Foto: Holger Weinandt (Koblenz, Germany) 12.07.2011  Lizenz cc-by-sa-3.0-de

1996

 

Die Idee für ein Mahnmal zur Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus in Koblenz entstand ersichtlich im Sommer 1996. Unabhängig voneinander hatten das die damalige SPD-Bundestagsabgeordnete Ursula Mogg und der Pfarrgemeinderat von St. Elisabeth in Koblenz-Rauental im Sinn.

Anstoß für Ursula Mogg war wohl der Besuch der Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem. Dazu gab es eine kleine Notiz in der Rhein-Zeitung – Ausgabe Koblenz – im Sommer 1996, die aber nicht mehr auffindbar ist. Wohl zur selben Zeit hatte der Pfarrgemeinderat St. Elisabeth die Idee zu einem Förderverein für ein solches Mahnmal. Beweggrund dafür war die Erinnerung an ein ehemaliges Mitglied der Pfarrgemeinde, dessen Schicksal die Gemeinde anlässlich seines 50-jährigen Bestehens entdeckt und dem er anlässlich einer Fahrt zur Mahn- und Gedenkstätte des Frauen-Konzentrationslager Ravensbrück bei Fürstenberg/Havel nachgespürt hatte.

 

Foto von Anna Speckhahn (mit Sohn)

Die Rede war und ist von Anna Speckhahn – einer gläubigen Katholikin, die sich wiederholt kritisch zum Nationalsozialismus geäußert hatte und dadurch in das Fadenkreuz der Gestapo geraten war. Eine weitere kritische Äußerung im Oktober 1943 wurde ihr zum Verhängnis. Aufgrund einer Denunziation nahm sie die Gestapo Koblenz fest, sperrte sie im Gefängnis in der Karmeliterstraße ein und sorgte dafür, dass sie von dort in das Frauenkonzentrationslager Ravensbrück verschleppt wurde. Sechs Wochen später war Anna Speckhahn im KZ – wie man so sagt – umgekommen. Nachdem sie das erfahren hatten, beschlossen der damalige Pfarrer der Gemeinde, Michael Laux, und andere Gemeindemitglieder, mit einem kleinen Mahnmal an Anna Speckhahn zu erinnern und dazu einen Förderverein zu gründen.

Die Gründungsphase unseres Vereins begann dann mit einem Treffen am 29. November 1996 in der Begegnungsstätte der Pfarrgemeinde St. Elisabeth. Die Einladung dazu, die in der Rhein-Zeitung – Ausgabe Koblenz – mitgeteilt wurde, war nur eine kleine Nachricht unter vielen.

Lesen Sie Hier den Artikel der Rhein-Zeitung

Zu dem Treffen fand sich ein sehr überschaubarer Kreis ein. Mit dabei waren die Ideengeber, also Mitglieder des Pfarrgemeinderats und auch Ursula Mogg. Gekommen waren Vertreter von interessierten Vereinen und Institutionen. Man kannte sich. In der Rhein-Zeitung war dazu zu lesen, dass sich an den Vorbereitungen neben engagierten Einzelpersonen die im Stadtrat vertretenen Parteien, das Stadtarchiv, die Christlich-Jüdische Gesellschaft, der Freundeskreis Koblenz-Petah Tikva, der Deutsche Gewerkschaftsbund, der Sozialverband Reichsbund und die Landeszentrale für politische Bildung beteiligt haben.

Joachim Hennig war der einzige Unbekannte in diesem Kreis. Pfarrer Laux nahm ihn daraufhin zur Seite und fragte ihn, warum er eigentlich da sei. Als er ihm das erklärte, meinte er, man weiß ja nie, bei solchen Themen kämen oft auch Leute, die da nicht hingehörten und nur stören wollten. Na ja, Hennig ist jedenfalls geblieben. Man kam dann überein, im Frühjahr die Gründung eines Vereins zur Errichtung eines Mahnmals für Opfer des Nationalsozialismus in Koblenz zu versuchen. Ziel war – wie es hieß – die Errichtung eines Mahnmals zum Gedenken an alle Opfer des Nationalsozialismus, gegen das Vergessen und zur ständigen Wachsamkeit und Verantwortung für die Zukunft.

