Foto: Holger Weinandt (Koblenz, Germany) 12.07.2011  Lizenz cc-by-sa-3.0-de

Homepage des Fördervereins und virtuelle Ausstellung "Hugo Salzmann" jetzt auch in überregionaler Presse.


Mit Freude können wir vermelden, dass die Arbeit unseres Fördervereins Mahnmal Koblenz und gerade die für die virtuelle Ausstellung "Hugo Salzmann" inzwischen Interesse und Anerkennung in den Redaktionsstuben von Berlin gefunden haben. Jetzt ganz aktuell und offenbar beim Durchstöbern des Internets ist die Tageszeitung "Neues Deutschland" auf uns aufmerksam geworden. In einem online gestellten Artikel berichtet die überregionale Tageszeitung über die virtuelle Ausstellung: "Hugo Salzmann (1903 - 1979) - Kommunist, Gewerkschafter und Künstler aus Bad Kreuznach" und findet anerkennende Worte. Wünschen wir - auch mit diesem "Rückenwind" aus Berlin - unserer Homepage und der virtuellen Ausstellung "Hugo Salzmann" eine noch größere Verbreitung!

 

Link: http://www.neues-deutschland.de/artikel/831156.nicht-alltaegliche-ehrung.html


 

Neue „Stolpersteine“ werden verlegt

Die Verlegung von „Stolpersteinen“ im Stadtgebiet wird mit einer weiteren Aktion fortgesetzt. Am Freitag, dem 30. August 2013, verlegt der Kölner Bildhauer Gunter Demnig sechs neue „Stolpersteine“. Das ist die 7. Aktion dieser Art in Koblenz. In den vorherigen Aktionen wurden beginnend ab dem 27. Januar 2007 bereits mehr als 87 „Stolpersteine“ gesetzt. Diese kleinen „Mahnmale“ auf den Bürgersteigen der Stadt erinnern an die verschiedensten Opfer, die in der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt wurden und dann umkamen.

Unter Federführung der Christlich-Jüdischen Gesellschaft für Brüderlichkeit Koblenz und in Zusammenarbeit mit dem Förderverein Mahnmal für die Opfer des Nationalsozialismus in Koblenz e.V. eröffnet Oberbürgermeister Prof. Dr. Joachim Hofmann-Göttig die Verlegung um 16.00 Uhr am Haus Friedrich-Ebert-Ring 39. Dort werden zwei „Stolpersteine“ verlegt für den jüdischen Arzt Dr. Hugo Bernd und seine Frau Senta, geb. Fuchs.

Die Vorfahren Hugo Bernds lebten seit mehreren Jahrhunderten im Rheinland. Dein Vater gründete in Koblenz das Möbelhaus Bernd.

Familie Hugo BerndDer 1879 geborene Sohn Hugo machte 1899 am Kaiserin-Augusta-Gymnasium (heute: Görres-Gymnasium) Abitur und studierte Medizin. Als Kriegsteilnehmer wurde er mit dem Eisernen Kreuz I. Klasse (EK I) ausgezeichnet. Viele Jahre war er in Koblenz Facharzt für HNO und für Sprachstörungen. Er und seine 1888 geborene Frau Senta ließen sich evangelisch taufen, ebenso seine Schwester Gertrud (*1882). Nach dem Tod ihres ersten Mannes heiratete Gertrud ein zweites Mal, den “Arier” Fritz Poeschmann. Dieser übernahm das Möbelhaus Bernd. Hugo und Senta Bernd hatten drei Kinder: Rolf (*1913), Beate (*1915) und Hans Reiner (*1929).

Sohn Rolf verboten die Nazis schon früh, als Musiker weiter aufzutreten. Er emigrierte und starb 1940 in den USA.

Im Jahr 1938 konnten die Bernds und Fritz Poeschmann das Möbelhaus nicht mehr in ihrem Besitz halten. Unter Druck wurde es „arisiert“. Der „arische” Prokurist der Firma, der von den Voreigentümern der Firma durchaus geschätzt war, übernahm das Geschäft.

Anlässlich der „Reichspogromnacht“ vom 9. auf den 10. November 1938 nahm die Gestapo Hugo und Senta Bernd fest, entließ sie nach einigen Tagen aber wieder.

