des Fördervereins Mahnmal Koblenz

zum Gedenktag für die NS-Opfer am 27. Januar 2018

Die diesjährigen Veranstaltungen zum internationalen Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus am 27. Januar 2018 in Koblenz werden wesentlich vom Landtag Rheinland-Pfalz geprägt. Zur Erinnerung an die Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz vor 73 Jahren kehrt der Landtag für kurze Zeit nach Koblenz zurück, wo er nach dem Krieg bis 1950 seinen Sitz hatte – und dann wie auch die Landesregierung nach Mainz umzog.

Die Veranstaltungen beginnen mit einem Gespräch über die Rettung der dänischen Juden im Spätherbst 1943. Über diesen einzigartigen Widerstand des dänischen Staates und seiner Bürger diskutieren unter dem Motto „’Sie sind eine Mauer um uns gewesen.’ – Dänemarks Rettung seiner jüdischen Mitbürger“ diskutieren Dänemark-Kenner und Kirchenhistoriker am Freitag, dem 26. Januar 2018, um 19.00 Uhr im Historischen Rathaussaal. Ergänzt wird das Gespräch durch eine Lesung. Veranstalter ist die Akademie der Wissenschaften und Literatur, Mainz, mit Kooperationspartnern.

Am Samstag, dem 27. Januar 2018, hält der Landtag um 11.00 Uhr seine Gedenksitzung als auswärtige Plenarsitzung im Neuen Justizzentrum Koblenz. Zu den Abgeordneten, Regierungsmitgliedern und geladenen Gästen sprechen Landtagspräsident Hendrik Hering und Ministerpräsidentin Malu Dreyer. Im Mittelpunkt steht die Gedenkrede von Professor Dr. Michael Stolleis über die „Zerbrechlichkeit des Rechtsstaats“. Thema ist dabei, wie vor nunmehr 85 Jahren die Weimarer Republik, die erste deutsche Demokratie, in die Hände Hitlers, seiner Nationalsozialisten und der vielen, viel zu vielen Helfer geraten und untergehen konnte. Der Rechtshistoriker Stolleis geht auch der Frage nach, welche Konsequenzen aus diesem Versagen in der Nachkriegszeit gezogen wurden und heute zu ziehen sind.

Nach der Sondersitzung erinnern der Förderverein Mahnmal Koblenz, die Stadt Koblenz und Kooperationspartner gegen 13.30 Uhr am Mahnmal auf dem Reichensperger Platz an die Opfer des Nationalsozialismus. Dabei gedenken Oberbürgermeister Joachim Hofmann-Göttig und Schülerinnen und Schüler besonders der Opfer, die bei der Machtübernahme der Nazis vor 85 Jahren in Koblenz und Umgebung verfolgt wurden.

Anschließend, gegen 14.00 Uhr, findet die Gedenkstunde mit christlich-jüdischem Gebet in der Citykirche am Jesuitenplatz statt. Es sprechen Oberbürgermeister Joachim Hofmann-Göttig und der stellvertretende Vorsitzende des Fördervereins Mahnmal Koblenz Joachim Hennig. Thema ist mit Blick speziell auf Koblenz und Umgebung die Demontage des Rechtsstaates und der Bürgerrechte durch die Machtübernahme der Nazis vor 85 Jahren.

Danach wird ebenfalls in der Citykirche die Ausstellung „Un-er-setz-bar. – Begegnung mit Überlebenden“ eröffnet. Die Ausstellung des Erinnerungsortes Topf Söhne, Erfurt, porträtiert sieben NS-Opfer, die die Vernichtung durch die Nazis überlebt haben. Ein Lebensbild ist Waltraut („Trautchen“) Reinhardt und ihrer Familie gewidmet. Sie lebt seit Jahrzehnten in Koblenz und ist die Witwe des vor einem Jahr verstorbenen Koblenzer Musikers Daweli Reinhardt, dem Mitbegründer des Schnuckenack-Reinhardt-Quintetts, und Mutter des Koblenzer Sängers Django und seiner Musikerbrüder Mike, Bawo, Sascha und Moro Reinhardt.

Am Sonntag, dem 28. Januar 2018, gastiert „Zaruk“ auf seiner Deutschland-Tournee mit einem Duo-Konzert um 11.00 Uhr in der Citykirche. Der Gitarrist Rainer Seiferth und die Cellistin Iris Azquinezer präsentieren die unterschiedlichsten Musiken der Welt, die sie zu einem Matineekonzert der besonderen Art zusammenführen. Kooperationspartner sind das Dekanat Koblenz, KHG Koblenz, KEB Koblenz und Stadt Koblenz.

Am Dienstag, dem 30. Januar 2018, laden das Bundesarchiv Koblenz und der Freundschaftskreis Koblenz-Petah Tikva e.V. zu einem Filmabend ein. Um 18.00 Uhr wird im Bundesarchiv, Potsdamer Straße 1, der Dokumentarfilm „Schnee von gestern“ gezeigt. In dem 2014 produzierten deutschen Film begibt sich die Regisseurin Yael Reuveny auf Spurensuche nach dem Bruder ihrer Großmutter, einem Juden aus Wilna, der den Holocaust überlebte und als „normaler“ Bürger in der ehemaligen DDR lebte.

