KZ-Außenlager Cochem

Wie im KZ-Außenlager „Rebstock“ bei Dernau an der Ahr gab es auch in Cochem an der Mosel im letzten Jahr des Zweiten Weltkrieges ein KZ-Außenlager. Es bestand von März bis September1944. Eingerichtet wurde es mit einigen Hundert überwiegend französischen Häftlingen aus dem Konzentrationslager Natzweiler-Struthof (bei Straßburg). Sie sollten in dem 2,8 Kilometer langen Eisen-bahntunnel, der zwischen den Ort- schaften Bruttig und Treis rechts der Mosel verlief und ungenutzt war, eine unterirdische Fabrikhalle einrichten. Zunächst hatten sie den verwahrlosten Eisenbahntunnel herzurichten sowie Lagerbaracken an den Tunneleingängen in Bruttig und Treis auf dem Bahndamm zu errichten. Keine vier Wochen später wurden diese Häftlinge ins KZ Natzweiler zurückbeordert. Erst jetzt hatte man dort bemerkt, dass es „NN-Häftlinge“ waren. Solche „Nacht-und-Nebel-Häftlinge“ waren zumeist Widerständler in den besetzten Gebieten gewesen und waren ohne Benachrichtigung ihrer Familienangehörigen inhaftiert worden. Sie galten als besonders gefährlich und sollten nicht in einem Außenlager eingesetzt werden. Dieser Fehler wurde dann korrigiert. Ehe die Überlebenden dieses Kommandos am Karsamstag die Rückreise antraten, mussten sie noch miterleben, wie sechs ihrer Kameraden in Treis durch die SS hingerichtet wurden, nachdem diese zu fliehen versucht hatten. Ein belgischer Gefangener schilderte später die Morde so:

Am Karfreitag wohnten wir einer Kreuzigung bei. Zwei Häftlinge wurden mit den Armen am Ast eines Lindenbaumes aufgehängt. Wir standen stundenlang, ihrem Todeskampf zuzuschauen. An den Armen aufgehängt zu werden, ist schrecklich. Ich verstand meinen Gottesdienst jetzt besser denn je. Es drang mir wie ein glühender Pfriem quer durchs Herz. Hier wurde Christus ein weiteres Mal gekreuzigt. Sie hingen dort stundenlang in schrecklichen Schmerzen. Als sie steif geworden waren und sich kaum noch bewegen konnten, zuckte einer der beiden wild auf und aus seiner Kehle kam das halberstickte Geröc
hel: „Ich habe Durst“. Vor meinen Augen vollzog sich das ganze gewaltige Drama, das der Evangelist Markus kurz und markig so beschreibt: „Und dann brachte man ihn auf eine Anhöhe und dann wurde er gekreuzigt und dann rief er: ‚Ich dürste’ und dann kam jemand herbeigelaufen mit einem Schwamm und etwas Essig drauf, um ihn zu laben, und dann stieß er einen Schrei aus, und dann war er tot.“ So spielte sich das ab, rudimentär, ohne Umstände. Ein Soldat zog seinen Revolver und schoss beide tot. Das sind die Dinge, die stets wieder bei mir zum Vorschein kommen, wenn ich die Deutschen so romantisch vom „Lindenbaum“ singen höre.

Für die nach Natzweiler zurückbeorderten NN-Häftlinge trafen 700 polnische und russische Häftlinge aus dem Konzentrationslager Majdanek bei Lublin ein. Noch im selben Monat flohen aus dem Lager Bruttig wiederum zahlreiche Häftlinge. Die meisten von ihnen wurden von den SS-Leuten wieder gefangen genommen oder zum Teil bestialisch erschlagen. 13 Gefangene wurden in Bruttig und Treis erhängt. Insgesamt waren ca. 2.000 Häftlinge in dem KZ Außenlager Cochem mit seinen beiden Lagern in Bruttig und Treis. Mitte September 1944 wurde das Lager vor den näher rückenden Westalliierten aufgelöst. Die Häftlinge verschleppte man in Lager im Harz.
 


 

Weiterführende Hinweise:

Literatur:
Ernst Heimes:

  • Das Außenlager des KZ Natzweiler in Cochem/Mosel mit seinen Lagern in Bruttig und Treis, in: Hans-Georg Meyer/Hans Berkessel (Hg.): Die Zeit des Nationalsozialismus in Rheinland-Pfalz. Band 2 „Für die Außenwelt seid Ihr tot!“. Mainz 2000, S. 268 – 275


Ernst Heimes:

  • Ich habe immer nur den Zaun gesehen. Suche nach dem KZ Außenlager Cochem, Koblenz, 4. Aufl., 1999.

Für Interessierte ist die Darstellung des KZ-Außenlagers Cochem auf der Homepage der Buchhandlung Heimes sehr empfehlenswert: http://www.buchhandlung- heimes.de/KZ.htm