Als Frontkämpfer des I. Weltkrieges fühlte sich Hugo Bernd sicher, sorgte aber dafür, dass Sohn Hans Reiner und Tochter Beate noch vor Beginn des II. Weltkrieges nach England emigrieren konnten. Bei der ersten Deportation von Juden aus Koblenz im Frühjahr 1942 betreute Dr. Bernd die Betroffenen, war pausenlos im Einsatz, versorgte die Patienten, besorgte Medizin und half, wo er konnte.

Mit der 5. Deportation am 2. März 1943 wurden die Eheleute Hugo und Senta Bernd von Koblenz aus in das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau verschleppt und dort in den Gaskammern ermordet.

Das Möbelhaus Bernd in Koblenz hat mit den Bernds nur noch den Namen gemeinsam.

Im Anschluss an diese Verlegung wird in der Roonstraße 6 der „Stolperstein“ für Adolf Duckwitz gesetzt.

Adolf DuckwitzDer 1873 in Koblenz geborene Adolf Duckwitz machte am damaligen Realgymnasium (heute: Eichendorff-Gymnasium) Abitur, erhielt seine berufliche Ausbildung im Bankwesen und studierte Wirtschaftswissenschaften. In der Weimarer Republik war er langjähriger Verlagsdirektor und Herausgeber des Koblenzer General-Anzeigers und Geschäftsführer der Krabbenschen Buchdruckerei, Außerdem war er Aufsichtsratsvorsitzender der Rhenser Mineralbrunnen AG, der neuen Selterser Mineralquell AG sowie Vorstandsmitglied des Deutschen Buchdruckervereins, des Vereins Deutscher Zeitungsverleger und anderer Fachvereinigungen. Duckwitz geriet sehr schnell in das Fadenkreuz der Nationalsozialisten, die sofort nach der Machtübernahme im Jahr 1933 daran gingen, die Presse „gleichzuschalten“. Dabei war ihnen der dem Zentrum nahe stehende Koblenzer General-Anzeiger ein Dorn im Auge, hinzu kam Duckwitz´ Einfluss im Verbandswesen der Zeitungsverleger. Seit 1933 war er Verunglimpfungen ausgesetzt, die sich immer mehr steigerten. Diffamiert wurde er auch deshalb, weil er Meister vom Stuhl der Koblenzer Freimaurer-Loge war. Mitte der 1930er Jahre kam es dann soweit, dass die Nazis Duckwitz mit Hilfe der Justiz strafrechtliche Verfehlungen nachweisen wollten. Er wurde verhaftet, in Untersuchungshaft genommen und angeklagt. Es sollte ein politischer Schauprozess gegen ihn und andere werden. Die Nazi-Presse berichtete immer wieder sehr ausführlich und grob ehrverletzend über Duckwitz und andere Angeklagte. Während der Untersuchungshaft wurde er schwer krank, so dass nichts anderes übrig blieb, als ihn in ein Krankenhaus zu überführen. Als seine Rückführung ins Gefängnis unmittelbar bevorstand, wählte Adolf Duckwitz am 12. Oktober 1936 den Freitod. Er hinterließ Frau und zwei Kinder.

Die nächste Station der Verlegung ist die Südallee 2. Dort wird an den Koblenzer Medizinalrat Dr. Paul Kolf erinnert. Kolf war Arzt und Medizinalrat, als Beamter war er der NSDAP beigetreten. Im Jahr 1938 konnte die Koblenzer Gestapo auf Anfrage noch mitteilen, dass er in „politischer, strafrechtlicher und spionagepolizeilicher Hinsicht nicht in Erscheinung getreten (ist)“. Das änderte sich aber im Zuge des II. Weltkrieges. Im Sommer 1943 wurde er von einem Nachbarn darauf angesprochen, dass er bei den Luftangriffen nicht richtig verdunkle. Darauf erklärte Kolf dem Nachbarn, die ganze Verdunklung sei doch Unsinn. Bald käme es hier wie in Italien (wo nach einem Staatsstreich Mussolini entlassen und ein Waffenstillstand geschlossen worden war). Hitler würde von seinen Generälen abgesetzt und in vier Wochen sei der Krieg zu Ende. Dann gab noch ein Wort das andere. Der Nachbar denunzierte Kolf daraufhin bei der Koblenzer Gestapo. Dieser kam in Haft und man machte ihm einen Strafprozess. Der Volksgerichtshof mit dem Präsidenten Roland Freisler verurteilte ihn wegen „Zersetzung der Wehrkraft“ zum Tode. Ein Gnadengesuch führte insoweit zum Erfolg, dass der Strafausspruch in eine achtjährige Zuchthausstrafe umgewandelt wurde. Die Strafe verbüßte Kolf in einem Zuchthaus in Regensburg. Kurz nach der Befreiung starb Paul Kolf an den Folgen der Haft.