Ein solches Mahnmal für alle Opfer des Nationalsozialismus in Koblenz war damals überfällig. Denn seinerzeit – wie auch heute – gab und gibt es kein Gebäude, das erkennbar an diese Zeit und vor allem an Verfolgung und Widerstand im damaligen Koblenz erinnert. Vor allem die Luftangriffe der Alliierten gegen Ende des Zweiten Weltkrieges zerstörten die Altstadt so stark, dass die für die Erinnerung wichtigen Gebäude abgerissen und durch Neubauten ersetzt werden mussten.

Ein Stadtplan von heute, der die Lage der nachfolgend beschriebenen Gebäude wiedergibt folgt

Das gilt vor allem für das Zentrum der Verfolgung und des Terrors, für das Gebäude der Geheimen Staatspolizei(leit)stelle Koblenz in der Straße „Im Vogelsang 1 – 3“. Es befand sich an der Ecke Im Vogelsang/Regierungsstraße.. Nach dem Krieg wurden hier Wohnungen für französische Offiziere errichtet.


Historisches Foto vom Gestapogebäude

Ebenso wenig existierte damals noch das Gebäude des Land- und Amtsgerichts Koblenz in der Karmeliterstraße, an der Einmündung der Straße „Im Vogelsang“ in diese. Dort tagten die Gerichte, insbesondere die Große Strafkammer des Landgerichts, aber auch das Sondergericht Köln bei seinen auswärtigen Terminen in Koblenz und ab Dezember 1940 das dann neu errichtete Sondergericht Koblenz. An derselben Stelle steht heute das Gebäude des Land- und Amtsgerichts Koblenz. Es ist aber ein Bau aus den 1950er Jahren, der keine Erinnerung an das frühere Gebäude weckt.

Historisches Foto vom Landgericht

Nicht viel anders war es mit dem Gerichtsgefängnis, dem „Karmelitergefängnis“, in der Karmeliterstraße vom Landgericht aus ca. 100 Meter weiter in Richtung St. Castorkirche/Deutsches Eck. Dort an dem kleinen Kreisel und an der Ecke Rheinstraße stand damals das Gefängnis. Es war zu Beginn des 19. Jahrhunderts unter napoleonischer Besetzung als Karmeliterkloster säkularisiert worden und diente seitdem – und damit verstärkt auch in der NS-Zeit – als Gefängnis von Koblenz. Heute befindet sich auf dem Gelände eine Liegenschaft des Bundes, es ist ein Teil eines Bürogebäudes des ehemaligen Bundesamtes für Wehrtechnik und Beschaffung (BWB).

 Historisches Foto vom Karmelitergefängnis

Ebenfalls aus dem Stadtbild verschwunden ist das damalige Polizeipräsidium am Kaiser-Wilhelm-Ring 47 – 51 (heute Friedrich-Ebert-Ring). Damals war das Sitz des Polizeipräsidenten, der Schutzpolizei (Ordnungspolizei) und der Kriminalpolizei. Dort befand sich auch das Polizeigefängnis. Das Gebäude überstand den Krieg unzerstört. Es wurde dann aber in den 1960er Jahren vollständig beseitigt und durch den Neubau der Kreisverwaltung Mayen-Koblenz ersetzt.

 Historisches Foto vom Polizeipräsidium

Andere Gebäude, wie das der damaligen Regierung (Bezirksregierung), des Oberpräsidiums der Rheinprovinz, wie auch das Coenensche Haus in Koblenz-Ehrenbreitstein und vor allem das der ehemaligen Synagoge im Bürresheimer Hof am Florinsmarkt 11 – 13 sind zwar noch von ihrem Erscheinungsbild vorhanden, aber sie rufen praktisch keine Erinnerung an die damalige Verfolgung und den Widerstand in Koblenz wach.

Auch gab es in Koblenz damals nur zwei Gedenkorte. Der eine war das 1947 auf dem Jüdischen Friedhof in der Schlachthofstraße/Schwerzstraße errichtete Mahnmal für die jüdischen Opfer aus Koblenz und der andere war das Ende der 1970er Jahre am Ort des ehemaligen Karmelitergefängnisses in der Karmeliterstraße angebrachte Relief für Pater Joseph Kentenich.

 

 

Von daher war ein allgemeiner und deutlich sichtbarer Erinnerungsort für alle NS-Opfer aus Koblenz (und Umgebung) in Koblenz überfällig.

 

 

 

 


 

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