Den Abschluss der Veranstaltungen bildet eine zweitägige Tagung des Landtags und seiner Kommission für die Geschichte des Landes Rheinland-Pfalz am 31. Januar und am 1. Februar 2018 im Bundesarchiv Koblenz. Kooperationspartner ist die Landesarbeitsgemeinschaft der Gedenkstätten und Erinnerungsinitiativen zur NS-Zeit im heutigen Rheinland-Pfalz. Zum Thema „NS-Rassenhygiene, Zwangssterilisation, Krankenmorde – Regionale Perspektiven auf den Raum des heutigen Rheinland-Pfalz“ referieren Fachleute zur NS-Rassenhygiene und ihrer Verbrechen im Deutschen Reich und speziell auf dem Gebiet des heutigen Rheinland-Pfalz. Den Schwerpunkt bilden die psychiatrischen Einrichtungen sowie Biografien von Opfern und Tätern in und aus unserer Region. Erörtert wird auch der Umgang mit diesem Kapitel der NS-Geschichte in der Bundesrepublik Deutschland. Die Tagung findet ihre Ergänzung in der noch bis zum 31. März 2018 im Landeshauptarchiv Koblenz in der Karmeliterstraße präsentierten Ausstellung „’Lebensunwert’ – Entwürdigt und vernichtet. Zwangssterilisation und Patientenmorde im Nationalsozialismus im Spiegel der Quellen des Landeshauptarchivs Koblenz“.

Die Gedenksitzung des Landtages ist geladenen Gästen vorbehalten. Zu allen anderen Veranstaltungen sind Besucher und Teilnehmer herzlich eingeladen. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Der Eintritt ist jeweils frei.



Erschienen ist die Presseerklärung u.a. in "Blick aktuell" - Ausgabe Koblenz - vom 25. Januar 2018.

Blick aktuell HIER lesen

 
Die Hauptveranstaltungen finden am internationalen Gedenktag, dem 27. Januar 2018, selbst statt, und zwar:
 
11.00 Uhr, Neues Justizzentrum Koblenz, Deinhardpassage 1: Sondersitzung des Landtages (nur für geladene Gäste)
 
13.30 Uhr, Mahnmal auf dem Reichensperger Platz: Statio
 
gegen 14.00 Uhr, Citykirche, Jesuitenplatz: Gedenkstunde mit christlich-jüdischem Gebet
 
anschließend, Citykirche, Jesuitenplatz: Eröffnung der Ausstellung: Un-er-setz-bar
 
 
 
Zu den weiteren Veranstaltungen gibt es auch Flyer, die zur näheren Information hier wiedergegeben sind:
 
Freitag, 26. Januar 2018, 19.00 Uhr, Citykirche am Jesuitenplatz:

Gespräch über die Rettung dänischer Juden vor dem Holocaust - HIER lesen
 
Sonntag, 28. Januar 2018, 11.00 Uhr, Citykirche, Jesuitenplatz:

Matinee-Konzert mit dem Duo Zaruk - HIER lesen
 
Dienstag, 30. Januar 2018, 18.00 Uhr, Bundesarchiv, Potsdamer Straße 1:

Filmabend mit dem Dokumentarfilm "Schnee von gestern"  - Hier lesen
 
Mittwoch, 31. Januar 2018, 10.00 Uhr, Bundesarchiv, Potsdamer Straße 1:

Tagung des Landtages Rheinland-Pfalz: "NS-Rassenhygiene, Zwangssterilisation, Krankenmorde - Regionale Perspektiven auf den Raum des deutigen Rheinland-Pfalz" Flyer HIER lesen
 
Donnerstag, 1. Februar 2018, 9.00 Uhr, Bundesarchiv, Potsdamer Straße 1:

Fortsetzung der Tagung des Landtages Rheinland-Pfalz vom Vortag -Flyer HIER lesen
 




 

3. Artikel in der "Schängel"-Serie "Erinnerung an NS-Opfer"
 
In dem 3. Artikel zum Gedenktag am 27. Januar 2018 erinnert unser stellvertretender Vorsitzender Joachim Hennig an die Machtübernahme der Nationalsozialismus vor nunmehr 85 Jahren am 30. Januar 1933. Dieses Thema, das auch der Rechtshistoriker Professor Dr. Michael Stolleis in seiner Gedenkrede in der Sondersitzung des Landtages über die "Zerbrechlichkeit des Rechtsstaats"ansprechen wird,  ist heute so aktuell wie ehedem. Nicht deshalb, weil sich Geschichte wiederholt - Geschichte wiederholt sich nicht -, sondern deshalb, weil  wir - wie der damalige Bundespräsident Richard von Weizsäcker in seiner Rede am 8. Mai 1985 gesagt hat - uns gegen die neuen Ansteckungsgefahren immunisieren müssen. Deshalb schildert Hennig wie die Nazis seinerzeit auch in Koblenz mit großer Schnelligkeit und  Konsequenz Demokraten und andere ihnen Missliebige aus ihren Ämtern entfernten. Er berichtet auch vom Schicksal jüdischer Koblenzer Rechtsanwälte, die schon zwei Monate nach der Machtübernahme ihren Beruf verloren und  nach weiteren Diskriminierungen und Verfolgungen zehn Jahre später Opfer des Völkermordes an den europäischen Juden wurden.
 
Den Artikel aus dem "Schängel" - LokalAnzeiger für Koblenz und Umgebung - vom 17. Januar 2018 HIER lesen

 



 

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