Der nächste „Stolperstein“ wird in der Weißergasse 27 für Walter Hübinger verlegt.

Gebrüder Walter und Wilhelm Hübinger

 

Der 1910 geborene Walter Hübinger war wie sein älterer Bruder Wilhelm Lehrhauer und arbeitete in der Grube Mühlenbach in Arenberg. Er geriet in das Fadenkreuz der Nazis, weil er angeblich mehrmals ohne ersichtlichen Grund der Arbeit fern geblieben war. Deshalb wurde er am 30. November 1939 von der Gestapo Koblenz verwarnt. Für den Fall, dass er erneut grundlos nicht zur Arbeit erschien, wurde ihm die Verschleppung in ein Konzentrationslager angedroht. Am 26. Februar 1940 wurde er erneut wegen „Arbeitsbummelei“ staatspolizeilich verwarnt. Nachdem er bald darauf zwei Wochen lang nicht zur Arbeit erschienen war, nahm ihn die Gestapo von Koblenz am 23. April 1940 fest. Auf ihren Antrag hin ordnete das Reichssicherheitshauptamt in Berlin seine Überführung in ein Konzentrationslager an. Mitte Oktober 1940 wurde er ins KZ Sachsenhausen bei Berlin verschleppt, wo er am 16. Oktober 1940 eintraf. 3 ½ Monate später, am 31. Januar 1941, starb dieser kräftige und starke Steinhauer angeblich an Herz- und Kreislaufinsuffizienz.

Der letzte „Stolperstein“ der 7. Aktion wird in Metternich in der Neugasse 22 verlegt.

Johann DötschDieser Stein ist dem Koblenz-Metternicher Johann Dötsch gewidmet. 1890 im damals noch selbständigen Metternich geboren, absolvierte er eine Maurerlehre. Nach dem I. Weltkrieg, in dem er Berufssoldat war, heiratete er seine Frau Anna, geb. Allscheid, und trat in die SPD und in die Gewerkschaft ein. Über den Ortsverein Metternich arbeitete er sich zum Parteisekretär und Vorsitzenden des Unterbezirks Koblenz der SPD hoch. Von 1929 bis 1933 war Dötsch Mitglied des Provinziallandtages der Rheinprovinz.

Nach der Machtübernahme der Nazis am 30. Januar 1933 und dem Verbot der SPD am 22. Juni 1933 kam Johann Dötsch vorübergehend in „Schutzhaft“. Im selben Jahr wurde er noch einmal kurzzeitig festgenommen. Notgedrungen musste er sich beruflich neu orientieren. Er wurde Handlungsreisender in Seifenartikeln, außerdem war er Obstbauer. Dötsch stand unter Überwachung der Gestapo in Koblenz. Obwohl er zu Beginn des II. Weltkrieges als Hauptmann der Reserve einen Einberufungsbefehl zur Wehrmacht hatte, wurde er überraschend von der Gestapo Koblenz verhaftet und in das Konzentrationslager Sachsenhausen bei Berlin verschleppt. Das geschah aufgrund der sog. A-Kartei-Aktion, bei der zu Kriegsbeginn „vorsorglich“ etwa 850 frühere SPD-Funktionäre und Gewerkschafter in KZ verbracht wurden (damit sie den Weltkrieg nicht „sabotieren“ und Unruhe bringen konnten).

Kurz vor Kriegsende kam Johann Dötsch mit ca. 33.000 gequälten und halb verhungerten Häftlingen vom KZ Sachsenhausen auf den „Todesmarsch“ in Richtung Ostsee. Am 2. Mai wurde er mit den anderen überlebenden Häftlingen in der Nähe von Schwerin befreit. Er war von den Leiden seiner Haft schwer gezeichnet und konnte erst im Oktober 1945 nach Koblenz-Metternich zurückkehren. Dötsch war Mitbegründer der SPD in Koblenz. Am 2. Januar 1946 wurde er Präsidialdirektor („Minister“) für Arbeit und Soziales der kurzzeitig bestehenden Provinz Rheinland/Hessen-Nassau. Schon am 2. Oktober 1946 starb Johann Dötsch in Koblenz an einem Herzleiden, das er sich im KZ Sachsenhausen zugezogen hatte.

Interessierte sind herzlich eingeladen, an den einzelnen Stationen an den Verlegungen teilzunehmen.

 


 

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