Foto: Holger Weinandt (Koblenz, Germany) 12.07.2011  Lizenz cc-by-sa-3.0-de

Erinnerung an den 9. November

Immer wieder sind es die Gedenktage, die Anlass zur Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus sind. Ein sehr wichtiger Gedenktag ist der 9. November. In diesem Jahr ist er in besonderem Maße denkwürdig, jährt sich doch der Novemberpogrom 1938 („Reichspogromnacht“) zum 75. Mal.

Aus diesem Anlass war der stellvertretende Vorsitzende des Fördervereins Mahnmal Koblenz Joachim Hennig in der Dr. Zimmermannschen Wirtschaftsschule in Koblenz. Sein Vortrag am 6. November zum Thema „Menschen, Rechte und ihre Vernichtung - Die jüdische Juristenfamilie Brasch“ stand am Ende einer intensiven Beschäftigung der Schülerinnen und Schüler mit dem Nationalsozialismus und gerade mit dem Schicksal der Familie Brasch. Hierzu hatten die Schülerinnen und Schüler mit Unterstützung ihres Religions- und Geschichtslehrers Edwin Müller auch eine kleine Ausstellung im Foyer der Schule erarbeitet und diese der Schulgemeinschaft vorgestellt.

Foto: Lehrer Edwin Müller und Joachim Hennig beim Betrachten der kleinen Ausstellung

 

Mit dieser Ausstellung und den einführenden Worten der Schulleiterin, Frau Corinna Gahl-Haupt, und des Lehrers Edwin Müller fand der Referent eine sehr freundliche Aufnahme. Ehe Joachim Hennig zum eigentlichen Thema seines Vortrages kam, sprach er die Bedeutung des kommenden 9. November an, des wohl wichtigsten Datums in der jüngeren deutschen Geschichte. Denn am 9. November veranlassten die Nationalsozialisten nicht nur reichsweit den Novemberpogrom 1938, sondern der 9. November steht für drei weitere sehr wichtige Ereignisse: für die Ausrufung der ersten deutschen Republik („Weimarer Republik“) am 9. November 1918 – also vor 95 Jahren -, für den sog. Hitlerputsch beim „Marsch auf die Feldherrnhalle“ in München am 9. November 1923 – also vor 90 Jahren – und für die Öffnung der Mauer am 9. November 1989 – also vor 24 Jahren. Hennigs Anliegen war es, die geschichtlichen Dimensionen aufzuzeigen. Dabei kam er insbesondere auf die Initiierung der „Reichspogromnacht“ bei einem Treffen von Nazis am 9. November 1938 im Bürgerbräukeller in München zu sprechen, das zur Erinnerung mit der „Alten Garde“ vom Hitler-Putsch am 9. November 1923 jedes Jahr dort abgehalten wurde. Damit wollte der Referent Bezüge herstellen und deutlich machen, dass politisches Leben ein sich entwickelnder, dynamischer Prozess ist und die sich daraus ergebende Geschichte so – im wahrsten Sinne des Wortes – „begriffen“ werden muss.

Foto: Joachim Hennig beim Vortrag

 

Im Folgenden referierte Joachim Hennig dann anhand von Familienfotos, Dokumenten, Zeitungsberichten und Gesetzestexten über die Geschichte der jüdischen Familie Brasch in der Zeit von 1864 bis 1944. Dabei zeigte er anhand dieses Zeitraums von 80 Jahren die Emanzipation der Juden in Deutschland (1869 – 1932) und dann deren Diskriminierung, Entrechtung, Verfolgung und Vernichtung im Nationalsozialismus auf. Die Stationen dieser Lebens- und Leidenswege finden Sie auch auf dieser Homepage unter

Siehe auch Dauerausstellung/Personentafeln/juristenfamilie-brasch-juedische-rechtsanwaelte-aus-mayen-koblenz




Foto: Abschlussfoto mit der Klasse, der Schulleiterin Corinna Gahl-Haupt, dem Lehrer Edwin Müller und dem Referenten Joachim Hennig. (Sämtliche Fotos: Lothar Spurzem)

 

Einen Artikel der Rhein-Zeitung vom 29. November 2013 zur Veranstaltung HIER lesen

 


 

Zur Erinnerung an Marcel und Teofila Reich-Ranicki

 

Die Zeitungen und Zeitschriften sind voll mit Nachrufen und Würdigungen Marcel Reich-Ranickes, der vor wenigen Tagen im Alter von 93 Jahren gestorben ist. Deutschland und die Literaturwelt darüber hinaus trauern um den bedeutendsten deutschen Literaturkritiker. Damit hat sich ein langes und überaus sehr wechselhaftes Leben erfüllt. Marcel Reich-Ranicki selbst hat die Anfangsjahre festgehalten in seiner Autobiografie „Mein Leben“. Sie wurde zu einem Erfolgsbuch, die auch für das Fernsehen verfilmt wurde.

Über dem scharfzüngigen Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki vergisst man fast den Zeitzeugen, der als junger Jude im von Hitler-Deutschland besetzten Polen viel erleben und erleiden musste.

Mit dieser Autobiografie hat Marcel Reich-Ranicki zugleich seiner im April 2011 verstorbenen Frau Teofila ein literarisches Denkmal gesetzt. Seine Frau, mit der er bis zu ihrem Tod 69 Jahre verheiratet war, lernte er im Warschauer Ghetto im Jahr 1940 kennen und lieben. Die beiden gingen dann im wahrsten Sinne des Wortes „durch dick und dünn“. Erst mussten die beiden um ihre nackte Existenz im Warschauer Ghetto kämpfen, dann gelang ihnen die Flucht, um schließlich bis zur Befreiung von Hitler-Deutschland illegal und versteckt in dem besetzten Polen zu leben.

Mit Dankbarkeit erinnert sich unser Förderverein Mahnmal Koblenz an den Besuch von Marcel und Teofila Reich-Ranicki am 30. Oktober 2008 in Koblenz. Beide hatten es sich – obwohl sie nicht mehr sehr mobil waren – nicht nehmen lassen, von Frankfurt/Main anzureisen und die Ausstellung „Vergessen heißt Verbannung. Erinnern ist der Pfad der Erlösung“ im Oberlandesgericht Koblenz zu eröffnen. Gezeigt wurden 16 Originalbilder von Teofila Reich-Ranicki, die diese im Warschauer Ghetto gezeichnet hatte. Ergänzt wurde die Ausstellung durch 16 Lebensbilder jüdischer Koblenzer, die der stellvertretende Vorsitzende unseres Fördervereins erarbeitet hatte. Die Ausstellungseröffnung durch die Eheleute Reich-Ranicki war sicherlich eine der letzten öffentlichen Veranstaltungen der beiden. Umso mehr und lieber erinnert sich der Förderverein mit Dank an Marcel und Teofila Reich-Ranicki und an die bewegende Ausstellungseröffnung durch diese beiden Überlebenden des Holocaust in Koblenz.

Foto: Marcel Reich-Ranicki bei der Ausstellungseröffnung im Oberlandesgericht Koblenz am 30. Oktober 2008


 

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