Die Anstalt in Andernach war wie die in Scheuern eine „Zwischenanstalt“ im Rahmen des „Euthanasie-Programms der Nazis. Auch von hier aus wurden psychisch kranke und andere Menschen in den Tod geschickt. Der Ablauf der Morde war der gleiche wie in anderen „Zwischenanstalten“, etwa auch in Scheuern. Zunächst, bis zum 25. Juli 1941, wurden die „Ursprungskranken“ aus der Andernacher Anstalt entfernt. Es gab insgesamt sieben Transporte mit ca. 470 Patienten. Bis auf drei wurden alle in der Gaskammer von Hadamar ermordet. Daraufhin kamen zwischen dem 9. Mai und dem 11. Juli 1941 aus anderen Anstalten insgesamt 517 Menschen nach Andernach. 449 von ihnen – einige wurden entlassen oder verstarben – verschleppte man zwischen dem 18. Juni und dem 15. August 1941 in fünf Transporten in die Tötungsanstalt in Hadamar. Dort wurden sie unmittelbar nach der Ankunft in der Gaskammer im Keller ermordet und dann verbrannt. Ein einziger Patient entging der Tötung: Seine Mutter hatte darauf hingewiesen, dass ihr Sohn ein „glühender Antisemit“ sei. Nach dem Stopp der Anstaltsmorde im August 1941 setzte man auch hier nach einiger Zeit die Tötungen fort (so genannte wilde Euthanasie). Die Tötungen erfolgten durch eine systematische Überdosierung von Medikamenten und durch Verhungern lassen. Diese Morde sind im Einzelnen als solche natürlich schwer nachweisbar. Teilweise anders ist es mit den „Ostverlegungen“, eine Eigentümlichkeit der Andernacher Anstalt: Mit insgesamt 18 Transporten in den Jahren 1943 und 1944 wurden etwa 600 Patienten in den Osten, etwa nach Tworki bei Warschau, nach Lüben in Schlesien und nach Meseritz/Obrawalde, verschleppt. Unter den katastrophalen Verhältnissen dort hat kaum einer überlebt. Insgesamt ist davon auszugehen, dass mindestens 1.500 Menschen über die Anstalt in Andernach im Rahmen der NS-„Euthanasie“ ermordet wurden.
Die Landesnervenklinik Andernach – die heutige Rhein-Mosel-Fachklinik – tut sich schwer mit dem Erinnern an diese Opfer der NS- „Euthanasie“. Den Opfern ist lediglich auf dem Gelände einer evangelischen Kirchengemeinde im Stadtzentrum ein „Spiegelcontainer“ gewidmet.
 

Weiterführende Literatur:

Historischer Verein Andernach (Hg.):
Der Andernacher Spiegelcontainer. Mahnmal für die Opfer der nationalsozialistischen Euthanasie in der ehemaligen Rheinprovinz. Andernach 1998.
 
 
 
 


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